[gipfelsoli] Heiligendamm
gipfelsoli-l at lists.nadir.org
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Fre Aug 4 12:08:31 CEST 2006
- Kleiner Anti-G-8-Gipfel an der Ostsee
- Campen gegen den Kempinski-Gipfel
- G8-Gegner formieren sich
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Kleiner Anti-G-8-Gipfel an der Ostsee
Bis zu 500 G-8-KritikerInnen bereiten sich eine Woche lang auf den G-8-Gipfel
vor, der 2007 in Deutschland stattfindet
BERLIN taz Das CampInski öffnet seine Pforten: In dem
Do-it-yourself-Protestlager in Mecklenburg-Vorpommern beraten sich ab heute bis
zu 500 GlobalisierungsgegnerInnen aus Deutschland und dem europäischen Ausland.
Sie werden eine Woche lang in der Gemeinde Kirch Mulsow ihren Anti-G-8-Gipfel
vorbereiten. Er soll im Juni 2007 das Treffen der Regierungschefs der acht
größten Industrieländer begleiten, das im Ostseebad Heiligendamm stattfindet.
Während die Politiker dort im mondänen Hotelkomplex Kempinski absteigen, sind
die GegnerInnen bescheidener. Selbstorganisation wird beim Vorbereitungstreffen
groß geschrieben. Das gilt für den Bau von Duschen und Toiletten oder die
Zubereitung des natürlich streng veganen Essens. Es gilt aber auch für das
umfangreiche kulturelle und politische Programm, das im Internet zu finden ist.
Die BewohnerInnen der Region und ihre Proteste sollen von Anfang an mit
einbezogen werden. Am Sonnabend geht es um die Frage, wie sich der Widerstand
gegen den Bombenabwurfplatz Bombodrom bei Wittstock mit dem G-8-Widerstand
verbinden lässt. Am Montagnachmittag haben sich die GipfelgegnerInnen im nahen
Bad Doberan zum Door Knocking verabredet. Bei dieser aus Großbritannien
importierten Protestform klingeln die AktivistInnen an den Wohnungstüren und
verteilen Informationsmaterial. Bisher sind unter den BewohnerInnen die
Meinungen über den Gipfel durchaus gespalten, wie AktivistInnen bei einer
Infoveranstaltung am Mittwochabend in Berlin berichteten. Eine Minderheit
erhofft sich Arbeitsplätze durch das G-8-Treffen und reagiert auf die Proteste
mit Unverständnis. Doch in Heiligendamm und Umgebung wehren sich Initiativen
gegen die zunehmende Privatisierung öffentlicher Wege und Plätze. Sie sind den
Anliegen der GipfelgegnerInnen aufgeschlossen.
Ein weiterer Campschwerpunkt ist der Kontakt mit Flüchtlingen, die teilweise
fernab von den Städten untergebracht sind. Ein eigener Flüchtlings-Aktionstag
soll im nächsten Jahr die Proteste gegen den Gipfel begleiten. Auch mit der
Marineshow Hanse Sail, die vom 10. bis 13. August in Rostock stattfindet,
wollen sich GipfelteilnehmerInnen kritisch befassen. Ziel ist es, eigene
politische Akzente zu setzen und doch bei der Bevölkerung einen guten Eindruck
zu hinterlassen.
Schließlich will man ja im nächsten Jahr mit noch mehr Freunden wiederkommen.
Für den Juni 2007 suchen die G-8-GegnerInnen in der Region Doberan noch einen
Campingplatz für 15.000 Menschen.
Infos: www.camp06.org
[taz vom 4.8.2006, S. 8]
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Campen gegen den Kempinski-Gipfel
G-8-Gegner proben Protest gegen Spitzentreffen in Heiligendamm - Merkels
Staatsgäste sollen nicht ungestört konferieren dürfen Von Jürgen Oeder +++
Berichtigte Fassung des KORR von 13.46 Uhr +++
Karlsruhe, 3. August (AFP) - Für die deutschen Globalisierungskritiker wird es
ein Großereignis, ebenso wie für die Polizei. Denn wenn sich im Juni 2007 die
Staats- und Regierungschefs der führenden Industrienationen (G-8) im
traditionsreichen Kempinski Grand Hotel im Ostseebad Heiligendamm treffen, dann
sollen die Gäste von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nicht ungestört
konferieren dürfen. Bei mehreren Vorbereitungstreffen, darunter einem "Camp
Inski" in der Nähe von Heiligendamm, proben die G-8-Gegner schon jetzt den
Protest gegen den Gipfel. "Aktivisten aus ganz Europa stehen für dieses
Ereignis in den Startlöchern", sagt ein Camp-Sprecher.
Wenn sich die Mächtigen der Welt zu ihren Gipfeln treffen, fürchten sie nichts
mehr als medienwirksame Massenproteste und suchen deshalb immer abgelegenere
Orte auf. Proteste sind wiederum sind aus der Sicht von Sozialaktivisten,
Globalisierungskritikern sowie Friedens- und Ökologiebewegten nur dann
erfolgreich, wenn sie möglichst bis in die Nähe der Staats- und Regierungschefs
getragen werden. Wie das gelingen könnte, darüber wollen die Teilnehmer des
"Camp Inski" ebenso beraten wie die Besucher der ebenfalls am Freitag
beginnenden Attac-Sommerakademie in Karlsruhe, die sich vor allem die
inhaltliche Vorbereitung des G-8-Gipfels vorgenommen hat.
Die von der Sommerakademie unabhängige zehntägige Camping-Veranstaltung in
Steinhagen, einem Ortsteil von Kirch Mulsow in Mecklenburg-Vorpommern, wird von
unterschiedlichsten Gruppen besucht. Das Spektrum reicht dabei von militanten
Autonomen über das bundesweite Netzwerk interventionistische Linke und die
PDS-Jugend bis hin zur deutschen Sektion des Netzwerkes Dissent. Dieses
Netzwerk entstand 2003 in England, um nach eigenen Angaben den "radikalen
Widerstand" gegen den G-8-Gipfel von 2005 im schottischen Hochland zu
koordinieren. Übrigens mit Erfolg: Das luxuriöse Golfressort, war zwar
rundherum durch eine Metallbarriere gesichert. Demonstranten gelangten
allerdings dennoch bis in Sichtweite der Staats- und Regierungschefs.
Damit das in Heiligendamm möglichst auch gelingt, soll laut Camp-Sprecher Carl
Kemper von den bis zu 1000 erwarteten Teilnehmern zufolge zunächst diskutiert
werden, was an Aktionen möglich ist und welche Blockade-Konzepte am ehesten
aufgehen könnten. Das reicht etwa von Störungen rund um das Hotel bis hin zur
Blockade der Zufahrtswege vom Flughafen Rostock-Laage. Je nach politischer
Heimat der Teilnehmer reichen die Protestformen vom friedlichen Hinsetzen und
Wegtragenlassen über Anketten und womöglich darüber hinaus: Auch autonome
Gruppen haben sich angesagt.
"Unser Konzept ist aber nicht auf Eskalation ausgerichtet", sagt Kemper und
erhofft sich dies mit Blick auf den Gipfel 2001 in Genua auch von der Polizei.
Während damals die Politiker auf schwer bewachten Luxusschiffen übernachteten,
entwickelte sich eine zunächst friedliche Demonstration von rund 300.000
Globalisierungskritikern zur Straßenschlacht. Der Demonstrant Carlo Giuliani
wurden von einem Militärpolizisten erschossen. "Solche Exzesse wollen wir
nicht. Wenn in Heiligendamm von der Gegenseite aber Gewalt ausgeht, sind die
Leute auch autonom genug, darauf selbst zu reagieren", sagt Kemper.
[afp vom 03.08.06 14:01:52]
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G8-Gegner formieren sich
Knapp 500 Teilnehmer aus verschiedenen Nationen werden ab Freitag bei einem
Vorbereitungscamp der G8-Gegner in Steinhagen erwartet.
Steinhagen Bis zum 13. August wollen sich verschiedenste Gruppierungen zu Themen
rund um die Globalisierung austauschen. "Wir hatten große Schwierigkeiten, einen
geeigneten Ort zu finden", meint ein anonym bleiben wollender Sprecher namens
Carl Camper. Das Stirnrunzeln über den eigenwilligen Namen erklärt Camper wie
folgt: "Wir wollen die Aussagen nicht an einzelnen Leuten festmachen. Es geht
um die Sache, wir treten mit einer Meinung auf", sagt Camper. In Rostock
wollten die Organisatoren ihr Camp auf dem Gelände einer ehemaligen Poliklinik
durchführen, dies aber klappte nicht. Angst vor gewaltbereiten Teilnehmern und
unruhigen Zeiten. Ebenso holten sich die Organisatoren eine Abfuhr in Bad
Doberan. In Steinhagen bei Kirch Mulsow würde man dann doch fündig. Auf einer
Fläche am Ortsausgang soll nun debattiert werden.
In einer Pressemitteilung, die die Organisatoren vor wenigen Tagen auf der
Internetseite www.camp06.org veröffentlicht haben, werden die Leser mit den
Worten "Die Chaoten kommen" begrüßt. "Natürlich ist dies ironisch gemeint",
sagt Camper. Wohl wissend, dass man sich mit dieser Art Eigenwerbung nicht
unbedingt Freunde verschafft. Die Camp-Organisatoren hatten Ende letzter Woche
die Bewohner der umliegenden Dörfer informiert, Bürgermeister und Amtsvorsteher
Thomas Jenjahn bekam die Mitteilung erst am Sonntagmittag. Etwas unbedarft
scheinen die Organisatoren an die Veranstaltung heranzugehen, denn bis die
endgültige Genehmigung erteilt wird, müssen noch einige Auflagen in Bezug auf
Brandschutz, Rettungswege und Wasserversorgung erfüllt werden. "Das Camp soll
nicht verboten werden. Wir gehen davon aus, dass die Veranstaltung
genehmigungsfähig ist", meinte Jenjahn nach einer Begehung zusammen mit anderen
Verantwortlichen. Sollten die Auflagen allerdings nicht erfüllt werden, würde
das Camp untersagt werden müssen. Ob die Teilnehmer eine Absage allerdings
akzeptieren würden, bleibt fraglich.
Bei den Anwohnern in der Umgebung herrscht Skepsis. Marco Bruhn wohnt in
Steinhagen. "Ich habe keine Angst vor Chaoten, die sollen lieber diskutieren",
meint der 16-Jährige. Für den Fall, dass die Sache außer Kontrolle gerät,
wüsste er ja, welche Nummer zu wählen sei. "Wichtig ist, dass keine Autos auf
den Privatgrundstücken parken".
Komisch kommt dem Jungen das Ganze aber doch vor: "Ich habe den Eindruck, die
suchen hier nur einen kostenlosen Campingplatz." Burkhard Köpnick (39) hat die
Broschüre im Briefkasten gefunden, überflogen und gleich entsorgt. "Alles
Quatsch, das Ganze interessiert mich eigentlich nicht. Die sollen sich ruhig da
treffen, jeder soll seine Meinung sagen", meint der 39-Jährige, wirft aber die
Frage auf, wer das Ganze am Ende bezahlen soll. Ein gutes Geschäft wittert
Andreas Pöhlig. "Erste Kontakte mit zwei Leuten vom Camp gab es bereits, wir
können den Umsatz ordentlich in die Höhe schrauben", sagt der Mitarbeiter der
Kirch Mulsower Gaststätte "Storchenblick". Mit dem Ansinnen der potenziellen
Kunden aber kann der 31-Jährige nicht viel anfangen. "Ich befürchte, dass die
Gruppen, die nach Steinhagen kommen, andere, weniger friedliche Typen
anziehen".
Ostseezeitung 3. August 2006