[imc-presse] PM: Neue Spannungen in Rojava nach Ermordung von Sîpan Xiznî
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Mon Sep 14 13:00:27 CEST 2026
Neue Spannungen in Rojava nach Ermordung von Sîpan Xiznî und weiteren Todesfällen in Kobanê
Pressemitteilung von Civaka Azad - Kurdisches Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit e.V., 14.09.2026
Die Ermordung des kurdischen Soldaten Sîpan Xiznî und der Tod von neun Menschen in einem Gefängnis in Kobanê haben in den vergangenen Tagen zu schweren Spannungen in Nord- und Ostsyrien geführt. Die Ereignisse werfen zugleich grundlegende Fragen über den weiteren Integrationsprozess zwischen den kurdischen Gebieten und der neuen syrischen Staatsordnung auf.
Der 26-jährige Sîpan Xiznî war Angehöriger der Hesekê-Brigade der syrischen Armee. Zuvor hatte er in den Demokratischen Kräften Syriens (SDF) unter anderem gegen den sogenannten „Islamischen Staat“ gekämpft. Nach der Integration der bisherigen SDF-Strukturen in die syrischen Streitkräfte war Xiznî in die neu gebildete Hesekê-Brigade übernommen worden.
In der vergangenen Woche wurde Xiznî in der Region Hesekê von Bewaffneten entführt und anschließend getötet. Aufnahmen seiner Ermordung verbreiteten sich in den sozialen Medien und lösten in zahlreichen Städten Nord- und Ostsyriens Proteste aus. Nach der Tat erklärte der stellvertretende syrische Verteidigungsminister Sîpan Hemo, die Ermittlungen liefen und mehrere Tatverdächtige seien festgenommen worden. Alle Verantwortlichen müssten vor Gericht gestellt werden. Gleichzeitig mahnte er, Aufrufen zu Gewalt und einer Eskalation zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen nicht zu folgen.
Neun Tote nach Protesten in Kobanê
Auch in Kobanê gingen Menschen wegen der Ermordung Xiznîs auf die Straße.Die Proteste richteten sich gegen die Tat und forderten eine umfassende Aufklärung. Im Zuge der zunehmenden Spannungen wurden zusätzliche Sicherheitskräfte nach Kobanê entsandt und mehrere Demonstrierende festgenommen.
In der Nacht zum 12. September kam es anschließend zu einem Brand im Gefängnis von Kobanê. Nach übereinstimmenden Medienberichten starben mindestens neun Gefangene, zahlreiche weitere Menschen wurden verletzt.
Über den genauen Ablauf der Ereignisse bestehen bislang unterschiedliche Darstellungen. Ungeklärt bleibt, unter welchen Umständen das Feuer ausbrach und wie es zu den Todesfällen und Verletzungen kommen konnte. Berichten zufolge eskalierte die Situation, nachdem Gefangene von einer geplanten Verlegung nach Aleppo erfahren hatten. Das syrische Innenministerium kündigte eine Untersuchung an. Auch kurdische Parteien in Syrien forderten eine unabhängige und transparente Aufklärung der Todesfälle sowie die strafrechtliche Verfolgung möglicher Verantwortlicher.
Die ohnehin bestehenden Spannungen haben sich dadurch verschärft und stellen somit eine Belastungsprobe für den laufenden Integrationsprozess dar. Nach den Ereignissen reiste Mazlum Abdi nach Kobanê und traf dort Vertreter der lokalen Verwaltung sowie Sicherheits- und Militärverantwortliche. Zugleich zogen sich aus Damaskus und Aleppo entsandte Sicherheitskräfte Berichten zufolge aus dem unmittelbaren Stadtzentrum zurück.
Integrationsprozess befindet sich in einer entscheidenden Phase
Die Ereignisse treffen Nord- und Ostsyrien in einer politisch besonders sensiblen Phase. Ende August hatten die SDF ihre Tätigkeit als eigenständige militärische Struktur offiziell beendet. Vorausgegangen war ein mehrmonatiger Prozess zur Eingliederung militärischer, sicherheitspolitischer und administrativer Strukturen Nord- und Ostsyriens in die Institutionen des neuen syrischen Staates.
Damit rücken zunehmend die politischen und verfassungsrechtlichen Fragen in den Mittelpunkt, darunter u.a. die zukünftige Stellung der Kurd:innen in Syrien, der Schutz lokaler Verwaltungsstrukturen, die Anerkennung der kurdischen Sprache und Bildung sowie verbindliche Garantien für politische und gesellschaftliche Rechte.
Mazlum Abdi betonte Anfang September in einem Interview mit The Amargi, dass diese Fragen im politischen Dialog mit Damaskus geklärt und die Rechte der Kurd:innen in der zukünftigen syrischen Verfassung abgesichert werden müssten.
Die Ermordung Sîpan Xiznîs und die Ereignisse in Kobanê verdeutlichen, wie fragil dieser Prozess weiterhin ist. Sie werfen insbesondere die Frage auf, ob die neuen staatlichen Institutionen Sicherheit und Rechtsstaatlichkeit gewährleisten und bestehende Konflikte politisch lösen können.
„Die Rechte der Kurd:innen müssen verfassungsrechtlich garantiert werden“
Auch in Deutschland werden die Entwicklungen aufmerksam verfolgt. Kerem Gök, Ko-Vorsitzender der Konföderation der Gemeinschaften Kurdistans in Deutschland (KON-MED), erklärt:
„Die Übergangsregierung in Damaskus ist auf internationale Anerkennung, politische Zusammenarbeit und wirtschaftliche Unterstützung angewiesen. Genau diesen Einfluss müssen Deutschland und die EU nutzen. Unterstützung für Damaskus muss daran gebunden werden, dass die Rechte der Kurd:innen und aller anderen gesellschaftlichen Gruppen verfassungsrechtlich garantiert, demokratische Strukturen respektiert und Verantwortliche für Gewalt zur Rechenschaft gezogen werden.“
Für den weiteren politischen Prozess ist es entscheidend, ob sich aus der militärischen Integration ein demokratisches und pluralistisches Syrien entwickelt.
Mit freundlichen Grüßen
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