[gipfelsoli] Moderation -- Gleneagles
gipfelsoli-l at lists.nadir.org
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Son Jan 22 14:50:55 CET 2006
- Selbstorganisiertes Moderationsseminar vom 10.-12. März 2006
- G8 2005 Publikation
- G8 2005 Book Launch
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Selbstorganisiertes Moderationsseminar vom 10.-12. März 2006
Wir haben in Nordost-Brandenburg (bei Letschin, im Landheim Wilhelmsaue) ein
Seminarhaus gebucht, in dem bis zu 40 Personen teilnehmen können. Eine
"professionelle" Moderatorin ist als Begleitperson mit dabei, es sollen aber
vor allem gemeinsam Wege gefunden werden, damit Moderation so wenig
manipulierend wie möglich und so effizient wie nötig einen emanzipatorischen
Prozess in Gang setzt. Wir sind immer wieder damit konfrontiert, bei
regionalen/bundesweiten/internationalen Treffen oder camps oder Kongresse usw.
mit Vielen zu kommunizieren und manchmal sogar zu Entscheidungen kommen zu
wollen oder gar zu müssen (Beispiel: wir sind auf einem camp mit einigen
Hundert oder Tausend Menschen und die Bullen haben dies umstellt, real
vorgekommen im Grenzcamp in Köln und letztes Jahr in Schottland).
Bei dem selbstorganiserten Seminar soll es darum gehen, einerseits
Moderationstechniken kennenzulernen, auszuprobieren (z.B. in Rollenspielen,
also ganz praktisch) und andererseits genau hinzuschauen und zu analysieren,
was für Gefahren und welche Art von Manipulation jeweils darin steckt. Das Ziel
des Seminars ist also, für uns heraus zu finden, in welcher Art wir in Zukunft
Gruppen/Zusammenkünfte moderieren, strukturieren wollen und wenn gewünscht, zu
Entscheidungsfindungen kommen. Und das in einer Art, die den
Gruppen/Zusammenkünften gerecht wird, das heißt, mit der alle "möglichst" (da
fängt es schon an möglichst oder auf jeden Fall!!) zufrieden sind, wo mit dem
zeitlichen Limit, das immer gegeben ist, "möglichst" so effizient umgegangen
werden kann, wie Entscheidungen notwendig sind. Bei der Entscheidungsfindung
geht es auch darum, herauszufinden, wann und ob Entscheidungen überhaupt sein
müssen oder ob es nicht eher darum geht, zu schauen, was die Ziele der
jeweiligen Gruppierungen sind, und welche Organisierungsform gewollt ist (z.B.
horizontal oder vertikal).
Um euch einen kleinen Überblick zu geben, folgt hier eine kleine Auflistung der
verschiedenen Arten der "Moderation":
- "einfache" Redeleitung"
- die Diskussionsstränge zusammenfassend, auf jeweils ein Diskussionsstrang
fokussierend, damit am Ende die Teilnehmenden zu einem "Ergebnis" kommen
(=struktuierendes Verfahren)
- talkshowmäßig
- alles fließen lassen und sozusagen nur der "Transmissionsriemen" zwischen den
verschiednen Menschen zu sein, versuchen das für alle zu visualisieren,
transparent zu machen und nach dem Konsensprinzip dann zu überlegen, was
überhaupt diskutiert wird
- die Moderation strukturiert die Debatte mit quotierten RednerInnenlisten,
Beispiel: sowie jemand sich meldet, der oder die noch nichts gesagt hat, kommt
nach vorne auf der Liste oder wenn mehr Männer als Frauen oder mehr Menschen
mit deutschem Pass als MigrantInnen bzw. Flüchtlinge anwesend sind, wird
jeweils quotiert
- Moderation mit viel mehr technischem Einsatz wie Kärtchen schreiben, metaplan,
mindmap und andere visualisierungsmethoden, Kleingruppen bilden etc. also
insgesamt mehr interaktiv anregend
- Moderation mit powerpoint-Präsentation, Kurzprotokoll sofort visualisierend
- Kleingruppen vs. Großgruppenverfahren
- Entscheidungsfindungen nach Mehrheitsprinzip oder mit den Füssen
- Entscheidungsfindung nach dem Konsensprinzip
- Diskussionen nach dem fish-bowl- oder open space Prinzip anleiten
- Moderation, bei der die anderen angehalten werden, sich aktiv zu beteiligen
(Bsp. bei pga entwickelte Methode also mit den vielen Handzeichen (mit den
Händen wedeln), Vorgehen nach dem Konsensprinzip,) - Umgang mit Übersetzung
(Übersetzungsecken, in einer übersetzen Sprache für alle,...)
Und und und ich könnte noch lange die diversen Möglichkeiten aufschreiben.
Gemeinsam ist allen Techniken, dass sie mehr oder weniger manipulativ sind,
eine Machtposition beinhalten. Ich kann mich an viele Vollversammlungen (mit
mehreren hundert Menschen!) aus den den 80igern erinnern, wo es keine
Moderation gab und wo diejenigen das Sagen hatten, die sich am stärksten
fühlten, die die größte Klappe oder Autorität hatten, die in den informellen
Machthierarchien ganz oben waren. Ich denke, da wollen wir nicht hin zurück.
Das jemand Diskussionen strukturiert bzw. moderiert, ist auch daraus
entstanden, dass die "Macht" soz. auf jemand "Neutrales" übergeben wurde, der
oder die auch Schüchternen oder sog. Schwächeren durch eine Struktur wie eine
RednerInnenliste mehr Möglichkeiten der Teilhabe bietet. Aber so einfach ist
das nicht. Es ist damit eine neue Macht entstanden, die mehr hinterfragt werden
muss. Der Hintergrund des Seminars ist also: Wir wollen einen emanzipatorischen
politischen Weg gehen. Dazu gehört eben auch, politisch bewußt und transparent
mit Strukturvorgabe, Moderation und Entscheidungsfindung analytisch wie auch
praktisch umzugehen. Und darüber wollen wir diskutieren, uns analysierend
austauschen und vielleicht zu neuen Umgehensweisen kommen.
Es wäre schön, wenn ihr mir bei der Anmeldung ein wenig über eure gemachten
Erfahrungen was kurz schreiben könntet.
Anmeldung z.B. unter: gipfelsoli at nadir.org
bis dann!!!!
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G8 2005 Publikation
Shut Them Down!: The G8, Gleneagles 2005 and the Movement of Movements
Herausgegeben von Dissent! und Autonomedia
Die Ernennung Bob Geldofs zum Ratgeber der Britischen Conservative Party hat in
Grossbrittanien fuer eine Wiederaufarbeitung der ausschlagegebenden Woche
letzten Sommer, als die G8 in Gleneagles tagte, gesorgt. Kritische Gedanken
dazu werden vor allem von einem neuen und zeitlich erschienem Buch angetrieben,
das voll mit eigens erlebten Erfahrungen und politischen Reflektionen derer, die
viel mehr daran interessier waren den Gipfel zu stoppen, als die dort tagenden
Politiker darum zu bitten, etwas gegen globale Armut Klimawandel zu tun,
gepackt ist.
David Watts, eines der Herausgeber des Buchs, kommentierte, 'es scheint, als
gaebe es mehrfach Desillusionierung mit den Live8 Konzerten und der Make
Poverty History Kampagne. Man sollte wirklich daran zurueckdenken, dass in
Genoa in 2001, Menschen gegen die G8 demonstrierten, und die G8 nicht als
globalen Retter in Anbetracht globaler Probleme sah, sondern als den Ausloeser.
Zum ersten Mal in der Geschichte gab es in 2005 eine Demo, die das Gipfeltreffen
willkommen hiess. Es ist in diesem Zusammenhang, dass wir verstehen koennen, wie
die Live8 Konzerte und die Make Poverty History Kampagne als riesige PR Maschine
fuer Tony Blair und seine Regierung funktionierten.'
'Was oft vergessen wird, ist dass nich jede zur Melodie Geldofs oder Blairs
tanzte und dass diejenigen die sich in den Kopf gesetzt hatten, den Gipfel zu
stoppen, dies um ein Haar erreicht haetten. Am 6.Juli, dem Eroeffnungstag des
Gipfels, brachten Strassenblockaden zentrale Bereiche Schottlands zum stehen,
wobei mehrere Delegationen des Giplfels daran gehindert wurden in Gleneagles
rechtzeitig einzutreffen. Am Nachmittag des gleichen Tages versuchten
Demonstranten noch dazu den riesigen Zaun, der das Hotel wo getagt werden
sollte umgab, runterzureissen. Es waren letzlich die Bombenanschlaege in
London, die den Demonstranten den Wind aus den Segeln nahmen.'
Herausgegeben von einer Gruppe von Personen des Dissent! Netzwerkes, welches den
antikapitalistischen Widerstand gegen den Gipfel koordinierte, beinhaltet das
Buch 'Shut Them Down!' 35 Kapitel, mit unter anderem einem amuesanten Comic,
einem Vorwort der Herausgeber und vielen ausdrucksvollen Fotos in ueber 368
Seiten. Das Buch erscheint am 20. Januar 2006.
'Shut Them Down!' beinhaltet Erfahrungen der Demonstranten aus erster Hand,
sowie detailierte Berichte ueber die Organisierung der verschiedenen Aspekte
der Mobilisierung und Analysen der sich ergebenden Probleme zusammen mit
Denkanstossen dafuer wie man's in Zukunft besser machen koennte. Die Relevanz
dieses Buchs reicht aber weit ueber die Mobilisierung an sich hinaus: das Buch
spricht fundamentale Angelenheiten an, die fuer jeden, der sich fuer soziale
Bewegungen und sozialen Wandel interessiert, von Bedeutung sind. Dazu gehoeren
'Horizontalitaet' mit offenen direkt demokratischen Entscheidungsprozesse und
die Grenzen der 'Aktivistenidentitaet'. Am allerwichtigsten versucht 'Shut Them
Down!' die Frage zu stellen, wie wir die 'anderen Welten', die sich uns in den
Momenten wo wir aktiv sind zeigen, auf unser restliches Leben ausweiten
koennen?
Beitraege sind unter anderem von Werner Bonefeld, George Caffentzis,
Counter-Spin Collective, The Free Association, The Ginger, John Holloway,
Colonel Klepto und Major Up Evil, Starhawk und Simon Tormey.
Details:
David Harvie, Keir Milburn, Ben Trott und David Watts (Hrsg.): Shut Them Down!:
The G8, Gleneagles 2005 and the Movement of Movements (Leeds: Dissent! und New
York: Autonomedia, 2005) (ISBN: 0-9552065-0-2)
Erhaeltlich nur auf Englisch bei www.shutthemdown.org fuer €7.50 inkl. Versand
Kopien fuer Buchkritiken auch direkt von den Herausgebern erhaeltlich:
editors at shutthemdown.org
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G8 2005 Book Launch
Shut Them Down!: The G8, Gleneagles 2005 and the Movement of Movements
Published by Dissent! and Autonomedia
Bob Geldof's appointment as an advisor to the Conservative party has provoked a
reassessment of the momentous week last summer when the G8 met in Gleneagles.
This reassessment is aided by the timely publication of a new book full of
first hand accounts by those more interested in shutting the G8 down than
lobbying it.
David Watts, one of the books editors, commented: "There seems to be a growing
sense of disillusionment with the legacy of the Live8 concerts and the Make
Poverty History campaign. You have to remember that the protestors of Seattle
and Genoa didn't see the G8 as the solution to global poverty but rather as the
cause of it. In 2005, for the first time in the G8's history, there was a major
campaign to welcome the summit. Perhaps now we can see how MPH and Live8 ended
up simply as PR cover for the Blair government."
"What tends to be forgotten is that not everyone played along with the Geldof
and Blair show and those who'd set out to shut down the G8 in fact came very
close to achieving this aim. On the 6th of July, the opening day of the summit,
road blockades brought central Scotland to a halt with many delegates unable to
reach Gleneagles. Later that day, protestors attempted to rip down the fence
surrounding the summit. It was only the London bombings that diverted attention
and took the wind out of the protestors sails."
Edited by a group within Dissent!, the network which coordinated anti-capitalist
resistance to the Summit, Shut Them Down! contains 35 chapters, including a
hilarious cartoon, an editors' introduction and dozens of powerful photographs
over 368 pages. The book will be launched on 20th January 2006.
As well as first hand accounts from protestors, there are detailed accounts of
how the various aspects of the mobilisation were organised, and analysis of the
lessons to be learned. Shut Them Down!'s relevance, however, extends far beyond
the Gleneagles experience; it addresses issues fundamental to anyone involved
or interested in social movements, such as the nature of openness and
'horizontality' and the limits of the 'activist' identity. Most important of
all, Shut Them Down! attempts to pose the question: how do we take those new
worlds we glimpse in these moments and apply them to the rest of our lives?
Contributors include: Werner Bonefeld, George Caffentzis, Counter-Spin
Collective, The Free Association, The Ginger, John Holloway, Colonel Klepto and
Major Up Evil, Starhawk and Simon Tormey.
The book's full details are as follows:
David Harvie, Keir Milburn, Ben Trott and David Watts (Eds.) Shut Them Down!:
The G8, Gleneagles 2005 and the Movement of Movements (Leeds: Dissent! and New
York: Autonomedia, 2005) (ISBN: 0-9552065-0-2)
Available from Shutthemdown.org for £4.95, €7.50 and US$9.95 plus p&p.
Review copies are available from the editors: editors at shutthemdown.org