[imc-presse] [attac-d-presse] Pressezitat: Statt Aktienrente: Umlagefinanzierte Rente konsequent stärken

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Tue Jun 23 08:14:03 CEST 2026


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Pressemitteilung
Attac Deutschland
Frankfurt am Main, 23. Juni 2026


      Statt Aktienrente: Umlagefinanzierte Rente konsequent stärken


        Kürzungen unnötig / Einbeziehen aller Einkommen samt
        Kapitalerträgen reicht

Attac Deutschland lehnt die Vorschläge der Rentenkommission, die am 
heutigen Dienstag offiziell vorgestellt werden sollen, ab. Das Netzwerk 
fordert, die umlagefinanzierte Rente zu stärken und konsequent alle 
Einkommen – auch Kapitalerträge – zu ihrer Finanzierung heranzuziehen.

Joachim Braun, Rentenexperte von Attac, sagt:

/„Die umlagefinanzierte Rente hat sich bewährt. Es gilt, sie zu stärken, 
nicht sie zu demontieren. Statt die Finanzmärkte durch eine Aktienrente 
weiter aufzublähen, müssen endlich alle Einkommen konsequent in die 
gesetzliche Rente einbezogen werden. Dazu gehören selbstverständlich 
auch Kapitaleinkommen. Dahinter bleiben die Vorschläge der Kommission 
weit zurück: Beamt*innen sollen erst irgendwann dazu, gutverdienende 
Freiberufler*innen wie Ärzt*innen und Rechtsanwält*innen bleiben weiter 
außen vor, und von Kapitalerträgen spricht die Kommission nicht mal. Das 
ist Murks.“/

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*Hintergrund: *

Die Vorschläge der Kommission zur Reform der Rente beruhen auf einer 
falschen Dramatisierung der Finanzlage der Deutschen Rentenversicherung 
(DRV). Die Finanzlage der DRV ist stabil, was sich daran zeigt, dass der 
Rentenbeitragssatz seit 2007 nicht mehr erhöht werden musste und 2018 
sogar auf 18,6 Prozent gesenkt werden konnte. Seitdem blieb er stabil.

Dies war möglich, da einerseits in den letzten Jahrzehnten schon 
erhebliche Sparleistungen bei der Rente umgesetzt wurden (zum Beispiel 
durch die Anhebung des Renteneintrittsalters, die Absenkung des 
Rentenniveaus und den Wegfall von Anrechnungszeiten). Die demographische 
„Lücke“, die dadurch entsteht, dass mehr Menschen von der Arbeit in die 
Rente wechseln als von der Schule ins Erwerbsleben, konnte bisher durch 
Zuwanderung mehr als ausgeglichen werden; die Zahl der 
sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stieg in den letzten 15 
Jahren stärker als die Zahl der Altersrente Beziehenden, sodass sich das 
Verhältnis Rentenbeziehende zu Beitragszahlenden sogar etwas zugunsten 
der Beitragszahlenden entspannt hat.

/Zuwanderung schließt demographische Lücke/

In den nächsten zehn bis 15 Jahren wird die „demographische Lücke“ auf 
zirka 400.000 Erwerbspersonen pro Jahr geschätzt. Diese Lücke ließe sich 
mit weiterer Zuwanderung wie bisher zum großen Teil schließen; Kürzungen 
an der Rente würden somit weitgehend überflüssig. Auch Maßnahmen, die 
aus verschiedenen Gründen ohnehin geboten sind, könnten die Finanzlage 
der DRV stärken, etwa verlässlichere Kitas, die Eltern eine 
Berufstätigkeit erleichtern würden, oder Maßnahmen zur Reduzierung der 
abschlusslosen Schulabgänger*innen (derzeit etwa. 60.000 pro Jahr). Auch 
die Eingliederung von Beamt*innen und Selbstständigen in die 
Rentenversicherung wie in Österreich sowie die Verbeitragung aller 
Einkommen wie in der Schweiz, wo nicht nur Erwerbslöhne, sondern auch 
Kapitaleinkommen zu Finanzierung der Rente herangezogen werden, wären 
sinnvolle Maßnahmen zur Stärkung der gesetzlichen Rente.
/
Anteil des Bundeszuschusses am Haushalt gesunken/

Neben der Demographie wird auch ein angeblich steigender und zunehmend 
überfordernder Bundeszuschuss zur Begründung von Sparmaßnahmen bei der 
Rente angeführt. Die Faktenlage ist jedoch anders: Nominal steigt der 
Bundesbeitrag zur Rente zwar, aber der Anteil dieser Zahlungen am 
gesamten Bundeshaushalt ist sogar leicht gesunken. Ähnlich wie bei der 
Krankenversicherung übernimmt der Bund auch nicht alle 
versicherungsfremden Leistungen der DRV, sodass in Wirklichkeit die 
Rentenbeitragszahlenden faktisch den Bundeshaushalt entlasten, nicht 
belasten. Eine volle Übernahme der versicherungsfremden Leistungen durch 
den Bund würde sogar eine Absenkung des Rentenbeitrages erlauben, trotz 
„Demographielücke“.

/Lebenserwartung ist seit 2018 kaum gestiegen
/
Eine Anhebung des Renteneintrittsalters ist nicht gerechtfertigt. Die 
Lebenserwartung der Menschen in Deutschland ist seit 2018 kaum noch 
gestiegen. Die bereits erfolgte Anhebung des Renteneintrittsalters hat 
dazu geführt, dass zusammen mit der kaum noch steigenden Lebenserwartung 
auch die Rentenbezugsdauer zuletzt nicht mehr zunahm.

Viele Menschen haben im Alter nur die gesetzliche Rente. Attac 
Deutschland plädiert deshalb dafür, die bewährte umlagefinanzierte Rente 
zu stärken. Sie sollte auch in Zukunft ein wohlstandssicherndes Niveau 
haben. Eine weitere Absenkung des Rentenniveaus würde zu steigender 
Altersarmut und zusätzlicher Belastung der Sozialbudgets der Kommunen 
führen. Eine weitere Absenkung des Rentenniveaus nach 2031 würde das 
Vertrauen in den Sozialstaat weiter mindern und die Demokratie schwächen.

/Kapitaldeckung scheitert gerade wieder einmal /

Eine stärkere Kapitaldeckung ist nicht zielführend. Es gibt keinen 
vernünftigen Grund, die Kapitalmärkte weiter anzuheizen. Die 
Riesterrente, bei der ein Kapitaldeckungsversuch privatwirtschaftlich 
organisiert wurde, darf als gescheitert gelten. Und auch eine 
Kapitaldeckung ändert nichts daran, dass es die künftige Generation ist, 
die die Auszahlungsleistung später erbringen muss. Die Transfers werden 
nur anderes organisiert.

Dazu kommt das hohe Risiko: Die Befürworter*innen kapitalgedeckter 
Renten hoffen auf hohe Renditen am Aktienmarkt, sodass spätere 
Aktienkäufer*innen die Renten finanzieren, weil sie die angesparten und 
in ihrem Wert gestiegenen Aktien kaufen in der Hoffnung auf noch weiter 
steigende Aktienkurse. Es ist aber äußerst ungewiss, ob der Aktienboom 
immer so weitergeht. Die Kurssteigerungen der vergangenen drei 
Jahrzehnte gehen zu großen Teilen auf Globalisierungsgewinne zurück, die 
durch die Trumpsche Zollpolitik infrage stehen, und auf 
Unternehmenssteuersenkungen, die ausgereizt sind. Das Risiko, dass die 
Rechnung der Kapitaldeckung nicht aufgeht, ist also groß. Davon zeugen 
gegenwärtig die Finanzprobleme der berufsständischen Versorgungswerke, 
die in Zeiten der früheren Niedrigzinsphase riskante Finanzwetten 
eingegangen sind, die jetzt scheitern. Das schließt sich an die 
bisherigen Versuche der Kapitaldeckung an, die in den Krisen von 1923, 
1929 und 1945 – also allein im vergangenen Jahrhundert dreimal – 
gescheitert sind.

/Umlageverfahren dagegen hat sich bewährt/

So konnte die Integration der Menschen in den neuen Bundesländern in die 
gesetzliche Rente ohne größere Probleme erfolgen. Ein kapitalgedecktes 
System wäre daran gescheitert.

Unsere aufgesplitterterten Versorgungssysteme aus dem vorletzten 
Jahrhundert entsprechen aber nicht mehr den gegenwärtigen Anforderungen. 
Notwendig ist die Einbeziehung auch der Beamt*innen und Selbstständigen 
in das System und die Beitragsleistung aus allen Einkommen – also auch 
aus Kapitalerträgen.

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*Für Rückfragen: *

  * Joachim Braun, Autor Attac-Basistext „Rente statt Rendite“, +49 160
    8516 752 oder +49 211 7888 896

  * Julia Elwing, Koordinierungskreis Attac Deutschland, +49 179 9115 136

  * Alfred Eibl, Rat Attac Deutschland, +49 160 9078 0266


*Weitere Informationen:* www.attac-netzwerk.de/ag-soziale-sicherungssysteme

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