[Gipfelsoli Newsletter] Genua -- Heiligendamm

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Do Okt 25 09:20:20 CEST 2007


- Genoa G8: 225 years of jail asked for 25 people
- G8 - Gegner reichen heute Klage vor dem Verwaltungsgericht Schwerin ein
- Haftbefehl gegen Andrej H. aufgehoben
- Andrej H.: »Ziel bleibt Einstellung des Verfahrens«
- Max Müller: Andrej H. – ein Einzelfall?
- Para-militärische Geheimdienst-Polizeien für die neue Sicherheitsarchitektur
- 15.12.07 bundesweite Demo gegen 129a Verfahren
- Wie weiter mit radikaler Klimaaktion?
- Veranstaltung in Berlin: Die “Sicherheitsarchitektur” bei “polizeilichen
Großlagen”

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Genoa G8: 225 years of jail asked for 25 people

Oct 2007 - Updates on Genoa Court Case

The prosecutors ask 225 years of jail for 25 protestors

Genoa court case are not ending tomorrow, but they are drawing to a close, an
people seems to have forgotten what Genoa meant and how big part of history we
have been when we decided to take the streets in those days of july 2001. While
the court cases against police officiers for the tortures in Bolzaneto and for
the raid in the Diaz school move slowly forward (one will be ending by the end
of the year and the other around summer 2008) towards meak convictions and
satute of limitations after the first court sentence, the court case against 25
protestors has seen this last weeks the prosecutors final speech.

In their speech the prosecutors Anna Canepa and Andrea Canciani frontally
attacked the protest in Genoa, asking 225 years of jail for the 25 people
accused of devastating and sacking the city on july 20th and 21st.

The speech of the prosecutors asks people to call Genoa events for what they
were: devastation, sacking, arson. They stated that at the same time the
massacres and the abuses of police should be prosecuted but never did
themselves open an investigation on the facts, and insisted that they should be
kept out of the court case against 25 protestors. The prosecutors actually said
that people decided to resist and that this fact should be sanctioned, since
they should have dispersed and eventually file a complain for the violence the
police enacted.
In their speech the prosecutors tried to explain the judge that all of those who
were present in Genoa are equally responsible of the allegations, since "moral
responsability is even more crucial than material responsability for Genoa
events: if I inspire 20 people to throw a stone I should be hold more
responsible of devastation than if I threw five of them". This brings back
criminal codes to the middle age, where you were not supposed to actually have
done anything to be convicted. This is why some of the accused where asked to
be convicted to 6 years only because they are seen around the scenes of the
riots (not doing anything particular or in a lot of cases just putting some
trash bin in the streets to slow down police charges).

But this is not the worst part of the prosecutors speech, since they have been
reinterpreting Genoa to provide history with a clean and one-sided version of
the events: Police acted correctly and protestors are oversizing the abuses,
but the Truth is that they should have gone home and let the Summit be. The
prosecutor have been stating that the charge in via Tolemaide against the Tute
Bianche demo was fairly quick and not particularly violent, so it's not
understandable how protestors would complain constantly of "fearing for their
own life"; they have been saying that Carabinieri armored transport only
charged at full speed twice and that the barricades were made before this, so
protestors should not "fuss" about it being the reason for the vehicle attack.
They even came to minimize Carlo Giuliani's death, saying that there could have
been worse situation if the Carabinieri inside the soon-to-be-burned van were
not rescued by their colleagues.

Our history is being raped by two prosecutors who desperately want to show that
4 years of enquiry were useful (even if to justify their lies they misuse only
statements of the defense's witness) and that someone is responsible for what
happened in Genoa. They want to show off in the "trial that will change many a
ways to do court cases in Italy", at the expenses of 25 protestors like all of
us. If the judges will acknoledge the point of view of the prosecutors, and
convict 25 people to 6-16 years of jail, each one of us could be the next
culprit. Think of how many insults you have shouted during the g8 in genoa,
think of how many stones you have thrown, think of how much rage you felt while
you and your friends were beaten.

We agree only on one point with the prosecutor. Let's call Genoa 2001 for what
it was: it was a revolt and it was history and it was us. And that's why they
are scared and why they want to avoid that anybody will try again to take away
power from where it usually stands.

blicero

[http://www.indymedia.org.uk/en/2007/10/384339.html]


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G8 - Gegner reichen heute Klage vor dem Verwaltungsgericht Schwerin ein

Rote Hilfe Rostock

    * Polizeiliche Platzverweise gegen G8 Gegner auf dem Prüfstand.

Mit der Einreichung einer Klage vor dem Verwaltungsgericht Schwerin gegen die
G8-Polizeibehörde Kavala, sowie der Weiterführung eines Widerspruchsverfahrens
haben 2 G8 Gegner den schon laufenden juristischen Überprüfungen der vor und
während des G8 Gipfels gegenüber mehreren hundert Personen ausgesprochenen
Platzverweise zwei weitere wichtige Musterverfahren hinzugefügt. Schon Anfang
Juli wurde von einer Hamburgerin gegen einen räumlich unbeschränkten
Platzverweis Klage eingereicht. Weiter sind in Schwerin auch Klagen anhängig
gegen Platzverweise, die sich gegen eine Gruppe der am Campaufbau in
Wichmannsdorf beteiligten WendländerInnen richtet. Heute nun zieht ein Bonner
G-8 Gegner vor das Schweriner Gericht, weil ihm seinerzeit für eine zig km²
große Fläche von Kühlungsborn über Nienhagen bis zur Grenze von Bad Doberan ein
mehrtägiger Platzverweis ausgesprochen wurde, obwohl die Polizei keine konkrete
von ihm ausgehende Gefahr nennen konnte . Gleichzeitig setzte ein weiterer
Rostocker mit einem heute aufgegebenen Schreiben gegen die Kavala das
Widerspruchsverfahren gegen einen im Vorfeld des G8 Gipfels ausgesprochenen
Platzverweis fort.

Damals wurde er daran gehindert, eine Demonstrationsroute in Heiligendamm in
Augenschein zu nehmen, um Detalinformationen für ein anstehendes
Kooperationsgspräch mit der Polizei zu gewinnen.

Damit stehen nun flächendeckend für die Bereiche Rostock und Bad Doberan sowohl
während des G8-Gipfels als auch in der Zeit der Protestvorbereitung erlassene
Platzverweise auf dem Prüfstand

Zentraler juristischer Angriffspunkt ist die Willkür, mit der die Polizei bei
der Erteilung der Platzverweise vorgegangen ist. „Die Platzverweise sind
grundrechtseinschränkend, eine vorgeschriebene Gefahrenprognose hat nicht
stattgefunden oder kann in keiner Weise durch konkrete Tatsachen untermauert
werden“, so Sebastian Nickel, Anwalt der Betroffenen. So gab es lediglich einen
hineinkopierten Textbaustein, der quasi auf alle Menschen zutreffen kann, die
sich im Bereich von Rostock und Bad Doberan aufhalten. In dem Fall des
klagenden Bonners verwiesen die Polizeibeamten nur auf eine allgemeine
Bedrohungslage.

Die Polizeitruppe Kavala mißachtete auch mehrere hundert Male, daß ein
Platzverweis räumlich und zeitlich eng umgrenzt sein muß und auf keinen Fall
das Gebiet mehrerer Gemeinden gleichzeitig umfassen darf. Gegen den Bonner und
mehrere hundert weitere G8 GegnerInnen wurden aber Platzverweise ausgesprochen,
die das Gebiet von gleich 5! Gemeinden umfasssten.

„Die Polizei benutzte die Platzverweise offenbar als Mittel der
Arbeitserleichterung und insbesondere, um DemonstrantInnen an der Ausübung
ihres Versammlungsrechtes zu hindern“, so Nickel. Kläger und Anwälte geben sich
optimistisch bezüglich der Erfolgsaussichten der Klagen. Schon während des
G8-Gipfels hatte die Kavala zwei räumlich und zeitlich ähnlich unkonkrete
Platzverweise vor Gericht wieder zurückgezogen, als 2 Betroffene am 6.6 ein
Eilverfahren anstrengten, um ihn außer Kraft zu setzen. In diesem Verfahren
werden bald noch 2 Feststellungsklagen eingereicht, mit dem Ziel, die
Betroffenen zu rehabilitieren und deren Namen aus den Polizeidateien zu
löschen.

„Der bewußte und kalkulierte vielhundertfache Gesetzesbruch durch die
Polizeitruppe Kavala war ein Testballon, um herauszufinden, wie man sich unter
Verweis auf „komplizierte polizeiliche Großlagen“ Handlungsspielräume gegen
Proteste verschafft, die, wenn Sie nicht später vor Gerichten angegriffen
werden, dafür sorgen, daß die Polizei bei Großereignissen machen kann, was sie
will“, äußerte sich der Bonner Kläger Bernhard Budnick.

Nach Auffassung der Roten Hilfe Rostock haben die Platzverweise auch die
Funktion, ein kriminalisierendes Verfahren gegen linke AktivistInnen auf einer,
wenn auch zweifelhaften, so aber dennoch formal existenten Grundlage zu
beginnen, aufgrund derer man die Daten der Betroffenen in polizeilichen Dateien
abspeichern kann, so Dieter Rahmann von der Ortsgruppe Rostock, der auch der
Widerspruchsführer in dem zweiten heute weitergeführten Verfahren ist. Aus
diesen Dateien kommt man dann aber nur mit sehr viel bürokratischem Aufwand
wieder raus, hat aber bei jeder Polizeikontrolle mit kriminalisierendem
Verhalten der PolizeibeamtInnen zu kämpfen.

Rote Hilfe Ortsgruppe Rostock

Klägerverteter: Sebastian Nickel
Klägervetrtreterin bzgl. der Platzverweise gegen die WendländerInnen: Ulrike
Donat
Klägerverteterin der Hamburgerin: Verina Speckin und bzgl. der Eilverfahren Lars
Nümann


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Haftbefehl gegen Andrej H. aufgehoben

Bündnis für die Einstellung des § 129a-Verfahrens

AnwältInnen fordern die Einstellung der §129a-Verfahren Heute hat der
Bundesgerichtshof (BGH) seine Entscheidung über den Haftbefehl gegen den
Berliner Andrej H. bekannt gegeben. Der BGH hat entschieden, dass zu keinem
Zeitpunkt ein dringender Tatverdacht bestand. Der Haftbefehl gegen den
Aktivisten und Wissenschaftler war von Beginn an rechtswidrig und wurde deshalb
aufgehoben. „Wir begrüßen natürlich diese Entscheidung. Besonders, weil der BGH
bestätigt, dass die Rückschlüsse der Bundesanwaltschaft überzogen und rein
spekulativ sind“, so Christina Clemm, die Andrej H. vertritt. „Sämtliche
Grundrechtseingriffe, die mein Mandat in den vergangenen Monaten über sich
ergehen lassen musste, sind damit rechtswidrig. Der nächste Schritt wird sein,
das Verfahren einzustellen.“ Nicht befasst hat sich der Bundesgerichtshof mit
der Frage, ob es sich bei der „militanten gruppe“ (mg) tatsächlich um eine
terroristische Vereinigung handelt.

„Damit hat der BGH nicht die eigentlich erwartete Grundsatzentscheidung
getroffen. Gleichzeitig dürfte diese Entscheidung auch für das Verfahren gegen
die weiteren Inhaftierten von großer Bedeutung sein,“ sagte Ulrich von
Klinggräff, einer der Verteidiger von Florian L.. „Die Verteidigung ist in
ihrer Kritik an der Bundesanwaltschaft bestärkt; die Ermittlungen beruhen
größtenteils auf Mutmaßungen und Konstruktionen. Wir gehen davon aus, dass auch
bezüglich der weiteren Beschuldigten kein dringender Tatverdacht für den §129a
vorliegt. Auch bei den Dreien ist der Haftbefehl demnach aufzuheben.“ Die
Verteidigung erwarte, dass sich der BGH im Zusammenhang mit den Haftbeschwerden
der drei noch Inhaftierten grundsätzlich zu der Frage äußert, ob die „mg“
tatsächlich eine terroristische Vereinigung sei. Seit gestern finden zudem
erste ZeugInnenvernehmungen vor der Bundesanwaltschaft statt. Bisher sind
mindestens 19 Bekannte und Freunde der Beschuldigten vorgeladen. Alain Mundt,
Rechtsbeistand der ZeugInnen, sagte: „Bei diesen Vernehmungen geht es vor allem
darum, das persönliche und berufliche Umfeld der Beschuldigten auszuforschen.“
Außerdem sei die BAW eindeutig auf der Suche nach neuen Kontaktpersonen. Die
ZeugInnen würden besonders nach ihrer eigenen Persönlichkeit befragt,
beispielsweise ihrer Schulbildung. „Da stellt sich schon die Frage, worauf das
hinauslaufen soll. Die BAW scheint bei den Ermittlungen im Trüben zu fischen.“
Wolfgang Kaleck, Vorsitzender des Republikanischen Anwältinnen- und
Anwältevereins (RAV) und ebenfalls Verteidiger in dem Verfahren, wies auf die
grundsätzliche Handhabung des §129a in den vergangenen Jahren hin. „Nach dem
11. September 2001 sind leider die Stimmen gegen den §129a leise geworden. Das
vergangene Jahr hat gezeigt, dass dieser Paragraph weiter gegen Soziale
Bewegungen und bestimmte Formen militanten Protestes angewandt wird. Deshalb
ist es wichtig, weiter daran zu arbeiten, dass die Terrorismussondergesetze
abgeschafft werden.“

Bündnis für die Einstellung des § 129a-Verfahrens

c/o Haus der Demokratie und Menschenrechte e.V. Greifswalder Straße 4 D-10405
Berlin Deutschland

einstellung [at] so36.net, http://einstellung.so36.net, Telefon 01577-4300652


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Andrej H.: »Ziel bleibt Einstellung des Verfahrens«

Internationale Solidarität hat zur Aufhebung des Haftbefehls beigetragen. Ein
Gespräch mit Andrej H. Interview: Sebastian Wessels

Der Berliner Soziologe Andrej H. wurde am 31. Juli 2007 wegen »Verdachts auf
Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung« nach Paragraph 129a des
Strafgesetzbuchs in Untersuchungshaft genommen und ist seit 22. August gegen
Kaution auf freiem Fuß. Die Bundesanwaltschaft (BAW) wirft H. vor, als
Verfasser von Bekennerschreiben an einer als terroristisch eingestuften
Organisation namens »militante gruppe« (mg) beteiligt zu sein

Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe hat den Haftbefehl gegen Sie
aufgehoben. Die Karlsruher Richter sehen anders als die Bundesanwaltschaft
(BAW) keinen dringenden Tatverdacht. Sind Sie erleichtert?

Ja, auf jeden Fall. Der Druck eines Haftbefehls ist nicht so einfach
auszuhalten, zumal die BAW ja gefordert hatte, mich wieder in Untersuchungshaft
zu nehmen. Überrascht hat mich die Entscheidung aber nicht sehr, denn aus den
Akten läßt sich mit halbwegs gesundem Menschenverstand kein Haftbefehl
konstruieren. Auf der anderen Seite sind wir ein bißchen enttäuscht darüber,
daß sich der BGH noch nicht durchringen konnte, die Grundsatzentscheidung zu
treffen, ob der Paragraph 129a in diesem Fall überhaupt angewendet werden kann.

Diese Entscheidung steht noch an?

Für die anderen drei Beschuldigten, die noch in Untersuchungshaft sitzen, haben
die Anwälte Haftbeschwerden eingereicht. In den kommenden Wochen ist daher mit
einer Grundsatzentscheidung des BGH zu rechnen.

Die BAW hatte gegen Ihre Haftverschonung sofort Widerspruch eingelegt; begründet
hat sie dies mit angeblich dringendem Tatverdacht und Fluchtgefahr. Wie erklären
Sie sich, daß derart schwere Geschütze gegen Sie aufgefahren werden?

Ich erkläre mir das so, daß die BAW nicht hinter das von ihr aufgestellte
Konstrukt zurückweichen wollte. Der Ermittlungsrichter hat ja auf ihren Antrag
hin ein Jahr lang immer wieder diese stetig zunehmenden Überwachungsmaßnahmen
gegen mich und die anderen Beschuldigten beschlossen, immer auf Grundlage des
angeblichen Tatverdachts. Man hätte also im Prinzip ein Jahr intensive
Ermittlungs- und Ausschnüffelungsarbeit in den Wind schreiben müssen. Doch wie
die Bundesrichter nun deutlich gemacht haben, waren die Maßnahmen rechtswidrig.
Nur mit einem Anfangsverdacht nach 129a läßt sich dieser tiefe Eingriff in die
Persönlichkeitsrechte nicht begründen, den wir erleben mußten. Ein Haftbefehl
erst recht nicht.

Sie haben viel öffentliche Solidarität erfahren – seitens des Bündnisses für die
Einstellung der 129a-Verfahren, aber auch von Wissenschaftlern aus dem In- und
Ausland. Hatte das einen Einfluß auf das Vorgehen der Behörden?

Die Unterstützung auch aus dem internationalen Raum hat sicher dazu beigetragen,
daß der Ermittlungsrichter die Haftverschonung angeordnet hat. Soweit wir
informiert sind, bin ich auch seit Jahren der erste, der aufgrund eines
Vorwurfs nach 129a in Haft genommen und vor Verfahrensbeginn wieder
herausgelassen wurde.

Was sind die nächsten Schritte?

Zunächst warten wir ab, wie der BGH auf die drei Haftbeschwerden reagieren wird.
In jedem Fall wird auch weiterhin breite Unterstützung notwendig sein. Ziel
bleibt die Einstellung des Verfahrens für alle sieben Betroffenen.


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Max Müller: Andrej H. – ein Einzelfall?

In den vergangen Tagen erfuhr der Fall um die "militante guppe" eine beachtliche
mediale Aufmerksamkeit, und es könnte der Eindruck entstehen, als sei dieser
Fall eine Posse, ein Einzelfall und das Resultat übereifriger ErmittlerInnen.
Das dem nicht so ist und die fragwürdige Ermittlungspraxis von Andrejs Fall
durchaus Methode hat, soll im in dem Artikel dargelegt werden.

Mit großer Erleichterung wurde heute das Urteil des BGH zur Aufhebung des
Haftbefehls von Andrej H. aufgenommen. Es ist zu hoffen, dass Andrej und seiner
Familie nun – zumindest in Grenzen – die Angst genommen ist das er jederzeit
wieder inhaftiert werden könnte. In den vergangen Tagen erfuhr der Fall eine
beachtliche mediale Aufmerksamkeit, und es könnte der Eindruck entstehen, als
sei dieser Fall eine Posse, ein Einzelfall und das Resultat übereifriger
ErmittlerInnen. Das dem nicht so ist und die fragwürdige Ermittlungspraxis von
Andrejs Fall durchaus Methode hat, soll im Folgenden dargelegt werden.

Weitere §129a Verfahren

Derzeit laufen mindestens drei große, dem Autor bekannte, Ermittlungsverfahren
nach §129a. Eines der Verfahren bezieht sich auf die so genannte „militante
gruppe“. Um die „Mitglieder“ dieser Gruppe zu ermitteln, überwachte das BKA
über Monate eine Vielzahl Verdächtigter unter Ausnutzung aller dem BKA zur
Verfügung stehenden Mittel. Nach mehreren Monaten der Ermittlungen landeten die
Ermittler einen vermeintlichen „Zufallstreffer“, der zu einem äußerst
zweifelhaften Ermittlungserfolg geführt hat.
So viel „Glück“ hatten die Beamten in einem zweiten Fall jedoch nicht. So wurden
zwischen 2002 und 2006 in Norddeutschland und Berlin 3 Brandanschläge auf
Fahrzeuge der Bundeswehr bzw. von Rüstungsfirmen verübt. Auch hier wurden im
Rahmen der G8-Vorbereitungen alle ermittlungstechnischen Register gezogen und
aus den dreimaligen vermeintlichen Anschlägen eine terroristische Vereinigung
konstruiert.
Im Folgenden sollen die Parallelen zwischen beiden Verfahren bei den
Ermittlungen durch das BKA hervorgehoben werden.

Ansätze

In beiden Fällen fingen die Ermittler an, ins Blaue zu Ermitteln. Verdächtig
waren erst mal alle Personen die sich irgendwie im „linksradikalen“ Dunstkreis
bewegten und regional irgendwie den Tatorten zuzuordnen waren. Hatte man sich
„Hauptverdächtige“ herbeihalluziniert, fingen die Ermittler an deren soziales
Umfeld auszuforschen.

In dem Fall in Norddeutschland, genauer gesagt Bad-Oldesloe begannen die
Ermittler damit, zu überprüfen wer zum Tatzeitpunkt in der entsprechenden
Mobilfunkzelle eingeloggt war. Unter den Personen die zum Tatzeitpunkt Ihr
Mobiltelefon in der Funkzelle des Tatorts betrieben fanden sich, neben
hunderten Anderen, auch die beiden „Hauptverdächtigen“.

Die „Hauptverdächtigen“ waren insbesondere deswegen so verdächtig, weil Sie als
Linke bekannt sind, nicht mehr und nicht weniger. Wenn man sich nun vor Augen
hält, das Bad Oldesloe eine Kleinstadt mit 24.000 EinwohnerInnen ist, stellt
sich die Frage wie viel Mobilfunkzellen es dort überhaupt gibt. Das Detail,
dass in ländlichen Regionen die Dichte an Mobilfunkzellen mitunter recht gering
ist und beide Hauptverdächtigen in der Kleinstadt ihren Wohnsitz haben, entging
den Ermittlern offenbar. Sehr wahrscheinlich ist, dass die ermittelte Funkzelle
schlicht und ergreifend die Funkzelle des Wohnortes der beiden Verdächtigten
ist. Die politische Arbeit der Beiden und die Anwesenheit der Handys im groben
Umkreis (im ländlichen Bereich haben Funkzellen Größen von 5-15km) des Tatorts,
bei einem der vermeintlichen Anschläge, reichten den Ermittlern offenbar als
dringender Tatverdacht aus.

Netzwerke

Wie im Fall der „mg“ begann das BKA nun damit das Umfeld der Hauptverdächtigen
intensiv auszuforschen. Dabei sind erst mal alle verdächtig die ebenfalls der
linken Szene zugerechnet werden und in irgendeiner Form in Kontakt zu den
Hauptverdächtigen stehen. So traf es auch den Ex-Bad Oldesloer Sven (*), der
mittlerweile in Berlin wohnte. Für das BKA eine klare Sache: eine Person aus
dem Umfeld der beiden Hauptverdächtigen wohnt in Berlin (wo einer der 3
Anschläge stattfand), der muss dazu gehören. Natürlich kann nicht eine Person
alleine in einer Stadt Anschläge verüben – also kam noch ein weiterer
Verdächtiger hinzu, der mit Sven eng befreundet ist und aus Berlin kommt. Dem
Freund von Sven – nennen wir Ihn Maik – war zum Verhängnis geworden das er a.)
mit Sven befreundet ist und b.) einmal (!!!) mit in Bad Oldesloe auf einer
privaten Feier war.

Überwachungsmaßnahmen

Nachdem das BKA nun eine terroristische Vereinigung konstruiert hatte, konnte
man Anfangen die Verdächtigten nach allen Regeln der Kunst zu überwachen, auch
hier gibt es viele Parallelen zu dem Verfahren der „mg“.

Folgende Maßnahmen sind derzeit bekannt:

* auch bei Sven wurde fast ein Jahr lang der Hauseingang mit Hilfe einer
Videokamera überwacht
* sowohl das Auto der Freundin von Sven als auch das Auto der Leute aus Bad
Oldesloe wurde verwanzt und mit einem GPS-Peilsender versehen
* eine Wohnung wurde verwanzt
* Telefone wurden abgehört
* Internetverbindungen wurden mitgeschnitten
* Anwaltsgespräche wurden abgehört
* Es wurde keinerlei Rücksicht auf den Kernbereichs der privaten
Lebensgestaltung genommen

Diese Maßnahmen entsprechen so ziemlich dem kompletten Arsenal des großen
Lauschangriffs – bedenklich wenn man sich die extrem dünne Indizienlage
anschaut, in der all dies seinen Ursprung findet.

„Konspiratives Verhalten“

In allen bisher bekannten Fällen war das absolute Totschlagsargument des BKAs
„konspiratives Verhalten“. Diese Argumentation ist besonders aberwitzig, da sie
die Beweislage umkehrt. So wurde den Beschuldigten im Norddeutschen Verfahren
zum Verhängnis, dass Sie:

* nicht an einem G8 Vorbereitungstreffen teilgenommen haben
* nicht über Anschläge oder Politik am Telefon gesprochen haben
* nicht an Politikfeldern wie „Antiimperialismus“ oder „Antimilitarismus“
interessiert zu sein schienen
* nicht öffentlich in einem Internet-Forum plauderten
* den Überwachenden keinerlei Verdachtsmomente lieferten

So konnte das Ausbleiben jeglicher neuer Indizien auf die Täterschaft der Gruppe
während der fast 1-Jährigen Observation uminterpretiert werden. Daraus folgte
für das BKA, dass die Gruppe besonders gefährlich und gerissen sei – weil Sie
sich so erfolgreich konspirativ verhalten. Den Verdächtigten wurde es so auch
zum Verhängnis, dass Sie zufällig einen dilettantisch angebrachten Peilsender
des BKAs fanden. Dies belegte in den Augen des BKA, dass eine gezielte
„Gegenobservation“ betrieben wurde und half den Ermittlern dabei, sich in Ihre
Terror-Fantasien hineinzusteigern.

Konsequenzen

Wie sich die Betroffenen heute fühlen - auch in dem Bewusstsein weiterhin
überwacht zu werden - beschreibt die Lebensgefährtin von Andrej H. in Ihrem
Weblog:http://annalist.noblogs.org/
Die Betroffenen befinden sich in einer schizophrenen und lähmenden Situation,
indem Sie sich selber in ihrem Alltag disziplinieren müssen, und sich jenseits
jeglicher politischer Aktivität in Ihrem Alltag massiv eingeschränkt fühlen.
Wer hat schon Lust auf einen romantischen Abend mit der Beziehung oder einen
leidenschaftlichen Streit mit der WG, wenn man nie weiss, ob das BKA gerade
live dabei ist?

Wir sollten uns bewusst machen, dass unter diesen Umständen jeder Mensch, der
sich in der Linken engagiert, zum Opfer des Überwachungswahns der Ermittler
werden kann. Auch Personen die „absolut gar nichts zu verbergen“ haben,
Verhalten sich „konspirativ“, da sie nicht dem Erwartungsbild der Ermittler
entsprechen.

Alle Betroffenen und deren Umfeld brauchen unsere uneingeschränkte Unterstützung
und Solidarität!
*) nicht die echten Namen, da bei den Betroffenen auch Arbeitsplätze und
Existenzen auf dem Spiel stehen

Links:
http://soligruppe.blogsport.de
http://einstellung.so36.net
http://annalist.noblogs.org

[http://de.indymedia.org/2007/10/197773.shtml]


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Para-militärische Geheimdienst-Polizeien für die neue Sicherheitsarchitektur

oder wie man die Aufhebung der Trennung zwischen innerer und äußerer Sicherheit
praktisch durchexerziert.

Bundesinnenminister Schäuble redet, wie viele andere internationale
Sicherheitspolitiker, immer von der Notwendigkeit der Verschmelzung der
Sicherheits-Strukturen hin zu einer Sicherheitsarchitektur, für die zur
Gewährleistung einer Gesamtsicherheit die Trennung zwischen innerer und äußerer
Sicherheit auzugeben und aufzuheben sei.

Dies wird primär mit dem islamistischen Terrorismus begründet, der nicht als
kriminelles Handeln einzelner Personen oder einzelner, eigenständig handelndern
Gruppierungen definiert, sondern als internationales Netzwerk kooperierender und
vernetzer islamistischer Terrorzellen interpretiert wird, dem die
Sicherheitspolitik einen militärischen Status als quasi global agierende
Untergrund-Armee unterstellt.

Diese globale “Terror-Armee” führt einen Krieg gegen alle Staaten mit den
Guerilla-Methoden der asymmetrischen Kriegsführung. Die Antwort der Staaten
liegt deshalb im bekannten “Krieg gegen den Terror”.

Da sich die Einheiten dieser konstruierten “Terror-Armee” sowohl krimineller als
auch militärischer Methoden bedienen, sich konspirativ organsisieren,
verständigen, informieren und ihre “Angriffe” geografisch flexibel und
unabhängig durchführen, folgt für die Vertreter der vereinheitlichten
Sicherheit zwangsläufig, dass dieser Krieg nicht nur rein militärisch oder nur
rein polizeilich zu führen sei, nicht ausschließlich mit militärischen
Verbänden, die mit militärischen Mitteln nur zur äußeren Verteidigung
eingesetzt werden dürfen, Polizeibehörden, die nur mit zivilen Mitteln die
innere Sicherheit und Ordnung gewährleisten und Geheimdiensten, die weder über
militärische noch polizeiliche Befugnisse verfügen, sondern mit einem zu
schaffenden integrierten Komplex aller Sicherheitsorgane.

Dieser Komplex zeichnet sich dadurch aus, dass in ihm vormals getrennte
Zuständigkeiten und Methoden auf alle Sicherheitsorgane in unterschiedlichem
Umfang übertragen werden und geografisch-politische Unterscheidungen des
Einsatzraumes – zwischen dem “Innern” und dem “Äußeren” – augehoben sind. Die
“innere” und “äußere” Sicherheit soll so zu einer “Gesamtsicherheit”
vereinheitlicht werden – in dieser Phase befinden wir uns jetzt mit den
Diskussionen um Flugzeugabschüsse, Einsatz der Bundeswehr im Innern per
Grundgesetzänderung und dem zur Geheimpolizei aufgerüsteten Bundeskriminalampt
per BKA-Gesetz Novelle als aktueller Begleitmusik.

Ob es die Vorgänge im Vorfeld und Verlauf des G8-Gipfels in Heiligendamm sind,
die durch die massive Präsenz und den Einsatz militärischer Verbände während
des Gipfels und die nachrichtendienstliche Aufklärung der Demonstrationsszene
im Vorfeld des Gipfels geprägt waren, die massive Überwachung von Gegnern und
Kritikern der Bush-Administration und ihres Krieges im Irak in den USA, die von
militärischen Geheimdiensteinheiten des US-Verteidigungsministeriums in
Kooperation mit dem FBI im Innern durchgeführt wurde oder Kriegsszenarien und
Sicherheitsforschungsprojekte, die eindeutig von Großstädten als dem
hauptsächlichen “Krisenherd” oder “Kriegsschauplatz” der Zukunft ausgehen, mit
Menschenmassen, die es zu kontrollieren und einzudämmen gilt:

Der Komplex einer vereinheitlichten Gesamtsicherheit kann und soll ebenso in
diesen “Krisengebieten” zum Einsatz kommen, in denen ziviler Protest, Aufruhr
oder Widerstand zu “Gefahrenräumen” führen, die dann mit den Befugnissen,
Strukturen und Methoden bekämpft werden können, die heute für den “Krieg gegen
den Terror” und den Schutz heutiger terroristischer “Gefahrenräume”
eingerichtet werden.

Es reicht eigentlich schon ein Blick auf Tabellen im EU Terrorism Situation And
Trend Report 2007 von EUROPOL, um zu erkennen, dass 1. nicht die Angst vor
einer global operierenden islamistischen “Terror-Armee” im Fokus steht, die
gerade jetzt mit Atom-Bomben herumhantiert, sondern die Angst vor haus- und
selbstgemachten Bedrohungen und Destabilisierungen im Inland und 2. die
Bedrohung der globalen Terror-Armee europaweit aus ein paar Hundert Personen
besteht, von denen ein großer Teil überhaupt nichts mit islamistischem
Fundamentalismus zu tun hat.

Wem das nicht reicht, der kann sich noch einmal die Bedrohungssimulationen vor
Augen führen, die von deutschen Sicherheits- und Innenpolitikern mit Hilfe der
Sauerländer “Islamistischen Dschihad Union” Terrorzelle und der Kölner
Kofferbomben Terrorzelle für die Öffentlichkeit in Szene gesetzt werden und die
potentiellen Auswirkungen von Anschlägen in Beziehung zu den Toten und
Gescheiterten setzen, die manch andere als “normal” empfundene Bedrohung jedes
Jahr mit sich bringt.

Leider schaut sich der deutsche Michel an deutschen Stammtischen und nach der
Bild-Zeitung keine Berichte und Statistiken an oder überdenkt die ganzen
Bedrohungs- und sicherheitssimulationen, die ihm jeden Tag brühwarm aus den
Partei- und Regierungszentralen zum Kaffee oder zur Pulle Bier serviert werden.

Aber um auf den Einsatz des Komplexes gegen Krisen- und Kriegssituationen im
Innern zurückzukommen – damit hat es der Bundesinnenminister auf nationalem
Boden doch teilweise schwer, wenn es um brachialere Eingriffe wie den Einsatz
der Bundeswehr für polizeiliche Krisenmanagement-Einsätze geht. Dafür wollen
sich einfach noch keine politischen Mehrheiten finden lassen, obwohl mit jedem
Einsatz gepokert wird, seien es abstürzende Flugzeugbomben oder radioaktiv
verseuchte Schmutzbomben. Vielleicht ist Guido Knopp im ZDF mit seiner
wöchentlichen Geschichts-Erinnerungsshow doch zu fleißig und frischt zu oft die
Erinnerung an marschierende reguläre und irreguläre Truppen im deutschen Inland
auf.

Was wäre aber, wenn so etwas über die europäischen Ebene zu realisieren wäre?
Mit einer internationalen Truppe, die nicht ganz der Polizei, aber auch nicht
ganz dem Militär zuzurechnen wäre bzw. um es deutlich zu sagen: Einer
polizeilichen para-militärischen Eingreiftruppe, die mit militärischen,
geheimdienstlichen und polizeilichen Mitteln und Befugnissen ausgestattet,
rapide in nationalen Krisenräumen stationiert werden könnte, um Sicherheit und
Ordnung wiederherzustellen.

Zum Glück gibt es so etwas mit dem heute in Kraft tretenden Abkommen zwischen
Spanien, Frankreich, Portugal, den Niederlanden und Italien zur Einrichtung und
Leitung der Europäischen Gendarmerie Truppe (“European Gendarmerie Force”, EGF
oder auch EUROGENDFOR), die eigentlich schon seit drei Jahren still und leise
aufgebaut wurde.

“Das kreuzförmige Schwert symbolisiert die Truppe, die Lorbeerkorne den Sieg und
die in Flammen stehende Granate die gemeinsamen militärischen Wurzeln der
Polizei-Truppe”. Das Motto “LEX PACIFERAT” lautet übersetzt “Das Recht bringt
den Frieden” und betont “das Prinzip der strengen Beziehung zwischen der
Durchsetzung der Rechtsgrundsätze und der Wiederherstellung einer sicheren und
geschützten Umgebung”, das von der EGF als Grundstein ihres Auftrags angesehen
wird.

Das Besondere an dieser nicht-stehenden Truppe ist die Rekrutierung ihrer
Mitglieder aus allen nationalen Polizeiverbänden, die polizeiliche Befugnisse
besitzen, aber aufgrund ihrer Ausbildung, dem Einsatz der Waffen und ihrer
Führung einen militärischen Status innehaben.

Dazu zählt die spanische Guardia Civil, die potugiesische Guadia National
Republicana, die niederländische Koninklijke Marechaussee, die italienischen
Carabinieri und die französische Gendarmerie Nationale als Partner die
polnische Militärpolizei Żandarmeria Wojskowa.

Aus Mitgliedern der paramilitärischen Polizeieinheiten wird durch das EGF
Hauptquartier im italienischen Vicenza, in dem ständig 14 Offiziere und 15
Unteroffiziere unter Leitung eines Kommandeurs der paramilitärischen
Polizeiverbände (seit 26.06.07 Colonel Truglio der Carabinieri) stehen,
innerhalb von 30 Tagen ein 800 Mann starkes Kontingent zusammengestellt und
koordiniert, dass bis auf 2300 Mann aufgestockt werden kann, wenn es irgendwo
“brennt”.

Wer die Truppe und das Hauptquartier führt, wann und unter welchen Bedigungen
die Truppe zusammengestellt, ausgesendet und stationiert wird, mit welchen
anderen polizeilichen und militärischen Verbänden in militärischen und
polizeilichen Missionen die EGF zusammenarbeitet und welche Stratgien für die
EGF gelten entscheidet dabei ein “Kriegsrat” in Gestalt des Ministerausschusses
CIMIN, der sich aus den Verteidigungs- und Sicherheitsministern der
teilnehmenden EU-Mitgliedsstaaten zusammensetzt. Die Truppe kann entweder auf
Anfrage und nach Beschluss der EU, der NATO, der OSCE oder der Vereinten
Nationen in Marsch gesetzt werden, aber auch in ad hoc Koalitionen zwischen den
teilnehmenden Staaten bzw. wenn ein Staat die Unterstützung der EGF anfordert.

Was die Einsatzbereiche, Aufgaben und Befugnisse der EGF angeht, zitiere ich am
besten aus dem Abkommen:

Einsätze und Aufgaben

1. In Übereinstimmung mit dem Mandat jedes Einsatzes und unabhängig oder in
Verbindung mit anderen Streitkräften/Truppen operierend, muss EUROGENDFOR
imstande sein, dass gesamte Spektrum polizeilicher Einsätze abzudecken, durch
Ersatz oder Verstärkung, während aller Phasen des Krisenmanagement Einsatzes.

2. EGF Truppen können entweder unter zivile Befehlsgewalt oder militärisches
Komamndi gestellt werden.

3. EUROGENDFOR kann verwendet werden für:

a. Erbringung von Missionen zur [Durchsetzung] von Sicherheit und der
öffentlichen Ordnung;

b. Kontrolle, Beratung, Betreeung und Beaufsichtigung lokaler Polizeibehörden
während ihrer täglichen Arbeit, inklusive Strafermittlungstätigkeiten;

c. Ausführung von Maßnahmen zur Überwachung der Öffentlichkeit,
Verkehrsregelung, Grenzschutzaufgaben und allgemeinen Tätigkeiten zur
geheimdienstlichen Informationsbeschaffung;

d. Erbringung von Strafermittlungstätigkeiten, inklusive der Erkennung von
Vergehen, Verfolgung von Tätern und ihrer Überstellung an die geeigneten
Justizbehörden;

e. Schutz der Bevölkerung und des Eigentums und Aufrechterhaltung der
öffentlichen Ordnung beim Auftreten öffentlicher Unruhen;

f. Unterweisung von Polizeioffizieren gemäß internationaler Standards;

g. Unterweisung von Ausbildern, besonders im Rahmen von Kooperations-Pogrammen.

In den FAQs der EGF steht zusätzlich:

EGF Participants have responded to the need to rapidly conduct civil security
actions, sometimes parallel with the military intervention, by establishing
this multinational tool. The EGF should facilitate the handling of crisis that
require management by police forces, usually in a critical situation, either in
a civil crisis environment or alongside a military force.

The added value of the EGF is, that this multinational co-operation: - is
capable (due to the shared values, skills and drills) and willing to perform in
more robust police missions under more demanding circumstances and military
command. - is robust, information-gathering orientated and is designed to
provide an efficient response to criminal activities; - is capable of dealing
with all the issues related to public order and security so that to speed the
demilitarisation and the normalization of the crisis area; - is able and
willing to perform all kinds of police missions, in both substitution and
strengthening missions; - is capable to be integrated in a military crisis
management tool

...the total strength of the Force could reach 2300, composed of : - An
operational component, dedicated to missions of general public security and
maintenance of public order; - A crime-fighting component, including
specialists in criminal investigation missions, detection, gathering,
information analysis and processing, protection and assistance of individuals,
anti-trafficking, fight against terrorism and other major crimes, and other
specialists.

>From shared experiences in recent crises, the setting in which police forces can
fully operate needs to include: - intelligence support, from local
administration and other actors in the field, in order to ensure convenient
security for the force, to support investigations on war criminals, criminal
organisations etc. In that field, interception techniques, language experts and
local staff can be required Die EGF Truppen verfügen dafür über die gleichen
Polizeibefugnisse wie die Polizeikräfte des Staates, der die EGF anfordert oder
in dem die EGF stationiert wird. Sie erhalten Unterstützung durch die nationalen
Geheim- und Nachrichtendienste und wenden selbst geheim- und
nachrichtendienstliche Mittel und Methoden an.

Die EGF Kräfte können dabei in militärische oder polizeiliche Missionen
eingebunden werden, die durch die Militärverbände und Polizeikräfte des
Staates, in dem der Einsatz stattfindet, ausgeführt werden und deshalb mit
allen militärischen und polizeilichen Mitteln operieren. Andersherum können bei
EGF Missionen Militärstreitkräfte und Plozeikräfte der teilnehmenden Staaten
mitwirken.

Polzei-Soldaten und Personal der EGF müssen sich zwar an das geltende Recht des
Staates halten, in dem sie eingesetzt und stationiert werden, alle Gebäude und
Gelände, die von EGF Truppen in Beschlag genommen werden, sind aber immun und
selbst für Behörden des Staates, in dem die EGF tätig wird, nicht ohne weiteres
zugänglich.

Wenn Angehörige der EGF oder die EGF selbst vor Gericht erscheinen sollen,
können sie durch vom EGF Kommandeur bevollmächtigte Personen oder gar durch den
Einsatzort-Staat selbst vor Gericht ersetzt werden. Die Weitergabe und der
Austausch von Informationen und Materialien, die die EGF betreffen oder von ihr
produziert werden, werden über eigene Sicherheitsabkommen der teilnehmenden
Staaten geregelt und mit dritten Parteien nur aufgrund zusätzlicher
Sicherheitsabkommen zwischen den EGF Staaten und den dritten Parteien
zugelassen. Die Kommunikation der EGF Einheiten wird über eigene verschlüsselte
Kanäle durchgeführt und ist von Überwachungs-Infrstrukturen und -Maßnahmen der
beteiligten Staaten ausgenommen. EGF Training

Bilder zu Anti-Aufruhr Übungen gegen “Terroristen” aus der Galerie der
Europäischen Gendarmerie Truppe. Was ist das? Nur eine weitere
Sicherheitseinheit als Baustein für eine gemeinsame europäische Sicherheits-
und Verteidigungspolitik und den schnellen Einsatz als Eingreiftruppe in
internationalen Krisengebieten oder eine para-militärische und
geheimdienstliche Polizeitruppe, die in sich alle militärischen, polizeilichen
und nachrichtendienstliche Befugnisse und Mittel vereinigt, die sie nach einem
Mandat eines ministeriellen Krisenstabs an jedem Ort zur Bekämpfung von
Unruhen, Aufständen und politischen Großdemonstrationen im Verbund mit
nationalen Polizei- und Armeeverbänden ausüben darf?

Eine Truppe, nach der sich ein Bundesinnenminister wie Schäuble, der von der
Aufhebung der inneren und äußeren Sicherheit und Verschmelzung aller
Sicherheitsstrukturen zu einer vereinheitlichen Sicherheitsarchitektur träumt,
alle zehn Finger ablecken wird. Und die vor sich hinträumende Öffentlichkeit
Europas wird weiterhin glauben, es ginge nur um ihren Schutz und den “Krieg”
gegen “Terroristen”.

[http://blog.kairaven.de]


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15.12.07 bundesweite Demo gegen 129a Verfahren

Am 15.12.2007 findet in Hamburg eine bundesweite Demonstration von Soligruppen
und -zusammenhängen gegen alle drei aktuellen Ermittlungsverfahren nach §129a
statt. Zusätzlich wird gegen zunehmende Repression im Alltag und den
Überwachungsstaat demonstriert.

Die Demonstration wird begleitet von einer Veranstaltungsreihe in verschiedenen
Städten. Sie soll ein konkreter Ausdruck der Solidarität mit den Betroffenen
der Repression werden und die Einschränkungen des Demonstrationsrechtes im
Zusammenhang G8 und ASEM aufgreifen.

In Kürze folgen Aufrufe und weitere Informationen zum Demokonzept. Beginn der
Demonstration ist um 13 Uhr vor der Roten Flora, die im Rahmen der bundesweiten
Ermittlungen gegen die “militante Kampagne” durchsucht wurde. Die Route wird in
die Innenstadt führen.

Informiert Euch und Unterstützt die Mobilisierung zur Demonstration.


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Wie weiter mit radikaler Klimaaktion?

Dieses Dokument wird versuchen, eine radikale Beurteilung unserer Situation in
den Wochen nach dem 2007 Camp für Klimaaktion anzubieten.[1] Es fragt auch, was
wir tun müssen, um eventuell einen 2 C-Anstieg in der Welttemperatur verhindern
zu können. Wir sehen keinen Grund, mit Fingern zu zeigen, oder langatmig die
Tatsache zu beklagen, dass sich bis jetzt noch nicht viel getan hat. Die Liste
ist nicht vollständig. Wir haben sie auf Dinge reduziert, die gebraucht werden
(aber allein noch nicht genug sind), um eine erfolgreiche Bewegung zum
Aufhalten der globalen Klimakatastrophe aufzubauen. Das heißt, wenn nicht alles
getan wird, sind wir am Arsch. Traurig zu sagen, selbst wenn wir alles tun, wird
uns dies nicht automatisch retten – diese Dinge sind notwendig, aber nicht
hinreichend. Die ehrliche Beurteilung ist: Das Klimacamp war ein großer Erfolg.
Das Klimacamp war ein Desaster. Beide Feststellungen sind richtig.

Wenn man es nach seinen eigenen Maßstäben beurteilt, ist es schwer zu sehen,
warum das Klimacamp etwas anderes als ein phänomenaler Erfolg gewesen sein
sollte:
Es hat stattgefunden, trotz beträchtlichem Widerstandes von BAA und Met, die es
lieber nicht gesehen hätten;
Viele Leute sind gekommen, darunter viele, die noch nie zu einer unserer
Veranstaltungen gekommen waren,
Es gab erfrischend viel direkte Aktion mit sehr vielen Zielrichtungen,
Die Unterstützung aus der Bevölkerung war sehr groß,
Es war ein weltweiter Medienknüller und hat mehr (und mehr positive)
Berichterstattung in den bürgerlichen Medien bekommen, als wir je angenommen
hätten.

Warum also die Zweifel? Erstens müssen wir fragen, wie großartig die eben
aufgezählten Erfolge eigentlich wirklich waren. Wir denken, dass viele –
vielleicht alle – der positiven Ergebnisse zu erwarten gewesen waren.[2]
Zweitens – obwohl niemand von uns auf dem Camp war – ließen die Medien es uns
wie eine Riesenlobbyanstrengung erleben, eine Art „Friends of the Earth mit
Pauken und Trompeten“. Natürlich werden die Medien keine autonome Veranstaltung
loben, die der Ideologie der Bosse zuwiderläuft und wenn sie ihnen Pralinen
böte. Aber wir haben auch von Menschen gehört, die im Camp waren, dass es dort
bemerkenswert wenig politische Diskussionen im weitesten Sinne des Wortes gab;
dass viele Menschen mit der Überzeugung kamen, dass die Antwort in neuen
Technologien und Regierungspolitik liegt, und auch wieder abreisten, ohne dass
diese Überzeugung in Frage gestellt wurde. Wenn das stimmt, dann kommt eine der
grundsätzlichen Nachrichten des Camps, dass Lösungen von Menschen und
Gemeinschaften kommen sollen, nicht von Regierungen und Firmen, nicht so gut
durch, wie wir dachten. Wir können es uns nicht erlauben, diese Gelegenheit zu
verpassen, nicht nur unserer Argument für die Dringlichkeit radikaler sozialer
Veränderung zu machen, sondern auch, es näher an die Wirklichkeit zu bringen.

Offene Türen einrennen

Ein Grund, dass die Leute im Allgemeinen „auf unserer Seite“ waren und dass der
größte Teil der Presseberichterstattung freundlich war, ist, dass vieles von
dem, was wir gesagt haben, unkontrovers ist. Kaum ein bourgeoiser Politiker
oder Journalist würde mit uns übereinstimmen, dass die G8 eine total illegitime
Körperschaft sind. Aber die Ansicht, dass CO2-Emissionen global radikal
reduziert werden müssen, wird allmählich zu einer Mainstreamposition. Wie eines
der besonders tollen Transpis beim Aktionstag es ausdrückte: „Wir sind
bewaffnet… mit den Rezensionen der Kollegen.“ Selbst der
Wissenschaftskorrespondent der Daily Mail gab zu, sei es auch mit
zusammengebissenen Zähnen, dass wir recht hätten. Heutzutage fechten nur
verrückte LeugnerInnen und QuerulantInnen die Argumente der UmweltschützerInnen
an: „Wir sind jetzt alle Grüne.“ Diese Lage stellt natürlich eine immense Chance
für uns dar. Alles was wir jetzt noch brauchen ist eine gerechte Verringerung
globaler CO2-Emissionen um mindestens 60% weltweit (d.h. um ein Vielfaches mehr
im Westen), und dann wird endlich Raum für die verschiedenen zusätzlichen
organisatorischen Vorschläge sein, die aus unserer Bewegung zu hören sind. Aber
das ist nur eine Chance – wir müssen sehr besorgt sein. „Unsere“ Ideen werden
populär, weil die Lage ernst ist. Wenn wir die Sache jetzt nicht schnell genug
anpacken, sind wir verratzt. Daher war eine unserer vielen großartigen Aktionen
die „Besuche“ bei Kohlendioxidsündern. Die Ultradefensivität z.B. des Guardians
beim Bericht über diese Aktion sagt alles. Viele Firmen, die von ihrem Image
bei den Kunden abhängen, sprayen sich verzweifelt grün. Niemand würde gerne ein
Umweltsünder geschimpft werden. „Das war toll!“ Etwas Postcampeuphorie kann
notwendig sein – aber kann gefährlich sein, wenn sie uns blendet. Feiern wir
unsere Erfolge, aber bewerten wir sie strategisch. Wo müssen wir jetzt hin und
wie schnell? Wenn wir zu langsam gehen – oder in die falsche Richtung – wird
unsere Aufgabe sogar noch schwieriger. Als Resultat dieses Camps sind wir
stärker als zuvor. Aber wo wollen wir hin und wie schnell? Brauchen wir
eventuell ein Fahrrad, um den Zug noch zu erreichen? Von Anfang an sollte das
Klimacamp 2006 nur der Anfang sein. Es sollte der Anstoß zu einem viel
umfassenderen Vorgehen gegen Klimawandel, Kapital und Staat sein. Nach dem
Oktober 2006 Nachbereitungstreffen für das Klimacamp in Manchester waren viele
von uns enttäuscht. Es schien, dass die einzige wichtige Entscheidung war, dass
2007 ein weiteres Camp organisiert werden sollte. Einige Leute haben sich aus
anderen Anlässen getroffen und haben so etwas wie einen Werkzeugkasten gegen
den Klimawandel zusammengestellt, und das ist prima.[3] Aber dennoch ist das
Klimacamp noch nicht Teil einer größeren Bewegung, wie es das sein sollte. Im
Augenblick scheint es ein Selbstzweck zu sein, die einzige sichtbare Präsenz
einer radikaleren Stimme innerhalb der umfassenderen ‚grünen Bewegung’. Es
sollte noch viel mehr geschehen. Was ist also unsere große Idee? Das können wir
noch nicht wissen, solange wir nicht wissen, was sonst noch vor sich geht. Wir
kennen die Höhe der Emissionsreduzierungen, die wir brauchen. Es gehen auch
einige gute Ideen um, wie sie verteilt werden sollten. Wir wissen auch, dass
wenn wir – als ein Paar oder als Bewegung – alleine handeln, ohne uns nach
potentiellen Verbündeten umzusehen (sowohl strategisch als auch taktisch), aus
uns und dem Planeten Brauntoast wird. Aber es gibt noch viel mehr Dinge, die
wir herausfinden müssen und/oder in unseren Bewegungen verbreiten:

1. Was braut sich zusammen? Was tun lokale Obrigkeiten und regionale
Entwicklungsagenturen? Was tun die anderen Staaten? Welche Kürzungen von
CO2-Emissionen haben sie im Sinn und wie wollen sie sie umsetzen? Wie wollen
sie mit den wahrscheinlichen Konsequenzen ihrer Aktionen umgehen – seien es die
kurzfristigen sozialen und wirtschaftlichen Effekte der Emissionsreduzierungen
oder die langfristige Notwendigkeit, mit den Konsequenzen des Klimawandels
umzugehen – oder eine Kombination aus beidem? Wie verhalten sich die Interessen
verschiedener Streitkräfte zu denen ihrer Regierungen?

2. Frage der Todesstrafe vs. Schuldenerlass. Einige Firmen wollen, aus einer
Vielzahl von Gründen, eher mehr Regulierung als die so genannte Linksregierung
sie gestatten will. Der BDI ist nicht das einzige Sprachrohr des
internationalen Kapitalismus… Für eine Menge seiner Profite braucht das Kapital
staatliche Regulierungen. Viele Versicherungs- und Investitionsfonds bewegen
sich sehr schnell. Business as usual ist nicht im mittel- oder langfristigen
Interesse der Aktienbesitzer. Einige Firmen (BP z.B.) haben Strategien für die
nächsten 50 Jahre. Demnach, womit ist das Kapital einverstanden? Wo beginnt es
zu jaulen? Was fürchtet es am Meisten? Wo plant es Dinge? Was plant es? Wie
verlaufen die Gräben zwischen Kapitalisten, und wie können wir diese nutzen?

3. Wie soll unsere Niedrigenergiegesellschaft letztendlich aussehen? Was können
wir tun, angesichts von CO2-Emissionen von 340kg pro Person pro Jahr?[4] Welche
Industrien können bleiben, wenn überhaupt welche bleiben dürfen? Welche müssen
weg? Wie sind diese organisiert und strukturiert? Welche Lebensstile wollen wir
leben, und was müssen wir tun, um uns aufrechtzuerhalten?

4. Zivilgesellschaft/NGO: Was sind die augenblicklichen Anforderungen sowohl der
Umwelt- als auch der Entwicklungs-NGOs in Großbritannien, anderen
Industriegesellschaften und dem globalen Süden? In welche Richtung gehen sie?
Auf wen hören sie? Können gemeinsame Argumente oder Konzentrationen entwickelt
werden? Wie können wir mit ihnen zusammenarbeiten, ohne dass unsere Bewegung
und unsere Politik kooptiert und/oder verwässert wird?

5. Was sagt die allgemeine Bevölkerung? Über den Klimawandel, über ‚uns’, die
direkt Aktionsorientierte Bewegung? Warum werden die Leute nicht aktiv? Was
können wir zum Beispiel von den Menschen, die Märsche gegen den Klimawandel in
Oxford und in Tewkesbury organisieren, lernen? Was können wir ihnen anbieten?

Wie geht es voran?

Leider fanden dazu beim Klimacamp 2007 sehr wenige Diskussionen statt. Es kann
sein, zumindest einer der AutorInnen dieses Papiers ist dieser Meinung, dass
das Klimacamp vielleicht gar nicht der richtige Platz gewesen wäre, solche
Diskussionen abzuhalten. Aber wie dem auch sei, das Fehlen diesgerichteter
Forschungen und solcher Diskussionen ist ein Riesenproblem. Wenn wir eine
lebenswerte Zukunft haben wollen, müssen wir mit zumindest Annäherungsweisen
Antworten zu diesen Fragen aufwarten und zwar schnellstens, so dass wir unsere
nächsten Schritte planen können. Somit haben wir zwei Vorschläge:

1. Wir müssen uns und andere erziehen. Für jeden der fünf obigen Punkte (und es
gibt mehr) müssen Forschungen durchgeführt, müssen Erkenntnisse geteilt werden.
Es gibt viele Arten und Weisen, auf die wir das tun können, von Flugblättern und
Webseiten bis hin zu Informationstouren und Präsentationen bei Treffen und
Zusammenkünften. Zumindest müsste die Info auf die Network for Climate
Action-Webseite gepostet werden, aber persönliche Zusammenkünfte wären noch
besser.

2. Wir müssen die Information zur Aktion nutzen. Sie nur zu sammeln, ist nicht
genug. Wir müssen uns mittel- und langfristige Ziele setzen, die sowohl
erreichbar als auch strategisch sind – d.h. um zu entscheiden, welche Aktionen
die besten sind, um die Klimakatastrophen zu verhindern – wir müssen die
Resultate unserer Untersuchungen beurteilen. Dies bedeutet

- die möglichen Antworten auf unsere Aktionen von Seiten des Staates, der NGOs,
der Medien, der Zivilgesellschaft, des Kapitals zu bewerten – dabei immer die
Spaltungen und Spannungen innerhalb dieser zu berücksichtigen
- Aktionen auszusuchen, die andere soziale Akteure näher an unsere Politik
heranbringen (was beileibe nicht bedeutet, unsere Politik zu verwässern, um sie
der anderer näher zu bringen)
- auf Arten und Weisen zu handeln, die uns und unsere Verbündeten stärken und
dabei unsere Feinde schwächen
- immer auf Arten und Weisen zu handeln, die unsere Fähigkeiten aufbauen – seien
es unsere Zahl unserer Medienprofil, unsere physische und/oder taktische Stärke
oder was auch immer. Wir müssen lernen, unsere Fähigkeiten besser miteinander
zu teilen
- und was das Wichtigste ist, sicherstellen, dass alle unsere Aktionen uns in
Richtung einer gerechten, Niedrigkohlendioxidgesellschaft hin voranbringen.

Dazu brauchen wir gemeinsames Nachdenken und Diskussion. Wir haben uns häufig
vor dieser Art Diskussion zugunsten praktischer Organisation gedrückt: die
praktischen Schwierigkeiten waren oft sehr viel direkter und dringender, und
mehr theoretische Diskussion ist schwierig und potentiell spaltend. Sie wird
oft als ein Zeitverlust empfunden, die mit etwas Nützlicherem hätte verbracht
werden können. Manchmal wird es auch so sein. Aber schließlich können wir die
Klimakatastrophen nicht damit verhindern, dass wir AktivistInnen uns mit dem
besten Sex, Drogen und Musik umgeben. Oder? Diskussionen von Strategie und
Taktik unterstreichen unsere Unterschiede mehr als unsere Gemeinsamkeiten. Aber
das kann ein Vorteil sein: diese Art Diskussionen helfen denen, die scheinbar
unmoderne oder Minderheitsmeinungen haben, einander kennen zu lernen und sich
näher zu kommen. In kleineren Affinitätsgruppen können wir unsere eigenen
Prioritäten auf der Grundlage geteilter Ansichten setzen und dann für größere
Projekte zusammenkommen. Wir sind eher in der Lage, enger zusammenzuarbeiten
und mit mehr Vertrauen, nachdem wir die Fragen, über die wir verschiedener
Meinung sind, identifiziert und darüber gesprochen haben. Die meisten haben
schon das Vergnügen ewig dauernder ideologischer Diskussionen gehabt, die so
lange zu dauern scheinen, bis alles drei Mal gesagt worden ist, und zwar von
allen. Wir denken, dass das zum Teil auf einer Unklarheit dahingehend beruht,
warum wir die Diskussionen führen. Zu debattieren, um uns ideologisch rein zu
erklären, die HäretikerInnen zu verbannen und uns dann selbst zu
beweihräuchern, während der Planet brennt, ist sicherlich nicht der
konstruktivste Weg nach vorn. Aber eine Diskussion über konkrete praktische
Aktionen wird uns weiterhelfen. Wir können dann entscheiden, mit anderen
zusammenzuarbeiten, die unsere Prioritäten teilen, selbst wenn sie dies nicht
bis zum letzten Anstrich unserer Analyse tun. Was können wir tun? Wir müssen
sicher gehen, dass wenn immer wir Treffen zur Vorbereitung künftiger Projekte
planen – und es ist absolut notwendig, dass wir solche Projekte haben - wir
genug Zeit für Diskussion lassen. Wenn dies bedeutet, dass wir mit diesen
Projekten etwas langsamer vorankommen, dann bitte sehr: mittel- bis langfristig
wird uns das Kraft geben. Die Projekte sollten keinen Rücksitz einnehmen – weit
gefehlt, angesichts der Dringlichkeit, mit der wir unsere Aktionen eskalieren
müssen – aber der Ernst der Lage sollte uns nicht daran hindern, gemeinsam
nachzudenken.

Drei bescheidene Vorschläge:
- Wir treffen uns weiter als eine Art (wie auch immer definiertes) Netzwerk;
- Unsere Treffen betonen die Notwendigkeit, Information zu teilen und kollektiv
zu diskutieren.
- Welche praktischen Projekte auch immer wir organisieren, sollten diese immer
mit unserem Ziel, uns zu bilden, verbunden sein.

Antworten/Kommentare/Einwände/Kritiken/Korrekturen/Argumente/Diskussionen sind
alle willkommen. Bitte sendet sie an: wherenext at aktivix.org.

Anti-copyright: druckt’s, kopiert’s, verändert’s und verteilt’s wie Ihr wollt.
Für leichteren Druck ist es auf der Webseite auch als pdf (A5 und A4
erhältlich).

[1] Als wir uns zuerst zusammengesetzt haben, um diesen Essay zu schreiben,
waren wir uns nicht sicher, ob es eine Kritik der Richtungen sein sollte, die
das Klimacamp eingeschlagen hatte, oder ein Beitrag zu einer konstruktiven
Diskussion darüber, was unsere Prioritäten sein sollten. Während eine Variation
zum Thema „Gegen die Institutionalisierung (der Idee) des Klimacamps“ lustiger
zu schreiben sein dürfte und eventuell auch mehr Ärger stiften dürfte, nehmen
wir an, dass sie letztendlich weniger hilfreich sein dürfte. Aus verschiedenen
Gründen war niemand von uns beim Camp 2007: daher ist unsere Antwort darauf
größtenteils ein Resultat von Beobachtungen von außen. Aber wir hoffen, dass
diese Distanz es uns erlaubt, von draußen Dinge zu sehen, die von nah dran
verpasst werden könnten.
[2] Das bedeutet nicht, dass die Organisatoren nicht eine Riesenarbeit geleistet
hätten; natürlich haben sie das. Es sollte auch nicht bestritten werden, dass
alles viel, viel schlechter hätte laufen können.
[3] Vgl. Network for Climate Action- Webseite.
[4] Diese Zahl, von http://www.carbonequity.info/docs/election07.html basiert
auf einer angenommenen Weltbevölkerung von 8,9 Milliarden in 2050 und wird als
die höchste Zahl angenommen, die wir bei einem Temperaturanstieg von „nur“ 2o
Grad Celsius halten können.


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Veranstaltung in Berlin: Die “Sicherheitsarchitektur” bei “polizeilichen
Großlagen”

“Risk Control”, Internationale Polizeikooperation, “Handhabung von
Menschenmassen”, neue Sicherheitstechnologie

In den letzten 3 Jahren hat es einen Schub zur Vernetzung und Kooperation
internationaler Polizeibehörden gegeben. Europaweit werden Gesetze zu mehr
Überwachung angeglichen. Neue Polizeiinstitute beraten über die Vernetzung von
Datenbanken. Forschungsprogramme sollen Methoden entwickeln, um
“sicherheitskritisches Verhalten” früh zu erkennen und diskret zu beseitigen.
Auf überregionalen Konferenzen beraten sogenannte “Verbindungsbeamte” in
“Closed door meetings” über grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Mehrere
Institute bieten Beratung zur “Sicherheitsarchitektur” bei Gipfeltreffen oder
Sportereignissen an. Ein zentrales Thema dabei ist die “Handhabung von
Menschenmassen” (“Crowd Management”). Es gibt inoffizielle “Handbücher für
Sicherheitsfragen” bei G8-Gipfeln.

Auf der Veranstaltung geben wir einen Überblick über die
“Sicherheitszusammenarbeit” auf europäischer sowie internationaler Ebene.
Mittels Vortragsmaterial des “Europäischen Polizeikongress” stellen wir neue
Technologie, Institute und Konferenzen vor. Heiner Busch erklärt das
“Europäische Handbuch für Gipfeltreffen”.

Eine Mobilisierungsveranstaltung zur Kampagne gegen den “11. Europäischen
Polizeikongreß” am 29./ 30. Januar 2008 in Berlin.


      * Heiner Busch, CILIP/ Komitee für Grundrechte und Demokratie
      * Silke Studzinsky, Republikanischer Anwaltsverein
      * Hanne Jobst, Gipfelsoli Infogruppe


Dienstag 27. November, 20.00 Uhr
KATO, U-Bhf Schlesisches Tor, Kreuzberg

six hills berlin | Gipfelsoli Infogruppe