[Gipfelsoli Newsletter] Heiligendamm -- Genua
Öffentlicher Verteiler der Gipfelsoli-Infogruppe
gipfelsoli-l at lists.nadir.org
Do Apr 5 02:20:05 CEST 2007
- G8 stillegen!
- Industrie plant eigenen G8-Gipfel
- Diskussions- und Bildungsmaterialien G8 Heiligendamm
- G8 - was geht mich das an?
- Abschiebeterror MV: Demo 13. April 16 Uhr // grundsätzliche Fragen...
- Polizei: Rückzug bei Datenerfassung
- G8-Gegner streiten über Protestformen
- US-Kriegsmarine bedroht gefährdete Schweinswale im Namen der Terrorabwehr
- Grüne verprellen Globalisierungs-Gegner
- OP - Öffentliche Sicherheit und Ordnung
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G8 stillegen!
Fünf Wochen vor dem G8 Gipfel: Technische Sperren im Elchtest. Ein buntes
Handgemenge auf dem energiepolitischen Feld.
Bullen, Staat und Kapital: geht uns aus der Sonne!
Sonntag, den 29.04.07 anlässlich des Tschernobyl-Jahrestages
Was hat Tschernobyl mit dem G8 Treffen zu tun?
Vor 21 Jahren, am 26.04.1986, kam es in Tschernobyl zum GAU. In Folge der
Katastrophe starben und erkrankten hunderttausende Menschen, und ein Ende des
Leidens ist nicht absehbar. Dieser "Unfall" machte aber nicht nur die
Tödlichkeit der Atomenergie deutlich, sondern auch die Unvereinbarkeit von
Wachstums und Herrschaftsideologie mit den Interessen der Menschen. Die
alljährlichen Treffen der G8 Staaten sollen aber genau solche Möglichkeit
vortäuschen. Der Club der einflussreichen Staaten versucht hier, die
systembedingten Krisen auszubügeln und so die Rahmenbedingungen für eine
weltweite Herrschaft abzustecken.
Atomenergie und Wachstum
Im Kapitalismus stehen nicht die Bedürfnisse der Menschen und ihre Lebens und
Umweltbedingungen im Vordergrund, sondern der Profit. Der Zwang zum Wachstum
führt zu einem unstillbaren Hunger nach Energie. Der reibungslose Zugriff und
die uneingeschränkte Verfügbarkeit von Energieressourcen weltweit ist eine
notwendige Voraussetzung und Bestandteil von Neoliberalismus und
kapitalistischer Globalisierung und fester Bestandteil militärischer
Strategien. Die erste Ölpreiskrise stürzte die westlichen Industriestaaten in
die schwerste Rezession der Nachkriegszeit. Ein koordiniertes Vorgehen zur
Wahrung der Versorgungssicherheit war einer der Gründe für die Initiative zum
ersten G8Gipfel 1975.
In dieser Krise bot sich die Atomenergie als Königsweg an. Das Märchen von
billiger, sauberer und unbegrenzter Energie, die die Produktivkräfte entfesseln
könnte, wurde wiederbelebt und der militärische Machtaspekt, der Bau von
Atombomben, wurde dadurch verdeckt. Die Atomtechnologie als Schlüsseltechnik
für reine Wachstumsideologie wurde politisch und finanziell massiv
vorangetrieben.
Atom und Gefahr
Rücksicht auf die immensen Gefahren für Umwelt und Menschen, die sowohl der
Uranabbau, der Betrieb der Atomanlagen, das ungeheure Gefahrenpotential bei
einem Unfall als auch die unlösbare Entsorgungsfrage für die Zukunft mit sich
bringen, wird nicht genommen. Damit war die Atomtechnologie von Anfang an
Ausdruck inhumaner und profitorientierter gesellschaftlicher Verhältnisse.
Für einen Teil der AntiAKWBewegung war und ist ihr Widerstand auch ein Kampf
gegen das herrschende System. Deshalb ist es uns wichtig, unseren Widerstand
auch beim G8Gipfel in Heiligendamm sichtbar zu machen. Für uns und viele andere
aus den unterschiedlichsten sozialen Bewegungen, stellt gerade der Tschernobyl
Jahrestag eine Möglichkeit dar, Gedenken in Kraft zu wandeln. Die gemeinsame
Aktion wird uns auch für die folgenden sozialen Kämpfe stärken und vernetzen.
Denn im Widerstand gegen das G8Treffen arbeiten bundesweit die
unterschiedlichsten Gruppen zusammen und auch die weltweite Zusammenarbeit
stellt eine einmalige Chance da.
Zerstörung von Lebensbedingungen
Von den Folgen des Klimawandels sind die, die am wenigsten verbrauchen, am
meisten betroffen. Das Streben nach ökonomischem Wachstum zerstört Umwelt und
Lebensbedingungen. Im Interesse der Menschen zu handeln heißt, die Verhältnisse
weltweit zu verändern. Trotzdem ist für viele der freie Markt und globales
Wirtschaftswachstum ein Synonym für Wohlstand und Aufstieg. Die rücksichtslose
Ausbeutung natürlicher Ressourcen bringt vor allem in den Ländern des Südens
Zerstörung von Lebensbedingungen, Armut, Krieg, Vertreibung und Flucht. Aber
auch in den reichen Industrieländern werden immer mehr Lebensbereiche einzig
nach kapitalistischen Verwertungskriterien strukturiert. Immer mehr Menschen
fallen raus aus dem gesellschaftlichen Produktionsprozess und werden von diesem
System nicht mehr gebraucht. Und wer noch Lohnarbeit hat, muss diese unter sich
ständig verschärfenden und ungesicherten Arbeitsverhältnissen verrichten.
Längst kann dieser Staat weder soziale Sicherheit noch Sinnhaftigkeit
vermitteln.
Wir wollen deutlich machen, dass es sich hier nicht um eine zwangsläufige
Entwicklung handelt, sondern um eine menschengemachte und daher änderbare. Wir
wollen uns weltweit darüber austauschen, wie eine neue Ordnung von Unten für
Alle aussehen kann. Klar ist, dass eine Diskussion um Energiesparlampen statt
Glühbirnen nur das Ziel hat, vorzutäuschen, es gäbe systemimmanente oder
individuelle Lösungen. Da es diese aber nicht geben kann, suchen wir im
weltweiten Austausch nach anderen Perspektiven!
Der Zaun muss weg
überall da, wo die herrschenden Verhältnisse unsere Köpfe und Herzen prägen, und
überall da, wo wir Gewalt von Außen erfahren.
Busse:
In Hamburg starten die Busse am Sonntag, den 29. April um 10 Uhr ab SBahn
Sternschanze. Vorbestellungen unter sand at nadir.org. (Betreff: BUS) Karten im
Buchladen Schulterblatt 55 und im Schanzenblitz in der Bartelsstrasse 21.
Berlin: Karten gibt es in Berliner Info und linken Buchläden. Kontakt unter
aapberlin at squat.net
Aus Bremen fahren die Busse um 8.30 Uhr, ab ZOB. Karten gibt es u.a. im
Infoladen, St. Pauli Str. 10, oder im Buchladen Ostertor, Fehrfeld 60.
Es fahren auch Busse aus Lüneburg/ Wendland. Infos über: ligatom at gmx.de
Weitere Informationen bekommt ihr z.B. unter www.hamburg.dissentnetzwerk.org
[V.i.S.d.P.: Sonja Brünzels, Achidi John Platz 1, Hamburg.]
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Industrie plant eigenen G8-Gipfel
In Berlin werden Ende April die Präsidenten der Industrieverbände aller acht
führenden Wirtschaftsnationen, der so genannten G8-Staaten, zu einem eigenen
Gipfeltreffen zusammenkommen.
Der "BDI G8 Business Summit" am 25. April sei der erste Gipfel dieser Art , hieß
es beim veranstaltenden Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Zu dem
Treffen der Industriekapitäne im Haus der deutschen Wirtschaft werden auch
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) und
Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) erwartet, berichtet die Financial Times
Deutschland.
Der Industriegipfel diene der Vorbereitung des Weltwirtschaftsgipfels im
Ostseebad Heiligendamm vom 6. bis 8. Juni, heißt es in der Einladung des
BDI-Präisidenten Jürgen Thumann an seine Amtskollegen aus Großbritannien, den
USA, Kanada, Japan, Italien, Frankreich und Russland. Das Zusammentreffen
schaffe die Gelegenheit, den Politikern noch rechtzeitig vor dem G8-Gipfel die
gemeinsame Sicht der Industrieverbände auf globale Probleme zu präsentieren.
Für das hochkarätige Treffen hat der BDI drei Gesprächsrunden vorbereitet. In
der ersten Runde wird es darum gehen, wie sich weltweit der
grenzüberschreitende Investitionsschutz verbessern lässt. Das Thema beschäftigt
die Unternehmen vor allem mit Blick auf Russland, weil sich Investoren dort kaum
auf den Rechtsstaat verlassen können und der Rechtsrahmen häufig kaum
durchschaubar ist. In der zweiten Runde diskutieren die Industriepräsidenten
über einen besseren Schutz geistigen Eigentums, der vor allem in Asien zu
wünschen übrig lässt. In der dritten Runde schließlich widmet sich der Gipfel
dem Klimaschutz. Die G8-Industriepräsidenten wollen aufzeigen, welchen Beitrag
zum Klimaschutz die Industrie durch verbesserte Technologien beitragen kann.
[http://www.finanztreff.de/ftreff/news--a.sektion.nachrichten.r.0.awert..id.27008310.headline.FTD_Industrie_plant_eigenen_G8_Gipfel.-b.0-iDNkzB3ucGmXtd74OTOg.html]
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Diskussions- und Bildungsmaterialien G8 Heiligendamm
Im Vorfeld des G8-Gipfels in Heiligendamm hat die Rosa Luxemburg Stiftung
Diskussions- und Bildungsmaterialien produziert. Damit soll eine informierte
und kritische Auseinandersetzung mit dem G8-Gipfel ermöglicht werden und
AktivistInnen Materialien zur Selbstaufklärung an die Hand gegeben werden,
wobei einzelne Elemente auch über den G8-Gipfel hinaus für Themen wie
Globalisierung und "Global Governance" eingesetzt werden können. Die Website
mit den entsprechenden Materialien findet sich hier:
http://www.rosalux.de/cms/index.php?id=g8gipfel07
[nuss at rosalux.de]
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G8 - was geht mich das an?
Informationsveranstaltung zum Gipfel und seinen GegnerInnen
Tagesseminar der Rosa-Luxemburg-Stiftung 21. April, 10 - 17 Uhr Franz-Mehring
Platz 1, 10243 Berlin Seminarraum 4
Um Anmeldung wird gebeten!
Referent: Stefan Schoppengerd, Politikwissenschaftler, Arbeitsschwerpunkt
Weltwirtschaft der Bundeskoordination Internationalismus (BUKO), Autor von:
"Die G7/G8 Gipfel in der internationalen politischen Ökonomie" (2007), Hrsg.:
Forschungsgruppe Europäische Integration (FEI) an der Universität Marburg
Moderation: Sabine Nuss, Rosa-Luxemburg-Stiftung
Vom 6. bis 8. Juni 2007 findet in Heiligendamm das Treffen von acht
Regierungsvertretern statt, die zusammen die mächtigsten Industriestaaten der
Welt repräsentieren. Die Bundesrepublik ist damit das fünfte Mal Gastgeber des
G8-Gipfels (ehemals G7), insgesamt jährt sich, was als jährlicher
"Weltwirtschaftsgipfel" 1975 begann, zum 33. Mal. Von Protesten begleitet wird
der Gipfel ebenfalls seit geraumer Zeit, nämlich seit 23 Jahren. Der Gipfel
wird zu einem der Medienereignisse des Jahres 2007 überhaupt werden - zumindest
in der BRD.
Trotz oder gerade aufgrund der gegenwärtig laufenden Aufklärungs- und
Mobilisierungsarbeit in der gemischten Linken und einer allgemein im Vorfeld
des Gipfels zu beobachtenden (Re)politisierung der Menschen gibt es einen
enormen Informationsbedarf zu G8 und den Protesten dagegen. Das Seminar richtet
sich daher an alle Interessierten, die verstehen wollen, warum sich die acht
mächtigsten Staaten der Erde an der Ostsee treffen, warum die ganze Welt
darüber redet und ob und warum es sich lohnen kann, sich an den Protesten und
Aktionen gegen den Gipfel in Heiligendamm zu beteiligen.
[Anmeldung und Information: nuss at rosalux.de]
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Abschiebeterror MV: Demo 13. April 16 Uhr // grundsätzliche Fragen...
Hallo,
nicht nur am so genannten Sicherheitszaun rund um Heiligendamm gehen die
zuständigen Stellen derzeit äußerst ruppig vor, auch in Sachen ‚Abschiebung'
wird seit einigen Wochen in Mecklenburg-Vorpommern eine verschärfte Gangart
angeschlagen. Vieles spricht dafür, dass das eine mit dem anderen nicht
unmittelbar zu tun hat, dennoch gibt es aus Sicht des Widerstands durchaus
Zusammenhänge zwischen den Protesten gegen den G8-Gipfel und den Versuchen (des
NoLager-Netzwerks), der aktuellen Abschiebeoffensive etwas entgegenzusetzen.
Doch bevor wir näher darauf eingehen, möchten wir für die eiligen LeserInnen
bereits hier & jetzt eine Demo (aus aktuellem Anlass) ankündigen:
Am Nachmittag vor der Aktionskonferenz, d.h. am Freitag, den 13. April 2007,
wird um 16 Uhr in Rostock eine Demo unter dem Motto "Abschiebemaschinerie
stoppen - Papiere für alle" stattfinden. Die Demo beginnt am Bahnhof und endet
an der Nikolai-Kirche, also dort, wo es auch mit der Auftaktveranstaltung der
Aktionskonferenz losgehen wird. Alle sind herzlich eingeladen, an der Demo
teilzunehmen!
Zur Sache: Zwischen dem 27. und 29. März sind allein in Mecklenburg-Vorpommern
mehrere Dutzend TogolesInnen in Abschiebehaft genommen worden - es gibt die
Vermutung, dass sie mit einem Abschiebecharter am 10. April abgeschoben werden
sollen. Darüber hinaus wurden ebenfalls mehrere Dutzend TogolesInnen
zwangsweise bei der togolesischen Botschaft vorgeführt, ihnen sollten dort
Reisepapiere zum Zwecke der Abschiebung ausgestellt werden. "Zwangsweise
vorgeführt" heißt, dass überall in Mecklenburg-Vorpommern zwischen 2 und 4 Uhr
nachts (größtenteils unangemeldet) jeweils 10 PolizistInnen bei den Betroffenen
in deren Zimmer eingedrungen sind und diese direkt zur Botschaft verbracht haben
(die togolesische Botschaft hatte in diesen Tagen eine provisorische Außenstelle
in Lübeck eröffnet). Hinzu kam, dass in der vergangenen Woche Flüchtlinge
überall in Mecklenburg-Vorpommern massiv auf Bahnhöfen kontrolliert wurden -
teilweise ist es wohl zu regelrechten Hetzjagden gekommen. Zur Erklärung sei
hinzugefügt, dass am Ende des jeweiligen Monats viele der in Hamburg oder
irgendwo sonst lebenden Flüchtlinge in ‚ihre' Heime zurückkehren, um ihre (um
30 Prozent abgesenkte) Sozialhilfe abzuholen. Aus Polizeisicht ist dies deshalb
der einzige Zeitpunkt, all derer habhaft zu werden, die in Abschiebehaft
genommen werden sollen. Eine Art Nebenprodukt solcherart Massenkontrollen ist
außerdem, dass die Flüchtlinge, die außerhalb des ihnen zugewiesenen
Landkreises angetroffen werden und somit des Verstoßes gegen die
Residenzpflicht überführt sind, Bußgelder oder Anzeigen erhalten (letzteres ist
in der Regel nach dem dritten Mal der Fall).
Hintergrund der aktuellen Vorgänge dürfte ein doppelter sein:
a) Unmittelbar nachdem der so genannte Bleiberechtskompromiss im November 2006
endgültig beschlossen wurde (ein Beschluss, von dem bekanntlich nur ein
Bruchteil der über 200.000 Geduldeten profitieren wird - von den über 1
Millionen Papierlosen ganz zu schweigen), hatten die Innenminister eine
ungleich härtere (Abschiebe-)Gangart gegenüber all jenen angekündigt, die nicht
unter den Bleiberechtskompromiss fallen würden. Dies scheint sich nun zu
bewahrheiten
b) Hinsichtlich Togo kommt noch hinzu, dass in Togo Teile der früheren
Opposition mittlerweile an der Regierung beteiligt sind. Das stellt
zweifelsohne eine Veränderung dar, genauso wichtig ist allerdings, dass das
Militär und die Milizen (als den beiden Hauptsäulen des Terrors) weiterhin in
den Händen der alten Macht-Eliten liegen und es deswegen immer noch zur
(systematischen) Verfolgung und Einschüchterung missliebiger AnhängerInnen der
Opposition kommt. Nichtsdestotrotz behauptet die EU, dass mittlerweile die
Dinge in Togo eine befriedigende Wendung genommen hätten und Abschiebungen
deshalb nichts mehr im Wege stehen würde.
Was aber hat dies mit den G8-Protesten zu tun? Wir denken - eine ganze Menge:
a) Von Anfang an hat ‚der' G8-Protest erklärt, dass es ihm um die Verbindung
zwischen alltäglichen Widerstandskämpfen und symbolisch ausgerichtetem
Anti-G8-Spektakel ginge. Denn langfristig - und daran kann überhaupt kein
Zweifel bestehen - dürfte es ausschließlich unter der Voraussetzung zu
Verschiebungen im gesamtgesellschaftlichen Kräfteverhältnis kommen, dass eine
Vielzahl an Menschen beginnt, ihre Angelegenheiten selbstbestimmt in die Hand
zu nehmen - im Stadtteil genauso wie in der Universität, im Flüchtlingslager,
auf dem Arbeitsamt oder im Betrieb. Einziger Haken: Derzeit haben weniger
Gruppen bzw. Einzelpersonen denn je Kapazitäten frei, um sich aktiv in einen
lokalen Kampf wie den der Flüchtlinge in Mecklenburg-Vorpommern einzumischen.
Es dürfte offenkundig sein, weshalb dies eine fatale Situation ist: Auf der
einen Seite möchten wir unsere Anti-G8-Aktionen vorbereiten (die ja auch den
Zweck verfolgen, neue Bündnisse einzugehen), auf der anderen Seite sind wir
damit beschäftigt, einen dramatischen (weil existentiellen) Abwehrkampf
auszufechten, auf dass nicht ein größerer Teil unserer AktivistInnen im Juni
gar nicht mehr da ist. Im Moment wissen wir schlicht nicht mehr, wie wir mit
dieser Situation angemessen umgehen können - zumal sich ähnliche Widersprüche
auch zu unseren (anderen) Lokal-Baustellen in den Abschiebelagern Bramsche und
Blankenburg aufgetan haben. Aber vielleicht gibt es ja doch noch Leute, die
freie Kapazitäten haben und sich spontan angesprochen fühlen?!?!
b) Ein weiterer Zusammenhang ist programmatischer Natur: In den bisherigen
G8-Debatten (so weit sie überhaupt stattgefunden haben) ist es ja viel um
globale Rechte gegangen. Die derzeit in Mecklenburg-Vorpommern (wie überall in
Deutschland) verschärft von statten gehende Abschiebepraxis wirft indessen das
Thema globaler (und somit gleicher) Rechte in zugespitzter Form auf. Denn
letztlich geht es um nicht weniger als die Frage, weshalb es überhaupt möglich
ist, dass Menschen gezwungen werden, gegen ihren Willen Mecklenburg-Vorpommern,
mithin Deutschland bzw. Europa zu verlassen - und diese Frage ist unabhängig
davon aufzuwerfen, ob den Betroffenen individuelle Verfolgung droht (wie in
Togo) oder nicht. Der Grund, warum wir dies erwähnen, ist nicht zufällig. Denn
wir würden es begrüßen, wenn im Rahmen von Rostock III eine Resolution
verabschiedet würde (gerne auch im Rahmen einer allgemeinen
Abschlussresolution), in der sich die TeilnehmerInnen der Konferenz solidarisch
mit den Forderungen der Flüchtlinge in Mecklenburg-Vorpommern und überall sonst
erklären. Zur unmittelbaren Bebilderung hängen wir an das Ende dieser Mail noch
ein Interview mit einem Aktivisten aus Blankenburg an, in dem dieser Antworten
auf die Frage gibt, weshalb er sich an den Anti-G8-Protesten beteiligt. Das
Interview ist in der aktuellen Ausgabe der NoLager-Zeitung erschienen.
Herzliche Grüße,
[NoLager Bremen]
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Polizei: Rückzug bei Datenerfassung
Rostock (OZ/mcp) Die Polizei hat die umstrittenen Sicherheits-Überprüfungen der
Einwohner von Heiligendamm offenbar eingestellt, nachdem die OZ darüber
berichtet hatte. Das teilte der Landesbeauftragte für den Datenschutz in MV,
Karsten Neumann, mit. Tatsächlich wurden von den Einwohnern gestern keine
entsprechenden Erklärungen mehr gefordert. Axel Falkenberg vom G8-Planungsstab
der Polizei "Kavala" erklärte, die Anwohner bekämen auch ohne
Sicherheits-Überprüfung die Ausweise, die notwendig sind, um ab 30. Mai Zutritt
nach Heiligendamm zu bekommen. Bislang sollten die Einwohner per Unterschrift
bestätigen, dass die Polizei ihre Daten erfassen und an Sicherheitsdienste
weitergeben darf. Neumann hatte das Vorgehen als "rechtlich bedenklich"
kritisiert.
[http://www.ostsee-zeitung.de/mv/mantel_g8_32363532363133.phtml]
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G8-Gegner streiten über Protestformen
Nach der Kritik an Attac-Sprecher Peter Wahl, der für friedliche Proteste gegen
den G8-Gipfel warb, flammt die Gewaltdiskussion in der Szene auf.
[http://www.ostsee-zeitung.de/mv/mantel_g8_32363532343030.phtml]
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G8-Gipfel in Heiligendamm: US-Kriegsmarine bedroht gefährdete Schweinswale im
Namen der Terrorabwehr
[http://gipfelsoli.org/Repression/1189.html]
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Grüne verprellen Globalisierungs-Gegner
Die Partei unterschreibt Protestaufruf gegen den G-8-Gipfel in Heiligendamm
nicht. Das liegt vor allem an einer Passage, in der die G8 als "Vorreiter einer
auf Krieg gestützten Weltordnung" beschrieben
[http://www.sueddeutsche.de/,tt6l3/deutschland/artikel/815/108707/]
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OP - Öffentliche Sicherheit und Ordnung
Der neue Film "OP - Öffentliche Sicherheit und Ordnung" des Rechtshilfebüros in
Genua, "Segreteria Legale", ist eine Erweiterung des Films "Recht auf Notwehr"
von 2005, der vor allem den Angriff der Carabinieri auf die Demonstration der
Tute Bianche am Freitag, den 20. Juli 2001 dokumentiert. Die Ereignisse wurden
im Rahmen der Verteidigung von 25 italienischen AktivistInnen rekonstruiert,
die gemeinsam in einem Verfahren mit 8-15 Jahren Haft bedroht sind. Ihnen wird
'Verwüstung und Plünderung' vorgeworfen. Einige von ihnen haben am Freitag mit
den Tute Bianche demonstriert.
Unter Verwendung von Videoaufnahmen und Mitschnitten des Polizeifunks wird u.a.
gezeigt, dass die Kommunikation und Koordination zwischen Carabinieri (Militär)
und Polizei völlig chaotisch war - trotz offensichtlich anders lautender Befehle
blockieren die Carabinieri den angemeldeten Weg der Demo. Im Film ist auch zu
sehen, dass CS-Gas eingesetzt wird, was zwar im Kriegsfall verboten, bei
Demonstrationen hingegen erlaubt ist. Erst durch die mühsame Recherche der
AnwältInnen und des Teams der Segreteria Legale wurde bewiesen, dass die
Polizei illegale Schlagstöcke eingesetzt hat und auch mit hoher Geschwindigkeit
direkt in die Demo gefahren ist.
Der neue, erweiterte Film zeigt nun, dass es im Laufe des Tages weitere Angriffe
der Ordnungskräfte gab. Direkte Folge eines dieser Angriffe ist die Ermordung
von Carlo Giuliani.
Es gab den ganzen Freitag über heftige Auseinandersetzungen; Ziel der
Verteidigung ist, zu beweisen, dass die DemonstrantInnen von ihrem legitimen
Recht auf Notwehr Gebrauch machten.
Die Frage, die am Ende des Films offenbleibt, ist: war es 'nur' das Chaos
innerhalb der Polizei(-führung), oder ein gezielter Wille zur Repression, die
zu den Gewaltexzesse der Polizei in Genua geführt haben?
[SupportoLegale Berlin]