[gipfelsoli] Heiligendamm -- Genua
gipfelsoli-l at lists.nadir.org
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Sam Apr 8 22:42:16 CEST 2006
- Linke gegen Gipfeltreffen
- Treffen mit G8-Kritikern
- Seine Kleidung verrät ihn: ein Zeuge erkennt den elegant gekleideten Mann
wieder.
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Linke gegen Gipfeltreffen
Bad Doberan Die Delegierten der Kreiskonferenz der Linkspartei.PDS Bad Doberan
haben auf ihrer Kreisdelegiertenkonferenz eine Entschließung verabschiedet, in
der sie sich gegen G 8-Treffen und gegen die Durchführung des Gipfels im Sommer
2007 in Heiligendamm aussprechen.
"Die G 8-Staaten verfolgen das Ziel neoliberaler Globalisierung, das heißt der
unbegrenzten Öffnung aller Märkte weltweit, für die wirtschaftlich stärksten
Länder - nahezu frei von sozialen, demokratischen oder ökologischen
Regulierungsmaßnahmen", heißt es unter anderem in dem Papier.
Die für den Gipfel geplanten Steuermittel sollten besser für soziale Zwecke,
Bildung, Kultur, Kinder- und Altenbetreuung zur Verfügung gestellt werden, sind
die Linken der Meinung.
[Ostsee-Zeitung, Donnerstag, 09. März 2006]
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Treffen mit G8-Kritikern
Bad Doberan Im Vorfeld des Heiligendammer G8-Gipfels mehren sich Fragen und
Unklarheiten dazu unter den Einwohnern. Antworten gibt es von offizieller
Stelle eher nur spärlich. Deshalb lud die Landtagsabgeordnete Birgit Schwebs
(Linkspartei.PDS) zu einer Gesprächsrunde mit Globalisierungskritikern ein.
Fast 40 Interessenten trafen sich zu einer Diskussion mit zwei Mitgliedern der
globalisierungskritischen Netzwerke attac und dissent. Im Mittelpunkt standen
Fragen nach den Zielen und Inhalten der Protestbewegung, aber auch die
politische Dimension des Gipfeltreffens wurde diskutiert. Die Linkspartei.PDS
begreife sich als ein Teil der weltweiten Proteste, führte Schwebs aus, und
wird im Jahr 2007 einen "Alternativen Gegengipfel" in Mecklenburg-Vorpommern
organisieren, auf dem bekannte Globalisierungskritiker aus der ganzen Welt
alternative Gedanken zum gegenwärtigen Globalisierungsprozess öffentlich
diskutieren werden.
[Ostsee-Zeitung, Mittwoch, 22. Februar 2006]
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Seine Kleidung verrät ihn: ein Zeuge erkennt den elegant gekleideten Mann
wieder.
Seit gestern sind internationale Beobachter in den genuesischen Gerichtssälen.
GENOVA, 06.04.06
Im genuesischen Gerichtssaal wird ein Video auf drei Bildschirmen gezeigt. Der
Zeuge, ein deutscher Medienaktivist, geboren 1975, benennt eine Person genau:
ein grosser Mann mit dunklem Anzug und hellem Hemd, Krawatte, Bart und Helm. Er
sticht aus der Menge, der in die Schule eindringenden Polizisten heraus. Jener
Mann ist der Angeklagte Francesco Gratteri, damals oberster Vorgesetzter der
Sco(zentrale operative Einheit, Bereitschaftspolizei), dann Leiter der
Antiterroreinheit und heute oberster Polizeichef in Bari. Der Zeuge erkennt ihn
während seiner Aussage in Bezug auf den Überfall auf die Diazschule.
Die Polizei schlug damals mit willkürlicher, unvorhersehbarer Härte. Obwohl der
Zeuge D. M. Schalgstockhiebe und Tritte von drei unterschiedlichen
Polizeibeamten erlitt, bespuckt und beschimpft wurde, konnte er die
Geschehnisse um sich herum beobachten. Er erinnert sich an die Ankunft zweier
weiterer behelmter Personen in zivil noch während die Gewalttaten in der Schule
im Gange waren. Einen hatte er im besonderen bemerkt, jenen mit dem Bart, der
elegant gekleidet war. "Er gab Befehle, ging langsam, sagte wenig, dafür aber
kalt und präzise, als ob er solche Situationen gewöhnt sei." Also Gratteri, der
in seinen Aussagen vor der Staatsanwaltschaft immer ausgeschlossen hat, eine
Rolle als Befehlshaber inne gehabt zu haben und überhaupt geleugnet hat während
des Überfalls in der Schule gewesen zu sein, war stattdessen während der
Gewalttaten in der Sporthalle anwesend und nach den Aussagen des selben Zeugen
ist es sogar er, der an einem bestimmten Punkt einen Polizeibeamten am Arm
gepackt hat, der gerade auf jemanden einschlug. In diesem Moment nahm die
Intensität der Gewalt ab und die Phase der Durchsuchung begann. Gratteri
erscheint in dem Video neben Giovanni Luperi. Dieser, der ehemalige
Befehlshaber und Vize der Ucigos (die Koordinationsstelle der politischen
Polizei)ist ein weiterer Angeklagter in dem Prozess gegen die 29 Befehlshaber
und Polizeibeamten, die wegen Körperverletzung, Amtsmissbrauch, Falschaussage
und Verleumdung angeklagt sind. Für Gratteri ist es die zweite Wiedererkennung
im Gerichtssaal, genau in einem Moment des Prozesses, in dem sich weitere
Details, besonders in Bezug auf die Phase der Durchsuchung
herauskristallisieren.
"Die Polizisten entleerten die Rucksäcke", hat eine spanische Zeugin dem Richter
beschrieben, "und sammelten auf der einen Seite schwarze Kleidungsstücke, auf
der anderen Seite das, was sie für Waffen hielten." Und sie fügte hinzu: "Sie
entfernten das Gestänge eines Rucksacks und legten es zu dem beschlagnahmten
Material."
Einige der Zeugen des heutigen Verhandlungstages, unter denen eine ältere
spanische Frau, die wegen der Franco-Diktatur seit 1961 in Deutschland lebt und
2001 in der Diazschule geschlagen wurde, nahmen an einer Pressekonferenz teil.
Diese Pressekonferenz fand heute Morgen im Gerichtsgebäude statt und leitete
die Arbeit der internationalen Prozessbeobachter offiziell ein. Das Komittee
Verità e Giustizia per Genova hat zusammen mit dem Komittee Piazza Carlo
Giuliani dieses Projekt initiiert. Dieses Projekt sieht vor, dass Personen des
italienischen wie europäischen öffentlichen Lebens, der Politik, Kultur und
Universitäten zur Analyse und Kommunikation über die genuesischen Prozesse
beitragen.
[ Il Manifesto, 06.04.06]