[imc-presse] PM: Empfang von Ahmed al-Sharaa in Berlin trotz Berichten über Sammelgrab mit mehr als 270 Toten
Civaka Azad
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Mon Mar 30 08:39:50 CEST 2026
*Empfang von al-Sharaa trotz Berichten über Sammelgrab mit mehr als 270
Toten *
/Pressemitteilung von Civaka Azad – Kurdisches Zentrum für
Öffentlichkeitsarbeit, 30. März 2026/
Während der selbsternannte syrische Übergangspräsident Ahmed al-Sharaa
heute im Bundeskanzleramt empfangen werden soll, erschüttern neue
Berichte aus Syrien die Öffentlichkeit. Im Fokus steht der Hinweis auf
ein Sammelgrab mit mehr als 270 Leichen in der Naqqarin-Region östlich
von Aleppo, nur rund zehn Kilometer von den kurdischen Vierteln Eşrefiyê
und Şêxmeqsûd entfernt.
Die Informationen, die in der heutigen Ausgabe von Yeni Özgür Politika
veröffentlicht wurden, dokumentieren, dass das Sammelgrab im
Zusammenhang mit den Angriffen vom 6. Januar auf die kurdischen Viertel
in Aleppo stehen könnte. Zugleich bleibt das Schicksal zahlreicher
verschleppter und verschwundener Menschen ungeklärt. Zudem wird von
Erpressung und Lösegeldforderungen gegenüber Angehörigen berichtet. Auch
der Versuch, Leichen nur gegen Geld an Familien herauszugeben, soll
stattgefunden haben.
Unter diesen Umständen ist es fatal, dass ein Politiker wie Ahmed
al-Sharaa in Berlin empfangen wird. Statt Aufklärung, Gerechtigkeit und
Konsequenzen in den Mittelpunkt zu stellen, droht der Besuch zur
politischen Aufwertung eines Akteurs beizutragen, unter dessen Kommando
schwerste Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung stattfinden.
Dazu erklärt Mako Qocgiri, Mitarbeiter von Civaka Azad:
„Solange Hinweise auf ein Sammelgrab mit mehr als 270 Toten im Raum
stehen und gleichzeitig weiterhin Menschen verschwinden, darf es keine
politische Normalisierung geben.
Dass Ahmed al-Sharaa in einer solchen Situation im Bundeskanzleramt
empfangen wird, ist ein Skandal. Wer einen solchen Besuch organisiert,
sendet die Botschaft, dass selbst Vorwürfe schwerster
Menschenrechtsverletzungen kein Hindernis für diplomatische Aufwertung
sind.“
Weiter erklärt Qocgiri: „Gerade jetzt braucht es keine Bilder der
Legitimation, sondern internationalen Druck, eine unabhängige
Untersuchung und vollständige Aufklärung. Die Bundesregierung muss sich
dazu verhalten, wie sie einen solchen Empfang rechtfertigt, während
Berichte über Massaker, Verschleppungen und ein mutmaßliches Sammelgrab
im Raum stehen.“
Notwendig ist jetzt eine unabhängige internationale Untersuchung der
Berichte über die Verschleppten, Ermordeten und das mutmaßliche
Sammelgrab. Die Vorwürfe müssen unter Beteiligung internationaler
Mechanismen lückenlos aufgeklärt werden.
Das Verschwinden der Journalist:innen Eva Maria Michelmann und Ahmed
Polad macht ebenfalls deutlich, wie problematisch der Besuch von Ahmed
al-Sharaa in Berlin ist. Die Journalistin und Sozialarbeiterin aus Köln
sowie ihr kurdischer Pressekollege wurden zuletzt am 18. Januar in Raqqa
gesehen, wo sie über die Offensive der selbsternannten syrischen
Übergangsregierung gegen die Selbstverwaltung berichteten. Nach
Zeug:innenaussagen wurden sie von Truppen der sog. syrischen
Übergangsregierung festgesetzt und in ein Militärfahrzeug gebracht.
Seitdem fehlt von beiden jede Spur. Dass ihr Schicksal bis heute
ungeklärt ist, steht exemplarisch für die Gewalt, das Verschwindenlassen
und die Straflosigkeit, die nicht mit diplomatischer Aufwertung
beantwortet werden dürfen.
Für weitere Informationen und Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Sejal Kapila
--
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