[Gipfelsoli Newsletter] Heiligendamm

Öffentlicher Verteiler der Gipfelsoli-Infogruppe gipfelsoli-l at lists.nadir.org
Mo Mai 7 21:13:10 CEST 2007


- Eine Fahrrad-Aktivistin auch nach 48 Stunden noch in Haft - Einschüchterung
durch Polizei
- Antwort Kleine Anfrage: Einsatz der Bundeswehr beim G8-Gipfel in Heiligendamm
- Antwort Kleine Anfrage: Kräfteplanung der Polizei zum Einsatz in Heiligendamm
- G8: Radio-Jingle zu Gewaltprävention "Schauen Sie bei Gewalt nicht weg!"
- 19. Mai: Karawane-Tour startet in Neuburg
- G8-Seeblockade vor Verteidigungsministerium
- Kompromiss in letzter Minute
- Filme und Input zur osteuropäischen Mobilisierung gegen G8

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Eine Fahrrad-Aktivistin auch nach 48 Stunden noch in Haft - Einschüchterung
durch Polizei

Presseerklärung des Fahrradkarawanen Infobüros in Rostock

Weitere Informationen: Info-Büro der Fahrradkarawanen in Rostock, Andree Narres:
+49 - 160 - 953 14 023

--- 48 Stunden Haft wegen Radfahren abseits der Radwege - Anti-G8-Karawane
protestiert aufs Schärfste gegen unverhältnismäßigen Polizeieinsatz und
Mißhandlungen --- Juristisches Nachspiel für Festgenommene und Polizei

Auch nach 48 Stunden Haft wurde die letzte der 100 Anti-G8 FahrradaktivistInnen,
die am Samstag in Utrecht (Niederlande) festgenommen worden waren heute, noch
immer nicht freigelassen. In einer offenbar im Voraus geplanten Polizeiaktion
waren die TeilnehmerInnen der Fahrradkarawane und UnterstützerInnen am Samstag
festgenommen worden als sie die Stadt verlassen wollten. Die FahrradfahrerInnen
waren ohne Vorwarnung plötzlich von einer polizeilichen Spezialeinheit mit
gezogenen Schlagstöcken sowie berittener Polizei eingekesselt worden. Unter dem
Vorwand, die RadfahrerInnen wären nicht auf dem Fahrradweg gefahren, begann die
Polizei dann alle festzunehmen. Die Fahrräder wurden beschlagnahmt und
abtransportiert, wobei Schlösser aufgebrochen und zahlreiche Fahrräder
beschädigt wurden. Nach ihrer Freilassung berichteten DemonstrantInnen von
unverhältnismäßiger Polizeigewalt während der Festnahmen.

Die Mißhandlungen setzten sich in den Zellen fort. Über Stunden wurden die
GipfelgegnerInnen in überbelegten Zellen festgehalten - 25 Personen in einer
4x4m großen Zelle - wo sie wegen der fehlenden Belüftung unter Sauerstoffmangel
litten und nicht mit Essen versorgt wurden. Als Nachts die ersten
DemonstrantInnen freikamen, häuften sich Berichte über Einschüchterungsversuche
der Polizei. "Sie sagten uns, was sie heute getan hätten sei tolerant gegenüber
dem, was sie mit uns anstellen würden, wenn wir weitere Aktionen durchführen
sollten" sagte Antje, eine Teilnehmerin der Karawane.

Für die internationalen Mitglieder der Karawane kamen die Festnahmen und das
gewalttätige Vorgehen der Polizei ebenso überraschend wie niederländische
AktivistInnen. "Das war für niederländische Verhältnisse eine sehr
ungewöhnliche Polizeiaktion" sagte Antje. "Ich mache seit Jahren
Fahrradaktionen und kann mich nicht erinnern, daß soetwas schonmal passiert
ist." Andree Narres vom Infobüro der Fahrradkarawanen ist empört: "Ich finde
keine andere plausible Erklärung, als daß Politik und Polizei alle Hebel in
Bewegung setzen, um jeglichen Protest schon im Vorfeld des G8-Gipfels zu
verhindern, zu schikanieren und zu kriminalisieren." Es bestehe die
Befürchtung, daß die Aktion durchgeführt worden sei, um der Fahrradkarawane die
Einreise nach Deutschland zu erschweren. "Die Polizei hat viele festgenommene
Personen schließlich nicht wegen der bloßen Ordnungswidrigkeit des Radfahrens
auf der Straße angezeigt, sondern wegen angeblichen Widerstandes gegen die
Staatsgewalt, ein Straftatbestand, der vor Gericht verhandelt wird."

"Wir werden uns aber nicht einschüchtern lassen" sagt dazu Antje. Tatsächlich
nahmen am Sonntag trotz der für die meisten bis tief in die Nacht andauernden
belastenden Hafterfahrung auch freigelassene Mitglieder der Fahrradkarawane an
den zuvor geplanten Aktionen teil; im nahegelegenen Zeist kam es zu einer
antirassistischen Inspektion eines Abschiebelagers und in Utrecht versammelten
sich 50 Personen zu einer lautstarken Demonstration vor der Polizeiwache. Ihren
Zeitplan konnte die Karawane jedoch nicht einhalten - die politischen Gruppen in
Nimwegen, die das Eintreffen der Karawane zum Auftakt der lokalen Anti-G8
Aktionstage nutzten wollten, mußten alleine beginnen.

Ein juristisches Nachspiel soll der Vorfall aber nicht nur für die
Fetsgenommenen haben. Die Rechtshilfe Utrecht will zusammen mit vielen
Betroffenen die Polizei wegen des unverhältnismäßigen Polizeieinsatzes und der
Haftbedingungen zur Rechenschaft ziehen. Außerdem wird die Polizei wegen der
beschädigten Fahrräder und aufgebrochenen Schlösser wegen Sachbeschädigung
angezeigt. Die Rechtshilfegruppe hofft, daß auch die letzte Festgenommene im
Laufe des Abends freigelassen wird. Solange das nicht der Fall ist, hat die
Karawane zu Soliaktionen aufgerufen - "bis alle draussen sind und sämtliche
Fahrräder zurückgegeben wurden", sagt Andree Narres.

Informationsbüro für alle Karawanen
Karawanen-info-büro
G8-Protestzentrum Ehm-Welk-Schule
Knut Rassmussenstr. 108
18106 Rostock


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Einsatz der Bundeswehr beim G8-Gipfel in Heiligendamm

Antwort der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Ulla Jelpke, Monika Knoche, Dr. Dietmar
Bartsch, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.

- Drucksache 16/4983 -

Der G8-Gipfel in Heiligendamm findet unter höchster Sicherheitsstufe statt.
Gegen das Treffen werden Proteste von mehreren Zehntausend Demonstrantinnen und
Demonstranten erwartet, die sich gegen Krieg, Hunger und Ausbeutung wenden.
Sämtliche acht Teilnehmerstaaten sind an Kriegen beteiligt, einige auch an
völkerrechtswidrigen wie dem Irakkrieg. Tausende von Polizisten sollen das zur
Festung ausgebaute Tagungshotel abschotten. Auch Bundeswehr und Bundespolizei
wirken daran mit.
Die Tätigkeiten der Bundeswehr konzentrieren sich nach Presseberichten nicht nur
auf die Bereitstellung von Unterkünften für Polizeikräfte. Das Militär stellt
auch Sanitätskräfte und -material zur Verfügung. Ein Vizeadmiral der Bundeswehr
wird von der Presse mit den Worten zitiert: "Wenn ein Schadensfall eintritt und
wir angefordert werden, wird die Bundeswehr mit jedem Soldaten, der zur
Verfügung steht, helfen" (NDR, 12. März 2007). Darüber hinaus führt die
Bundeswehr gemeinsam mit der örtlichen Polizei Sicherheitsübungen durch. "Dabei
werde das Zusammenwirken von Sicherheits- und Hilfskräften etwa bei
Demonstrationen mit militanten Globalisierungsgegnern trainiert", so laut NDR
Oberst Manfred Pape, der Chef des Landeskommandos Mecklenburg- Vorpommern.
Der "OSTSEE-ZEITUNG" vom 22. März 2007 zufolge wird im Bundesministerium der
Verteidigung geprüft, "in welchen Bereichen die Truppe ihre Fähigkeiten
einbringen könne" - über Sanitäts- und logistische Unterstützung hinaus.
Gedacht sei an den Einsatz von Tauchern und anderen Spezialisten.

1. Wie viele Bundeswehrsoldaten werden nach bisherigem Planungsstand in
Zusammenhang mit dem G8-Gipfel eingesetzt?
a) Welche Kosten entstehen dadurch?
b) Seit wann plant die Bundesregierung den Einsatz der Bundeswehr?

Nach derzeitigem Planungsstand werden insgesamt ca. 1 100 Soldaten und zivile
Mitarbeiter zu unterschiedlichen Zeiten im Rahmen direkter
Unterstützungsleistungen der Bundeswehr für das G8-Gipfeltreffen verwendet.
a) Nach derzeitigem Planungsstand belaufen sich die Kosten für die bislang
beantragten Unterstützungsleistungen durch die Bundeswehr auf ca. 10 Mio. Euro
nach Vollkosten und ca. 3 Mio. Euronach Amtshilfesatz.
b) Nach Eingang des Unterstützungsantrages des Innenministeriums des Landes
Mecklenburg-Vorpommern vom 21. März 2006 ist die Bundeswehr seit Mai 2006 mit
Maßnahmen zur Unterstützung befasst.

2. Werden darüber hinaus Soldaten in Bereitschaft gehalten, und wenn ja, wie
viele und zu welchem Zweck?

Nein.

3. Wie viele dieser Bundeswehrangehörigen werden jeweils
a) innerhalb des umzäunten Areals,
b) außerhalb des Areals,
c) im gesperrten Seebereich,
d) außerhalb des gesperrten Seebereichs,
e) auf dem Gelände des Flughafens Rostock-Laage bereitgehalten?

Auf die Antwort zu Frage 2 wird verwiesen.

4. Wie viele dieser Soldaten sind bewaffnet, und um welche Bewaffnung handelt es
sich dabei?
a) Haben einige der eingesetzten Soldaten (ggf. welche) das Recht, Zwangsmittel
anzuwenden, und wenn ja, auf welcher Rechtsgrundlage?
b) In welchem Rahmen, wann und wo werden Feldjäger eingesetzt?

Eine Bewaffnung der in der Antwort zu Frage 1 genannten Soldaten ist nicht
geplant. Grundsätzlich können jedoch Soldaten lageabhängig zum Eigenschutz mit
Handwaffen ausgestattet werden.

a) Die in der Antwort zu Frage 1 genannten Soldaten haben keine Zwangsmittel zur
Verfügung. Unbenommen davon bleiben das Recht der Abwehr von Straftaten gegen
die Bundeswehr sowie das Recht auf Notwehr.

b) Feldjägerkräfte sind darüber hinaus grundsätzlich mit der Unterstützung
militärischer Bedarfsträger/Kasernenkommandanten durchWahrnehmung militärischer
Ordnungs- und Sicherheitsaufgaben in den jeweiligen militärischen Liegenschaften
beauftragt. Ergänzend sind Feldjägerkräfte darauf eingestellt, die zur
technisch-logistischen Unterstützung eingesetzten Bundeswehrkräfte mit
Maßnahmen des militärischen Verkehrsdienstes, militärischen Ordnungsdienstes
und durch Wahrnehmung von Sicherheitsaufgaben zu unterstützen.
Die Wahrnehmung des Auftrages erfolgt reaktiv, so dass zurzeit diesbezüglich
keine konkrete Terminierung erfolgen kann.

5. Ist geplant oder wird erwogen, bestimmte Bereiche zu militärischen
Sicherheitsbereichen zu erklären, und wenn ja, welche (bitte präzise
beschreiben) und mit welcher Begründung?

Es sind keine Militärischen Sicherheitsbereiche geplant.

6. Mit welchen Tätigkeiten werden die Soldaten während des Gipfels betraut
(bitte nach Anzahl der Soldaten, deren Teilstreitkraft/Organisationsbereich,
vorgesehen Einsatztagen, Einsatzort und Art der Tätigkeit differenzieren)?

Umfang und Intensität der Unterstützungsleistungen durch die Bundeswehr werden
erst zeitnah zum G8-Gipfeltreffen endgültig absehbar sein. Daher können
abschließende Aussagen zu Umfang und Intensität der Unterstützungsleistungen
derzeit nicht getroffen werden.

7. Plant die Bundesregierung, der Bundeswehr Aufgaben zu übertragen, die in den
Zuständigkeitsbereich der Küstenschutzpolizei fallen, und wenn ja, welche
Aufgaben und warum?

Nein.

8. Welche weiteren Unterstützungsleistungen übernimmt die Bundeswehr, auf wessen
Anforderung, und welche Kosten entstehen dadurch (bitte nach Art der
Unterstützung, Einsatztagen und -ort differenzieren)?

Auf die Antwort zu den Fragen 1 und 6 wird verwiesen.

9. Welche weiteren Unterstützungsleistungen werden von der Bundeswehr
bereitgehalten bzw. können noch zusätzlich abgefordert werden?

Es werden keine weiteren Unterstützungsleistungen bereitgehalten. Neue
Unterstützungsanträge unterliegen einer Einzelfallprüfung und werden bei
Vorliegen der rechtlichen Voraussetzungen im Rahmen freier Kapazitäten erfüllt.

10. Welche Unterstützungsanforderungen hat die Bundeswehr abgelehnt (bitte
detailliert darlegen und begründen)?

Keine

11. Übernehmen ausländische Streitkräfte Unterstützungsleistungen oder
beteiligen sich daran (ggf. bitte erläutern)?

Eine Einbindung ausländischer Streitkräfte in das nationale Sicherheitskonzept
für den G8-Gipfel im Zusammenhang mit Unterstützungsleistungen ist nicht
vorgesehen. Über die eventuelle Anforderung von NATO-AWACS Luftfahrzeugen zur
Luftraumüberwachung ist noch zu entscheiden.

12. In welchen Kasernen werden Unterbringungsmöglichkeiten bereitgestellt und
für wen und wie viele Personen?

Insgesamt können ca. 6 500 Unterkunftsplätze in Liegenschaften der Bundeswehr
für Einsatzkräfte der Bundespolizei und der Polizeien der Länder bereitgestellt
werden. Die Nutzung verfügbarer Kapazitäten wird erst zeitnah zum
G8-Gipfeltreffen endgültig absehbar sein. Für die Belegung liegt die
Federführung überwiegend beim Land Mecklenburg-Vorpommern.

13. Ist beabsichtigt, die Bundeswehr an der Sicherung der Strecke zwischen dem
Flughafen Rostock-Laage und dem Tagungshotel zu beteiligen, und wenn ja, in
welcher Form und auf welcher Rechtsgrundlage?

Nein.

14. Werden in Zusammenhang mit dem G8-Gipfel Reservisten eingesetzt oder in
Bereitschaft gehalten, und wenn ja, in welchem Umfang und für welche Zwecke?

Für die Ebene der Landkreise/Kreisfreien Städte hat die Bundeswehr im Rahmen
ihrer neuen Strukturen der Zivil-Militärischen Zusammenarbeit nichtaktive
Verbindungskommandos aufgestellt. Die Mitglieder dieser Verbindungskommandos
setzen sich ausschließlich aus Reservisten zusammen. Für den G8-Gipfel sind in
folgenden administrativ-organisatorischen Verwaltungsstäben Reservisten mit
ihrem Verbindungskommando eingesetzt:
* Hansestadt Rostock,
* Kreis Güstrow,
* Kreis Parchim,
* Stadt Bad Doberan und
* Stadt Neubrandenburg.
Insgesamt ist die Beteiligung von 27 Reservisten geplant.

15. Wie viele und welche Boote der Deutschen Marine sollen mit welchen Aufgaben
zum Einsatz kommen?
a) Wird der Einsatz von Marinetauchern erwogen oder fest eingeplant?
b) Wenn ja, über welche Bewaffnung verfügen diese?
c) Wird der Einsatz der Spezialisierten Einsatzkräfte der Marine erwogen?

Im Rahmen der Unterstützungsleistung ist die Bereitstellung von neun Booten der
Marine vorgesehen:
* Sechs Verkehrsboote als Transportmittel. Zwei Minenjagdboote für das Absuchen
des seeseitigen Sperrgebietes nach Fremdkörpern.
* Ein Minenjagdboot als Plattform für Minentaucher.
Die Bereitstellung eines Schiffs der Marine ist geplant:
* Eine Fregatte als Unterstützung für die Luftwaffe zur Erstellung des
Luftlagebildes im Rahmen der Sicherheit im Luftraum.

a) Fest eingeplant.
b) Keine
c) Minentaucher sind Spezialisierte Einsatzkräfte der Marine.

16. Trifft die in der "OSTSEE-ZEITUNG" vom 10. Januar 2007 wiedergegebene
Äußerung des Inspekteurs der Streitkräftebasis Wolfram Kühn zu, derzufolge
keine Soldaten in Uniform auf den Straßen zu sehen sein werden?

Die Bundeswehr leistet im Rahmen der Amtshilfe Unterstützungsleistungen, die
dazu führen, dass auch Soldaten und Soldatinnen in Uniform in Erscheinung
treten werden. Der Stellvertreter des Generalinspekteurs und Inspekteur der
Streitkräftebasis hatte im Zuge der Erläuterung des Subsidiaritätsprinzips
gegenüber der Ostsee-Zeitung am 9. Januar 2007 lediglich darauf hingewiesen,
dass - analog zur FIFA-Fußball-WM 2006 - keine Unterstützungskräfte "in erster
Reihe im Straßenbild" in Erscheinung treten. Insofern ist die Berichterstattung
der Ostsee-Zeitung vom 10. Januar 2007, wonach "keine Soldaten in Uniform im
Einsatz seien", nicht zutreffend.

17. Wie viele gemeinsame Übungen haben zwischen Bundeswehr und Polizeistellen in
Zusammenhang mit dem G8-Gipfel stattgefunden, und wie viele Übungen sollen bis
zum Gipfel noch stattfinden und wann?
a) Was war bzw. ist Gegenstand dieser Übungen?
b) Wie viele Soldaten und Polizisten waren/sind an diesen Übungen beteiligt, und
welche Tätigkeiten wurden/werden dabei geübt (bitte detailliert darlegen)?
c) Waren/sind weitere Organisationen oder Institutionen daran beteiligt, und
wenn ja, welche?

Keine. Es sind auch keine gemeinsamen Übungen von Bundeswehr und
Polizeidienststellen im Zusammenhang mit dem G8-Gipfeltreffen geplant.

18. Welche Rolle soll die Bundeswehr im Zusammenwirken von Sicherheits und
Hilfskräften bei Gewalttätigkeiten zwischen Polizei und Demonstrantinnen und
Demonstranten spielen?
a) Inwiefern ist nach Ansicht der Bundesregierung die Bewältigung
nichtkriegerischer, gewalttätiger Zusammenstöße im Inland eine Aufgabe der
Bundeswehr, und wie ist dies mit den einschlägigen grundgesetzlichen Regelungen
zum Inlandseinsatz der Bundeswehr zu vereinbaren?
b) Welche Dienststellen und Einheiten der Bundeswehr sind an Planungen und
Szenarien in Zusammenhang mit möglichen Gewalttaten rund um den Gipfel
beteiligt?
c) Teilt die Bundesregierung die Ansicht der Fragesteller, die Beteiligung der
Bundeswehr an gewalttätigen Auseinandersetzungen mit Demonstrantinnen und
Demonstranten sei etwas qualitativ Neues und ein Schritt auf dem Weg dahin, der
Bundeswehr zusätzliche Machtbefugnisse im Inland zu übertragen, und wenn nein,
warum nicht?

Keine. Die Unterstützung der Bundeswehr beschränkt sich auf das Erbringen
technisch-logistischer Amtshilfe nach Artikel 35 Abs. 1 GG.
a) Die Bewältigung von nichtkriegerischen, gewalttätigen Zusammenstößen im
Inland ist keine Aufgabe der Bundeswehr.
b) Eine planerische Beteiligung der Bundeswehr in einsatztaktischen Aspekten der
Polizei ist durch den verantwortlichen Polizeiführer nicht vorgesehen.
c) Auf die Antwort zu 18a wird verwiesen.

19. Welche Szenarien liegen den verschiedenen Einsatzplanungen für den
Bundeswehreinsatz zu Grunde?

Die Unterstützungsleistungen der Bundeswehr sind nicht einsatzbezogen. Die
Unterstützung der Bundeswehr beschränkt sich auf das Erbringen
technischlogistischer Amtshilfe nach Artikel 35 Abs. 1 GG.

20. In welchen Sicherheits-, Koordinations- oder Analysestäben werden konkrete
Einsätze der Bundeswehr geplant, in welchen Stäben ist die Bundeswehr selbst
beteiligt, und wer ist in diesen Gremien außerdem vertreten (bitte Anzahl der
eingesetzten Soldaten und die Rolle der Bundeswehr in diesen Gremien darlegen)?

In folgende zivile Stäbe werden Verbindungskommandos der Bundeswehr entsandt:
- Besondere Aufbauorganisation (BAO) Kavala (Eigenname):
In den organisatorisch-administrativen Anteil des Stabes der Polizeiführung wird
ein Verbindungskommando Wehrbereichskommando I "Küste" in Kiel und des
Landeskommandos Mecklenburg-Vorpommern abgestellt. Es hat eine Stärke von fünf
Soldaten. Aufgabe des Verbindungskommandos ist die Gewährleistung eines
reibungslosen Informationsaustausches im Rahmen der Zivil-Militärischen
Zusammenarbeit.
- BAO Kavala: Einsatzabschnitt 12 "Seesicherheit": Entsendung von zwei
Verbindungsoffizieren der Marine zum gegenseitigen Informationsaustausch.
- Zivile Katastrophenschutzstäbe: Entsendung von fünf Verbindungskommandos in
regionale Katastrophenschutzstäbe. Auf Frage 14 wird verwiesen.
- Interministerieller Krisenstab des Landes Mecklenburg-Vorpommern: Entsendung
eines Verbindungskommandos durch das Landeskommando Mecklenburg-Vorpommern bei
Aktivierung des Interministeriellen Stabes.
- Gemeinsame Flugeinsatzzentrale von Bundeswehr und Polizei: 25 Soldaten als
Beitrag zu Sicherheit im Luftraum.

21. In welchem Zusammenhang steht das Manöver "Baltops" mit dem G8-Gipfel?
Sind am Manöver beteiligte Einheiten in der Lage, Sicherungsaufgaben für den
G8-Gipfel wahrzunehmen, und wenn ja, welche?

Das NATO-Manöver BALTOPS steht in keinem Zusammenhang mit dem G8-Gipfeltreffen.

22. Wie viele Bundespolizisten sollen in Zusammenhang mit dem G8-Gipfel zum
Einsatz kommen, und welche Kosten entstehen dabei?

Umfang und Intensität originärer Bundespolizeiaufgaben sowie der Unterstützung
für das Bundeskriminalamt und das Land Mecklenburg-Vorpommern werden
lageabhängig und daher erst zeitnah zum G8-Gipfeltreffen endgültig absehbar
sein. Daher können abschließende Aussagen zum Einsatz von Bundespolizeibeamten
sowie zu den entstehenden Kosten für die Bundespolizei derzeit nicht getroffen
werden.

23. Welche Aufgaben sollen die Bundespolizisten übernehmen (bitte nach einzelnen
Tagen, Aufgaben und Anzahl der eingesetzten Bundespolizisten aufgliedern)?

Auf die Antwort zu Frage 22 wird verwiesen.

24. Werden weitere Bundespolizisten in Bereitschaft gehalten, und wenn ja, wie
viele und für welche Aufgaben?

Die Bundespolizei plant derzeit eine Reserve für die bundesweite Verstärkung
eigener Aufgaben sowie die anlassbezogene Unterstützung Mecklenburg-
Vorpommerns und des Bundeskriminalamtes bereit zu halten. Aus einsatztaktischen
Gründen wird auf die Angabe der Größenordnung verzichtet.


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Kleine Anfrage: Kräfteplanung der Polizei zum Einsatz in Heiligendamm

Kleine Anfrage der Abgeordneten Birgit Schwebs, Fraktion der Linkspartei.PDS
Planungsstab Kavala

LT-Drs.: 5/401 vom 04.04.2007

Nach einer Pressemitteilung vom 3. April 2007 wurde der Planungsstab Kavala um
220 Mitarbeiter erweitert, 40 von ihnen wurden aus den Dienststellen der
Landespolizei Mecklenburg-Vorpommerns abgeordnet. Weitere Abordnungen sind
angekündigt.

Der Innenminister beantwortet die Kleine Anfrage für die Landesregierung wie
folgt:

Frage 1:
Wie viele Polizeibeamte aus Mecklenburg-Vorpommern sind seit wann in der Region
Bad Doberan zur Absicherung des Gipfels eingebunden?

Antwort:
Die Besondere Aufbauorganisation (BAO) "KAVALA" der Polizeidirektion Rostock ist
seit dem 1. April 2007 zuständig für alle Einsatzmaßnahmen zum Schutz des
Weltwirtschaftsgipfels G8 2007 in Heiligendamm. Die Anzahl der dabei
eingesetzten Kräfte ist abhängig von der jeweils vorherrschenden Lage und wird
dieser variabel angepasst.

Frage 2:
In welchen weiteren Etappen werden wie viele weitere Polizeibeamte aus
Mecklenburg- Vorpommern zu Kavala abgeordnet?

Antwort:
Derzeit sind 200 Mitarbeiter der Landespolizei Mecklenburg Vorpommern gem. § 31
(1) Landesbeamtengesetz Mecklenburg-Vorpommern abgeordnet bzw. umgesetzt. Die
Abordnung von weiteren ca. 156 Mitarbeitern ist für die Haupteinsatzphase vom
29. Mai bis 10. Juni 2007 vorgesehen.

Frage 3:
Seit wann steht die Kräfteplanung zum Einsatz in Heiligendamm bzw. zur Abordnung
zu Kavala?

Antwort:
Dem Innenministerium Mecklenburg-Vorpommern wurde das Einsatzkonzept
"Weltwirtschaftsgipfel G8 06.- 08. Juni 2007 in Heiligendamm" der
Polizeidirektion Rostock, BAO "KAVALA" vorgelegt. Aufgrund der sich ständig
ändernden Lage unterliegt die Einsatzkonzeption mit der darauf basierenden
Kräfteplanung einer ständigen Fortschreibung und ist somit nicht abschließend.

Frage 4:
Wann werden die Polizeibeamten darüber informiert, ob und zu welchem Zeitpunkt
sie ihren Dienst in Heiligendamm aufnehmen müssen?

Antwort:
Die Information der Mitarbeiter der Landespolizei Mecklenburg-Vorpommern über
die Einsatzzeiten erfolgt, wenn die abschließenden Ergebnisse des
Kräfteunterstützungsersuchens des Landes Mecklenburg-Vorpommern an den Bund und
die Länder vorliegen und eine abschließende Planung zu den von der Landespolizei
Mecklenburg-Vorpommern zum Einsatz zu bringenden Kräften möglich ist. Mit dieser
Information ist in der 18./19. Kalenderwoche zu rechnen.

Frage 5:
Gibt es Regelungen für die Dienstzeiten für die einzelnen Beamten? Wenn ja,
welche? Die Antwort bitte begründen.

Antwort:
Eine gesonderte Regelung zur Dienstzeit für einzelne Beamte ist nicht geschaffen
worden.

Frage 6:
Wie wird während der Zeit der Abordnungen Sicherheit und Ordnung in den Kommunen
gewährleistet?

Antwort:
Die Bereitstellung von Einsatzkräften der Landespolizei Mecklenburg-Vorpommern
für Maßnahmen zum Schutz des Weltwirtschaftsgipfels G8 2007 erfolgt unter
Berücksichtigung der Erfordernisse zur Aufrechterhaltung der öffentlichen
Sicherheit und Ordnung im Land. Die Sicherung von Brandschutz und
Rettungsdienst erfolgt nach wie vor durch die kommunalen Träger.

Frage 7:
Gibt es Pläne zur Bewältigung evtl. auftretender besondere Lagen in den
Kommunen?

Antwort:
Ja. Die Polizei verfügt über kalendermäßig vorbereitete Einsatzunterlagen zur
Bewältigung besonderer Einsatzlagen. Die Kommunen (Gemeinden und Ämter) halten
für besondere Ereignisse u.a. Feuerwehreinsatzpläne vor. Die Landkreise und
kreisfreien Städte haben Katastrophenschutzpläne vorbereitet und erprobt.

Frage 8:
Führt dies zu einer gleichzeitigen Belastung der nach Heiligendamm abgeordneten
Beamten?

Antwort:
Eine gleichzeitige Belastung abgeordneter Beamter mit Aufgaben in der
Alltagsorganisation findet nicht statt.


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G8: Radio-Jingle zu Gewaltprävention
"Schauen Sie bei Gewalt nicht weg!"

Pressemitteilung

Unter dem Titel "Gewalt ist keine Lösung!" hat die "Arbeitsgruppe
Gewaltprävention" einen zweiminütigen Radio-Jingle produziert. Die Verfasser
zitieren die Schriftsteller Bert Brecht und Ulrike Meinhof. Sie fordern
Gewaltfreiheit dort, "wo die Gewalt ihren Ursprung nimmt: Bei den G8-Staaten
und ihrem Polizei- und Militärapparat".

"Wir bringen unser ‚Nein' zu den Gewalt-Verhältnissen, für die der G8-Gipfel
steht, laut und unmißverständlich zu Gehör!", fährt die Arbeitsgruppe fort.

Kritisiert wird die Polizeiorganisation "BAO Kavala" für die Ankündigung,
Proteste und Blockaden in Heiligendamm gewaltsam zu räumen. "Schauen Sie bei
dieser Gewalt nicht weg!", fordern die Gipfelgegner.

"Der Jingle ist für Radiosender produziert, die sich für das Thema ‚Gewalt'
interessieren", klärt Hanne Jobst, eine Produzentin, auf. "Die Hälfte der
Menschheit lebt von weniger als 2 Dollar pro Tag, 50.000 Menschen werden
jährlich aus Deutschland abgeschoben. Das ist strukturelle Gewalt, gegen die
wir Widerstand leisten wollen", kritisiert Jobst.

Der Beitrag richtet sich hauptsächlich an die Bevölkerung in
Mecklenburg-Vorpommern. "Natürlich würden wir uns freuen, wenn er auch in
anderen Bundesländern Verwendung fände". Auch das Netzwerk Freier Radios und
andere Alternativmedien werden angesprochen. Download unter
www.gipfelsoli.org/Texte.

Quellen:
* Der Jingle zum Download (mp3, 0:02:00):
http://gipfelsoli.org/rcms_repos/Tools/AG_Gewalt.mp3
* Volltext des Beitrags: http://gipfelsoli.org/Texte/1428.html

* Anti-Gewalt-Videoclip Genua 2001 (0:02:18, 2003):
http://gipfelsoli.org/rcms_repos/Tools/all_togheter_low.avi

[Arbeitsgruppe Gewaltprävention]


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19. Mai: Karawane-Tour startet in Neuburg

Für die Abschaffung aller Flüchtlingslager - gegen Abschiebungen in die
Krisengebiete der Welt!

Aufruf zum Download in deutsch, english, kurdisch/Sorani und bald auch arabisch:
www.carava.net

19. Mai bis 4. Juni: Anti-G8-Karawane von Neuburg nach Rostock: "Wir sind hier
weil ihr unsere Länder zerstört"

Tourstart in Neuburg, Aktionscamp auf der Brandlwiese, 19.-21.Mai

Vom 19. Mai 2007 bis zum 4. Juni 2007 zieht die Karawane für die Rechte der
Flüchtlinge und MigrantInnen von Bayern über Thüringen, Hessen,
Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Berlin bis nach Rostock in
Mecklenburg-Vorpommern. Dort treffen sich im Ostseebad Heiligendamm vom 05. bis
07. Juni 2007 die Repräsentanten der reichsten und mächtigsten Staaten der Welt,
der sogenannten G8. Die Karawane will den Zusammenhang zwischen der Zerstörung
der Herkunftsländer der Flüchtlinge durch rücksichtslose Ausbeutung und Krieg
durch die Politik der G8-Staaten und den weltweiten Flucht- und
Migrationsbewegungen sichtbar machen. "Wir sind hier, weil Ihr unsere Länder
zerstört" ist zentrales Motto der Karawane.

Die bundesweite Karawane startet am 19. Mai 2007 in Neuburg an der Donau. Seit
zwei Jahren wehren sich Flüchtlinge in Neuburg gegen menschenunwürdige
Unterbringung im Lager, gegen Mangelversorgung mit Essenspaketen,
Arbeitsverbote und Kriminalisierung und gegen die alltäglichen Schikanen von
Sozialamt und Ausländerbehörde. Mit dem Start der Karawanetour in Neuburg
wollen wir an diesen eindrucksvollen Flüchtlingsprotest anknüpfen.

Aktionscamp in Neuburg 19.-21.Mai 2007
Brandlwiese an der Donau

Samstag, 19. Mai:
Auftaktdemo, 13 Uhr vor dem Flüchtlingslager Neuburg, Donauwörtherstraße B 82 15
Uhr öffentliches Hearing zur Situation der Neuburger Flüchtlinge auf dem
Schrannenplatz
Gemeinsame Zugfahrt aus München: Treffpunkt 10.30 Uhr, Große Anzeigentafel
Hauptbahnhof München

Sonntag, 20. Mai
Aktionssonntag gegen die Entrechtung und Abschiebung Irakischer Flüchtlinge Ab
15 Uhr bis abends: Grillen, Musik, Fußball- und Volleyballspielen mit den
BewohnerInnen und Kindern des Flüchtlingslagers Neuburg auf der Brandlwiese an
der Donau.

Montag, 21. Mai
Kundgebung für Bleiberecht, ab 10.30 Uhr Kundgebung vor dem Landratsamt
Forchheim, Am Streckerplatz 3

Flüchtlingslager abschaffen!

Die Regierung von Oberbayern hält nach wie vor an der zwangsweisen Unterbringung
von Flüchtlingen in Neuburger Lager fest. Es werden auch Menschen aus ihrem
sozialen Umfeld gerissen und nach Neuburg geschickt, die durch
Asylwiederrufsverfahren und Arbeitsverbote ihre Wohnung verloren haben. Neben
Arbeitsverboten praktizieren die Neuburger Behörden den Entzug der 40 Euro
Taschengeld als Druckmittel, um den Flüchtlingen das Leben so unangenehm wie
möglich zu machen. Viele Familien in Neuburg klagen darüber, dass sie und
insbesondere die Kinder hungern, da die Essenspaketen keine ausreichende Menge
an Nahrungsmitteln enthalten.

Trotzdem gibt es auch konkrete Erfolge des Flüchtlingsprotestes in Neuburg: So
hat sich der Landkreis generell gegen die Unterbringung geduldeter Flüchtlinge
in Lagern ausgesprochen. Auch wurde bei einem Gespräch zwischen dem Landrat und
VertreterInnen der Flüchtlinge zugesagt, die Residenzpflicht lockerer zu
handhaben. Diese Zusage ist gewiss weit weg von der Forderung nach Abschaffung
des rassistischen Residenzpflichtgesetzes, dennoch wären auch solche kleinen
Verbesserungen ohne die Flüchtlingsproteste nicht denkbar gewesen. Und es ist
ein großer Erfolg, dass das Thema der Lebensbedingungen im Lager seit zwei
Jahren immer wieder im Blickpunkt der Öffentlichkeit steht.

Auch in Forchheim protestieren Flüchtlinge. Hier wird den langjährigen
LagerbewohnerInnen ein Bleiberecht nach der Regelung der Innenministerkonferenz
vom November 2006 systematisch verweigert.

Neben den unwürdigen Lebensbedingungen steht für die Flüchtlinge vor allem das
Thema der drohenden Abschiebung im Vordergrund. Seit drei Jahren versuchen die
deutschen Behörden, ungeachtet des täglichen Sterbens durch Krieg, Besatzung
und Terror, Abschiebungen in den Irak vorzubereiten. Anerkannten Flüchtlingen
wurde der Flüchtlingsstatus entzogen; Aufenthaltserlaubnisse wurden
zurückgenommen oder nicht verlängert. Von den 300 Flüchtlingen, die derzeit im
Lager Neuburg leben, stammen ca. 60 aus dem Irak. Viele von ihnen wurden ins
Lager geschickt, nachdem sie durch Entzug des Flüchtlingsstatus nur noch eine
Duldung bekommen haben. Seit 17. 4. sind Flüchtlinge aus dem Nordirak nun zur
Abschiebung freigegeben. Gegenüber der Öffentlichkeit soll das damit
legitimiert werden, dass zunächst nur strafrechtlich verurteilte Personen
abgeschoben werden sollen. Als "Straftäter" gilt, wer zu mehr als 50
Tagessätzen verurteilt wurde. Damit kann es ausreichen, zweimal ohne Erlaubnis
nach Ingolstadt gefahren zu sein, um jetzt abgeschoben zu werden. Diese
Abschiebepläne sind erst der Anfang; langfristig sind alle IrakerInnen, die
keinen gesicherten Aufenthaltsstatus haben, bedroht!

Auch gegen äthiopische Flüchtlinge versuchen die deutschen Behörden, in
Zusammenarbeit mit den Behörden des diktatorischen und kriegstreiberischen
Regimes, Abschiebungen durchzusetzen. Das äthiopische Regime führt für die USA
einen blutigen Stellvertreterkrieg in Somalia, während gleichzeitig die
äthiopische Bevölkerung an Armut und Hunger leidet und jegliche Opposition
brutal unterdrückt wird. Seit dem 11. September 2001 pflegt auch Deutschland
mit Äthiopien verstärkte politische Beziehungen. Äthiopien dient als Basis für
militärische Interventionsmöglichkeiten in einem mehrheitlich islamischen Teil
der Welt. In diesem Zusammenhang ist auch die Verharmlosung der Verbrechen des
diktatorischen Regimes und die Auslieferung von Oppositionellen durch
Abschiebungen zu sehen.

Nigerianische Asylsuchende haben in Deutschland fast keine Chance auf
Anerkennung. In dem großen Land könne jede und jeder irgendwo ein sicheres
Plätzchen finden, so das Bundesamt. Ausgeblendet wird, dass in ganz Nigeria für
die Mehrheit der Bevölkerung in den letzten 30 Jahren die Lebensbedingungen
unerträglich geworden sind, während eine korrupte reiche Elite in
Zusammenarbeit mit transnationalen Großkonzernen wie Siemens, Bilfinger-Berger,
Shell und Agip das Land ausplündert, die Umwelt zerstört und Widerstand der
Bevölkerung militärisch unterdrückt.

Irak, Äthiopien und Nigeria sind drei akute Beispiele dafür, wie Deutschland
Flüchtlinge mit Abschiebungen terrorisiert und gleichzeitig weltweit Kriege
führt, Diktaturen gestützt und an Korruption und Armut verdient.

Abschiebungen und Rechtlosigkeit betreffen genauso alle anderen Flüchtlinge, die
auf der Suche nach Sicherheit und einem menschenwürdigen Leben nach Deutschland
kommen. Darum wollen wir alle gemeinsam am 19. und 20. Mai in Neuburg und
danach bei der Karawanetour und in Rostock und Heiligendamm der
menschenverachtenden deutschen Flüchtlingspolitik und der ausbeuterischen
Weltordnung der G8 unseren Protest und Widerstand entgegensetzen. In diesem
Sinne fordern wir:

Ein weltweites Recht auf menschenwürdige Existenz!
Eine Welt ohne Ausbeutung, Unterdrückung und Kriege!


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G8-Seeblockade vor Verteidigungsministerium

(Berlin) Etwa 30 Aktivisten haben heute Nachmittag mit Schlauch- und Motorbooten
das Verteidigungsministerium am Bendler-Block in Berlin auf dem Seeweg
blockiert. An Land brachten Aktivistinnen ein Transparent mit der Aufschrift
"G8 torpedieren!" am Sicherheitszaun des Ministeriums an.
(Berlin) Etwa 30 Aktivisten haben heute Nachmittag mit Schlauch- und Motorbooten
das Verteidigungsministerium am Bendler-Block in Berlin auf dem Seeweg
blockiert. An Land brachten Aktivistinnen ein Transparent mit der Aufschrift
"G8 torpedieren!" am Sicherheitszaun des Ministeriums an.

Die Demonstranten kritisierten den Einsatz von etwa 1000 Bundeswehrsoldaten zum
Schutz des G8-Gipfels. Dieser sei ein Einsatz der Bundeswehr im Innern mit dem
ein Traum des Sicherheitsfanatikers und Verfassungsgegners Schäuble wahr werde,
sagte einer der Aktivisten.

Die Bundeswehr sei entgegen der öffentlichen Darstellung keine Armee des
Friedens, sondern ein Instrument um strategische deutsche Interessen
durchzusetzen.

Nicht zuletzt werde die Hedonistische Internationale beim G8 in Heiligendamm die
tanzende Lebensfreude dem militärischen Kult des Todes und der Unterwerfung
entgegenstellen. Eine Aktivistin rief von einem Boot aus dazu auf, noch mehr
mit kreativen, provokativen und auch regelverletzenden Aktionen im Vorfeld
gegen den G8-Gipfel zu mobilisieren - um dann im Juni dem G8 auf vielfältige
Weise nicht nur den Bass ins Gesicht blasen zu lassen.

Die Hedonistische Internationale plant nicht nur mehrere Tanzmobile auf der
Großdemo, sondern wird auch einen "Rave against the machine" veranstalten und
sich mit eigenen Aktionen an Blockaden und ähnlichem beteiligen. Die
Aktivistinnen riefen außerdem dazu auf sich an den offensiven, aber
spaßorientierten Protestaktionen der Hedonisten zu beteiligen und eigene
Sektionen zu gründen.

Als die Polizei anrückte, zerstreute sich die Demo an Land, die Boote fuhren
unter "Polizeischutz" auf dem Landwehrkanal nach Kreuzberg. Die alarmierte
Wasserschutzpolizei traf allerdings zu spät ein.

Links:
http://www.hedonist-international.org

Mobilisierungsvideos:
http://www.youtube.com/watch?v=H_PwprtDyuE
http://www.youtube.com/watch?v=bij4t_Qw3ds
http://www.hedonist-international.org
http://de.indymedia.org/2007/05/175599.shtml


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Kompromiss in letzter Minute

Die G8-Projektwoche an der Freien Universität richtet sich nicht nur an
Studierende

Noch am Freitagnachmittag stand die reibungslose Durchführung der
G8-Projektwoche an der Freien Universität Berlin (FU) auf der Kippe. Dann kam
in letzter Minute doch noch ein Kompromiss zwischen Universitätsleitung und
studentischen Aktivisten zustande. Die Diskussionsveranstaltungen, zu denen
auch Politiker wie Claudia Roth und Oskar Lafontaine eingeladen sind, können
wie geplant in den Hörsälen des Hauptgebäudes der FU stattfinden.
Noch am Mittwoch wollte die Unileitung keine Räume im Hauptgebäude für die
Projektwoche zur Verfügung stellen. Sie sollten ausschließlich in den Räumen
des Otto-Suhr-Instituts abgehalten werden. Das aber hätte die Veranstalter der
Projektwoche vor große Probleme gestellt. "An unserem Institut sind die Räume
nicht in ausreichender Zahl vorhanden und außerdem sind sie nicht groß genug",
erklärte ein Mitorganisator der Projektwoche gegenüber ND.
Der Kompromiss sei vor allem ein Erfolg des Presseechos, den die vorübergehende
Raumverweigerung ausgelöst hatte. Auch Dozenten hatten das Verhalten der
Unileitung kritisiert. So konstatierte der stellvertretende Leiter des
Otto-Suhr-Instituts Hajo Funke in dem Umgang der Verwaltung "eine tiefe
Ängstlichkeit mit den Studierenden und ihren Institut".
Der nun gefundene Kompromiss sieht vor, dass für die Diskussionsveranstaltungen
die Räume des Hauptgebäudes genutzt werden können. Kleine Arbeitsgruppen müssen
allerdings weiterhin im Otto-Suhr-Institut tagen. "Da werden wir
unkonventionelle Lösungen finden, meinte ein Student gegenüber dem ND. So soll
vor dem Institut während der Projektwoche ein Zelt aufgestellt werden, das
gleichzeitig der Anlaufpunkt für Interessierte sein soll. Die Veranstalter
erhoffen sich auch Teilnehmer, die nicht studieren, aber sich Fragen zu den
Folgen der G8-Treffen stellen. Die Themenpalette der Vorträge und Seminare
reicht von der aktuellen Afrikapolitik der G8, über die Copyleft-Bewegung bis
zu einer kritischen Betrachtung der aktuellen Klimadiskussion.
Auch Menschen, die sich an den Protesten beteiligen wollen, sind bei der
Projektwoche an der richtigen Adresse. In mehreren Arbeitsgruppen soll über
unterschiedliche Aktionsformen während des Gipfels informiert werden. Es werden
auch Workshops angeboten, auf denen bisher unorganisierten Menschen der
Protesteinstieg möglich gemacht werden soll.
Das vollständige Programm findet sich unter: http://www.g8amosi.de.vu/

[Neues Deutschland vom 7.5.07]


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Die globalisierungskritische Bewegung in Osteuropa - Vor und nach dem G8-Gipfel
in St. Petersburg
Filme und Input zur osteuropäischen Mobilisierung gegen G8

Der G8 2006 war der erste russische Gipfel auf dem Weg zur Vollmitgliedschaft
Russlands in den G8. Dadurch hat die osteuropäische Protestbewegung einen neuen
Schub bekommen. In den unterschiedlichen Spektren sind neue Kontakte und
Netzwerke entstanden. Kritisiert wurde damals, dass sich deutsche Gruppen zu
sehr auf die Vorbereitung des Gipfels 2007 beschränken und die Mobilisierung
nach St. Petersburg vernachlässigen.
Die Repression in Russland war gewaltig, nahezu alle Demonstrationen waren
verboten. Lediglich Nichtregierungsorganisationen war Kritik gestattet. Dennoch
gelang es anarchistischen und anderen Gruppen, vereinzelte Proteste sichtbar
werden zu lassen.

Für den G8 2007 in Heiligendamm wird nun mit einer größeren Zahl von
DemonstrantInnen aus osteuropäischen Ländern gerechnet. In der Veranstaltung
wollen wir zusammentragen was sich seit dem G8 2006 getan hat und welche
Spektren nach Deutschland mobilisieren. Der Focus liegt auf dem anarchistischen
und antifaschistischen Spektrum.

Die Veranstaltung ist eingebettet in die Filmreihe "GESCHICHTE UND GESCHICHTEN
DER GIPFELPROTESTE", die von SupportoLegale Berlin und der Gipfelsoli
Infogruppe veranstaltet wird. Nach einer kurzen Serie von Videoclips geben wir
einen Einblick in die osteuropäische Mobilisierung nach Heiligendamm.

*Mittwoch, 9. Mai, 20 Uhr im Kreutziger19*
Kreutzigerstr. 19 - Berlin-Friedrichshain - U-Bhf. Samariterstrasse

[SupportoLegale Berlin | Gipfelsoli Infogruppe]