[imc-presse] PM: Kritik am Staatsbesuch von al-Sharaa in Berlin / Proteste in Bonn & Berlin
Civaka Azad
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Sun Jan 18 10:33:51 CET 2026
*Kein Empfang für Kriegsverantwortliche – Einwände gegen den
Besuch von Ahmad al-Sharaa in Berlin*
/Pressemitteilung von Civaka Azad - Kurdisches Zentrum für
Öffentlichkeitsarbeit, 18.01.2026/
Die Einwände gegen den geplanten offiziellen Empfang von Ahmad al-Sharaa
(auch bekannt als Abu Muhammad al-Jolani) in Berlin reißen nicht ab.
Ehemalige Mandatsträger:innen und (Co-)Bürgermeister:innen aus der
Türkei haben sich an die Bundesregierung sowie den Bundespräsidenten
gewandt und davor gewarnt, der Besuch käme einer politischen Aufwertung
eines Regimes gleich, das aktuell für schwerwiegende Verbrechen und
Menschenrechtsverletzungen verantwortlich gemacht wird. Auch der Verein
für Demokratie und Internationales Recht (MAF-DAD) äußert „erhebliche
völkerrechtliche Bedenken“ gegen einen offiziellen Empfang.
MAF-DAD führt aus, Ahmad al-Sharaa sei Anführer der von den Vereinten
Nationen als jihadistische Terrororganisation eingestuften Hay’at Tahrir
al-Sham (HTS) und trete als de-facto Präsident Syriens auf. Selbst wenn
frühere Sanktionen des UN-Sicherheitsrates gegen HTS inzwischen
aufgehoben seien, ändere dies nach Darstellung von MAF-DAD nichts an der
„individuellen strafrechtlichen Verantwortlichkeit“ der
Führungspersonen. Die Aufhebung von Sanktionen bedeute „weder eine
rechtliche Rehabilitierung noch einen Freibrief für politische
Aufwertung“ und lasse bestehende völkerrechtliche Verpflichtungen unberührt.
Zugleich verweist MAF-DAD auf verifizierte Dokumentationen schwerster
Gewaltverbrechen in Aleppo und Umgebung: gezielte und systematische
Angriffe insbesondere auf Kurd:innen und Êzîd:innen, außergerichtliche
Tötungen, das zwangsweise Verschwindenlassen von über 1.000 Personen
sowie die Vertreibung von rund 120.000 Menschen. Art, Umfang und
Systematik dieser Taten bewertet MAF-DAD als Kriegsverbrechen und sieht
darüber hinaus dringenden Verdacht auf Verbrechen gegen die
Menschlichkeit und Völkermord. Deutschland sei als Vertragsstaat der
Völkermord-Konvention verpflichtet, drohende genozidale Gewalt aktiv zu
verhindern – umso mehr, da Deutschland den Völkermord an den Êzîd:innen
offiziell anerkannt habe. In diesem Zusammenhang weist MAF-DAD darauf
hin, dass derzeit rund 1.200 êzîdische Familien in Aleppo und Umgebung
erneut akut gefährdet seien.
MAF-DAD kritisiert außerdem eine aus ihrer Sicht widersprüchliche
außenpolitische Praxis: Gespräche mit der Demokratischen
Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien seien wiederholt mit dem
Hinweis auf fehlende internationale Anerkennung abgelehnt worden,
während nun der Anführer einer islamistischen Organisation offiziell
empfangen werden solle. MAF-DAD erinnert daran, dass Deutschland
international als Vorreiter bei der strafrechtlichen Verfolgung von in
Syrien begangenen Verbrechen gelte, insbesondere beim vom sogenannten
Islamischen Staat verübten Völkermord an den Êzîd:innen. Zugleich würden
schwere Gewaltverbrechen der HTS gegenüber Kurd:innen, Êzîd:innen,
Alawit:innen und Drus:innen sowie die Verantwortung weiterer Akteure
weitgehend ignoriert. MAF-DAD verweist zudem auf Berichte, wonach
mindestens ein deutscher Staatsbürger an jüngsten Gewaltverbrechen in
Aleppo beteiligt gewesen sein soll, und leitet daraus die Pflicht ab,
Ermittlungsverfahren gegen HTS-Mitglieder mit Deutschlandbezug einzuleiten.
Auf dieser Grundlage fordert MAF-DAD die Bundesregierung nachdrücklich auf,
1.
von einem offiziellen Empfang Ahmad al-Sharaas abzusehen,
2.
ihrer Pflicht zur Prävention schwerster internationaler Verbrechen
nachzukommen,
3.
das Völkerstrafgesetzbuch konsequent anzuwenden,
4.
und keine politischen Signale zu setzen, die faktisch zur
Straflosigkeit für Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die
Menschlichkeit und Völkermord beitragen.
Ebenfalls an Bundesregierung und Staatsoberhaupt gerichtet sind
Schreiben unterzeichnender ehemaliger Mandatsträger:innen aus der Türkei
– darunter frühere Abgeordnete sowie (Co-)Bürgermeister:innen. Die
Unterzeichnenden erklären, ein offizieller Empfang käme einer
politischen Aufwertung und faktischen Legitimierung einer Macht gleich,
deren Herrschaft von systematischen und schweren
Menschenrechtsverletzungen geprägt sei. Sie verweisen auf
Dokumentationen internationaler Menschenrechtsorganisationen – darunter
die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte – zu fortgesetzten
Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung, insbesondere gegen Drus:innen,
Alawit:innen und Kurd:innen.
Als Eskalationspunkt nennen die Unterzeichnenden die Angriffe auf
kurdische Stadtteile Aleppos: Zehntausende seien vertrieben worden,
Dutzende getötet, Hunderte verletzt. Auch Krankenhäuser und
medizinisches Personal seien Ziel der Angriffe gewesen. Diese Gewalt sei
weder zufällig noch militärisch zu rechtfertigen; sie folge erkennbar
dem Ziel einer ethnisch motivierten demographischen Umgestaltung und
stelle einen Bruch des Abkommens vom 1. April dar, das Sicherheit,
Selbstverwaltung und gesellschaftliche Pluralität garantieren sollte.
Zudem verweisen die Unterzeichnenden auf Hinweise auf weitere geplante
Militäroperationen – unter anderem gegen Deir Hafer – und warnen vor dem
Risiko eines regionalen Flächenbrands mit sicherheitspolitischen Folgen
auch für Europa und Deutschland. In ihren Schreiben fordern sie,
*
von einer politischen Aufwertung der syrischen Übergangsregierung
durch einen offiziellen Empfang abzusehen,
*
stattdessen den Dialog mit demokratischen, pluralistischen und
zivilgesellschaftlichen Kräften Syriens zu suchen und zu stärken,
*
und klarzustellen, dass keine Kooperation ohne nachprüfbare
menschenrechtliche Mindeststandards akzeptiert werde.
Sollte es dennoch zu Gesprächen kommen, müsse die kompromisslose
Einhaltung universeller Menschenrechte sowie der relevanten Abkommen zur
nicht verhandelbaren Voraussetzung gemacht werden. Jegliche finanzielle
oder politische Unterstützung – auch auf europäischer Ebene – solle
ausschließlich unter klaren, überprüfbaren Bedingungen erfolgen: Schutz
von Minderheiten, Ende der Gewalt gegen Zivilist:innen und Achtung des
Völkerrechts.
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*Demonstrationen in Berlin und Bonn*
*Berlin – aktualisierte Route*
*Demoaufruf:* „Ahmad al-Sharaa: von Merz eingeladen, von uns angeklagt“
*19. Januar 2026*
*16:00 Uhr*
*Start:* Bundeskanzleramt / Wilhelmsgarten
Von dort aus wird sich die Demonstration in Richtung Brandenburger Tor
bewegen und sich einer weiteren Kundgebung anschließen.
*Pressesprecherin:* Mara Herlo – 01774798123
Ein breites zivilgesellschaftliches Bündnis protestiert gegen die
politische Normalisierung islamistischer Gewalt und fordert stattdessen
Aufklärung, strafrechtliche Verfolgung und Schutz für die Betroffenen.
Diese Demonstration wird organisiert von einem Bündnis kurdischer und
internationalistischer Frauenorganisationen sowie einem breiten
gesellschaftlichen Bündnis.
Alle mitaufrufenden Organisationen und Personen finden Sie unter
folgendem Link:
https://civaka-azad.org/demo-gg-jolani/
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*Demonstration in Bonn*
*Kein Empfang für al-Jolani!*
*Gegen Abschiebungen und die Legitimierung islamistischer Gewalt*
*Bonn – Münsterplatz*
*19. Januar 2026*
*17:00 Uhr*
Die Demonstration in Bonn richtet sich insbesondere gegen Abschiebungen
nach Syrien und gegen die politische Anerkennung islamistischer
Gewaltakteure.
Mit freundlichen Grüßen
Mako Qocgiri
--
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