[gipfelsoli] Barcelona
gipfelsoli-l at lists.nadir.org
gipfelsoli-l at lists.nadir.org
Die Feb 7 00:08:29 CET 2006
GEGEN POLIZEIGEWALT IN BARCELONA-KARCELONA
uebersetzungen diverser texten ueber die vorfaelle und verhaftungen vom 4.
februar 2006 in barcelona, publiziert am 06. 02. 06 auf indymedia barcelona
am freitag den 3. februar 2006 fand im stadtteil santa caterina (altstadt von
barcelona) in dem besetzten haus "el teatro" eine party statt. bereits am 10
uhr waren polizeieinheiten der "guardia urbana" in dieser gegend praesent.
gegen ca. 5 uhr begann die polizei leute vor dem besetzten haus zu
schikanieren. die situation eskalierte als die polizei begann brutal auf dort
anwesende personen einzuschlagen. von der polizei wurden drei scharfe schuesse
abgefeuert, es kam zu willkuerlichen verhaftungen.
in diesem tumult erlitt ein polizeibeamter (der "guardia urbana") eine schwere
kopfverletzung. hierzu gibt es zwei versionen: in der ersten wird davon
gesprochen, dass die verletzung durch einen, vom balkon des besetzten hauses
geschmissenen blumentopfes zustande kam. vierzehn stunden spaeter wird aus dem
blumentopf dann ploetzlich ein stein, der von mehreren personen auf den beamten
geworfen worden sei.
laut augenzeugInnenberichten wurde eine der verhafteten personen auf offener
strasse von acht polizistInnen (der einheiten "mossos d'esquadra" und "guardia
urbana") brutal misshandelt. bis acht uhr abends desselben tages war diese
person verschwunden. die polizei verweigerte jegliche information ueber ihren
aufenthalt und gesundheitszustand.
diese vorgehensweise ist illegal, angehoerige und freundInnen der verhafteten
muessen um deren seelisches und koerperliches wohlbefinden fuerchten.
samstag nachmittags bemaechtigten sich polizeieinheiten der "mossos d'esquadra"
des gesamten stadtteils santa caterina und begannen mit einer hetzjagd gegen
verschiedene soziale zentren im stadtteil, die mit den vorfaellen vom 04. 02.
06 in keinerlei verbindung stehen.
leute mit vermeintlichem "squatteroutfit" die sich in der gegend bewegten wurden
willkuerlich angehalten und kontrolliert. bis samstag 22:00 uhr erhielt werder
die unterstuetzungsgruppe der verhafteten, noch die anwaeltInnen oder
angehoerige nachricht ueber den zustand der verhafteten. bis dato wird eine
jugendliche vermisst. ihre eltern haben eine vermisstenanzeige aufgegeben.
die informationen, die wir ueber drei der verhafteten haben sind aeussert
besorgniserregend:
eineR hat eine schwere kopfverletzung, eineR andereR diverse haematome im
gesicht und einen verbundenen arm. die person, die am schwersten verletzt ist,
wurde brutal verpruegelt und solange an den haaren ueber den boden geschliffen,
dass ihr ein dreadlock ausgerissen wurde. sie hat ausserdem einen arm in gips
und den anderen verbunden.
wegen der schwere der verletzungen wurden die verhafteten ins krankenhaus
gebracht. nichtsdestotrotz hatten die misshandlungen nach der entlassung aus
dem spital kein ende. das alles geschieht mit der rueckendeckung der justiz,
die ueber den gesamten fall eine informationssperre verhaengt hat.
waehrend der gesamten haftzeit bekamen die verhafteten nicht mehr als ein halbes
glas wasser zu trinken.
wir bitten alle kollektive, die sich im kampf gegen die folter engagieren umd
die maximale unterstuetzung. sei es diese informationen zu verbreiten oder auch
an der aufklaerung dieser konkreten foltervorfaelle mitzuarbeiten. es ist damit
zu rechnen, dass einige der verhafteten in haft verbleiben werden und sich ihre
situation verschlechtern wird.
zwei versionen zur eskalation der situation am 04. 02. 06 vor dem besetzten haus
"el teatro" in barcelona:
nach offiziellen quellen wurde am freitag abend der raum, in dem in der
darauffolgenden nacht ein illegales fest veranstaltet werden sollte, durch die
"guardia urbana" gesperrt. das fest fand unter der teilnahme von einigen
hundert personen trotzdem statt. bis gegen sechs uhr morgens 30 leute, die zum
fest kommen wollten aber nicht mehr in das haus gelangten, sich mit der
"guardia urbana", welche die zone unter staendiger ueberwachung hielt,
konfrontierten.
der offizielle sprecher versicherte, dass die leute, die sich im haus befanden
damit begannen, die beamtInenn mit diversen gegenstaenden zu bewerfen.
nach informationen des besetzerInnenkollektivs befahl die polizei am samstag um
5 uhr morgens das fest zu beenden, was auch passierte. rund 30 leute, die zu
diesem zeitpunkt vor dem "teatro" eintrafen, wurden nicht eingelassen. die
beamtInnen begannen damit, die leute auf der strasse auf unsanfte weise zu
kontrollieren. so kam es zu den ersten zusammenstoessen. die beamtInnen
forderten verstaerkung durch die "antidisturbios"
(spezialeinheit/antiriotpolice) an und behaupteten, dass sie mit steinen und
muell beworfen worden seien.
ein nachbar, der die szene von seinem balkon aus beobachtet hat versichert, dass
sich das chaos ueber den unmittelbaren ort des geschehens ausweitete und die
polizei (einheiten sowohl der "mossos d'esquadra" wie auch der "guardia
urbana") willkuerlich auf leute einschlug. auch auf solche, die eindeutig
kundtaten nichts mit dem bestzten haus zu tun zu haben.
im laufe dieser auseinandersetzung wurde ein beamte der "guardia urbana" am kopf
getroffen. er erlitt ein schaedelhirntrauma und einen schaedelbasisbruch. der
beamte j. s. d. (39 jahre alt) wurde in uci krankenhaus "hospital clinic"
gebracht, wohin auch der katalanische praesident pasqual maragall und der
buergermeister von barcelona joan clos kamen. der buergermeister behauptete
anfaenglich, dass die kopfverletzung des beamten aus dem wurf eines
blumentopfes, der aus dem haus geworfen wurde, in dem das fest stattfand,
resultierte. spaeter wurde dann von einem sprecher der gemeinde behauptet, dass
es sich um einen gezielten steinwurf gehandelt hat - "agression directa"
("direkte aggression").
die vorfaelle endeten mit 9 verhafteten personen (zwei aus chile, eine aus
argentinien, eine aus deutschland und fuenf aus spanien) im alter von 20 bis 31
jahren.
die bewohnerInnen und nutzerInnen des "teatro" behaupten, dass sich unter den
verhafteten keine ihnen bekannte person befindet und sich die organisatorInnen
des festes nicht an den auseinandersetzungen beteiligten.
(flugblatt von leuten, die die gefangenen vom 04. 02. 06 in barcelona
unterstuetzen)
CONTRA LA REPRESIÓN POLICIAL - GEGEN POLIZEIGEWALT
am samstag den 4. februar 2006 in den fruehen morgenstunden verhaftete die
polizei auf brutale weise 9 personen in der strassesant pere mes baix, in der
altstadt von barcelona.
die illegale vorgehensweise durch polizei und justiz machen es unmoeglich die
genaue anzahl der verhafteten personen zu eruieren, sowie informationen ueber
deren identitaet und gesundheitszustand erlangen.
sicher ist, dass diese personen waehrend der verhaftungen und auf den
polizeistationen geschlagen und schwer misshandelt wurden. die verhafteten sind
opfer eines polizeilichen konstruktes, das versucht, sie mit schwerfen
anschuldigungen zu belasten (*). die verhafteten weisen diese entschieden
zurueck.
das alles ist kein zufall. diese verschaerfung der gewalt, die duch die
verschiedenen polizeieinheiten seit einiger zeit vorangetrieben wird, genauer,
seit dem das gesetz des sogenannten "civismo" (**) verabschiedet wurde, wir die
null-tolleranz-politik und die definitive ausweitung der "mossos d'esquadra"
(***) immer klarer gegen bestimmte politische kollektive und stadtteile (z.b.
raval, santa caterina, sants, berga, ciutat vella, arenys) angewandt.
stadtteile, wo die spekulativen interessen der gemeinde mit der sozialen
realitaet der dort lebenden menschen zusammenstossen. die antwort auf diesen
konflikt, der aus dem mangel von alternativen waechst, ist wueste repression in
der form von unverhaeltnismaessigen polizeieinsaetzen wie z.b. dem vom letzten
samstag.
sie suchen schuldige fuer die realen konflikte, die sie selbst schaffen.
wir fordern die sofortige und bedingungslose freiheit fuer die verhafteten und
das ende der misshandlungen und der folter, welche unter rueckendreckung der
justiz durch die verschiedenen polizeilichen koerper angewandt wird!
FREIHEIT FUER DIE GEFANGENEN VOM 4. FEBRUAR 2006!
(*) in den buergerlichen medien werden die zwei verhafteten chilenischer
staatsangehoerigkeit als die vermeintlichen aggressoren benannt, die wegen
versuchten totschlag (eventuell auch mordes) angeklagt werden sollen.
(**) "civismo" ist ein neu erfundener begriff der ins deutsche vielleicht mit
"zivilisertheit" uebersetzt werden kann. es handelt sich dabei um eine reihe
von verordnungen, mit denen die "zivilisiertheit" der bevoelkerung garantiert
werden soll. beispielsweise wird das ausspucken auf der strasse verboten oder
aber auch kontrolliert, ob die buergerInnen ihren muell in die richtige
muelltonne werfen... kurz: es geht dem staat/der stadt barcelona um mehr
kontrolle und disziplin.
(***) bei den "mossos d'esquadra" handelt es sich um eine polizeieinheit, die
seit einigen jahren in barcelona taetig ist und seit dem 1. november 2005 in
ganz katalunien den aufgabenbereich der "policia nacional" uebernommen hat.
[indymedia.de, von barcelona - carcelona - 06.02.2006 21:37]