[Gipfelsoli Newsletter] Heiligendamm
gipfelsoli-l at lists.nadir.org
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Fre Sep 29 09:15:24 CEST 2006
- Einladung zu MedienaktivistInnen-Treffen während der Anti-G8-Aktionskonferenz
in Rostock vom 10.-12. November 2006
- IM Benjamin spitzelte im Hotel "Neptun"
- Heiligendamm: Ex-Hotelchef unter Stasi-Verdacht
- Stasi-Vorwurf ist Top-Thema
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Einladung zu MedienaktivistInnen-Treffen während der Anti-G8-Aktionskonferenz in
Rostock vom 10. - 12. November 2006
Wir - das Netzwerk Videoaktivismus (ein Netzwerk von VideoaktivistInnen) -
möchten die Aktionskonferenz nutzen und zu einem parallel laufenden Treffen von
MedienaktivistInnen (SchreiberInnen, FotografInnen, FilmerInnen, Techies ...)
einladen.
Auf dem Treffen möchten wir zum einen lokale Medienstrukturen kennenlernen wie
z.B. Medienwerkstatt, lokaler Hörfunk, Offener Kanal, etc. und Möglichkeiten
des Zusammenarbeitens ausloten.
Zum andern laden wir bundesweit ein, und zwar indymedia, freie Radios,
Nachrichtenplattformen, Printmedien , alle, die in der
Anti-G8-Berichterstattung 'von unten' aktiv werden wollen und die die
Mobilisierung gegen den G8 unterstützen.
Eine dritte mögliche Schiene wäre der Erfahrungsaustausch mit internationalen
Gästen. Wir laden gezielt imc-Strukturen bzw. Einzelpersonen ein, die mit dem
Aufbau von unabhängigen Medienstrukturen gegen die Gipfel der letzten Jahren
beschäftigt waren, um uns darüber auszutauschen und davon zu lernen.
Ziel des Wochenendes ist es, ein Konzept zu entwickeln für eine lokale,
bundesweite und internationale Zusammenarbeit von unabhängigen
Medienstrukturen.
Wenn es bereits vergleichbare Initiativen gibt, beteiligen wir uns gerne daran.
Rückmeldungen bitte an: trojan(at)nadir.org
Organisatorische Details werden bei Rückmeldung zugeschickt.
[trojan(at)nadir.org]
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IM Benjamin spitzelte im Hotel "Neptun"
Schwere Vorwürfe gegen Thomas Klippstein. Der Ex-Chef des Grand Hotels
Heiligendamm soll eine Stasi-Karriere hinter sich haben.
Rostock (OZ) "Es war immer wie ein Stück Zurückkommen", schwärmte Thomas
Klippstein (44), Chef des Kempinski Heiligendamm, voriges Jahr bei seiner
Verabschiedung. Damals wurde der gebürtige Rostocker nach Berlin abberufen, als
Direktor des berühmten Hotels "Adlon". An eine ihm jetzt angelastete Episode
seiner Rostocker Vergangenheit will Klippstein sich aber gar nicht erinnern:
Wie die Zeitung "Die Welt" in ihrer heutigen Ausgabe berichtet, begann sie am
9. März 1988. Damals unterschrieb ein "Thomas Klippstein", Empfangssekretär im
Hotel "Neptun" in Warnemünde, seine Verpflichtungserklärung als Stasi-IM.
Deckname: "Benjamin".
180 Seiten dick ist die Personalakte des IM "Benjamin", zudem gibt es einen 80
Seiten starken Arbeitsband, in dem die Spitzelberichte enthalten sind.
Am 30. April 1988 etwa berichtete er seinem Führungsoffizier handschriftlich,
dass sich zwei Kolleginnen von ihm, darunter eine Auszubildende, mit vier
West-Berlinern unterhielten. Später spionierte er "verdächtige Personen" aus.
Entsprechend seinem Auftrag ging er mit einem Mann "Bier trinken" und
"Frühstück essen", um ihn auszuhorchen. Eine Frau, die den Wunsch äußerte,
"doch lieber in der BRD sein zu wollen", verriet er ebenfalls an die Stasi. Als
ein Kollege versuchte, West-Gäste vor der Stasi-Überwachung zu schützen, meldete
"Benjamin" ihn.
Seine Stasi-Vorgesetzten bescheinigten "Benjamin" "Umsicht, Sorgfalt und
Eigenintiative". Laut Akte sah er "die gesellschaftliche Notwendigkeit" für die
"Unterstützung" der Stasi.
Das "Neptun", so war bereits gestern nach einem in der Nacht ausgestrahlten
NDR-Fernsehbeitrag zu lesen, war zu DDR-Zeiten "ein geheimnisvoller Ort, an dem
dubiose Geschäfte abgewickelt wurden". Der später unter mysteriösen Umständen
umgekommene schleswig-holsteinische Ministerpräsident Uwe Barschel feierte dort
seinen 40. Gebrutstag.
An der Spitze des "Neptun" steht damals wie heute Direktor Klaus Wenzel. 2003
wurde er zum "Hotelier des Jahres" gekürt. Dass seine Gäste rund um die Uhr
bespitzelt wurden, davon will Wenzel nichts gewusst haben. Dem NDR-Fernsehen
gegenüber lehnte er ein Interview zu diesem Thema kategorisch ab. Auch andere
Mitarbeiter von damals, die heute noch im "Neptun" arbeiten, sollen IM gewesen
sein.
Hotelier Klippstein, der 1993 zu Kempinski stieß, war von der Eröffnung an
Direktor des Grand Hotels in Heiligendamm. War er, wie von der "Welt"
berichtet, der IM "Benjamin"? Dann hatte er sich noch im Oktober 1989, als sich
der Fall der DDR bereits anbahnte, zur Bespitzelung von Sympathisanten des Neuen
Forums bereit erklärt.
Der OZ gegenüber äußerte sich Klippstein gestern ebensowenig wie seine
Sprecherin. Beide seien "in einem Meeting", bedauerte eine Mitarbeiterin der
Hotel-Direktion des "Adlon".
Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider (SPD) hatte Klippstein bei seiner
Verabschiedung aus Rostock bescheinigt, sich bei der "Positionierung des
Kempinski Grand Hotels Heiligendamm ausgezeichnet" zu haben. "Er hat Maßstäbe
in der Tourismusbranche gesetzt und zudem international ein exklusives
Aushängeschild für Deutschland geschaffen", so die Politikerin. Doberans
Polizeichef Siegfried Trottnow bezeichnete ihn als "unkompliziert, ohne viel
Schnörkel und Papierkram". "Er ist ein guter Typ", lobte Chefarzt Peter Kupatz
vom Doberaner Moorbad. "Präzise, sehr verlässlich."
Pikant: Genau diese Eigenschaften schätzte die Stasi an ihrem IM "Benjamin"...
[Ostseezeitung 27.9.2006]
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Heiligendamm: Ex-Hotelchef unter Stasi-Verdacht
Rostock (OZ) Der ehemalige Direktor des Kempinski Grand Hotels Heiligendamm,
Thomas Klippstein (44), soll inoffizieller Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit
gewesen sein. Das berichten übereinstimmend die "Welt" und "Focus online".
Beide Medien berufen sich auf ihnen vorliegende Stasiakten, in denen ein 1962 in
Rostock geborener Thomas Klippstein als Spitzel "Benjamin" geführt wird, dessen
Karriere am 9. März 1988 mit einer Verpflichtungserklärung begann. Klippstein
arbeitete zu dieser Zeit als Empfangssekretär im Hotel "Neptun" in Warnemünde.
Ab 1993 war er für die Hotelgruppe Kempinski tätig und arbeitete u.a. in
Thailand und St. Petersburg.
2002 übernahm Klippstein noch vor der Eröffnung 2003 das neue Grand Hotel in
Heiligendamm und leitete dieses bis Mai 2005. Danach wurde er zum Direktor des
renommiertesten deutschen Luxushotels, des Berliner "Adlon", berufen.
[Ostseezeitung 27.9.2006]
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Stasi-Vorwurf ist Top-Thema
Wie ein Lauffeuer verbreitete sich in Heiligendamm die Nachricht, dass Thomas
Klippstein unter Stasi-Verdacht stehen soll.
Heiligendamm Rund drei Jahre lang war Thomas Klippstein Hotelchef im Kempinski
Grand Hotel Heiligendamm, bevor er als Direktor in das wohl bekannteste
Luxus-Hotel Deutschlands, ins Adlon nach Berlin, berufen wurde. Deshalb ging
die Nachricht des Tages, "Ex-Hotelchef unter Stasi-Verdacht" gestern in
Heiligendamm und Umgebung wie ein Lauffeuer herum.
Nicht nur Einheimische, auch Touristen und Hotelchefs, die OZ befragte, äußerten
sich differenziert und zurückhaltend: "Die angebliche Stasi-Vergangenheit hat
mit seinem fachlichen Können eigentlich nichts zu tun", so Wolfgang Lindemann,
Direktor vom Ostseehotel Kühlungsborn. "Ich denke, jeder Mensch macht Fehler.
Herr Klippstein hat in der Vergangenheit bewiesen, dass er fachlich und
menschlich in Ordnung ist. Solch ein Verdacht ist immer schlimm. Denn selbst
wenn er unbegründet sein sollte, bleibt immer irgendwas hängen. Selbst wenn er
stimmen sollte, weiß man nichts über die Umstände, warum es dazu gekommen ist."
Auch für Elli Kuhn aus Bad Doberan hat die angebliche Stasi-Vergangenheit des
Ex-Hotelchefs nichts mit seiner Arbeit zu tun. "Es wäre schade, wenn er jetzt
berufliche Nachteile hat, denn er hat seinen Job sehr gut gemacht, sonst hätte
man ihn nicht nach Berlin geholt. Sollte sich der Verdacht bestätigen, müsste
er allerdings schon dafür geradestehen, wenn er jemand in seinem Umfeld
geschadet hat."
Die Touristen im ältesten Seebad Deutschlands machen sich ebenfalls Gedanken um
den Hotelchef: "Sollte er nur deshalb Karriere gemacht haben, weil er
vielleicht für die Stasi gearbeitet hat, dann wäre das nicht in Ordnung", meint
Veronika Steinbeck aus Magdeburg. Brigitte Hanßen aus Hannover winkt ab: "Es war
doch in der Vergangenheit, die Wende ist inzwischen 16 Jahre her. Man kann die
Stasi-Geschichten inzwischen nicht mehr hören." Für die ehemalige Lehrerin
Lotte Knuths steht fest: "Selbst wenn der Verdacht stimmt, sind viele Jahre
vergangen. Wäre er nicht nach der Wende sehr tüchtig gewesen, hätte er es nicht
so weit gebracht." Das sieht Walter Vogt aus Stuttgart ganz anders: "Sollte er
Menschen aus seinem Umfeld an die Staatssicherheit verpfiffen haben, dann
gehört er in keine höhere Position, kann kein Vorbild für andere sein."
Während die Leute in Heiligendamm diskutieren, hält sich das Grand Hotel heraus:
"Wir äußern uns dazu nicht", stellte Pressesprecherin Frauke Müller klar.
[Ostseezeitung 28.9.2006]