[imc-presse] PM: Rahmengesetz leitet neue Phase im Prozess für Frieden und eine demokratische Gesellschaft in der Türkei ein
Civaka Azad
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Thu Aug 6 08:56:39 CEST 2026
*Rahmengesetz leitet neue Phase im Prozess für Frieden und eine
demokratische Gesellschaft ein*
/Pressemitteilung von Civaka Azad – Kurdisches Zentrum für
Öffentlichkeitsarbeit e. V., 6. August 2026/
/Das lange erwartete Rahmengesetz zum Prozess für Frieden und eine
demokratische Gesellschaft liegt nun vor. Vertreter:innen der kurdischen
Freiheitsbewegung, der DEM-Partei und weiterer demokratischer Kräfte in
der Türkei reagieren mit vorsichtigem Optimismus auf den Entwurf. Sie
betrachten ihn als einen ersten Schritt in einem langfristigen Friedens-
und Demokratisierungsprozess./
Der „Gesetzesentwurf zur Stärkung der nationalen Solidarität und des
gesellschaftlichen Zusammenhalts
<https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/rahmengesetz-zum-friedensprozess-ins-parlament-eingebracht-52365>“
wurde am 5. August in die Große Nationalversammlung der Türkei
eingebracht, nachdem er am 3. August zunächst innerhalb der
Regierungsfraktion zur Unterzeichnung freigegeben worden war. Im
Mittelpunkt der zwölf Artikel umfassenden Vorlage stehen die
Feststellung der Entwaffnung der PKK, der Umgang mit laufenden
Ermittlungs- und Strafverfahren sowie die institutionelle Umsetzung und
parlamentarische Begleitung des Prozesses.
*Erster rechtlicher Rahmen für den Friedensprozess*
Der Entwurf sieht vor, laufende Ermittlungs- und Gerichtsverfahren sowie
den Vollzug bereits rechtskräftig verhängter Freiheitsstrafen für fünf
beziehungsweise zehn Jahre auszusetzen. Die Dauer richtet sich nach der
jeweiligen Strafandrohung oder dem verhängten Strafmaß. Werden innerhalb
dieses Zeitraums keine neuen Straftaten begangen, sollen die Verfahren
beendet beziehungsweise die Strafen als vollstreckt gelten.
Vorsätzliche Tötungsdelikte sind von den Regelungen ausgenommen. Das
gilt ebenso für bestimmte Straftaten, die vor dem 1. Juni 2005 begangen
wurden und mit lebenslanger oder erschwerter lebenslanger
Freiheitsstrafe bedroht sind. Damit wird Abdullah Öcalan von diesen
Regelungen nicht erfasst. Eine pauschale bedingte Freilassung von
Mitgliedern oder Unterstützer:innen der Bewegung sieht der Entwurf
hingegen nicht vor.
Der Justizausschuss des Parlaments soll sich am 7. August mit der
Vorlage befassen. Anschließend soll der Entwurf dem Plenum vorgelegt
werden. Ein verbindlicher Termin für die abschließende Abstimmung wurde
bislang nicht bekannt gegeben. Einen deutschsprachigen Überblick über
die einzelnen Bestimmungen des Gesetzes gibt es hier
<https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/was-steht-im-rahmengesetz-die-regelungen-im-Uberblick-52367>.
Kurz vor der Bekanntgabe des Gesetzesentwurfs erklärte Abdullah Öcalan
nach einem Treffen mit der İmralı-Delegation der DEM-Partei: /„Mit
diesem Gesetz machen wir uns auf den Weg, ein historisches Problem zu
lösen. Wir stehen am Beginn eines Demokratisierungsprozesses, der
mindestens ebenso bedeutsam sein wird wie die Gründung der Republik.“/
Öcalan bezeichnete das Gesetz als Schlüssel für den weiteren Verlauf des
Prozesses. Zugleich betonte er, dass noch nicht alle Fragen gelöst seien
und der Erfolg davon abhänge, ob die unterschiedlichen
gesellschaftlichen Kräfte Verantwortung für den Prozess übernehmen.
Seine vollständige Botschaft wurde von der DEM-Partei veröffentlicht
<https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/Ocalan-ein-tausend-kilometer-langer-weg-beginnt-mit-einem-einzigen-schritt-52347>.
*Frieden muss gesellschaftlich verankert werden*
Die kurdische Freiheitsbewegung betont, dass eine umfassende
Demokratisierung nur durch das Zusammenkommen der unterschiedlichen
gesellschaftlichen Kräfte des Landes erreicht werden könne. Sie verfolgt
dieses Ziel sowohl durch die Gespräche mit dem Staat als auch durch die
Erneuerung ihrer eigenen theoretischen und organisatorischen Ansätze.
Duran Kalkan, eines der Gründungsmitglieder der aufgelösten PKK,
erklärte bereits Mitte Juli, dass die Bewegung bei den grundlegenden
Fragen ihres Kampfes nicht auf den Staat vertraue: /„Wir haben alles
durch den Kampf, durch die Kraft des Volkes und durch den Willen der
Gesellschaft errungen. Wir glauben, dass, wenn der Prozess
gesellschaftlich verankert wird und sich auch die gesellschaftlichen
Kräfte, die für Frieden und Demokratie eintreten, den Prozess zu eigen
machen, aus einer kleinen Öffnung eine große Entwicklung entstehen kann.“/
Kalkan machte damit deutlich, dass der politische Prozess nicht allein
auf Verhandlungen zwischen staatlichen Akteuren und der kurdischen
Bewegung beschränkt bleiben dürfe. Entscheidend sei vielmehr eine breite
gesellschaftliche Beteiligung. Das vollständige Interview mit Duran
Kalkan erschien bei Medyascope
<https://medyascope.tv/2026/07/17/medyascope-kandilde-duran-kalkan-rusen-cakira-konustu-bu-surec-batmayacak/>.
Auch die kurdische Frauenbewegung TJA stellte klar, dass das Gesetz
keinen Endpunkt, sondern den Beginn einer neuen Phase markieren müsse.
Die TJA-Aktivistin Ayla Akat erklärte: /„Als TJA werden wir weder von
unserem Kampf für die Freiheit der Frauen noch von unserer Forderung
nach der physischen Freiheit Abdullah Öcalans oder einem Friedensrecht,
in dem Frauen konstituierende Subjekte sind, abrücken.“/
Die Frauenbewegung fordert eine gleichberechtigte Beteiligung von Frauen
an allen politischen Entscheidungs- und Verhandlungsprozessen. Darüber
hinaus müssten die Rolle Abdullah Öcalans im Friedensprozess, seine
freien Arbeits- und Kommunikationsbedingungen sowie seine physische
Freiheit rechtlich abgesichert werden. Die vollständige Stellungnahme
der TJA ist hier dokumentiert
<https://deutsch.anf-news.com/frauen/tja-von-der-forderung-nach-Ocalans-physischer-freiheit-rucken-wir-nicht-ab-52364>.
*DEM-Partei fordert weitergehende Demokratisierung*
Tuncer Bakırhan, Ko-Vorsitzender der DEM-Partei, ordnete die Debatte um
das Rahmengesetz in die tiefgreifenden politischen Umbrüche im Nahen
Osten ein. Er erklärte: /„Das Rahmengesetz ist kein Privilegiengesetz.
Es eröffnet erstmals einen gesetzlichen Rahmen für die Lösung eines
historischen Problems, das seit über hundert Jahren verleugnet wird. Es
öffnet die Tür zum Frieden.“/
Bakırhan betonte zugleich, dass das Gesetz lediglich den Auftakt eines
umfassenderen Demokratisierungsprozesses bilden könne. Nach der
parlamentarischen Sommerpause müssten weitere Reformen folgen. Dazu
gehörten die Stärkung der demokratischen Teilhabe, die Sicherung
sprachlicher, kultureller und religiöser Rechte, der Ausbau der lokalen
Demokratie sowie ein Ende der staatlichen Zwangsverwaltung gewählter
Kommunen. Seine Rede zum Rahmengesetz ist hier zusammengefasst
<https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/bakirhan-das-rahmengesetz-offnet-die-tur-zum-frieden-52355>.
Mit dem Gesetz sollen zugleich Voraussetzungen für die Rückkehr von
Menschen geschaffen werden, die seit Jahren im Exil leben oder sich in
den Bergen befinden. Auch politische Gefangene könnten von den
vorgesehenen Aussetzungen der Verfahren und des Strafvollzugs profitieren.
Trotz bestehender Mängel bezeichnete Remzi Kartal, Ko-Vorsitzender des
KONGRA-GEL, den Entwurf als wichtigen Schritt: /„Insgesamt halten wir
dieses Gesetz für wertvoll und begegnen ihm konstruktiv.“/
Die Rückkehr aus dem Ausland oder aus den Bergen könne jedoch nur auf
Grundlage eines Aufrufs und unter der Koordination Abdullah Öcalans
erfolgen. Öcalan sei der Verhandlungspartner des Staates und vertrete
innerhalb des Prozesses die kurdische Seite. Kartals vollständige
Stellungnahme wurde von bianet veröffentlicht
<https://bianet.org/haber/surgundeki-kurt-siyasetcilerden-aciklama-elestirilerle-beraber-onemli-bir-adim-322265>.
*Breite parlamentarische Unterstützung – Demokratisierung bleibt offen*
Im Parlament zeigt sich ein gemischtes Bild. Neben den
Regierungsparteien AKP und MHP unterzeichneten auch Abgeordnete der
DEM-Partei, der CHP, der HÜDA-PAR sowie einzelne Abgeordnete der
Yeni-Yol-Fraktion den Entwurf. Insgesamt wurde die Vorlage mit rund 360
Unterschriften beim Parlamentspräsidium eingereicht.
Die İYİ-Partei lehnt das Gesetz ab, während die Yeniden-Refah-Partei ein
Referendum über die Vorlage fordert. Die neu gegründete YENİ-Partei
beteiligte sich nicht an der gemeinsamen Unterzeichnung, erklärte
jedoch, den grundsätzlichen Friedensprozess weiterhin zu unterstützen.
Der YENİ-Parteivorsitzende Özgür Özel kritisierte insbesondere, dass der
Entwurf nicht gemeinsam mit den anderen Parteien erarbeitet und ihnen
erst kurz vor seiner Einbringung übermittelt worden sei. Zugleich machte
er deutlich, dass mit der Entwaffnung auch konkrete demokratische
Reformen auf die politische Tagesordnung gesetzt werden müssten.
*Interviewangebot für Medien*
Civaka Azad vermittelt Medienvertreter:innen auf Anfrage Interviews und
Hintergrundgespräche mit Vertreter:innen der DEM-Partei. Mögliche Themen
sind der Inhalt und die Bewertung des Rahmengesetzes, seine Auswirkungen
auf den laufenden Friedensprozess sowie die aus Sicht der Partei
notwendigen weiteren rechtlichen und politischen Schritte.
Mit freundlichen Grüßen
Mako Qocgiri
--
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Öffentlichkeitsarbeit aufgewendet. Im Verein arbeiten alle ehrenamtlich. /
/Wir freuen uns deshalb auch über Ihre Unterstützung! /
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