[gipfelsoli] Heiligendamm
gipfelsoli-l at lists.nadir.org
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Die Mar 28 14:49:11 CEST 2006
- Vereint gegen den Weltwirtschaftsgipfel
- Rund 300 Gegner des Gipfels in Heiligendamm trafen sich am Wochenende in
Rostock. Sie planen "kraftvolle und massive Aktionen".
- 250 Gegner des G8-Gipfels in Heiligendamm bei Konferenz in Rostock
- Mehr als 100.000 Teilnehmer zu Protesten gegen G8-Gipfel erwartet
- Ungereimtheiten und Fragen - In Rostock tagten die G8 Gipfel-Gegner
- Weltgipfel im Ostseebad
- Weitere Artikel von NDR 1
- G8 Aktionskonferenz in Rostock
- "Am Ende kann sich auch der DGB nicht entziehen"
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Vereint gegen den Weltwirtschaftsgipfel
Linke planen Aktionen zur Konferenz der G-8-Regierungen, die ins Ostseebad
Heiligendamm kommen
ROSTOCK taz Die Lokalpresse in Rostock glaubte schon im Voraus zu wissen, wer
sich am Wochenende in der Hansestadt treffen sollte. Nicht genug, dass
angeblich Chaoten dort Aktionen gegen das für den Frühsommer 2007 geplante
G-8-Treffen in Heiligendamm planen wollten. Mit der Linkspartei würde sogar ein
Teil der Regierung von Mecklenburg-Vorpommern mit ihnen gemeinsame Sache machen.
Beim so genannten Weltwirtschaftsgipfel im Ostseebad Heiligendamm treffen sich
2007 die Regierungen der alten Industriestaaten, darunter der USA, Russlands
und Deutschlands. China, Indien und Brasilien gehören nicht zu dem exklusiven
Klub. Bei den alljährlichen G-8-Treffen versuchen Kritiker, die Ungerechtigkeit
der Globalisierung zu thematisieren.
Statt der angekündigten Chaoten kamen jedoch rund 300 VertreterInnen von
christlichen Gruppen, Mitglieder von Nichtregierungsorganisationen, Delegierte
der Gewerkschaftsjugend und Angehörige von Linkspartei und Wahlalternative
Arbeit und Soziale Gerechtigkeit ins Rostocker Goethe-Gymnasium. Es ging um das
Abstecken eines Protestrahmens, in dem sich sowohl die VertreterInnen eines
Konzepts von Aufklärung und die BefürworterInnen direkter Aktionen wie
Blockaden wieder finden können.
So bereitet das NGO-Netzwerk "Gerechtigkeit jetzt" eine Kampagne unter dem Titel
"WTO - weltweit taube Ohren" vor, die vor allem umwelt- und
entwicklungspolitische Themen zum Mittelpunkt haben soll. Die
Gewerkschaftsjugend will unter dem Motto "Her mit dem schönen Leben" im Vorfeld
des G-8-Treffens vor allem soziale Themen ansprechen.
MigrantInnen- und Antirassismusgruppen präsentierten einen Aufruf für eine große
Demonstration für Bewegungsfreiheit und gleiche Rechte. Mit Tribunalen und einem
Gegengipfel soll die Kritik an der Politik der G-8-Staaten popularisiert werden.
Die Interventionistische Linke, ein Zusammenschluss autonomer,
antifaschistischer und globalisierungskritischer Gruppen, will mit Blockaden
gegen das G-8-Treffen vorgehen. Von einer neuen innerlinken Diskussionskultur,
die Hoffnung für die weitere Arbeit mache, sprach Attac-Sprecher Peter Wahl.
Allerdings wiesen zahlreiche Flugblätter und Aufrufe auf weitere linke
Bündnisse für die G8-Proteste hin. So treffen sich im Dissent-Netzwerk
zusammengeschlossene anarchistische und autonome Gruppen am kommenden
Wochenende in Leipzig zu ihren separaten Koordinierungstreffen. In Rostock
wurde allerdings die Bereitschaft zur Zusammenarbeit deutlich.
[taz vom 27.3.2006]
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Rund 300 Gegner des Gipfels in Heiligendamm trafen sich am Wochenende in
Rostock. Sie planen "kraftvolle und massive Aktionen".
Rostock (OZ) Von wegen Anarchie und Umsturz. An der Wand stehen Kochrezepte und
der Stundenplan der 9b. Am Fenster blühen Primeln und an der Tafel hängt ein
kreatives Etwas aus dem Kunstunterricht.
Mittendrin rund 300 Globalisierungsgegner mit bunten Schals und Trainingsjacken.
Sie sind in einer Rostocker Schule zusammengekommen, um ihre Aktionen für den
2007 geplanten Gipfel der acht führenden Industrienationen (G 8) in
Heiligendamm, zu beraten.
Zu den Teilnehmern gehören neben Umweltbewegungen und Gewerkschaftern,
kirchlichen Gruppen und verschiedenen Friedensaktivisten auch linke Netzwerke
sowie die PDS und die Antiglobalisierungsinitiative Attac. Deren Vertreter,
Pedram Shayhar, erklärt: "Die Politik der G 8 steht für immer mehr Armut,
Verschuldung und Umweltzerstörung. Darum wird dieser Gipfel auf Kritik und
massiven Widerstand stoßen."
Wie der aussehen kann, darüber beraten Arbeitsgruppen, in denen Standpunkte
analysiert und Rednerlisten abgearbeitet werden. Es geht um die Frage, ob
blockiert werden soll und wer eine entsprechende Choreografie erarbeitet.
Jemand fordert, dass der Umgang mit der Polizei trainiert werden muss, ein
anderer mahnt, die Kreativität der Einzelnen nicht zu sehr einzuschränken. Auch
konkrete Vorschläge gibt es. "Man könnte den Gipfel schauspielerisch
nachstellen". Oder "mobile Musikgruppen springen aus einem Kleintransporter,
machen ein Fünfminutenkonzert und verschwinden wieder". Ganz Mutige könnten
eine "Erschrecktaktik" anwenden. Heißt: "auf Polizistinnen zurennen - stehen
bleiben - und eine Blume geben".
Die Frage möglicher Randale beim Gipfel spielt hingegen kaum eine Rolle. "Von
uns wird keine Gewalt ausgehen", versichert Peter Wahl von Attac. Monty Schädel
vom Rostocker Bündnis gegen den G 8-Gipfel wirbt sogar für eine Partnerschaft.
"Proteste müssen in einer Demokratie erlaubt sein." Um die Demonstranten dabei
zu unterstützen, könnten die Verwaltungen von Rostock und Bad Doberan während
der Gipfeltage Unterkünfte und Verpflegung beisteuern. Immerhin werden mehr als
100 000 Leute zu den Protesten in Heiligendamm erwartet. Das Koordinierungsbüro
plant unter anderem einen Gegengipfel zu sozialen und friedenspolitischen
Themen, eine Großkundgebung, ein Zeltlager und Kulturevents. "Dabei geht es uns
nicht in erster Linie darum, ,Nein' zum Weltwirtschaftsgipfel zu sagen", meint
Wahl. "Wir wollen sichtbar machen, dass wir Alternativen haben."
Szenarien, wie brennende Autos, zerstörte Geschäfte und aufgerissene Straßen
seien reine Panikmache und unbegründet. Im Gegenteil: "Die Demonstranten sind
auch ein Wirtschaftsfaktor für die Region. Die essen, trinken, fahren Taxi und
übernachten in Hotels. Weil die Gegend hier sehr schön ist, überlegen sie sich
auch, ob sie vielleicht hier Urlaub machen", erklärt Wahl. So gesehen . . .
[dpa/mv]
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250 Gegner des G8-Gipfels in Heiligendamm bei Konferenz in Rostock
Rostock - In Rostock hat am Samstag eine zweitägige Konferenz von Gegnern des im
nächsten Jahr geplanten G8-Gipfels in Heiligendamm begonnen. Ziel des Treffens
mit über 250 Teilnehmern sei es, dass die verschiedenen Organisationen sich
kennen lernen, sagte Peter Wahl, Sprecher der globalisierungskritischen
Organisation Attac. Grundsätzlich gehe es nur um friedliche Proteste, die
Konferenz-Teilnehmer lehnten Gewalt als Form des Protestes ab.
[dpa/mv]
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Mehr als 100.000 Teilnehmer zu Protesten gegen G8-Gipfel erwartet
Pressekonferenz der G8-Gegner in Rostock, 26.03.2006
Zu den Protesten am Rande des Weltwirtschaftsgipfels im kommenden Jahr in
Heiligendamm werden mehr als 100.000 Demonstranten erwartet. Geplant seinen
Aktionen wie eine Großdemonstration, ein Alternativgipfel und ein Zeltlager.
Auch Straßenblockaden rund um den Versammlungsort der G8-Teilnehmer würden
vorbereitet. Gewalt dagegen stelle "keine Planungsgröße" dar, hieß es am
Sonntag in Rostock nach einer zweitätigen Konferenz mit mehr als 300
Teilnehmern verschiedener Organisationen.
Die Vertreter von Kirchen-, Umwelt- und Friedensinitiativen, von der Linkspartei
und der Gewerkschaftsjugend hatten sich getroffen, um die Gegenveranstaltungen
zum G8-Gipfel im Frühsommer 2007 im Seebad Heiligendamm zu koordinieren. Ein
zweites Aktivistentreffen mit internationaler Beteiligung sei im Frühherbst in
Rostock geplant.
Ausschließlich friedliche Proteste
Den Teilnehmern gehe es ausschließlich um friedliche Proteste, sagte der
Sprecher der Organisation von Globalisierungsgegnern "Attac", Peter Wahl. Die
Teilnehmer der vorbereitenden Konferenz wie die Friedensaktivisten lehnten
Gewalt als Form des Protestes ab. Der Sprecher des Rostocker Bündnisses gegen
den G8-Gipfel, Monty Schädel, appellierte an die Verwaltungen Rostocks und des
Kreises Bad Doberan, während des Gipfels die Demonstranten mit Unterkünften
oder Verpflegung zu unterstützen. Attac-Sprecher Wahl wies darauf hin, die
Anwesenheit tausender Aktivisten sei auch ein Wirtschaftfaktor. Einzelhandel
und Tourismus sollten sich positiv auf die Demonstranten einstellen.
Wirbel um Haltung der Linkspartei
Peter Ritter, Linkspartei
Schon vor dem Treffen in Rostock hatte es Unstimmigkeiten über die Teilnahme des
Linkspartei gegeben. Deren Landesvorsitzender Peter Ritter hatte erklärt, es
gebe genügend Gründe, sich mit der Politik der G8-Staaten kritisch auseinander
zu setzen. Die CDU in Mecklenburg-Vorpommern warf der kleinen Regierungspartei
vor, mit ihrer Haltung dem Image des Landes zu schaden.
[NDR 1 Stand: 26.03.2006 15:27]
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Ungereimtheiten und Fragen - In Rostock tagten die G8 Gipfel-Gegner
26.03.2006: Rostock/MVr Es ist schon ein bunter Haufen von G8 Gegnern, die am
Wochenende (25/26-03-06) im Rostocker Goethe-Gymnasium der Frage nachgingen,
wie und mit welchen Mitteln man am besten den Protest gegen den G8 Gipfel 2007
in Heiligendamm gestaltet.
Auffällig immer wieder die ausdrückliche Betonung auf friedlichen Protest. Auch
seltsam - bei aller Friedlichkeit - warum dann ein quasi Fotoverbot für die
Presse ausgesprochen wurde? Und sehr befremdlich ist auch, dass die Presse zwar
bei den Rahmenveranstaltungen dabei sein durfte, aber nicht bei den so genannten
"AG's ", den Arbeitsgruppen.
Sehr viele eher vermummte Personen rannten durch die Flure, und man merkte,
sowie ein Journalist oder eine Kamera auftaucht, wurde man eher feindlich
angeguckt und in einem Fall auch schon mal mit aggressivem Unterton gebeten
"sich vom Acker zumachen". Wenn das die Propaganda für Friedlichkeit der G8
Gegner sein sollte, dann möchte manch einer gar nicht erst wissen, wie denn die
Extremisten innerhalb der G8 Gegner sind.
Einige Gruppen innerhalb der G8 Gegner-Szene haben ja schon angekündigt, dass
sich mit "kraftvollen Protesten reagieren wollen". Was das genau heißt, hat
auch die Tagung der G8 Gegner in Rostock nicht aufgehellt. Ebenfalls
unbeantwortet blieb die Frage, welche Rolle die Linkspartei.PDS und deren
zweiter Landesvorsitzende Steffen Bockhahn spielen. Es zweifelt niemand daran,
dass Bockhahn friedliche Proteste will, aber wie weit ist der Abstand der
Partei und dessen zweiter Landesvorsitzender zu den gewaltbereiten Gruppen
innerhalb der G8 Gegner? Immerhin ist die Linkspartei.PDS eine der
Regierungsparteien im Lande.
Viele Fragen und Ungereimtheiten scheinen sich da aufzutun: Wird die Tagung wohl
eventuell dazu genutzt, auch Gewalthandlungen mit eindeutig kriminellem
Hintergrund gegen den G8 Gipfel zu planen? Wenn dies der Fall war, hätte die
zuständige Senatorin der Hansestadt Rostock Ida Schillen (parteilos, aber L.PDS
nah) ein Problem. Sie hatte die Genehmigung erteilt, dass die G8 Gegner in einem
öffentlichen Gebäude der Hansestadt Rostock tagen durften.
Zum geplanten G8-Gipfel im Ostseebad Heiligendamm im Frühsommer 2007 erwarten
globalisierungskritische Organisationen mehr als 100 000 Demonstranten.
Protestaktionen wie eine Großdemonstration, ein Alternativgipfel oder ein
Zeltlager würden sich auf die Region Rostock/Heiligendamm beschränken, so das
abschließende Ergebenis der zweitägigen Tagung mit mehr als 300 Teilnehmern
verschiedener Organisationen von G8 Gegnern. Ein klarer und eindeutiger
Gewaltverzicht war auf der zweitägigen Tagung nicht klar und deutlich
fromuliert worden.
Die geplanten Protestaktionen lösen jedenfalls jetzt schon bei den
Sicherheitskräften Horrorvisionen aus. Insgesamt sollen während des G8 Gipfels
15.000 Polizisten zum Einsatz kommen, hieß es. Kostenpunkt: 45 Millionen Euro.
Die Vorbereitungen der Landespolizei liefen intensiv, teilte das Schweriner
Innenministerium mit. Schon zu Jahresbeginn hatte das Land eigens den Leiter
der Polizeidirektion Rostock, den Leitenden Polizeidirektor Knut Abramowski,
mit der Führung aller Aufgaben, die im Zusammenhang mit dem
Weltwirtschaftsgipfel stehen, betraut.
[MVregio Rostock hro/cb]
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Weltgipfel im Ostseebad
Vorbereitungen gegen G-8-Treffen in Heiligendamm laufen an.
Die Boulevard-Presse wird enttäuscht gewesen sein: "Gewaltbereite Chaoten" waren
am Wochenende in Rostock weit und breit nicht in Sicht. Dafür aber 300 Menschen
aus der ganzen Bundesrepublik, die zur ersten Aktionskonferenz für die
Vorbereitung der Proteste gegen den G-8-Gipfel kamen. G8 ist die Gruppe der
acht mächtigsten Industriestaaten, deren Staats- und Regierungschefs sich im
Juli 2007 in Heiligendamm bei Rostock treffen wollen.
Seit dem Wochenende ist endgültig klar, daß dieses Treffen der Mächtigen auch in
Deutschland auf massiven Protest stoßen wird. "Dieser Gipfel ist illegitim", so
Christoph Kleine von der Interventionistischen Linken, der zu den Einladern der
Rostocker Konferenz gehörte. "Diese Damen und Herren haben kein Recht, sich zu
den Führern der Welt aufzuschwingen". Darin war sich das weite Spektrum, das
von verschiedenen linken Gruppen über die Linkspartei.PDS und einigen
entwicklungspolitischen Organisationen bis zum globalisierungskritschen
Netzwerk ATTAC reichte, einig.
Entsprechend wurde in Rostock begonnen, diverse Protestaktionen vorzubereiten.
Geplant sind unter anderem ein Gegengipfel, eine Großdemonstration, ein
Protestcamp, Kulturveranstaltungen, eine weitere Demonstration für die Rechte
von Einwanderern und Flüchtlingen und Blockade-Aktionen. Angesichts der auch
für die Organisatoren überraschend hohen Teilnehmerzahl des
Vorbereitungstreffens herrschte Optimismus vor: Eine "sechsstellige Zahl, das
heißt, mindestens 100.000 Menschen", wurde von verschiedenen Sprechern als
Meßlatte genannt. Monty Schädel vom Rostocker G-8-Bündnis gesteht ein, daß dies
für die Region eine Belastung sein wird, hofft aber, daß sich die lokalen
Behörden in Rostock und Umgebung kooperativ zeigen. Erste Querschüsse gibt es
allerdings schon. Nachdem die örtlichen Medien die Konferenz ausgiebig als
"Chaoten-Treffen" diffamiert hatte, waren den Organisatoren die Räume in der
Universität gekündigt worden. Mit Unterstützung einer Linkspartei-Senatorin
konnte jedoch kurzfristig Ersatz beschafft werden.
Die Demokratischen Sozialisten befinden sich angesichts der geplanten Proteste
in einer besonders schwierigen Situation. Zum einen sind sie als Schweriner
Regierungspartei sozusagen Gastgeber des G-8-Gipfels und haben mit der SPD
gerade das Polizeigesetz verschärft. Zum anderen unterstützen sie den Protest.
Torsten Koplin, der für die Linkspartei.PDS im Schweriner Landtag sitzt,
erklärte auf der Rostocker Konferenz, daß seine Partei "machtvolle und
friedliche Proteste" wolle. "Diese kapitalistische Globalisierung wollen wir
nicht", erklärte er.
Das Rostocker Treffen soll im Herbst fortgesetzt werden, dann wahrscheinlich als
internationale Konferenz. Wie zu anderen G-8--Protesten erwartet man auch in
Rostock und Heiligendamm viele Teilnehmer aus aller Welt. Entsprechend waren in
Rostock am Wochenende auch Vertreter der letztjährigen Proteste in Schottland
anwesend. Zum Abschluß lud Simon Shaworonkow vom Vorbereitungskomitee für die
Proteste gegen den diesjährigen G8-Gipfel in St. Petersburg, Rußland, ein.
Geplant ist unter anderem ein Marsch von Petersburg nach Kronstadt, sozusagen
auf den Spuren der Oktoberrevolution.
[junge Welt]
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Weitere Artikel von NDR 1
http://www1.ndr.de/ndr_pages_std/0,2570,OID1729540,00.html
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G8 Aktionskonferenz in Rostock
Mehr als 300 AktivistInnen aus unterschiedlichsten Spektren von Umwelt- und
Friedensinitiativen bis zur radikalen Linken haben auf der Aktionskonferenz den
Grundstein für gemeinsame Aktivitäten gegen den G8-Gipfel 2007 in Heiligendamm
gelegt. Prägend für die Konferenz war der überall spürbare Wille zur
solidarischen Zusammenarbeit und die Entschlossenheit, sich auch durch
unterschiedliche Vorstellungen über Inhalte oder Aktionsformen nicht spalten zu
lassen.
Der Protest gegen den G8 ist in der Region angekommen und wird sich nicht mehr
an den Rand schieben lassen.
Es wurden auf der Konferenz kaum formale Beschlüsse gefasst, schließlich ging es
vor allem darum, AktistInnen miteinander zu vernetzen, Standpunkte auszutauschen
und kennen zu lernen und praktische Arbeitsstrukturen zu schaffen. Es
kristallisierten sich in den Plenumsaussprachen und Arbeitsgruppen jedoch erste
Eckpunkte heraus.
- Es soll eine gemeinsame Großdemonstration geben. Die Zielmarke der
TeilnehmerInnenzahl liegt bei mindestens 100.000.
- Es wird eine internationale Mobilisierung geben. Für die Unterbringung der
AktivistInnen werden Camps vorbereitet.
- Ein Gegengipfel soll inhaltliche Alternativen zur kapitalistischen
Globalisierung diskutieren und öffentlich darlegen.
- Ein großes Kulturevent soll in enger Abstimmung mit der politischen Bewegung
organisiert werden
- Die Mobilisierung gegen den G8-Gipfel wird einen klaren Trennungsstrich zu
allen faschistischen und extrem rechten Gruppen und Positionen ziehen, die
unter dem Deckmantel von Globalisierungskritik Nationalismus und Rassismus
verbreiten wollen.
- Es gibt Planungen für einen Aktionstag für die Rechte von Flüchtlingen und
MigrantInnen im Rahmen der Gipfelproteste.
- Es wird massenhafte Blockadeaktionen mit dem Ziel geben, die Infrastruktur des
G8-Gipfels spürbar zu behindern.
In einer gemeinsamen Erklärung wandte sich die Konferenz gegen die Diffamierung
der G8-Proteste durch die CDU und die Boulevardpresse.
Es gab auf der Konferenz Grußworte von Jill Hubbart (G8 Alternatives,
Schottland), die von den Aktivitäten gegen den G8 2005 in Gleneagles
berichtete, und Simon Zhavoronkov (Russisches Sozialforum), der Aktionen gegen
den G8 2006 in St. Petersburg vorstellte. Informationen hierzu gibt es hier:
http://www.aglob.ru/en
Die praktischen Arbeitsgruppen sollen nach der Konferenz weiterarbeiten. Mit
Fragen, Vorschlägen oder bei Interesse an einer Mitarbeit bitte an die unten
angegeben Kontakt-Mailadressen wenden. Der Verlauf und die Ergebnisse der
Aktionskonferenz werden in den nächsten Tagen schrittweise auf
http://www.heiligendamm2007.de dokumentiert werden.
Die nächste Aktionskonferenz ist - wahrscheinlich als internationale Konferenz -
für den Herbst 2006 geplant.
Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen sollen auch in das linksradikale G8-Treffen
("dissent") hineingetragen werden, das am nächsten Wochenende in Leipzig
stattfindet, damit eine Dopplung von Strukturen vermieden wird. Ein breites
Bündnis - auch das ein Beitrag auf Rostocker Konferenz, der viel Zustimmung
fand - bedeutet nicht nur, Gewerkschaften und NGOs zu umwerben, sondern ebenso
offen auf die radikaleren Teile der Bewegung zuzugehen.
Homepage:: http://www.heiligendamm2007.de
[de.indymedia.org, von teilnehmer - 27.03.2006 16:31]
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"Am Ende kann sich auch der DGB nicht entziehen"
Zu Protesten gegen G-8-Gipfel 2007 breite Beteiligung erwartet. Ein Gespräch mit
Christoph Kleine
Christoph Kleine ist aktiv in der Interventionistischen Linken und gehörte am
Wochenende in Rostock zu den Einladern der ersten Vorbereitungskonferenz für
Proteste gegen den Gipfel 2007 in Heiligendamm
F: Haben Sie sich schon bei der Bild-Zeitung beschwert, daß sie Ihr Netzwerk aus
ehemals autonomen und anderen Gruppen nur als "zum Teil radikal" bezeichnet hat?
Was die Etikettierung angeht, sind wir nicht besonders eitel. Aber die
Interventionistische Linke versteht sich in der Tat als Teil der radikalen
Linken. Wir suchen neue Ansätze, um in gesellschaftliche Auseinandersetzungen
einzugreifen. Das heißt, wir öffnen uns, verstecken uns nicht in kleinen
Zirkeln und gehören gleichzeitig zu jenen, die an der Überwindung des
Kapitalismus arbeiten.
F: Sie gehören zu den Vorbereitern der Proteste gegen den G-8-Gipfel 2007 in
Heiligendamm. Werden diese alljährlichen Proteste nicht langsam zum Ritual?
Der letzte G-8-Gipfel in Deutschland war 1999 in Köln. Schon deshalb ist es für
uns kein alljährliches Ritual. Dennoch handelt es sich natürlich um symbolische
Veranstaltungen. Der Gipfel ist ein Symbol der Macht, und unsere Proteste sind
ein Symbol der Gegenmacht. Es geht aber nicht nur um einige Tage des Protestes,
sondern um die politische Bewegung vor und nach dem Gipfel. Schon die
Vorbereitungen werden neue Konstellationen schaffen und Perspektiven öffnen.
F: Die G-8-Gipfel bieten die Gelegenheit, die katastrophalen Folgen der
neoliberalen Globalisierung in einer breiteren Öffentlichkeit anzusprechen.
Welches sind für Sie in diesem Zusammenhang die wichtigsten Themen?
Auf dem Gipfel trifft sich die selbsternannte Weltelite, die ihren Anspruch, die
internationalen Verhältnisse zu regeln, allein aus ihrer wirtschaftlichen und
militärischen Macht ableitet. Das ist illegitim, und das wollen wir inhaltlich
und mit Aktionen deutlich machen. Es geht um Krieg und Frieden, um soziale
Gerechtigkeit, sowohl auf lokaler, nationaler, europäischer als auch globaler
Ebene, um Fragen von Migration und Rassismus, das heißt, um den Kampf für
Bewegungsfreiheit und ein Bleiberecht für alle, die hier leben. Das sind alles
Facetten der kapitalistischen Globalisierung, die am Konferenztisch in
Heiligendamm verhandelt werden. Alle Bewegungen, die sich mit diesen Themen
beschäftigen, werden mobilisieren, und daher wird es ein großes Zusammentreffen
aller werden, die mit dem Zustand der Welt nicht einverstanden sind, die eine
andere Welt erträumen und erkämpfen wollen.
F: Mindestens 100 000 Teilnehmer wurden auf der Vorbereitungskonferenz in
Rostock halboffiziell für die Proteste anvisiert. Ist das nicht ein bißchen
hochgegriffen?
Ich denke nicht. Wir haben mehr als ein Jahr Zeit, und das Thema G 8 spielt
schon jetzt für viele sehr verschiedene politische Akteure eine große Rolle.
Außerdem wird es eine internationale Mobilisierung geben, das heißt, es werden
aus aller Welt Menschen kommen, um sich an den Protesten zu beteiligen. Ich
kann mir auch vorstellen, daß es deutlich mehr als 100 000 Menschen werden.
F: In Rostock haben ganz unterschiedliche Gruppen sehr konstruktiv miteinander
diskutiert. Verschiedene linke Gruppen, Leute von Attac, NGO-Vertreter und auch
ein paar Gewerkschafter waren da. Wie kommt das? Für deutsche Verhältnisse ist
so viel Kooperation ja eher ungewöhnlich.
Ich glaube, daß sich eine neue politische Kultur der Kooperation entwickelt. Das
Bedürfnis nach Zusammenarbeit, das heißt, das Verbindende in den Vordergrund zu
stellen, statt nach Abgrenzung zu suchen, findet sich im ganzen linken
Spektrum. Deshalb bin ich auch so optimistisch, daß es einen wirklich massiven
Protest geben wird.
F: Einige, wie die Gewerkschaftsapparate und die eher etablierten NGOs, sind
allerdings noch nicht an Bord.
Wir haben in Rostock wenig konkrete Beschlüsse gefaßt. Der Prozeß ist also offen
für andere, die sich anschließen wollen. Und ich denke, daß er eine derartige
Dynamik entwickeln wird, der sich der DGB und andere nicht entziehen können.
Interview: Wolfgang Pomrehn
Infos: www.g8-2007.de
[http://www.jungewelt.de/2006/03-28/075.php]