[imc-presse] PM Trotz angekündigter Waffenruhe: Angriffe in Nord- und Ostsyrien halten an - Sorge um Eskalation und Folgen bis in die Diaspora
Civaka Azad
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Wed Jan 21 12:32:43 CET 2026
*Trotz angekündigter Waffenruhe: Angriffe in Nord- und Ostsyrien halten an
Sorge um Eskalation und Folgen bis in die Diaspora*
/Pressemitteilung von Civaka Azad – Kurdisches Zentrum für
Öffentlichkeitsarbeit, 21.01.2026/
Trotz einer öffentlich bekannt gemachten Waffenruhe zwischen den
Demokratischen Kräften Syriens (SDF) und der sogenannten syrischen
Übergangsregierung dauern Angriffe auf die Autonomiegebiete in Nord- und
Ostsyrien unvermindert an. Zeitgleich wächst die Sorge vor einer
weiteren Eskalation, schweren Menschenrechtsverbrechen und
sicherheitspolitischen Risiken. Auch in Deutschland kommt es zu breiter
Mobilisierung – und zu einem schweren Gewaltvorfall nach einer
Solidaritätsdemonstration.
*Qamişlo: Koordinierte Angriffe, Fokus auf Angriff nahe der Herz- und
Augenklinik*
In der nordostsyrischen Stadt Qamişlo kam es am späten Dienstagabend zu
mehreren Explosionen. Nach Angaben der Inneren Sicherheitskräfte
(Asayîş) wurden das Viertel Meyselûn sowie das angrenzende
Industriegebiet zweimal von mutmaßlich türkischen Drohnen bombardiert.
Nahe der Herz- und Augenklinik detonierte zudem ein mit Sprengstoff
beladenes Motorrad im Parkhaus der Klinik, die vom Kurdischen Roten
Halbmond betrieben wird. Erste Berichte sprechen von keinen Verletzten,
jedoch erheblichem Sachschaden. Die SDF bewerten die Vorfälle als
koordinierte Angriffe und machen den türkischen Staat sowie mit ihm
kooperierende Milizen der sogenannten syrischen Armee verantwortlich.
*Waffenruhe ohne Wirkung: Angriffe und Gefechte gehen in mehreren
Regionen weiter*
Obwohl am Dienstag eine Waffenruhe zwischen SDF und der von der Türkei
unterstützten syrischen Übergangsregierung verkündet wurde, halten
Angriffe auf die Autonomiegebiete in Rojava an. In Zirgan (Abu Rasen)
schlugen über längere Zeit schwere Artilleriegeschosse ein, während
türkische Drohnen über der Stadt kreisten. Ein weiterer Schwerpunkt ist
das Gefängnis von al-Aqtan nördlich von Raqqa, in dem IS-Angehörige
inhaftiert sind: Das Gelände wurde mit fünf Selbstmorddrohnen
angegriffen und gleichzeitig mit schweren Waffen beschossen; über die
Sicherheitslage in der Haftanstalt lagen zum Zeitpunkt der Berichte
keine verlässlichen Informationen vor. Zusätzlich meldeten die SDF
Angriffe auf das Dorf Tall Baroud im Umland von Hesekê sowie intensive
Gefechte im Raum Kobanê. Nahe Sirîn wurde zudem ein Konvoi aus
HTS-Mitgliedern und pro-türkischen Milizen, der offenbar in Richtung
Kobanê unterwegs war, beschossen; mehrere Fahrzeuge sollen zerstört oder
beschädigt worden sein.
*Türkisch besetztes Efrîn: Berichte über Massaker an kurdischer
Zivilbevölkerung*
Im türkisch besetzten Efrîn (Afrin) im Nordwesten Rojavas verüben
Milizen, die mit der türkischen Armee kooperieren und mit der
sogenannten syrischen Übergangsregierung in Verbindung stehen, laut der
Menschenrechtsorganisation „Rêxistina Mafên Mirovan li Efrînê-Sûriye“
(RMME) seit zwei Tagen Massaker an der kurdischen Zivilbevölkerung. Die
RMME führt als Hintergrund an, dass die Übergriffe aufgrund der
„Identität und nationalen Zugehörigkeit“ der Opfer erfolgten. Wegen der
extremen Brutalität veröffentliche man vorhandene Bilddokumentationen
nicht. Als namentlich benanntes Opfer nennt die Organisation Henan
Mihemed Qîşo aus dem Dorf Xelil (Bezirk Şiyê), der demnach am Montag auf
dem Rückweg von Tabqa nach Efrîn ermordet worden sei.
*Proteste in Deutschland: Tausende auf den Straßen – weitere
Kundgebungen und Demos angekündigt*
Nach Angaben des kurdischen Dachverbands KON-MED (Konföderation der
Gemeinschaften Kurdistans) sind gestern tausende Menschen bundesweit auf
die Straße gegangen. Für heute wurden folgende Proteste bislang angekündigt:
* Berlin: 14:00–18:00 Brandenburger Tor (Kundgebung)
* Berlin: 18:00 Brandenburger Tor (Demo)
* Bremen: 17:00 Hauptbahnhof (Demo)
* Dresden: 17:00 Hauptbahnhof
* Freiburg: 18:00 Platz der Alten Synagoge (Demo)
* Halle: 19:00 Marktplatz (Demo)
* Hamburg: 18:00 Hachmannplatz (Demonstration)
* Hannover: 17:00 Hauptbahnhof (Demo)
* Kassel: 17:00 Königsplatz (Kundgebung)
* Köln: 18:00 Hauptbahnhof (Demo)
* München: 15:00 US-Konsulat (Kundgebung)
* Münster: 18:00 Hauptbahnhof (Demo)
* Ravensburg: 19:00 Bahnhof (Kundgebung)
* Saarbrücken: 17:00 Europagalerie (Mahnwache + Demo)
* Salzgitter: 17:00 Rathaus (Kundgebung)
*Hannover: Messerangriff nach Demonstration – Forderung nach
konsequenter Aufklärung*
In Hannover wurde am Dienstag, den 20.01., gegen ca. 22:15 Uhr ein
21-jähriger kurdischer Jugendlicher aus Kobanê in der Innenstadt
(Bereich Kröpcke, vor einem EDEKA-Markt) Opfer eines schweren
Messerangriffs – kurz nach dem Ende einer Solidaritätsdemonstration für
Nord- und Ostsyrien. Zeug:innen zufolge kam es auf dem Heimweg zu einer
Auseinandersetzung mit zwei jungen Männern; eine vom Betroffenen
getragene Fahne der YPG soll Auslöser für Beschimpfungen gewesen sein.
Im weiteren Verlauf wurde der junge Mann mit einem Küchenmesser in die
Brust gestochen, nahe dem Herzen. Er wurde medizinisch versorgt, die
Verletzung genäht und befindet sich außer Lebensgefahr.
*Angebot für Medien: Interviews, Hintergrundgespräche und Unterstützung
bei Recherchen in Rojava*
Wir können kurzfristig Interviews und Hintergrundgespräche mit
Ansprechpartner:innen aus Nord- und Ostsyrien (Rojava) vermitteln.
Journalist:innen, die an Recherchen vor Ort interessiert sind und
kurzfristig in die Region reisen möchten, können sich ebenfalls an uns
wenden – wir unterstützen bei der Kontaktanbahnung und der Organisation
geeigneter Gesprächspartner:innen.
Für weitere Informationen und Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Mako Qocgiri
--
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/Für die Finanzierung unserer Öffentlichkeitsarbeit sind wir auf Spenden
angewiesen.
Alle Spenden werden zu 100% für die geförderten Projekte und
Öffentlichkeitsarbeit aufgewendet. Im Verein arbeiten alle ehrenamtlich. /
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