[gipfelsoli] Hong Kong
gipfelsoli-l at lists.nadir.org
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Don Nov 10 14:42:08 CET 2005
Aufruf zu Aktionen gegen die Ministerkonferenz der WTO in Hong Kong (14. -18.
Dezember 2005)
10 Jahre WTO - 10 Jahre Raubbau und Zerstörung
Seit dem 10 jährigen Bestehen der WTO mußten viele Menschen dabei zusehen, wie
ihre alltäglichen Lebenszusammenhänge zerstört wurden. Das Ziel der WTO, einen
einzigen globalen Markt zu schaffen, stellt eine große Bedrohung für die
Vielfalt der Lebensformen auf der Welt dar. Um die WTO Bestimmungen zu erfüllen
findet heute in jedem Land eine Deregulierung der Verfassung und von Gesetzen
statt. Die Ausweitung der Monopole und der Kontrolle von Unternehmen im Zuge
der Privatisierung bedeutet, dass für die Armen der Welt der Zugang zu Wasser,
Boden, Saatgut, Wäldern, natürlichen Ressourcen und Energie zu einem
fortwährenden Kampf ums Überleben wird. Dies führt auf verschiedenen Wegen zur
Vernichtung von Menschenleben - infolge der von der WTO vorangetriebenen
Liberalisierung der Landwirtschaft haben beispielsweise, 5o ooo indische
BäuerInnen in den letzten zehn Jahren Selbstmord begangen. Millionen von
BäuerInnen, landwirtschaftlichen ArbeiterInnen, indigene Gemeinschaften,
FischerInnen, und andere BewohnerInnen ländlicher Gebiete wurden dazu
gezwungen, ihr Zuhause zu verlassen, und in die Slums der großen Städte zu
ziehen, um sich dort in einem von Elend, Diskriminierung und Unterdrückung
geprägten Leben über Wasser zu halten.
Die WTO Bestimmungen führen nicht nur zu einer Zerstörung der Lebensgrundlagen
auf dem Land, sondern auch zu einer Beschleunigung des Klimawandels und einer
Abnahme der Biodiversität, was die Zukunft des ganzen Planeten zerstört. Sie
führen zudem zu einer zunehmenden Konzentration von Reichtum und Macht und
verstärken die Ausbeutung von ArbeiterInnen weltweit, indem sie eine
uneingeschränkte Mobilität von Geld und Waren ermöglichen. Die Menschen in den
verarmten Ländern werden dieser Freiheit jedoch beraubt und die, die versuchen
ihrer Not zu entfliehen, indem sie sich in diejenigen Länder begeben, die die
Reichtümer ihrer Heimatregionen ausbeuten, sind wachsendem Rassismus, Gewalt
und Ausbeutung ausgesetzt. Die WTO Gesetzte fördern auch den Abbau
wohlfahrtsstaatlicher Maßnahmen und öffentlicher Dienstleistungen, was vor
allem für Frauen, Kinder und Ältere verheerende Auswirkungen hat. Und
schließlich tragen sie zur Zerstörung der kulturellen Vielfalt und indigener
Kulturen bei, indem sie Wissen und Lebensformen in privates Eigentum umwandeln
und indem sie es den westlichen Medien- Monopolen ermöglichen ihre Macht und
ihren Einfluß auszuweiten, mit schrecklichen Konsequenzen in Bezug auf die
Manipulation von Information und der Zerstörung kultureller Werte.
Kapitalismus ist seiner Natur nach undemokratisch und die WTO, als eine seiner
Hauptantriebskräfte, ist ebenso undemokratisch. Die WTO stützt sich auf
undemokratische nationalstaatliche Regierungen aus der ganzen Welt
(einschließlich angeblich demokratischer Staaten) deren Wirtschaftspolitik vom
Kapital diktiert wird. Dieser Mangel an Demokratie zeigt sich unter anderem in
der zunehmenden Gewalt gegen Protestaktionen und soziale Bewegungen, in der
Einschränkung bürgerlicher Freiheiten und in neo-kolonialen Angriffskriegen
über die Kontrolle natürlicher Ressourcen, getarnt als sogenannter "Krieg gegen
den Terror". Deshalb ist es besonders wichtig dezentrale, alternative Strukturen
an der Basis aufzubauen.
Wenn wir einen positiven Wandel erleben möchten, müssen die Menschen, die
unterdrückt werden, auf der ganzen Welt zusammen gegen den "manufactured
consent" (die mit Hilfe der Massenmedien produzierte Zustimmung) der WTO
organisieren.
Die WTO steht in enger Verbindung mit anderen globalen Institutionen, wie den
G8, dem IWF und der Weltbank und ist auch in regionale Integrationsprozesse und
Handelsabkommen eingebunden. All dies wurde von den globalen Supermächten und
von Unternehmen manipuliert.
Der erste Globale Aktionstag gegen Kapitalismus fand 1998 statt, zeitgleich zu
der WTO Ministerkonferenz in Genf und dem G8 Gipfel in Großbritannien. Eine
wachsende "Bewegung der Bewegungen" entwickelte sich unter anderem aus diesen
Mobilisierungen.
Wir fordern Gruppen, AktivistInnen und Bewegungen überall auf der Welt dazu auf,
sich an kollektiven Aktionen zu beteiligen, und dezentrale Aktionen (egal wie
groß sie sind, egal wo sie stattfinden) gegen die WTO Ministerkonferenz in
Hong- Kong (14.-18. Dezember 2005) zu organisieren.
Der Gipfel wird in einer Unternehmensfestung stattfinden, die durch das Meer
abgeschirmt ist, mit dem Ziel allen effektiven direkten Aktionen vorzubeugen.
Aber wir werden nicht zulassen, dass die TeilnehmerInnen des Gipfels sich der
Verantwortung für die negativen Folgen der WTO für Menschen auf der ganzen Welt
entziehen. Eine Vielzahl von Aktionen könnte den Grundstein für unsere Zukunft
bilden. Handelt aus Opposition und entwickelt Alternativen, leistet Widerstand
und schafft Neues.
Heute ist der Kampf gegen die WTO überall auf der Welt lebendig. Es ist
notwendig sich sowohl der Implementierung von WTO Bestimmungen auf der
nationalen Ebene zu widersetzten als auch den Kapitalismus an sich auf globaler
Ebene zu bekämpfen.
Teilt Eure Geschichten des Widerstands gegen die WTO mit anderen Menschen auf
der Welt indem ihr sie über indymedia (www.indymedia.org) und andere
alternative Medien- Netzwerke (z. B. www.all4all.org) verbreitet. Wir möchten
Eure Geschichten für ein Bulletin (papiergedruckt und online, auf Englisch und
Spanisch) verwenden, das in verschiedene Sprachen übersetzt und weltweit
verteilt werden kann, um uns dabei zu unterstützen unser Wissen und unseren
Widerstand auszuweiten.
* Indian Coordination Committee of Farmers' Movements: BKU (All India), KRRS,
Shektari Sangathana,Tamilnadu Farmers Association (TVS), Kerala Coconut Farmers
Association, Nandi Raitha Samkya
* All-Nepal Peasant Association, Nepal
* Krishok Federation, Bangladesh
* Assembly of the Poor, Thailand
* Thai Labour Campaign