[gipfelsoli] Heiligendamm

gipfelsoli-l at lists.nadir.org gipfelsoli-l at lists.nadir.org
Don Aug 17 00:11:32 CEST 2006


- "Rostock II" - Der Termin steht!
- Enteignung, Massenmord, Profit - Anmerkungen zur Geschichte der heutigen
Hotelkette Kempinski
- Die Herbstakademie Globalisierung von DGB-Jugend und attac
- Einladung zum Koordinationstreffen zur Vorbereitung der internationalen
G8-Aktionskonferenz

------------------------------------------------------------------------------
"Rostock II" - Der Termin steht!

Der Termin für die zweite G8-Aktionskonferenz ist jetzt klar. Ein nochmals
verbreiterter Trägerkreis verständigte sich darauf, dass "Rostock II" am
Freitag, dem 10.11.2006 um 19 Uhr beginnen und bis zum Sonntag, dem 12.11.2006
dauern soll. Der Tagungsort soll die Universität Rostock sein.
Die 2. Aktionskonferenz soll die Planungen der ersten Konferenz (Großdemo,
Konzept des Gegengipfels, migrationspolitische Aktivitäten, Möglichkeiten des
Zivilen Ungehorsams, Camp, Serie von Großveranstaltungen im Vorfeld) aufnehmen
und weiterführen.
Ging es bei Rostock I noch darum, die unterschiedlichen Sicht- und
Herangehensweisen zunächst einmal kennen zu lernen, sollen die Beratungen der
zweiten Konferenz auch in konkreten Absprachen über den gemeinsamen
Vorbereitungsprozess und die Internationalisierung dieses Prozesses münden.
Deshalb wird Rostock II auch als internationale Konferenz konzipiert, die
zweisprachig in Englisch und Deutsch stattfinden wird.

Liebe Freundinnen und Freunde,
Für Juni 2007 ist im Ostseebad Heiligendamm der nächste G8-Gipfel geplant und es
tut sich was: In Nichtregierungsorganisationen, Umweltverbänden, linken und
antirassistischen Netzwerken, Gewerkschaften, Parteien oder lokalen
Anti-G8-Bündnissen, überall steht das nächste Gipfeltreffen der G8 auf der
Tagesordnung. Die Weltwirtschaftsgipfel sind wichtige Knotenpunkte im
institutionellen Netzwerk der herrschenden Weltordnung und ihre Politik steht
für immer mehr Armut, Verschuldung, Umweltzerstörung und den Abbau sozialer und
demokratischer Rechte. Deshalb haben auch für 2007 in unterschiedlichen Spektren
die Diskussionen über Alternativen und Veranstaltungen gegen den Club der
Mächtigen und Reichen dieser Welt längst begonnen. Die vergangenen
Gipfel-Proteste waren immer dann am erfolgreichsten, wenn es gelang, die
Vielfalt der politischen Kräfte und die Buntheit der unterschiedlichsten
Aktionsformen miteinander zu verknüpfen, ohne dass dabei die Identität und
thematischen Interessen der einzelnen Akteure unter den Tisch fielen. Um das
Projekt des Gipfelprotests in Rostock/ Heiligendamm voranzubringen, laden wir
ein zur Internationalen Aktionskonferenz

vom 10. . 12. November 2006 in Rostock.

Diese soll neben dem Austausch über die jeweiligen politischen Planungen und
Aktionsvorstellungen der Beteiligten gerade auch die internationalen
Perspektiven von AktivistInnen aus ganz Europa einfangen. Diese Idee wird
unterstützt durch die diesjährige Abschlusserklärung des Europäischen
Sozialforums in Athen, in der Heiligendamm 2007 als europäischer
Mobilisierungsschwerpunkt genannt wird. Deshalb wird die gesamte Konferenz
zweisprachig (deutsch/ englisch) sein. Nach einer Einschätzung und Bewertung
der diesjährigen Gipfel-Aktivitäten in St. Petersburg hat .Rostock II. die
Aufgabe die Gemeinsamkeiten aller beteiligten AkteurInnen auszuloten. Wir
wollen alle AkteurInnen, die internationalen AktivistInnen einbezogen, nach
zentralen Gründen für die Beteiligung am Protest gegen G8 und ihre jeweiligen
Forderungen fragen, die Antworten in Bezug zueinander setzen und Schnittstellen
und Anknüpfungsstellen für den Gipfelprotest finden. Die unterschiedlichen
Analysen und Zugänge konstruktiv zu diskutieren und nach Synergien zu suchen
ist eine der zentralen Aufgabe dieser Konferenz. Nur so werden wir eine
angemessene politische Wirkung erzielen.
Auch die bisherigen Planungen und Überlegungen von der ersten Rostocker
Konferenz und den Koordinierungstreffen der NGOs (Großdemo, Konzept des
Gegengipfels, migrationspolitische Aktivitäten, Möglichkeiten des Zivilen
Ungehorsams, Camp, Serie von Großveranstaltungen im Vorfeld) sollen vorgestellt
und in Arbeitsgruppen weiter geplant werden. Der Verständigungsprozess über den
konkreten Ablauf der Aktions- und Diskussionstage im Juni 2007 sollte möglichst
in verbindlichen Absprachen über den gemeinsamen Vorbereitungsprozess und die
Internationalisierung dieses Prozesses münden. Und wenn wir schon vor Ort in
Rostock sind, so wollen wir auch mit einer kleinen Aktion präsent sein und
unser Anliegen kundtun, gegen den G8-Gipfel 2007 zu protestieren sowie die
Möglichkeit für eine Ortsbesichtigung bieten. Ziel der Konferenz ist es, den
Protest gegen G8 zu verbreitern und Anknüpfungsstellen für Menschen aus
unterschiedlichen politischen Hintergründen zu schaffen. Alle sollen aktiv in
die Aktions- und Veranstaltungsplanung einbezogen werden. Deshalb werden wir
auch Raum und Zeit für die lokale Vernetzung schaffen, damit nach dem Motto
"lokal Handeln - global Denken" weitere Bündnisse gegen G8 an möglichst vielen
Orten entstehen.

Hugo Braun (Initiative Sozialforum in Deutschland)
Mona Bricke (Forum Umwelt und Entwicklung)
Kristian Golla (Netzwerk Friedenskooperative)
Marco Heinig (solid)
Willi van Ooyen (Bundesausschuss Friedensratschlag)
Werner Rätz (attac)
Paula Riester (Grüne Jugend)
Gregor Samsa (NoLager Bremen)
Monty Schädel (Bündnis Rostock und DFG-VK)
Thomas Seibert (medico international)
Katja Strobel (Interventionistische Linke)
Sabine Zimpel (erlassjahr.de)
Aktuelle Informationen zur Konferenz und für Fragen, Kritik und Anregungen:
www.heiligendamm2007.de
www.g8-germany.info
Anmeldungen:
anmeldung at heiligendamm2007.de
rostock at heiligendamm2007.org
registration at g8-germany.info

[http://www.heiligendamm2007.de/]


------------------------------------------------------------------------------
Enteignung, Massenmord, Profit
Anmerkungen zur Geschichte der heutigen Hotelkette Kempinski

Fritz Teppich, Kind einer jüdischen Familie in Berlin, wurde von seiner Mutter
als 14 jähriger Junge 1933 in eine Kochlehre nach Paris geschickt. Seine
Schwester Mela hatte Anfang der dreißiger Jahre Gerhard Kempinski geheiratet,
den Sohn von Luise und Hans Kempinski, Miteigentümer des gleichnamigen
Restaurants, Wein und Delikatessenunternehmens, dass 1937 "arisiert" wurde. Die
Kempinskis waren, auch wegen kommunistischer Freundschaften, als "Linksliberale"
in Deutschland attackiert worden und suchten früh Zuflucht in London.
Die "Arisierung" des Kempinskikonzern wurde ab 1935 vom Konkurrenten "Aschinger
AG" forciert. 1936 gab es wegen der Olympischen Spiele noch einen
Enteignungsaufschub.
1937 wurde das Unternehmen zerschlagen, die sog. "Entjudung" lag in den Händen
des Finanzdirektors der Aschinger-Hotelkette.
Die Enteignung des Konzerns ging einher mit der Neugründung der "Kempinski
GmbH", Fritz Teppich erklärt das Beibehalten des Namens mit Gründen der Tarnung
dieser Aktion, die man heute Marktbereinigung nennen würde.
Von 1931 (1931?? fragt der abtipper) bis 1941 wurden bei "Kempinski" Jüdinnen
als Arbeitssklavinnen über die Arbeitsämter zwangseingewiesen. Diese Frauen
wurden ab Winter 42/43 von ihren Arbeitsplätzen in der Berliner Leipziger
Straße gen Osten deportiert und vergast.
Zurück blieben in den Werkstätten und Weinkellern über 900 Zwangsarbeiter aus 26
Nationen, die mit Schlägen zur schnelleren Arbeit gezwungen wurden. Sie wurden
gequält von "Uniformierten Werkscharen", eine Art Sonderpolizei. Ihre
Unterbringung wurde in einem Sonderlager organisiert. Der jüdische Name
Kempinski dient heute einer von der BRD aus organisierten internationalen
Hotelkette für die Reichsten und Mächtigsten der Welt.
Fritz Teppich dazu: "wer, so fragt Familie Kempinski, mag unter solchen
Opfernamen schlafen oder speisen?"

Dass das Unternehmen heute den Namen "Kempinski AG" führt, ist das Ergebnis der
1953 erfolgten Legalisierung der im Faschismus betriebenen Enteignung. Hier kam
ihnen zugute, dass die Angehörigen der Familie Kempinski seinerzeit ins Exil
vertrieben oder in den KZs ermordet wurden. 1953 erfolgte der Bruch des
Erbrechtes in Unkenntnis der Londoner Kempinskierben in Berlin. Den damaligen
Profiteuren der Enteignung wurde der Kempinskibesitz zugesprochen.
Die Kempinskierben erhielten nie Wiedergutmachungsgelder für das verlorene
Familieneigentum. 1953 erwarb so die "Hotelbetriebs-AG" ein naziverwurzelter
Konzern, die Kempinskifirmen. Als 1980 das Restaurant Kempinski in Berlin
erneut eröffnete, war ihr Credo: die Zeit vergeht, die Schönheit bleibt- das
entspricht in etwa den öffentlichen Slogans der Kempinskiwerbung von heute. Die
noch lebenden Angehörigen der Familie Kempinski versuchten diese Werbung zu
verhindern. Mit der Zusicherung, auf weitere Ansprüche zu verzichten, forderten
die den Konzern auf, sofort auf den jüdischen Namen zu verzichten. Die
"Hotelbetriebs AG", ein deutsches Unternehmen, dass schon vor 33 Hitler
unterstützte, beharrte darauf, weiter ihre Hotels unter jüdischem Namen zu
führen, um so weiterhin ihre Geschäftsgrundlage zu verschleiern.

Die Familie forderte weiter, überall an allen Kempinskihotels Gedenktafeln
anbringen zu lassen. Nach über 15 Jahren Protesten durch Fritz Teppich als
Vertreter der Kempinskifamilie und antirassistischen Gruppen kam es Mitte der
90ger Jahre zu einem kleinen Durchbruch - Israel musste einen Empfang im
Berliner Kempinski absagen, die deutschen Medien mussten ihre Nachrichtensperre
aufheben. Eine fast unlesbare Gedenktafel wurde am Berliner Kempinski
angebracht, in 3,50 Höhe, bei der bewusst die Deportation und Vergasung der
jüdischen Zwangsarbeiterinnen weggelassen wurde.
Soweit erst mal. Alle Informationen sind nachzulesen in Fritz Teppichs
Autobiografie "Der rote Pfadfinder" (Elefanten Press 1996).

[Flugblatt]


------------------------------------------------------------------------------
Einladung zum Koordinationstreffen
zur Vorbereitung der internationalen G8-Aktionskonferenz

Liebe Freundinnen und Freunde,

seit unserem letzten Treffen im Juli hat es eine Reihe wichtiger Entwicklungen
gegeben, die unser gemeinsames Projekt "Proteste anlässlich des G8-Gipfels in
Heiligendamm 2007" betreffen. Herauszuheben sind die Festlegung des
Gipfeltermins auf den 6. - 8. Juni und der Vorschlag der Projekt AG des
NGO-Treffens an deren Bündnis, die beiden Kreise (NGO und "Rostock-Konferenz")
zusammenzulegen. Die NGO werden am 28.8. darüber entscheiden, so dass bei
unserem Termin ein Ergebnis feststehen wird.

Wir treffen uns also in wohl deutlich vergrößerter Runde am
Freitag, 1. September 2006 um 11.00 Uhr in Hannover
Pavillon am Raschplatz (Hauptbahnhof durch den rückwärtigen Ausgang verlassen,
geradeaus die Straße unter der Autobrücke überqueren und der Flachbau des
Pavillons liegt vor euch.)

Als Tagesordnung schlagen wir vor:

0.Eröffnung, Begrüßung, TO-Festlegung, Protokoll
1.Berichte
* NGO
* "Offizielles" (Termin, Themen, etc)
* Stand Kulturprogramm
* Stand Blockaden
* Camp 2006
* Sonstiges
2. Bündnisprozess, insbesondere Zusammenlegung mit dem NGO-Kreis
* Zusammenarbeit mit Parteien
* Interne Strukturen
* Weitere Termine
3. Internationale Aktionskonferenz in Rostock am 10. - 12.11.2006
* Tagesordnung der Konferenz
* Mobilisierung, national und international
* Organisatorisches
* "Rostock III"
4. Die Gipfeltage in Heiligendamm/Rostock
* internationale Großdemonstration, insbesondere Termin, Brainstorming Ablauf,
RednerInnen, etc.
* Anmeldeprozess
* Gegengipfel
* Camp
* Gesamtchoreografie (inklusive thematische Aktionstage, Blockadeaktionen ...)
5. Organisatorisches dabei insbesondere Finanzen, Infrastruktur (Büro/s
Rostock/Berlin/Bonn)
6. Sonstiges

Ihr seht, dass diese TO sehr umfangreich ist, wir sollten uns also auf einen
Zeitrahmen mindestens bis 17.00 Uhr einstellen.

Mit freundlichen Grüßen

Mona Bricke (NGO Bündnis) // Christoph Kleine (Interventionistische Linke) //
Werner Rätz (attac) // Gregor Samsa (NoLager) // Monty Schädel (Bündnis
Rostock; DFG-VK)


------------------------------------------------------------------------------
Die Herbstakademie Globalisierung von DGB-Jugend und attac.
29.09. - 03.10.06

...diesmal zum Thema:

"Die G8 kommen nach Deutschland - are you ready?"

Die G8 - das ist die "Gruppe der acht" Regierungschefs der weltweit mächtigsten
Industriestaaten. Auf den jährlichen Gipfeltreffen diskutieren sie vor großem
Medienspektakel zum Beispiel über Energiesicherheit, Infektionskrankheiten,
"Terrorbekämpfung" oder Entschuldung der ärmsten Staaten. Die G8 geben vor, die
großen Probleme auf unserem Globus zu bekämpfen. Doch entscheiden sie nicht eher
darüber, wie das kapitalistische Wirtschaftssystem stabilisiert werden kann, das
die ganzen Probleme überhaupt erst hervorruft?

Im Sommer 2007 findet der G8-Gipfel in Deutschland statt. Tagungsort ist das
Nobelhotel Kempinski in Heiligendamm, einem Kurort an der Ostsee nahe Rostock.
Wir nutzen diese Gelegenheit und zeigen den Mächtigen, was wir von ihrer
Politik halten. Auf kreativen Tagen des Widerstands wollen wir dem Modell des
globalisierten Kapitalismus unsere Alternativen entgegensetzen.

Um unsere Argumente und Positionen kraftvoll zu vertreten, nähern wir uns
kritisch dem "Phänomen G8". Es gibt viele Fragen, die sich da stellen:

* Wer sind die G8? Was haben sie wo zu sagen?
* Was wird auf den G8-Gipfeln eigentlich verhandelt? Wie setzen sie ihre
Politiken durch? Welche Rolle spielt hier die "heilige Dreifaltigkeit" aus
Weltbank, Internationalem Währungsfonds und Welthandelsorganisation? Und wie
hängt das alles miteinander zusammen?
* Warum regt sich immer mehr Widerstand gegen die G8? Und wie sieht dieser
Widerstand aus?
* Was haben die G8 mit meinem Leben zu tun?

Diese und andere Fragen werden wir auf der diesjährigen Herbstakademie klären.
Die DGB-Jugend und attac laden alle Interessierten zu einem intensiven
Austausch über die Mobilisierung zum G8-Gipfel ein. Wir wollen aus den
Erfahrungen der vergangenen Gipfelmobilisierungen lernen und darüber
diskutieren, wie und warum wir unseren Protest nach Heiligendamm tragen. Neben
der inhaltlichen Auseinandersetzung mit der "Gruppe der acht" probieren wir
auch konkrete Aktionen aus und nutzen das Treffen für die Vernetzung mit
anderen politisch Engagierten aus Gewerkschaften und attac. Und genau das
werden wir tun - auf der Herbstakademie von DGB-Jugend und attac, die auch in
diesem Jahr in der DGB-Jugendbildungsstätte Flecken Zechlin stattfindet. Wir
laden alle Interessierten ganz herzlich nach Flecken zu dieser Veranstaltung
ein.

Beginn: Freitag, 29.09.06 um 16.00 Uhr
Ende: Dienstag (Feiertag!), 03.10.06 um 14.00 Uhr

Alle wichtigen Infos zur Herbstakademie findet ihr auf der Infohomepage unter
http://www.heak.org oder im Anhang.
Ein Online-Anmeldeformular ist unter http://www.heak.org/anmeldung.htm
geschaltet.

Rückfragen zur Herbstakademie richtet bitte direkt an: Anne Steckner (Mail:
anne.steckner at dgbjugendbildungsstaette.de).

Natürlich ist die HeAk als Bildungsurlaub anerkannt.

Wir freuen uns über eure Teilnahme, gern könnt ihr diese mail auch an
Interessierte weiterleiten.

Viele Grüße,

Anne Steckner

[www.dgbjugendbildungsstaette.de]