[Gipfelsoli Newsletter] 15.4.2007 Heiligendamm
Öffentlicher Verteiler der Gipfelsoli-Infogruppe
gipfelsoli-l at lists.nadir.org
So Apr 15 23:37:03 CEST 2007
- Abschlusserklärung G8-Aktionskonferenz Rostock, 15. April
- MIT SACK und PACK
- Die Aktionen gegen die überflüssige und riskante
- Aggro-Gentechnologie geht weiter!!!
- Einladung zum bundesweiten Vorbereitungstreffen
- Hamburger Polizei bereitet sich auf G8-Demonstrationen vor
- Gewerkschaften rufen nicht zum Protest gegen G8-Gipfel auf
- Der Gipfel und die Militanz
- Proben für den "Zaunspaziergang"
- Anschlag an der Elbe - wegen G8?
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Abschlusserklärung G8-Aktionskonferenz Rostock, 15. April
Noch 50 Tage bis zum Gipfel - wir bleiben dabei: Die G8 sind nicht
willkommen, in Heiligendamm nicht und nirgendwo sonst!
In nur noch 50 Tagen treffen sich die politischen Führungen der 7
mächtigsten Staaten des Westens und Russlands im Ostseebad Heiligendamm.
Wie seit Seattle üblich, werden sie ihre Geschäfte hinter
kilometerlangen Sperrzäunen und abgeschirmt von Tausenden sogenannter
Sicherheitskräfte zu verrichten haben. Die 400 Teilnehmerinnen und
Teilnehmer der dritten Aktionskonferenz der sozialen Bewegungen
bekräftigen noch einmal, dass sie den G8-Regierungen jede Legitimität
absprechen. Der stacheldrahtbewehrte Graben zwischen uns und ihnen ist
nicht mehr zu überbrücken.
Die G8 wissen, dass ihnen immer weniger Menschen glauben. Deshalb
greifen sie geschickt auf, was sie ohnehin nicht mehr leugnen können:
die drohende Klimakatastrophe, die Verelendug Afrikas, der weltweite
Krieg, die gewaltsame Verwüstung des Sozialen.
Wir kennen heute schon die leeren Floskeln, mit denen sich die G8 als
Retter der Welt präsentieren werden. Der Entwurf des Abschlussdokuments
ist durchgesickert. Die Draft-Summit-Declaration von Heiligendamm 2007
"Growth and Responsibility in the World Economy" wimmelt von
nichtssagender Gipfel-Rhetorik, allgemeinen Worthülsen und Ignoranz
gegenüber den Problemen und ihren Ursachen, die uns an diesem Wochenende
beschäftigt haben.
Wir bitten die G8 um nichts. Wir kommen zusammen, um uns über die andere
Welt zu verständigen, für die wir in Heiligendamm demonstrieren. Für die
wir mit unserem zivilen Ungehorsam einstehen.
Diese andere Welt, das wissen wir heute schon, wird eine Welt ohne G8,
wird die Welt nach dem G8 sein. Während wir durch unsere unübersehbare
und unüberhörbare Anwesenheit auf der anderen Seite des Grabens
demonstrieren, dass ihre Zeit abläuft, werden wir unseren Dialog, unsere
Dialoge eröffnen. Dialoge zwischen den verschiedenen Kräften der
globalen Zivilgesellschaft und den sozialen Bewegungen in diesem Land
und zahllosen anderen Ländern. Wir werden nicht in allen Fragen
Einigkeit erzielen, es ist auch gar nicht nötig, dass wir das tun. Denn
während ihre Zeit abläuft, fängt unsere gerade erst an. Unsere Dialoge
dienen der Verständigung über die nächsten Schritte, unsere nächsten
Schritte, die nächsten Schritte einer kommenden Demokratie. Einer
Demokratie, der wir in Heiligendamm eine erste Ankunft bereiten. Und
während die G8 sich vor der Welt abschirmen, vor der Welt verschanzen,
öffnen wir uns der Welt. Deshalb ist diese Erklärung eine
Abschiedserklärung und eine Einladung. Eine Abschiedserklärung an die
G8: "Geht! Ihr seid nicht willkommen!" Eine Einladung an alle, die
sagen: "Ya basta! Es reicht! Eine andere Welt ist möglich!" Eine Welt
der sozialen und ökologischen Gerechtigkeit, der gleichen Rechte aller,
des Friedens. Heiligendamm wird ein Anfang sein. Unser Anfang.
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MIT SACK und PACK
Campstrukturen UND Selbstversorgung
Liebe Paula,
dein Manifest im Gipfelsoli-Newsletter vom 31.3.07 finden wir
ausgezeichnet und möchten daran anknüpfen mit dem Slogan:
Autonom mit (Ruck-)Sack gegen das (G8-)Pack !!!
Damit meinen wir, daß alle (-die es ermöglichen können!-) alles
Notwendige selber mitbringen und das ab jetzt allen gesagt wird:
- Alles was du wirklich für zwei, drei oder mehr Aktionstage brauchst,
ist in deinem Rucksack! (etwa 5 bis 6 kg)
- Alles was die Aktionsgruppe braucht, wird auf alle Rucksäcke verteilt!
(plus 2 bis 3 kg)
- Alle Aktionsgruppen sollen sich so unabhängig wie möglich von der
Großcamp- Versorgung machen.
Das schafft viel Frei-Raum und Zeit!
Jede Aktionsgruppe (10 bis 20 Menschen) kann sich somit rund um die Uhr
überall hin bewegen, hier rasten, dort übernachten, sich mit anderen
Gruppen (mal 5, mal 50 Gruppen) neu verbinden oder selbständig agieren.
Jede Nacht gibt es unzählige kleine Camps, mal hier auf der Straße, mal
dort im Wald und überall. Und was glaubst du, was man des Nachts mit
Trillerpfeifen, Trommeln und Flüstertüten für einen Lärm machen kann,
der auch noch kilometerweit zu hören ist ?!?!
Großcampversorgung bindet und bietet Gelegenheit zur Kontrolle und
Kanalisierung. Die Hinhaltetaktik im Vorfeld hat dazu bereits einen
Vorgeschmack gegeben. Eine starke Fixierung auf die Genehmigung und die
Lage der Großcamps verstellt den Blick für andere Konzepte.
Also Paula, wir denken, daß nicht die Aktionsgruppen ständig die Wege
zum oder vom Camp bewältigen müssen ( - Denn das kostet sehr viel Kraft
und Zeit in dieser weiträumigen und unübersichtlichen Gegend. - ),
sondern vielmehr zusätzliche Versorgungsstrukturen für die Region vom
Großcamp aus gebildet werden könnten. ( - Eine mobile Versorgung mit
Wasser, Brot und Suppe, Decken und Planen, Informationen usw. - )
Wir denken da an das Wendland, wo auch noch zur entlegendsten
nächtlichen Blockade eine warme Suppe gelangt.
Nicht zuletzt bedeutet eine stärkere rundum Selbstversorgung von gut
organisierten und vorbereiteten Aktionsgruppen eine physische und
psychische Entlastung der Camp-Arbeitsgruppen.
Wir denken weiterhin, daß wir die uns gewogeneren Anteile in der
örtlichen Bevölkerung mehr in die Versorgungsstrukturen einbinden
sollten. ( - Neben den kleinen Lebensmittelläden, öffentlichen Toiletten
und Wasserhähnen usw. - )
Gelbe Tücher am Gartenzaun oder am Fenster signalisiert
Unterstützungsbereitschaft in Form von Trinkwasser, Toilettennutzung,
Waschgelegeheit, Möglichkeit zum Zelten im Vorgarten usw. Was immer sich
die einzelnen BewohnerInnen zutrauen oder zu geben bereit sind.
Auch das haben wir im Wendland gelernt: Wenn BewohnerInnen freundlich
angesprochen werden, ist die praktische Unterstützung oft kein Problem
und ein gutes Gespräch schließt sich fast selbstverständlich daran an.
Auch wir, liebe Paula, wollen nicht mißverstanden werden. Wir
unterstützen natürlich den Aufbau und die Organisation der Großcamps.
Die sind aus vielen Gründen, die wir hier nicht alle aufzählen wollen,
unentbehrlich.
Doch wir denken, daß zur größeren Mobilität und Flexibilität des
Widerstands in einer weitläufigen Region zur Selbstorganisation eine
vorausschauende Selbstversorgung gehört, die praktische Einbindung
symphatisierender BewohnerInnen möglich ist und eine weiträumige mobile
Versorgung durch die Großcamps bedacht sein sollte.
Wir sehen uns
Paul and some grassroots-friends
Ach übrigens: Wir probieren das Ganze schon am 1.6.2007 aus, beim
Aktionstag gegen das Bombodrom und Neubesiedlung der FREIen HEIDe!
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Die Aktionen gegen die überflüssige und riskante Aggro-Gentechnologie
geht weiter!!!
Wir, verhinderte FeldbesetzerInnen der Donnerstagnacht, laden zu
weiteren Aktionen ein und freuen uns über viele Menschen, die sich
informieren, mit uns diskutieren wollen oder auch selbst ihren Protest
gegen die Gentechnik auf den Äckern der Umgebung zeigen können. Die Termine:
Sonntag, 15.4., 15-18 Uhr, Straße vor dem AggroBioTechnikum Basteln von
Schildern für Vorgärten und Hauswänden mit Kritik an der Gentechnik: Wir
kommen mit Material vorbei - von schon fertigen Plakatvorlagen bis zu
leeren Plakaten für eigene Ideen. Hilfreich ist, wenn Menschen Hammer,
Nägel, Sägen, Holzpflöcke und Bretter/Karton mitbringen, wo die Plakate
aufgeklebt werden können (leider haben die grün uniformierten
Gentechnik-Beschützer uns unser Material fast komplett geklaut in der
Donnerstagnacht ...). Die ganze Geschichte wird als Demonstration
angemeldet, d.h. das Mitmachen ist völlig legal - und ein bisschen
sichtbaren Protest kann der Ort mit seinem High-Tech-Zentrum in der
Mitte durchaus gut vertragen!
Montag, 16.4., 14-16 Uhr auf dem Demnächst-Genfeld - die letzte Chance
noch vor der Aussaat (wo die Besetzung leider scheiterte) Fußballspielen
mit der sog. "Ackerbande" und allen Freiwilligen. Wer spielt mit auf der
noch nicht eingesäten Fläche - das ist weder Hausfriedensbruch noch
Sachbeschädigung! Symbolisch kann so gezeigt werden, dass das Land für
das Leben da ist und nicht für den Profit weniger und riskante
Technologien im Interesse von Konzernen. Bringt Bälle mit!
Ortsbeschreibung: Von Groß Lüsewitz zur B 110, dort nach links (Richtung
Sagerheide) und nach einem kurzen Stück rechts in den Feldweg. Das Feld
liegt nach wenigen hundert Metern links von der Straße. Wir warten auf
Menschen, die mit uns kicken wollen.
Dienstag, 17.4., 10-12 Uhr vor dem Edeka-Markt in Sanitz (an der B 110)
Flugblattverteilen und Informationsstände zum Thema Genversuchsfelder im
Raum Sanitz/Groß Lüsewitz (mit Überraschungsaktion)
Soweit im kurzen Überblick die Einladung zu unseren nächsten Aktionen.
Wir freuen uns über jeden und jede, die kommen - auch um mit uns zu
streiten, wenn andere Meinungen bestehen. Wer sonst Kontakt mit uns
aufnehmen will, kann das zu diesen Gelegenheiten auch tun.
Mehr Infos im Internet: www.gentech-weg.de.vu
Kontakttelefon: 0173-1791262
P.S. Wir haben etliche Flugblätter verteilt, auf denen über die
Feldbesetzung berichtet wird. Das Flugblatt hatten wir vorher
geschrieben und wir fanden, die "Argumente gegen Gentechnik" stimmen
immer noch. Leider hat die Feldbesetzung ja nicht geklappt - aber das
Flugblatt ist so auch eine Dokumentation, was hätte klappen können. Wir
würden uns wünschen, dass es jetzt zu vielen anderen Aktionen kommt -
und nicht nur von uns! Wer Lust hat, mit uns gemeinsam Aktionen zu
machen, kann uns gerne ansprechen.
Informationen für die Presse:
Wir freuen uns, wenn Sie die obigen Termine in einer Pressemeldung
ankündigen. Kontakt zur Runde der verhinderten FeldbesetzerInnen gelingt
am besten über unser Pressehandy mit der Nummer 0163/9233618.
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Einladung zum bundesweiten Vorbereitungstreffen in Berlin,
Mariannenplatz 2, Bethanien Südflügel, 1. Stock, Rosa Raum.
Am 21.04. von 12.00 bis 17.30 Uhr trifft sich der bundesweite
Vorbereitungskreis zum Aktionstag Rostock-Laage (5.6.). Alle
Interessierten sind herzlich eingeladen zu kommen und sich zu beteiligen.
Nachfolgend ein Tagesordnungsvorschlag mit Bitte um Ergänzungen.
1. Finden einer/s Protokollant/in
2. Vorstellungsrunde
3. Allgemeine Berichte
4. Stand der Anmeldungen und Versammlungsleiterinnen
5. Stand und Austausch zu den Kundgebungsvorbereitungen
6. Stand und Austausch zu Kulturprogramm / Technik
7. Stand und Austausch zu RednerInnen (NEMA zu Militärstützpunkte,
Pflüger zu Militarisierung EU, GIB zu Steinhoff, ...)
8. Logistik (Kommunikation unter den Orten, Lautis, VoKü, Getränke,
Dixi-Klos, Sani-Gruppe, Transport, Finanzierung)
9. Bewegung reinbringen. Vorschlag: Demos zwischen den Kundgebungen
10. Stand und Austausch zu Plakat und Flugblätter
11. Mobilisierung und "wir müssen mehr werden"
12. Termin nächstes und letztes bundesweites Treffen vor dem Gipfel
Infos:
Protokoll vom letzten bundesweiten Treffen zu Rostock-Laage:
http://dissentnetzwerk.org/files/protokoll_laage200703.pdf
AUFRUFE
gelayoutet in deutsch:
http://www.g8andwar.de/rostocklaage/download/rostock-Laage_deutsch.pdf
gelayoutet in englisch:
http://dissentnetzwerk.org/files/en_Rostock_laage_calltoaction.pdf
aufrufe gibt es noch auf italienisch
http://dissentnetzwerk.org/node/1115
und türkisch
http://dissentnetzwerk.org/node/1528
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Hamburger Polizei bereitet sich auf G8-Demonstrationen vor
Einen Tag nach dem Innenminister-Treffen der Küstenländer in
Heiligendamm hat Hamburgs Polizeipräsident Werner Jantosch vor
Demonstrationen im Zusammenhang mit dem G8-Gipfel im Juni in der
Hansestadt gewarnt. Die Polizei bereite sich schon jetzt darauf vor und
werde konsequent gegen Gewalttäter vorgehen, sagte Jantosch im Gespräch
mit NDR 90,3. Eine Woche vor Beginn des Gipfels in Heiligendamm gebe es
in Hamburg mehrere Großereignisse, die G8-Gegner auf den Plan rufen
könnten, erklärte Jantosch.
Polizei will Präsenz zeigen
Besonders gefährdet seien zwei Fußballspiele in der Regionalliga, der
Asiengipfel und die Eröffnung des umstrittenen Wasserturmhotels im
Schanzenpark. Der Polizeichef befürchtet, dass gewaltbereite G8-Gegner
diese Veranstaltungen zu Ausschreitungen nutzen könnten. Die Polizei
werde jedoch volle Präsenz zeigen und konsequent gegen gewalttätige
Demonstranten vorgehen, sagte er. Dafür werde auch das neue Polizeirecht
genutzt, das einen 14-tägigen Aufenthalt im Untersuchungsgefängnis
erlaube. Unterstützuung aus den anderen Bundesländern brauche Hamburg
nicht. Sollte sich an dieser Einschätzung jedoch etwas ändern, könnten
Hilfskräfte in einer halben Stunde per Hubschrauber in der Hansestadt
sein, sagte Jantosch.
[http://www1.ndr.de/ndr_pages_std/0,2570,OID3906026_REF_SPC1729540,00.html]
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Gewerkschaften rufen nicht zum Protest gegen G8-Gipfel auf
Die Gewerkschaften beteiligen sich nicht an den Protestaufrufen gegen
den G8-Gipfel Anfang Juni in Heiligendamm bei Rostock.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund setze vielmehr auf direkte Kontakte zur
politischen Ebene, um seine Positionen zu vertreten, sagte der
DGB-Abteilungsleiter Internationales, Wolfgang Lutterbach, der dpa in
Berlin. So würden die Chefs der Gewerkschaftsdachverbände der
G8-Staaten, darunter DGB-Chef Michael Sommer, noch vor dem Gipfel mit
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zusammenkommen. Die
globalisierungskritische Organisation Attac kritisierte die ablehnende
Haltung.
Das eineinhalbstündige Treffen mit der Kanzlerin am 7. Mai sei "eine
gute Gelegenheit, um unsere Themen einzubringen", sagte Lutterbach. "Es
wäre zwiespältig, das Gespräch mit ihr zu suchen und dann als
Totalverweigerer in Rostock zu marschieren." Die Mitglieder und
Unterorganisationen würden andererseits aber auch nicht davon abgehalten.
Allerdings beteiligen sich die IG Metall und die Gewerkschaft Erziehung
und Wissenschaft (GEW) offiziell an einer der zahlreichen
Veranstaltungen, dem parallelen Gegengipfel in Rostock, auf dem die
Gipfelkritiker "lebenswerte Alternativen zur Politik der G8" diskutieren
wollen. Dort will auch das DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach
sprechen.
Der Attac-Vertreter in der Koordinierungsgruppe für die G8- Proteste,
Peter Wahl, nannte es "schade, dass der DGB diese Haltung hat". Seit die
Gewerkschaften von Schwarz-Rot besser behandelt und eingebunden würden
als von Rot-Grün unter dem damaligen Kanzler Gerhard Schröder (SPD),
"gehen sie wieder auf größere Distanz zu den sozialen Bewegungen",
erklärte er.
Zum G8-Gipfel der sieben führenden Industrienationen und Russlands ist
vom 6. bis 8. Juni im Ostseebad Heiligendamm.
[http://www.mvregio.de/mvr/32802.html]
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Der Gipfel und die Militanz
Die Gewaltfrage führt, eine linke Tradition, auch in der Protestbewegung
gegen den G-8-Gipfel zu Streit: Wie "entschlossen" sollen die Aktionen sein?
Eigentlich könnte alles bestens sein. An diesem Wochenende treffen sich
etwa 500 Vertreter von Nichtregierungsorganisationen - Kirchen,
Umweltverbände, Globalisierungskritiker, Autonome - in Rostock. Sie
besprechen die letzten Details der großen Proteste gegen den G-8-Gipfel
Anfang Juni in Heiligendamm. Und es sieht gut aus: Die Pläne für
Demonstrationen, Blockaden und den Gegenkongress stehen. In seltener
Eintracht haben die unterschiedlichen linken Spektren alte Fehden
beendet und einen gemeinsamen Protestfahrplan aufgestellt. Doch ein
klitzekleiner Makel überschattet die Bewegung: Die ewige Gewaltfrage.
Seit Wochen wird in Internetforen über militante Aktionsformen
gestritten. Im Zentrum der Kritik: die Globalisierungskritiker von
Attac. Führende Vertreter hatten Aktionen wie Brandanschläge im
Zusammenhang mit dem G-8-Gipfel als schädlich für den
Mobilisierungsprozess bezeichnet und sich von Gewalt distanziert.
Die Empörung in der radikalen Linken ist groß. Von "vorauseilendem
Gehorsam" schreibt die Antifaschistische Linke Berlin in einem offenen
Brief. Organisationen wie Attac müssten selbst nur zu gut wissen, "dass
sie ohne die militanten Auseinandersetzungen anlässlich der Gipfel der
vergangenen Jahre in Seattle, Prag, Göteborg und Genua nicht in ihrer
jetzigen Form existieren würden, geschweige denn die mediale
Aufmerksamkeit bekommen hätten, in der sie sich so gerne sonnen".
68 Prozent der weltweiten Militär-Ausgaben entfielen auf die
G-8-Staaten, heißt es weiter. "Wer Gewaltfreiheit einfordern will, soll
sie dort einfordern, wo die Gewalt ihren Ursprung nimmt: Bei den
Verantwortlichen der G-8-Staaten und ihrem Polizei- und Militärapparat."
Dieser Kritik schließt sich die Gruppe "NoLager" aus Bremen an. Der
Gewaltbegriff zeichne sich dadurch aus, dass er extrem breit angelegt
sei. Wer propagiere, dass von ihm keine Gewalt ausgehe, laufe stets
Gefahr, "von der herrschenden Gewaltdefinition in die Ecke gedrängt und
in seinem Aktionsspielraum massiv beschnitten zu werden". Selbst
harmlose Gesetzesüberschreitungen wie Farbbeutelwürfe würden mit
massenhaftem Einsatz von Pflastersteinen gleichgesetzt. Dies habe
Kalkül, heißt es weiter in ihrem Schreiben. Der Zwang zur Distanzierung
falle umso umfassender aus, je diffuser der Gewaltbegriff ist. In dem
Brief plädiert die Bremer Gruppe dafür, pauschale Distanzierungen von
Gewalt grundsätzlich zu unterlassen und stattdessen selbst zu
präzisieren, wie weit man gehen möchte.
Die Debatte um Militanz und Gewalt ist in der außerparlamentarischen
Linken keineswegs neu. Die RAF hatte es einfach: Für sie war Gewalt kein
Problem, sie anzuwenden war Konsens. Anders vor den Zäunen Brokdorfs,
bei den Friedensdemonstrationen in Mutlangen Anfang der 80er-Jahre oder
bei den Castor-Transporten ins Wendland ein Jahrzehnt später - die
Gewaltfrage hat schon zu manchem innerlinken Zerwürfnis geführt.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum die linken Reflexe bei der
Gewaltfrage besonders heftig zucken: Es ist die Angst, die Bewegung in
"gute" und "schlechte" Aktivisten zu spalten und auf diese Weise
systematisch zu schwächen.
Denn in der Tat wissen die Strategen im Bundeskriminalamt um den wunden
Punkt und betreiben mit Gewaltstatistiken gezielt Politik. Die
Entscheidung, mit der Zahl der Brandanschläge Anfang März und damit
ausgerechnet in der Hochphase der Mobilisierung an die Öffentlichkeit zu
gehen, war ganz sicher kein Zufall.
Anschläge, die allein auf Sachbeschädigungen aus waren, hatte es in den
vergangenen Jahren zu unterschiedlichen Anlässen immer wieder gegeben.
Bisher waren die Sicherheitsbehörden trotz mehrfacher Anfragen stets
darum bemüht, die Aktionen kleinzureden. Nun werden sie in einem Atemzug
mit Terrorismus genannt.
Dass das Kalkül des Bundeskriminalamts aufgeht, ist jedoch eher
unwahrscheinlich. "Wenn man die Aktionen konkret bespricht und die
Gewaltfrage nicht ideologisch aufbauscht, sind sich die Beteiligten sehr
oft einig", bestätigt Attac-Sprecher Pedram Shahyar. Sein taz-Interview
zum Thema hatte die Debatte vor einem Monat noch einmal in Schwung gebracht.
Dass eine Latschdemo allein - und sei sie zahlenmäßig noch so
beeindruckend - während des G-8-Gipfels nur bedingt beachtet würde,
können die meisten Bewegungsaktivisten unterschreiben, die schon einmal
auf einem Gipfelprotest waren. Auch der Reflex der Medien, erst dann zu
berichten, wenn die Demonstranten mit ihren Pappschildern nicht nur über
leere Wiesen laufen, sondern auch mal am Sicherheitszaun rütteln, ist
den Aktivisten bekannt.
Umgekehrt wissen radikale Vertreter der linken Szene, dass
Massenmilitanz nicht zum Selbstzweck verkommen darf. Es müsse immer
abgewogen werden, ob die anschließende Repressionswelle in einem
sinnvollen Verhältnis zur erzielten Wirkung der Aktion stehe und ob die
Aktionen vermittelbar seien, sagt ein Aktivist der linken Szene in
Berlin, der namentlich nicht erwähnt werden möchte.
Längst haben sich die Protestgruppen auf Aktionen geeinigt, in denen
sich alle wiederfinden können: Im Rahmen der Kampagne "Block G 8? wird
am Tag, an dem die Staatschefs in Heiligendamm anreisen, zu
"massenhaften Blockaden" mit "Mitteln des zivilen Ungehorsams" aufgerufen.
Bei Aktionen dieser Art übertreten die Demonstranten gezielt Gesetze und
nehmen gemeinsam die rechtlichen Konsequenzen in Kauf. An
Entschlossenheit - was der Militanzbegriff ja auch ausdrückt - fehlt es
bei dieser Aktionsform nicht. Zugleich wissen sie es geschickt zu
vermeiden, von der Gegenseite als "Gewalttäter" oder gar als "Chaoten"
diffamiert zu werden.
Die Protestgeschichte lehrt: Es wäre nicht das erste Mal, dass diese
Strategie aufgeht.
[http://www.taz.de/dx/2007/04/14/a0202.1/text]
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Proben für den "Zaunspaziergang"
Die Vorbereitung für die Protestaktionen rund um den G-8-Gipfel im Juni
in Heiligendamm gehen in die "heiße Phase". Am Wochenende diskutierten
rund 400 Gipfelkritiker die Feinplanung für das Konzept des Gegengipfels.
Rostock - Mit einer provisorischen Straßenblockade und einem
"Zaunspaziergang" lieferten sie einen Vorgeschmack auf das geplante
Programm in der ersten Juniwoche. Die Aktivitäten wurden von einem
Großaufgebot der Polizei begleitet, es kam jedoch zu keinen
Auseinandersetzungen. Rund 300 Demonstranten liefen am Sonntag einen
Teil des kilometerlangen Sicherheitszaunes bis zur Ostseeküste ab. Schon
bei der Vorbereitung der angemeldeten Demonstration hatte es Konflikte
zwischen Polizei und Aktivisten gegeben, die in mehreren Platzverweisen
für die Gipfelkritiker endeten. Zum Zug der "Zaunspaziergänger" gehörten
unter anderem Stelzenläufer in der Verkleidung von Bolzenschneidern, es
blieb jedoch bei der Anspielung, den Zaun zu beschädigen, wie die
Polizei mitteilte. Es seien weder Platzverweise ausgesprochen oder
Personen festgenommen worden, hieß es aus dem Lagezentrum.
Zuvor hatten einige Demonstranten die Zufahrtsstraße blockiert, während
andere Aktivisten in die Rolle von Polizisten schlüpften und sich in der
Räumung der Straße versuchten. Das Rollenspiel habe nur wenige Minuten
gedauert, sagte ein Polizeisprecher, es sei für beide Seiten sehr
lehrreich gewesen. Strategien des "zivilen Ungehorsams" zu testen, die
nicht zur Eskalation führten, war auch eines der erklärten Ziele der
Aktivisten, wie zuvor auf der dritten internationalen Aktionskonferenz
in Rostock betont wurde. Die Zusammenarbeit zumindest mit den Kommunen
sei inzwischen gut und fast freundschaftlich, sagte Monty Schädel vom
Rostocker Aktionsbündnis. Jedoch fehle es noch an finanzieller
Unterstützung des Protestes.
Planungen dauern bereits zwei Jahre an
Die Aktionen würden in ehrenamtlicher Arbeit tausender Mitstreiter
vorbereitet, betonten die Veranstalter. Bundesweit seien bereits 600
Veranstaltungen organisiert worden, um den Protest gegen die Politik der
G-8-Staaten ins Land zu tragen und um Unterstützung zu werben. Allein
die Durchführung der Großdemonstration am 2. Juni in Rostock werde rund
200.000 Euro kosten, jedes der drei geplanten Camps schlage mit 130.000
Euro zu Buche.
Nach rund zweijähriger Planung stehe das Programm der Protestaktionen
rund um den Gipfel in Heiligendamm, sagte Christoph Kleine von den
Veranstaltern der Aktionskonferenz. Jetzt gehe es um die Feinplanung und
um Details der Camps, der Großdemonstration, der kirchlichen
Veranstaltungen wie der Gebetskette, der Blockade des
Veranstaltungsortes in Heiligendamm sowie des Flughafens Rostock-Laage.
"Wir werden großartige, breite, bunte, aber auch entschlossene Proteste
im Juni erleben", sagte Kleine. Gerechnet wird mit insgesamt rund
100.000 Teilnehmern, allein für die Camps haben sich bereits bis zu
20.000 Demonstranten angemeldet.
[http://www.tagesspiegel.de/politik/nachrichten/g-8-gipfel/99469.asp]
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Anschlag an der Elbe - wegen G8?
In der Straße Neumühlen brannten Reifen, Scheiben gingen zu Bruch - Nach
drei Minuten war alles vorbei - 20 bis 30 vermummte Täter flüchteten
Die Gäste des "Indochine" an der Straße Neumühlen (Ottensen) genossen
die laue Frühlingsnacht zu Sonntag. Viele von ihnen saßen draußen,
amüsierten sich. Gegen Mitternacht war für sie der Spaß vorbei.
Plötzlich tauchten 20 bis 30 Vermummte auf, zündeten mitgebrachte
Autoreifen an und zerstörten die Scheiben des daneben liegenden
Bürohauses. Offenbar war dies ein erneuter Anschlag von Gegnern des
G-8-Gipfels im Juni in Heiligendamm.
Die Unbekannten stürmten aus allen Richtungen auf das "Hanse-Gate"-Haus
an der Elbe zu. Dort befinden sich Büros von Reedereien, Rechtsanwälten
sowie das Honorarkonsulat von Luxemburg. Mit lautem Knall landeten
Steine und Flaschen voller roter und brauner Farbe in den Tür- und
Fensterscheiben des Gebäudes. Glas zersplitterte. Einige der Angreifer
warfen so genannte Krähenfüße auf die Straße. Diese Drahtnägel sollten
offenbar die Reifen von Peterwagen zerstören. Nach drei Minuten war der
Spuk vorbei, die Vermummten verschwanden wieder.
"Die Gäste dachten erst, es handle sich um ein Feuerwerk", berichtet
"Indochine"-Geschäftsführer Tung Truong (29). "Als dann aber die dumpfen
Schläge und der Qualm der brennenden Reifen aufstieg, haben sie
begriffen, dass es sich um einen Anschlag handelt." Obwohl das Ganze
nicht dem Lokal galt, hatte das "Indochine" doch unmittelbar darunter zu
leiden. "Wir hatten etwa 300 Gäste. Als die Straße dann gesperrt wurde,
mochte keiner mehr bleiben. Innerhalb von einer halben Stunde war der
Laden fast leergefegt."
Rund 40 Beamte fahndeten anschließend nach den Tätern. Zwar überprüften
sie einige junge Leute, doch die Suche blieb erfolglos. Bislang hat sich
noch niemand zu der Tat bekannt. "Wir können aber nicht ausschließen,
dass es sich um G-8-Gegner handelt", so Polizeisprecher Ralf Meyer.
Der G-8-Gipfel findet vom 6. bis 8. Juni in Heiligendamm
(Mecklenburg-Vorpommern) statt. Dort treffen sich die acht wichtigsten
Staats- und Regierungschefs der Welt.
Zitat:
"Wir können einen G-8-Hintergrund nicht ausschließen"
[http://www.mopo.de/2007/20070416/hamburg/politik/anschlag_an_der_elbe_wegen_g8.html]