[imc-presse] [attac-d-presse] Palantir: 125 europäische Organisationen fordern Ende von Zusammenarbeit
Pressestelle Attac Deutschland
presse at attac.de
Tue Sep 29 11:27:46 CEST 2026
Gemeinsame Pressemitteilung
Frankfurt am Main, 29. September 2026
*
*
*Palantir raus aus unseren öffentlichen Diensten!*
/125 Organisationen und Gewerkschaften aus 30 Ländern fordern
ihre Regierungen und die EU-Kommission auf, alle Verträge mit
dem US-Überwachungskonzern zu kündigen. Aus Deutschland
unterzeichnen Attac, Verdi, die Digitale Gesellschaft und die
Deutsche Vereinigung für Datenschutz/
Ein breites europäisches Bündnis verlangt, dass Staaten und
EU-Institutionen ihre Zusammenarbeit mit Palantir Technologies beenden.
In einem offenen Brief fordern 125 Organisationen, darunter das
Europäische Attac-Netzwerk, der Europäische Gewerkschaftsverband für den
öffentlichen Dienst (EPSU), der Europäische Gewerkschaftsbund, Corporate
Europe Observatory und Global Justice Now, alle Verträge im öffentlichen
Sektor zu kündigen und den Konzern dauerhaft von öffentlichen Aufträgen
auszuschließen. Palantir sei ein Unternehmen, dem man „unmöglich
vertrauen“ könne, und eine Gefahr für Demokratie, Bürgerrechte und
öffentliches Vermögen.
Hugo Braun von Attac Deutschland sagt dazu: /„Palantir unterstützt
Menschenrechtsverletzungen, und seine Führung zeigt offen Verachtung für
die Demokratie. Dennoch durfte dieser Konzern seine zweifelhaften
Technologien quer durch unsere öffentlichen Dienste verankern, erhält
Zugriff auf sensible Daten und schafft stetig neue technische
Abhängigkeiten. Wir müssen mit anderen Ländern zusammenarbeiten, um uns
unabhängig von solch demokratiefeindlichen Unternehmen zu machen und
aufhören, öffentliche Aufgaben an eine gefährliche Klasse von
Big-Tech-Oligarchen auszulagern.“
/*/
Werkzeuge für Menschenrechtsverletzungen /*
Palantir entwickelt Software zur massenhaften Auswertung von Daten, die
Regierungen weltweit für Überwachung und KI-gestützte Kriegführung
einsetzen. In den USA liefert der Konzern der Einwanderungsbehörde ICE
die Werkzeuge, mit denen sie Migrant*innen aufspürt und dafür Beiträge
in sozialen Netzwerken, Standortverläufe und Gesundheitsdaten
durchforstet. In Los Angeles und New Orleans unterstützte Palantir das
umstrittene „Predictive Policing“, das bestehende Vorurteile in der
Polizeiarbeit automatisiert und verstärkt. Die israelische Armee nutzt
Palantir-Technologie, die Zusammenarbeit wurde 2024 noch ausgeweitet.
Der Konzernchef bekennt sich öffentlich dazu, während Israel sich vor
dem Internationalen Gerichtshof gegen den Vorwurf des Völkermords
verantworten muss.
/*Verfassungswidrige Datenanalysen bei deutscher Polizei */
Auch in Deutschland ist Palantir tief in die Sicherheitsbehörden
eingedrungen. Die Polizei in Hessen, Nordrhein-Westfalen und Bayern
arbeitet mit Analyseplattformen auf Palantir-Basis. Das
Bundesverfassungsgericht hat im Februar 2023 die Rechtsgrundlagen für
diese automatisierte Datenanalyse in Hessen und Hamburg in Teilen für
verfassungswidrig erklärt. An der Abhängigkeit hat das bisher wenig
geändert.
/*Aderlass für öffentliches Vermögen*/
Palantir streicht lukrative, mit Steuergeld finanzierte Aufträge ein und
nutzt zugleich Schlupflöcher, um in einigen europäischen Ländern extrem
niedrige Steuern zu zahlen. Das Bündnis nennt den Konzern deshalb einen
„Aderlass für das öffentliche Vermögen“. Schwerer noch wiegt die
politische Abhängigkeit: Wer zentrale Dienste einem einzigen Anbieter
überlässt, liefert sensible Daten, öffentliche Infrastruktur und
staatliche Entscheidungsprozesse einer Klasse von Tech-Milliardären aus,
deren Einfluss auf das öffentliche Leben schon heute beispiellos ist.
Palantir-Mitgründer und Aufsichtsratschef Peter Thiel vertritt
öffentlich, dass Freiheit und Demokratie nicht miteinander vereinbar
seien. Die Nähe des Konzerns zur Trump-Regierung, die wirtschaftliche
Abhängigkeiten offen als Druckmittel einsetzt, macht diese Bindung nach
Auffassung der Unterzeichnenden erst recht unverantwortlich.
/*Schweiz und Spanien bleiben standhaft*/
Dass es anders geht, zeigen andere Länder. Die Schweiz hat Angebote von
Palantir mindestens neunmal abgelehnt, Spanien hat seinen
Staatsunternehmen neue Verträge mit dem Konzern untersagt, die
Niederlande und Dänemark suchen nach Wegen aus der Abhängigkeit.
/*Finanzbranche stockt Palantir-Beteiligungen auf*/
Gleichzeitig steigt Europas Finanzbranche immer tiefer ein: Mehr als
hundert der größten Banken, Vermögensverwalter, Versicherer und
Pensionsfonds des Kontinents haben ihre Beteiligungen an Palantir im
Jahr 2025 um fast 70 Prozent aufgestockt, auf einen Wert von mindestens
27 Milliarden US-Dollar.
/*Die Forderungen*/
Das Bündnis verlangt von Europas Regierungen und öffentlichen
Institutionen, Verträge mit Palantir zu kündigen und den Konzern
dauerhaft von öffentlichen Aufträgen auszuschließen. An seine Stelle
sollen gemeinwohlorientierte Datenlösungen treten, vorrangig auf
Open-Source-Basis, verbunden mit transparenten Verfahren, die die
Menschen vor Massenüberwachung schützen. Staaten sollen internationale
Allianzen gegen die Vereinnahmung durch Konzerne wie Palantir schmieden
und alternative Technologien gemeinsam entwickeln und teilen. Europas
öffentliche Finanzinstitutionen müssen zudem ihre Beteiligungen an
Palantir abstoßen.
*Offener Brief und Liste der Unterzeichnenden (Englisch)*:
https://www.globaljustice.org.uk/wp-content/uploads/2026/09/LETTER_SIGNATORIES.pdf
*Für Rückfragen und Interviews:*
• Hugo Braun, Attac Deutschland, Vertreter im Europäischen
Attac-Netzwerk, +49 171 5422 515, hugo.braun at attac.de
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