[Gipfelsoli Newsletter] Heiligendamm
Öffentlicher Newsletter der Gipfelsoli Infogruppe
gipfelsoli-l at lists.nadir.org
Mo Jan 29 00:30:07 CET 2007
- Basic Rebel Clowntraining am 10. und 11. 03. 07 im Wendland
- Rechtsextreme Anti-G8-Guerilla?
- G8 schenkt neue Leitzentrale
- DER KAMPF DER AUTONOMEN - Wer stoppt die G8-Terroristen?
- Polizei für G8-Camp
- Beim Weltsozialforum eine neue Qualität erreicht
- HVB stellt Kredite für Luxushotel in Heiligendamm fällig
- Hallo Leute! - Dear all!
- Aufruf zur Opernball-Demonstration 2007
-------------------------------------------------------------------------------
Basic Rebel Clowntraining am 10. und 11. 03. 07 im Wendland
Der Workshop dauert zwei Tage und soll eine erste, kurze Begegnung mit dem
eigenen Clown ermöglichen indem durch Spiele und Übungen die eigene
Spontaneität und Spielfreude stimuliert und das Selbst - und Gruppenvertrauen
gestärkt werden soll.
Außerdem sind Rollenspiele und Übungen geplant die helfen sollen in einer Gruppe
von Gleichgesinnten konkrete direkte Aktionen mit den Mitteln der Clownerie und
Komik zu planen und durchzuführen. Idealerweise würde der Workshop mit einer
von der Gruppe kollektiv ausgedachten und durchgeführten direkten Aktion auf
der Straße, in oder vor öffentlichen Gebäuden enden.
Teilnehmen können alle, die das Abenteuer des Rebel Clowning kennen lernen
wollen und Interesse an einer Vernetzung zum G8 Gipfel in Heiligendamm haben.
Vorkenntnisse sind nicht nötig.
Alter: ab 16 J.
Max TeilnehmerInnen 20
es fallen geringe Kosten für Raummiete und Material an
Anmeldungen unter
beaclown at online.de
[http://wendlandclown.twoday.net]
-------------------------------------------------------------------------------
Rechtsextreme Anti-G8-Guerilla?
Mecklenburg-Vorpommern. Die bereits vorab absehbare Medien-Hysterie um den vom
6. bis 8. Juni im Ostseebad Heiligendamm stattfindenden G-8-Gipfel beginnt
schneller zu rotieren.
Zudem sind die aktuell plakativ prognostizierten Gegen-Aktionen von
Rechtsextremisten eher nebulösen Quellen-Ursprungs. Ein Grund zur Entwarnung
besteht dahingehend allerdings nicht.
So vermeldete in den Nachmittagsstunden des 25. Januar beispielsweise die
Nachrichtenagentur dpa, Neonazis wöllten "sich einem Zeitungsbericht zufolge an
den Protesten gegen den G8-Gipfel im Juni in Heiligendamm beteiligen und sich
dabei unter linke Gegendemonstranten mischen". Besagte dpa-Meldung hat ihren
eigentlichen Ursprung wiederum in einem Artikel der Welt. In der Originalquelle
heißt es diesbezüglich unter anderem: "Doch auch religiöse Fanatiker und
Rechtsextremisten richten ihr Augenmerk auf den Gipfel. 'Ohne dass uns hierzu
konkrete Hinweise vorliegen, muss aufgrund der Teilnehmerstaaten und der
hochrangigen Persönlichkeiten zudem davon ausgegangen werden, dass die
Veranstaltung auch im Zielspektrum islamistischer Täter liegen könnte' (...)
Und: Nach Informationen von WELT.de mobilisieren Neonazis gerade im Internet,
um gegen den Gipfel vorzugehen".
Nach Darstellung von WELT.de würde in "einschlägigen Chats" unter
Rechtsextremisten "aus dem Umfeld der gewaltbereiten und neonazistischen
'freien Kameradschaften'" darüber diskutiert, "wie sie sich gegen das Treffen
der Staats- und Regierungschefs engagieren sollen". So sei mittlerweile bereits
unter der Parole "G 8 2007 rocken" zu Protesten aufgerufen worden. "Allerdings
nicht zu eigenständigen: Die Neonazis wollen sich in die linken Massenproteste
einreihen", so ist bei WELT.de zu lesen.
Abgesehen von einer plakativ allein lediglich unterstellten angeblichen
Inkompatilität zwischen den so genannten 'Freien Kameradschaften' und der
ursprünglich ideologischen Mutter-Partei NPD sei allerdings deutlich
festgehalten: Planungen für eine aufmerksamkeitsheischende Rechte Demo gegen
den G8-Gipfel haben nichts an ihrer Aktualität verloren - und sind nach wie vor
sehr aufmerksam zu beobacheten. Allerdings sollten entsprechendende Quellen auch
seriös ausgewertet werden. Nachfolgend zum teilweise zitierten WELT.de-Bericht
räumte - laut dpa - das Bundesinnenministerium ein, man habe "keinerlei
Anhaltspunkte" für eine so dargestellte Strategie der Rechtsextremisten zum
G8-Gipfel.
[http://www.redok.de/content/view/548/38]
-------------------------------------------------------------------------------
G8 schenkt neue Leitzentrale
Stadtmitte. Laut Roland Methling ist die befürchtete Kostenlawine für den
G8-Gipfel in Rostock kein Thema. Das Treffen der Staatschefs werde den Haushalt
der Hansestadt sogar entlasten. 6,8 Millionen Euro stehen für die Vorbereitungen
bereit.
Mit gut einer Million wird die Leitzentrale der Feuerwehr in der
Erich-Schlesinger-Straße umgebaut. Ein Krisenstab unter Führung Methlings und
der Landräte von Güstrow und Bad Doberan wird von hier aus im Juni die Einsätze
koordinieren. Es sei ein Glücksfall, dass das Geld für den Gipfel sozusagen
gratis vom Land geliefert wird. 2009, wenn Rostock und die Landkreise zu einem
Großkreis verschmelzen, hätte diese Investition ohnehin angestanden - und aus
eigener Tasche bezahlt werden müssen.
Während des Gipfels werden in Rostock 1,1 Millionen Euro für zusätzliche
Personalausgaben erwartet. Rund vier Millionen stehen für die Beseitigung der
Folgen bereit - von der Müllentsorgung bis zu eventuell aufgetretenen Schäden
an öffentlichen Einrichtungen und Gebäuden. "Das würden wir natürlich gern
vermeiden", sagt Senator Georg Scholze. Der Oberbürgermeister und Scholze
kritisierten, dass der Gipfel in Heiligendamm überwiegend als Kostenfaktor
dargestellt werde. Scholze: "Rostock ist eine weltoffene Stadt. Es ist wichtig,
dass wir uns dazu bekennen."
GKW
[www.ostsee-zeitung.de/archiv.phtml?Param=DB-Artikel&ID=2581972]
-------------------------------------------------------------------------------
DER KAMPF DER AUTONOMEN - Wer stoppt die G8-Terroristen?
Sie gehören zu den meistgefährdeten Managern in Hamburg. Ihr Gewerbe ist hoch
sensibel. Sie bauen U-Boote, Fregatten, Corvetten. Kaum jemand weiß, wo sie
wohnen. Doch eine Gruppe von Globalisierungsgegnern hat ihre Häuser im
Hamburger Westen gefunden. Gestern Früh verübten Unbekannte Brand- und
Farbbeutelanschläge auf die Autos und Villen zweier Rüstungschefs von
ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS).
Nur einen Monat nachdem ebenfalls bislang unbekannte Täter den Wagen von
Finanzstaatssekretär Thomas Mirow (SPD) angezündet hatten, wurde Herbert Aly
(48) Opfer einer ähnlichen Tat. Um 4.33 Uhr ging der Mercedes des
TKMS-Vorstands vor seinem Haus in Groß Flottbek in Flammen auf. Eine Stunde
später bemerkte sein Vorstandskollege Walter Klausmann (55), dass die Fassade
seiner Villa im nahegelegenen Nienstedten mit Farbe beschmiert worden war.
Zudem war die Windschutzscheibe seines BMW eingeschlagen worden.
Ganz offensichtlich gehören diese Taten in eine lange Serie von Anschlägen gegen
Entscheidungsträger wie Politiker und Wirtschaftsbosse. Weitere Opfer waren
neben Mirow auch Wirtschaftswissenschaftler Thomas Straubhaar, Werber Holger
Jung ("Jung von Matt") und Werner Marnette, Chef der Norddeutschen Affinerie.
Hintergrund: Protest gegen das Treffen der acht weltgrößten Wirtschaftsmächte
(G8) im mecklenburgischen Seebad Heiligendamm im Juni.
Einen Fahndungserfolg konnte die Polizei noch nicht präsentieren. Und das,
obwohl die Opfer der Anschläge in den "besseren" Gegenden der Stadt wohnen.
Dort, wo Beamte in Zivil regelmäßig Streife gehen.
Die Anschläge der Autonomen sind generalstabsmäßig vorbereitet. Sie
recherchieren die Adressen ihrer Opfer und kundschaften Fluchtwege aus - alles
ohne verwertbare Spuren zu hinterlassen. Und bislang blieben sie ihren
Prinzipien treu: Gewalt gegen Sachen, aber nicht gegen Menschen. Es ist sehr
wahrscheinlich, dass bis zum G8-Gipfel weitere Taten folgen werden.
Die beiden ThyssenKrupp Marine Systems-Manager wollten sich selbst nicht zu den
Anschlägen äußern. Über einen Sprecher des Konzerns mit rund 8800 Mitarbeitern
ließen sie mitteilen, dass sie mit Betroffenheit auf die Ereignisse reagierten
und auf eine schnelle Aufklärung hofften. Der Staatsschutz ermittelt.
[www.mopo.de/2007/20070127/hamburg/politik/wer_stoppt_die_g8_terroristen.html]
-------------------------------------------------------------------------------
Polizei für G8-Camp
Planungsstab "Kavala" relativiert Sicherheitsbedenken
Bützow (efpe) Die Polizei hat offenbar weit weniger Bedenken wegen des Bützower
Camps von Gegnern des G8-Gipfels als bisher erklärt. Vor einigen Tagen hatte
Güstrows Polizeichef Hans-Detlef Henkel im SVZ-Interview erklärt, dass er mit
Problemen rechne, wenn vom 1. bis 10. Juni bis zu 15000 Menschen nach Bützow
strömen.
Ganz anders klingt das beim verantwortlichen Planungsstab "Kavala", der das
Sicherheitspaket rund um den G8-Gipfel schnürt. "Der Planungsstab befürwortet
die Einrichtung dieses Camps", sagte gestern Sprecher Axel Falkenberg auf
Anfrage. Dies hätten Vertreter von "Kavala" in dieser Woche auch bei einer
Runde mit Bützower Stadtvertretern und Gewerbetreibenden erklärt.
Zu Sicherheitsfragen äußert sich die Polizei derzeit noch nicht. Nur so viel:
"Die Polizei hat die Aufgabe, die öffentliche Ordnung und Sicherheit zu
gewährleisten", so Falkenberg. Dies werde auch in Bützow geschehen.
[www.svz.de/newsmv/lr/bue/27.01.07/23-15753582/23-15753582.html]
-------------------------------------------------------------------------------
Beim Weltsozialforum eine neue Qualität erreicht
Frankfurt am Main (ppa). Das globalisierungskritische Netzwerk Attac hat das am
heutigen Donnerstag zu Ende gegangene Weltsozialforum (WSF) in Nairobi als
großen Erfolg für die globale Zivilgesellschaft bezeichnet. "Das
Weltsozialforum ist afrikanisch geworden. Das ist ein unschätzbarer
Fortschritt", sagte Sven Giegold, Mitglied des Attac-Koordinierungskreises, in
Nairobi. Zahlreiche afrikanische Gruppen und Organisationen hätten sich während
des WSF globalen Netzwerken angeschlossen.
So haben in Nairobi 20 Organisationen aus acht afrikanischen Ländern eine
Afrika-Sektion des Tax Justice Network gegründet. Eine ähnliche Verbreiterung
habe es beim Thema Menschenrechte gegeben. An der Vorbereitung des Human Rights
Focus des Forums waren 40 Organisationen aus Afrika beteiligt. "Damit haben
unsere strategischen Debatten eine neue Qualität erreicht", sagte Sven Giegold.
Thematisch war das Forum stark von den alltäglichen Überlebenskämpfen in Afrika
geprägt: Im Zentrum standen Themen wie Ernährung, Wohnen, Zugang zu Wasser und
Aids. "Wir haben viel zugehört und gelernt", sagte Philipp Hersel, Sprecher der
Attac-AG Internationales. "Die Menschen in Afrika wehren sich dagegen, Spielball
auswärtiger politischer und ökonomischer Interessen zu sein."
Die deutschen Teilnehmerinnen und Teilnehmer des WSF nehmen angesichts der
deutschen Doppelpräsidentschaft von EU und G8 einen klaren Handlungsauftrag mit
nach Hause. So ruft die beim WSF verabschiedete "Erklärung der Versammlung der
sozialen Bewegungen" zum Protest gegen den G8-Gipfel im Juni in Deutschland
auf. "Das Welsozialforum war ein wichtiger Schritt bei der Mobilisierung der
internationalen Zivilgesellschaft gegen Heiligendamm", sagte Philipp Hersel.
Wie Sven Giegold betonte, wird die Europäische Union in Afrika vor allem als
imperialer Akteur und nicht als vergleichsweise bessere Alternative zu den USA
angesehen. Besonders groß sei der Widerstand gegen die geplanten bilateralen
Wirtschaftspartnerschaftabkommen (Regional Economic Partnership Agreements /
EPAs) zwischen der EU und den AKP-Staaten (Afrika, Karibik, Pazifik) . "Hier
ergibt sich ein deutlicher Arbeitsauftrag an die Zivilgesellschaften in
Deutschland und in Europa, ihre Regierungen in dieser Frage unter Druck zu
setzen", sagte Sven Giegold.
Attac ruft zusammen mit anderen Organisationen zu Gegenaktivitäten zum G8-Gipfel
in Heiligendamm auf und wird die deutsche EU-Ratspräsidentschaft unter anderem
mit mehreren Konferenzen kritisch begleiten.
[http://linkszeitung.de/content/view/86964/45/]
-------------------------------------------------------------------------------
HVB stellt Kredite für Luxushotel in Heiligendamm fällig
Hamburg (ddp). Die HypoVereinsbank (HVB) hat beim Grandhotel Heiligendamm, in
dem im Juni der G8-Gipfel stattfindet, laut "Spiegel" Kredite in Höhe von 15
Millionen Euro fällig gestellt. Hintergrund seien hohe Verluste des Luxushotels
am Mecklenburger Ostseestrand.
Das Grandhotel habe bis Ende 2005 ein Minus von gut 37 Millionen Euro verbucht,
berichtet das Magazin am Samstag vorab. Auch 2006 sei die Bilanz tiefrot
gewesen. Anno August Jagdfeld, der Initiator des Hotels, glaube trotz "einer zu
langen Anlaufphase" weiter an den Erfolg. Um die Finanzierung sicherzustellen,
habe er von den Anlegern eines von ihm aufgelegten Fonds, dem das Hotel gehört,
bereits Darlehenszusagen in Höhe von einer Million Euro erhalten.
Für Jagdfeld gibt es laut Magazin zudem noch Probleme mit der Staatsanwaltschaft
Aachen, die gegen ihn wegen des Vorwurfs der Untreue ermittelt. Er soll die
Anleger eines seiner Fonds, der in Leipzig das Bürohaus Gutenberg-Galerie
besitzt, betrogen haben.
[http://www.foerderland.de/626+M51523503ef5.0.html]
-------------------------------------------------------------------------------
Hallo Leute!
Es gibt ab sofort eine Koordination der VoKü-Gruppen, die zum G8-Gipfel 2007 in
Heiligendamm kommen. Diese Koordination erreicht ihr per Email unter
cooktheg8 at gmx.net!
Wenn ihr also eine VoKü-Gruppe seid und zu den Protesten gegen den G8 fahrt,
dann schreibt uns eine Email. Wenn ihr VoKü-Gruppen kennt, so sprecht diese an
und gebt diesen unsere Mailadresse oder gebt uns einen Hinweis auf die
entsprechende Gruppe (mit Kontaktemail/informationen), damit wir diese
kontaktieren können. Bitte auch diese Mail an andere Verteiler weiterleiten.
Da aktuellen Schätzungen zu Folge mit ca. 20 000 Personen auf den Camps
gerechnet wird, benötigen wir auch eine große Menge VoKüs (ca. 30-40!!!).
Leitet diese Mail bitte auch an andere Liste und Gruppen, die zum G8 kommen
weiter. Wir benötigen jede helfende Hand für die Proteste im Sommer!
Dear all!
For the Protests against the G8 2007 in Heiligendamm are needed many more groups
for cooking. To coordinate the cooking-groups we now have the emailadress
cooktheg8 at gmx.net.
If you are a group, that could possibly cook at the G8, tell us. If you have
questions concerning the cooking at g8 2007, ask us and if you know other
groups, forwads them this mail, tell them that we need help or write us their
mailadres or other contact informations.
And please forward this mail to the other mailinglists!
Actually there are about 20 000 people expected for camping, so we need everyone
to help us for the upcoming protests in summer 2007.
[COORDINATION OF COOKING-GROUPS FOR THE PROTESTS AGAINST THE G8 2007]
-------------------------------------------------------------------------------
Aufruf zur Opernball-Demonstration 2007
*Her mit dem schönen Leben! *
"Das Leben ist schön - es lebe das Leben" lautet das Motto des Opernballs 2007
in Frankfurt. Das lässt sich leicht sagen, für die "etwa 2000 Personen aus den
Bereichen der Politik, der Wirtschaft und der Banken, der Publizistik und der
Gesellschaft" die sich bis zu 665,- Euro für Kulturprogramm und Erster
Klasse-Menü locker leisten können.
Der Arbeitslosengeld-II-Regelsatz sieht für ein Abendessen 1,48 Euro pro Tag
vor. Kombiniert mit den täglich zugestandenen 21 Cent für Sport- und
Freizeitbeschäftigung, sind wir bei stolzen 1,69 Euro pro Tag. Die billigste
Opernball-Karte für Erwachsene ("die Flanierkarte" - wir wollen ja nicht
anmaßend sein) kostet schlappe 220,- Euro. Dementsprechend müssten ALG -II -
BezieherInnen nur etwa 130 Tage, das sind nicht mal 4 Monate, auf ihr
Abendessen sowie Sport- und Freitzeitbeschäftigungen verzichten, um an dem
Spektakel teilzuhaben. Schön ist das Leben - aber diese Verhältnisse sind es
nicht!
Reiner Neid? Ein Blick auf die Gästeliste belehrt uns eines Besseren. Dort
finden wir beispielsweise Horst Teltschik. Teltschik stand als langjähriger
Berater Helmut Kohl zur Seite und trieb aus den Vorstandsetagen (bei
Bertelsmann) die Privatisierungen und (bei Boeing) die Rüstungsgeschäfte voran.
Kein Zufall, dass er seit 1999 die jährliche Nato-Sicherheitskonferenz in
München leitet und für all diese Verdienste mit dem Bundesverdienstkreuz
ausgezeichnet wurde.
Neid? - Nein, eher Wut. Wut auf diese Verhältnisse, die solche Manager
Stundenlöhne von 500,- Euro "verdienen" läßt, während andere die gleiche Summe
nicht mal im Monat zur Verfügung haben. Auf Verhältnisse, die uns zwingen,
unsere Arbeitskraft möglichst billig zu verkaufen, und die uns aus der
Gesellschaft ausschließen, wenn wir keinen Arbeitsplatz finden. Die uns
zwingen, unser Studium, unser Wissen und unsere Bildung an den
Wirtschaftsinteressen zu orientieren und die hunderttausenden von Menschen
jegliche Rechte verweigern, indem sie zu "Geduldeten" oder gar "Illegalen"
abgestempelt werden.
Am Opernball-Abend wird diese Kluft mehr als deutlich, wenn die gelackten
Profiteure dieser Verhältnisse das schöne Leben feiern und uns dumm-dreist
weismachen wollen, wir säßen alle im gleichen Boot namens "Deutschland".
Doch aus unterschiedlicher Betroffenheit formuliert sich immer wieder
Widerspruch gegen diese Verhältnisse: Tausende Studierende blockierten im
vergangenen Jahr Hauptbahnhöfe und Autobahnen. Ärztinnen und Krankenpfleger
hatten die Nase voll von einer angeblichen Gesundheitsreform. Und einige
hunderte gingen im vergangenen Jahr mehrfach für ihr Aufenthaltsrecht auf die
Strasse. Trotz all dieser einzelnen Kämpfe bleibt das schöne Leben für alle
aber sicher noch in weiter Ferne.
"Kick it like Frankreich!" hieß es bei den Studierenden-Protesten im vergangenen
Jahr mit Bezug auf massive Proteste in Frankreich, bei denen eine Gesetzgebung
namens CPE, die den Kündigungsschutz für BerufsanfängerInnen aushebeln sollte,
letzten Endes gekippt wurde. Entfernt scheinen solche Erfolge hier, ein wenig
ungelenk die stärker werdenden Protestbewegungen im vergangenen Jahr. Aber da
ist ein Beat...
Prekär, also unsicher, nennen wir die Lebens- und Arbeitsverhältnisse, die sich
auch in Germoney immer weiter ausbreiten. "Unterschicht" würden wohl diejenigen
es nennen, die in der Alten Oper ihren Reichtum zur Schau stellen. Jedenfalls
werden immer mehr Menschen in Niedriglohnjobs gezwungen oder in die Verarmung
gedrückt. Die einen sollen bis 67 schuften oder die Rente wird noch geringer
ausfallen. Andere werden zu Überflüssigen erklärt, weil sie als nicht flexibel
und anpassungsfähig genug gelten. Und: "Wer uns nützt, kann bleiben. Ansonsten
abschieben" - ist die Devise gegenüber Flüchtlingen oder MigrantInnen, die ja
nicht aufmucken sondern brav in den miesesten Jobs buckeln sollen.
Eine "Rette sich wer kann und jeder gegen jeden"-Stimmung wünschen sich die
Oberen, spalte und herrsche! Und all zu oft funktioniert das
Gegeneinander-Ausspielen und die Konkurrenzen - Rassismus, Sexismus,
Leistungswahn!
Umso wichtiger sind alltägliche Initiativen und Kampagnen, die die gegenseitigen
Abgrenzungen unterlaufen, die die unterschiedlichen prekären Lebenssituationen
zueinander vermitteln und die sozialen und politischen Protestformen in
Austausch und Verbindung bringen. Und das laut und unüberhörbar: "die Kosten
rebellieren"!
Genau das alles wollen wir, wenn wir am 24. Februar zum und gegen den deutschen
Opernball in Frankfurt mobilisieren und auf die Strasse gehen: als gemeinsame
Protestparade, als Demonstration und Kundgebung, als Störfaktor gegen die Show
der Reichen.
Und wir sehen es als Auftakt für massenhafte Proteste im kommenden Juni. wenn
die hohen Herren und Damen der reichsten G(reat)8-Staaten im Ostseebad
Heiligendamm bei Rostock zusammentreffen: um sich für die kommenden
Energiekonflikte und Rohstoffkriege abzustimmen, um ihre "Wissens- und
Informationsgesellschaft" mit Patenten abzusichern und um einmal mehr
Großzügigkeit gegenüber einem "armen Afrika" vorzuheucheln, von dessen
"Schuldendienst" doch alle ständig profitieren.
Hinter meterhohen Sicherheitsabsperrungen werden sie ihrer Geschäftspolitik
möglicherweise nachgehen können, aber eines ist sicher: Die Strassen
Mecklenburg-Vorpommerns werden in diesen Tagen all jenen gehören, die sich für
globale soziale und politische Rechte einsetzen. Den Protestierenden oder den
"Überflüssigen", denen, die die jeweiligen Ungerechtigkeiten anprangern wollen,
oder denen es "ums Ganze" geht. Jedenfalls all jenen, die für ein schönes Leben
kämpfen wollen oder müssen.
Am 24.Februar werden wir durch Frankfurter Strassen ziehen -- als Warming up für
den G8 im Juni, gegen das große Fressen der Elite und mit einer Portion Wut auf
die Verhältnisse - und mit diesem Beat...
*Der Opernball wird gerockt,*
*Wir holen uns das schöne Leben!*
*The Beat goes on...! *
Glocal Group Hanau, kein mensch ist illegal Hanau, Rhein-Main-Bündnis gegen
Sozialabbau und Billiglöhne, Workers Center Initiative Rhein-Main; Courage
gegen Rassismus - Rödelheim, Schurken ohne Staaten (S.o.S.), kein mensch ist
illegal Darmstadt, Aktionsbündnis gegen Abschiebungen Rhein-Main, AKU
Wiesbaden, libertad! Frankfurt