[gipfelsoli] Genua -- Luxemburg -- Gleneagles

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Fre Mar 25 21:25:01 CET 2005


- Genua G8: Beschlagnahme und Strafen 
- Zusammen gegen den EU Gipfel 2005
- Das kleine 1X1 fuer Demos und Aktionen 
- Anti-G8 Gathering 6.-10. April

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Genua G8: Beschlagnahme und Strafen 

Am 16. März hat die Staatsanwaltschaft von Genua eine neue Taktik angewendet,
die man als "Trickbeschlagnahme" bezeichnen kann. 

Der Vorfall ereignete sich im Rahmen eines Verfahrens, das nicht direkt mit dem
G8 2001 in Genua zusammenhängt. Die Beschlagnahme von 2 tragbaren Rechnern wurde
von Zivilbeamten der politischen Polizei Digos ausgeführt und beruht auf einer
Anzeige wegen Verleumdung, die von den Staatsanwälten Anna Canepa und Andrea
Canciani erstattet wurde. Die Beleidigungen gegen die beiden Staatsanwälte wären
auf der internetseite italy.indymedia.org erschienen. 

Die 2 beschlagnahmten Rechner gehören aber zwei Sachverständigen des Genoa Legal
Forum und enthalten vertrauliche Informationen für die Verteidigung der 25
Demonstranten, denen Verwüstung und Plünderung während des G8 im Juli 2001
vorgeworfen wird. Auch dieses Verfahren wird - was für eine Überraschung - von
den beiden Staatsanwälten Anna Canepa und Andrea Canciani geführt. 

Bei dieser Beschlagnahme handelt es sich um einen erneuten Versuch, die
Atmosphäre, in der sich die G8 Prozesse abspielen, noch weiter anzuspannen.
Immer öfter erscheinen Zeitungsartikel über die G8 Prozesse, die zur Bedrückung
der Stimmung beitragen. Dazu ereignen sich extrem schwere Vorfälle, wie die
plumpe Darstellung der Ereignisse von Genua, die kürzlich vom "öffentlichen"
Fernsehen ausgestrahlt wurde und die anhand von eigens zusammengestellten
Filmausschnitten und Telefonabhörungen zu beweisen versuchte, dass es sich bei
den Geschehnissen des G8 um ein subversives Projekt handelte, das vorbereitet
und programmiert wurde. 

Wir glauben, dass diese weitere Einschüchterungsaktion sehr viel über die
Aufmerksamkeit aussagt, die gewisse Kreise den G8 Prozessen widmen. Diese
Aufmerksamkeit richtet sich vor allem auf die Vorbereitungsarbeiten und auf die
Berichterstattung der Gerichtsverhandlungen, die von einem Netzwerk von
Aktivisten durchgeführt wird, und durch Presseberichte und wöchentliche
Zusammenfassungen 
an die Öffentlichkeit bringt, was sich an den Prozessen von Genua abspielt.
Dieser Aufmerksamkeit steht leider das peinliche Schweigen der Bewegung
gegenüber. Auch unter denjenigen, die sich durch Genua eine mehr oder weniger
institutionelle politische Karriere verschaffen konnten, herrscht Grabesstille. 

Andererseits überrascht auch das grosse Interesse, das die Staatsanwälte, deren
Aufgabe die Ermittlung der Wahrheit sein sollte, einigen im Internet
erschienenen Sätzen widmen, die sie für diffamierend halten. Viel schlimmere
Geschehnisse, die während den G8 Verfahren ans Licht gekommen sind, scheinen sie
überhaupt nicht zu trüben, wie die Eisenstangen, die von den Bullen an Stelle
der Knüppel eingesetzt wurden, oder die illegitime Beschlagnahme des
Videoarchivs, das von indymedia.org zusammengestellt worden war und das dem
Staatsanwalt dann unvollständig übergeben wurde - was man Beweisverschleierung
nennt - bis zur offensichtlichen Verletzung der Aussagepflicht, die an den
Verhandlungen von Polizisten und Carabinieri angewendet wird. 

Diese Atmosphäre wird durch tägliche Vorfälle, die sich in den Gerichtssälen von
Genua abspielen, bestätigt: "Panzerung" des Gerichtsgebäudes durch Polizeikräfte
im Kampfanzug, massiver Aufzug von Digos Leuten in und um den Gerichtssaal,
ständigen Kontrollen und Durchsuchungen, denen man die Leute unterzieht, die an
den Verhandlungen (die öffentlich sind) teilnehmen. Wiederholte Provokationen,
wie die Ohrfeige, die ein Agent des Geleitschutzes der Staatsanwältin Canepa
einem der Anwesenden verpasste, weil er sich geweigert hatte, die Kapuze
abzunehmen. 

Der letzte schlimme Vorfall ereignete sich während der Vorverhandlung vom 19.
März gegen die Folterer von Bolzaneto (47 Angeklagte, darunter Polizisten,
Gefängnisaufseher und Sanitäter). Der Richter musste einem Digos Mann anordnen,
den Gerichtssaal zu verlassen, da es sich um eine Verhandlung unter Ausschluss
der Öffentlichkeit handelte und er deshalb nicht dazu berechtigt war, daran
teilzunehmen. 

Heute, den 22. März 2005, hat das Gericht im Laufe der Verhandlung gegen die 25
Demonstranten anerkannt, dass die Beschlagnahme der 2 tragbaren Computer die
Verteidigung benachteiligt, und hat deshalb einer Aussetzung der Verhandlungen
bis zum 5. April zugestimmt. 

Im Gerichtssaal hat die Anwaltschaft von Genua implizit zugegeben, dass die
Beschlagnahme, die technisch ein anderes Verfahren betrifft, in Wirklichkeit
gegen die zwei Sachverständigen des Genoa Legal Forums gerichtet war.
Insbesondere gegen einen der Sachverständigen, der durch das Geräusch der Tasten
seines Computers die Staatsanwältin Canepa immer wieder aus der Fassung zu
bringen scheint. 

Der Gerichtspräsident hat aber die Begründungen der Staatsanwälte
zurückgewiesen. Die Argumente der Verteidigung, die betonte, wie die
Beschlagnahme die rechtlich vorgesehene Gleichstellung zwischen Verteidigung und
Anklage beeinträchtige, wurden hingegen angenommen. 

Die Rechner wurden nach Turin (einer anderen Stadt Norditaliens) überführt, und
wir wissen noch nicht, wann wir sie zurückbekommen. Trotz dieser bedrückenden
und einschüchternden Atmosphäre wird Supportolegale die Leute, die für die Genua
G8 Prozesse arbeiten, weiter unterstützen. 

Kontakt: info at supportolegale.org 
http://supportolegale.org 

Supportolegale ist ein Netzwerk von Leuten, die die Prozesse von Genua verfolgen: 
die Gerichtsverfahren betreffen die Demonstranten, aber auch die Amtspersonen,
die der Gewaltanwendung, der Folterung und des Machtmissbrauchs beschuldigt
werden. Supporto hält schriftlich fest, was während den Verhandlungen geschieht,
erstellt verständliche Zusammenfassungen und publiziert sie, entwickelt
Projekte, Kampagnen und Initiativen um die Informationen zu verbreiten und um
das nötige Geld zu sammeln. Supporto unterstützt das Anwaltssekretariat des
Genoa Legal Forums, die Anwältinnen und Anwälte der Leute, die angeklagt sind
oder die Nebenklage erheben. 

Wir brauchen dringend Geld!!! 
Spenden kann man auf das Konto des Genoa Legal Forum: 

Für Spenden aus Italien: 
Intestato a: don Antonio Balletto 
Banca Carige - sede centrale 
numero conto: 6135980 
Cod. ABI 06175 
Cod. CAB 01400 

Für Spenden aus anderen Ländern: 
swift code CRGEITGG040 
iban IT45 H061 7501 4000 0000 6135 980 
Zahlungszweck: supporto legale 

Paypal: donate-glf at indymedia.org 

[indymedia.de, von supportolegale - 25.03.2005 18:07]


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Zusammen gegen den EU Gipfel 2005
Herrschaft bekämpfen . Alternativen schaffen. 

Luxemburg wird ab 1/1 2005 den EU Vorsitz innehaben. Luxemburg ist neben Brüssel
und Strasburg die dritte europäische Hauptstadt und Sitz zahlreicher
EU-Institutionen, darunter auch solch wenig bekannte wie das EURODAC, zentrales
Computerregister aller AsylbewerberInnen. 

In der Tradition der EU-Gipfelproteste von Nizza, Göteborg, Brüssel,
Thessaloniki etc, wollen wir 2005 diesen Gipfel als Kristallisationspunkt und
Möglichkeit nutzen, um unsere Proteste gegen die herrschende Politik
nachdrücklich an die Öffentlichkeit zu vermitteln und wirksam vorzutragen. 

Wir, das ist ein Zusammenschluss undogmatischer Organisationen, Gruppen und
Einzelpersonen aus Luxemburg, Grossregion und darüberhinaus. Wir wollen in
unserer Praxis und unseren Inhalten über die üblichen Protestrituale
hinausgehen, neue Diskussionen anstoßen und selbstbestimmte Aktionsformen
entfalten. Dabei wollen wir insbesondere drei inhaltliche Grundsätze betonen 

1) Antikapitalismus : Die aktuelle kapitalistische Wirtschaft, die auch das
herrschende Paradigma der EU darstellt, erzeugt Ungleichheit, Armut und
Umweltzerstörung, in einem stetig wachsenden Ausmaß. Wir glauben nicht an einen
Kapitalismus mit "menschlichem Gesicht", sondern wir wollen für eine andere
alternative Wirtschaftsordnung kämpfen, die statt Lohnarbeit, Leistungsterror
und Warenform die Solidarität und freie Entfaltung von jedermensch setzt. 

2) Selbstbestimmung und Emanzipation : Wir wollen als Alternative zum
bestehenden repressiven Staat eine Gesellschaft die auf einem solidarischen und
selbstbestimmten Miteinander basiert. Wir wollen Schluss machen mit allen Formen
patriarchaler, rassistischer , antisemitischer und sonstiger Diskriminierung,
und unser Leben zurückerkämpfen! 

3) Antinationalismus: Wir stellen die EU nicht in Frage, weil sie eine
supranationale Organisation ist und unsere vermeintliche "nationale
Souveränität" aushölt oder irgendwelchen imaginierten "nationalen Identitäten"
schadet. Der Nationalstaat ist für uns keine Alternative zur kapitalistischen
Globalisierung. Neurechte Inhalte und konservative Identitätspolitik lehnen wir
genauso ab wie die Abschottung der EU nach aussen. Die Kämpfe um die Freiheit
der Menschen müssen darauf abzielen, Grenzen niederzureissen, und nicht, neue zu
errichten!

Die EU als politische Herrschaftsstruktur ist eine Konsequenz der modernen
Entwicklung des Kapitalismus. Sie bildet einen Block, der in wirtschaftlicher,
militärischer und politischer Hinsicht den gestiegenen Erfordernissen
kapitalistischer Verwertungs- und Herrschaftsmechanismen genügen soll. Die Logik
der EU ist die neoliberaler Verwertungsprozesse. Ökonomisch nicht verwendbare
Menschen werden abgeschoben, soziale Rechte massiv angegriffen und
Freiheitsrechte abgeschafft. Auch aussenpolitisch verfolgt die EU eine Linie der
Militarisierung und Hegemonialpolitik. 

Wir gehen nicht auf die Straße, weil wir die EU als alleinige Wurzel allen Übels
identifiziert hätten. Die EU ist nur eine von vielen Institutionen im komplexen
Geflecht moderner Herrschaftsverhältnisse, aber auch eine mit hohem Symbol und
Prestige-Gehalt. Wir wollen diese erhöhte Aufmerksamkeit und
Mobilisierungsmöglichkeit rund um den EU-Gipfel als Bühne nutzen, um unsere
Überzeugungen auf der Straße auszudrücken. 

Welche Form für welchen Protest ?

Wir wollen mit unseren Akionen festgefahrene Protestrituale aufbrechen zugunsten
kreativer Aktionen und Möglichkeiten. Wir wollen dabei eine bunte Vielfalt von
Ansätze und Strömungen auf einer gemeinsamen Basis zusammenführen. Eine solche
Basis für uns ist : 

- Die Weigerung, unser Selbstbestimmungsrecht an Parteien und staatliche
Institutionen zu delegieren
- Die Selbstorganisierung und Eigenständigkeit der Bewegung nach antiautoritären
Grundsätzen
- Die direkte Aktion und der zivile und soziale Ungehorsam. 

Einige Beispiele für mögliche Aktionsformen in diesem Rahmen sind zB.
Street-Parties, Street-Art, Blockaden und Besetzungen, Spaß- und
Kommunikationsguerilla, u.v.m. Es geht uns dabei keineswegs um eine
militärischer Eskalationslogik oder die vielfach von Medien und Polizei
beschworenen und inszenierten Gewaltorgien. Wir wollen kein Klima der Gewalt,
aber eins der Befreiung, und wir werden unmissverständlich deutlich machen, dass
sowohl unsere Köpfe wie die Straßen niemals zu kontrollieren sein werden ! 

Wir finden es insbesondere wichtig, dass es auch über den reinen Straßenprotest
hinaus einen Raum für Begegnungen, Diskussion, Reflexion und selbstbestimmte
Planungen gibt. Angesichts der immer stärkerern Repressionsmaschine des Staates
anlässlich von klassischen Demos etc. sehen wir es als notwendig an, uns auch
eine eigene Alternative zum bestehenden System zu erkämpfen und aufzubauen. Ein
erster Schritt in diese Richtung ist der Plan eines selbstorganisiertem
alternativen und antikapitalistischen Camps im Rahmen unserer Kampagne. In
unserer Vorstellung wäre ein solches Projekt : 

(1) Ein selbstbestimmter Raum für Reflexion und Aktion, der es ermöglicht sich
politisch auszudrücken und dabei insbesondere unsere Alternativen aufzeigt.
Paralell zu den Aktionen sollte die Einrichtung konkreter Gegenentwürfe
passieren, d.h. : Basisdemokratie, Selbstorganisierung, ziviler Ungehorsam etc.
Wir wollen dass ein solcher Raum zumindest ansatzweise die Möglichkeit bietet,
soziale und politische Experimente jenseit der kapitalistischen Gesellschaft zu
versuchen.

(2)Ein Raum der Begegnung und Zusammenkunft für die Vielfalt der verschiedensten
sozialen und politischen Kämpfe, mit der Möglichkeit des Austauschs und der
Vernetzung der verschiedensten Widerstandsstrategien, Netze und Perspektiven. 

(3)Ein Raum der Diskussion und Weiterentwicklung in dem auch "strittige" Themen
zur Sprache kommen, die sonst oft genug nur am Rande behandelt werden. Dazu
gehören insbesondere Antisemitismus und Antizionismus, aber auch
Genderdiskussionen, "Tierrechte" u.v.m. 

Als Gruppen und Personen, die sich in dieser Plattform wiederfinden und
vernetzen, wollen wir Kräfte bündeln und Widerstandsperspektiven zusammenführen,
um zum EU Gipfel 2005 gemeinsam und nachhaltig Proteste und Alternativen zu
formulieren und vielfältige Gegenaktionen ins Leben zu rufen - im Rahmen und
nach den Grundsätzen dieses Plattformtextes. 

[www.eurotp.tk]

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Das kleine 1X1 fuer Demos und Aktionen 

Ueber den Umgang mit Repression und der Situation in Luxemburg 
Nach den seit Jahrend schwelenden Auseinandersetzungen hat die Repression mit
dem Polizeieinsatz gegen die RTS (Bericht) und schlussendlich den massiven
Auseinandersetzungen mit den belgischen Stahlarbeitern auch in Luxemburg
endgültig ein neues Niveau erreicht. Plastikgeschosse, Tränengas, Wasserwerfer,
das ist die neue Realität, die durchaus nicht überraschend kommt. (Siehe auch
"Die nächste Runde ist eröffnet" ) . (Sowie auch hier ). Es ist kaum anzunehmen,
dass der Staat dieses Repressionsniveau zurückfährt, denn immerhin ist 2005 der
EU Gipfel und auch da werden die Repressionsorgane alles tun, den Widerstand auf
der Strasse klein zu halten. 

Damit wir auf diesen Ansturm der staatlichen Gewalt nicht kopflos reagieren,
sondern die Situation als eine Chance zum solidarischen Agieren begreifen, soll
im folgenden nochmal die Basics für Demos, Aktionen und Repression
zusammengefasst werden. 

Es gibt natürlich viele Arten von Demos und Aktionen. Die lokale
Ostermarsch-Latschdemo könnt ihr natürlich etwas gemütlicher angehen ; aber nach
den jüngsten Ereignissen kann es nicht schaden, sich lieber zuviel als zuwenig
Sorgen zu machen, darum gehen wir in diesen Erläuterungen mal vom schlimmsten
Fall aus. 

Dies vorweg : Wir wenden uns dabei gegen jede künstliche Auftrennung in
"friedlich" und "militant" usw. Wir sind gegen jede verschwommene Diskussion
über Radikalität, Gewalt und Militanz, die ohne klare Begriffe und Theorien
nicht fruchtbar sein kann. Fallt nicht auf die von Medien und Polizei
vorgegebenen Kategorien rein. Alle Aktionsformen haben ihre Vorteile und
Nachteile ; klärt für euch selbst je nach Situation welches Verhalten euch
sinnvoll und angemessen scheint. 
Zum Allgemeinen Verhältnis zur Polizei : Die Polizei ist die Exekutive, das
Repressionsorgan dieses Staates, den wir abschaffen wollen. Das ist ihr Zweck.
Mit ihnen Konflikte "ausdiskutieren" zu wollen ist Blödsinn. Leider gibt es auf
jeder Demo immer wieder die Szene daß ein mehr oder weniger großes Grueppchen
Leute aufgeregt durcheinanderschreiend irgendwo mit irgendwelchen Polizisten
rumdiskutieren. Sowas bringt nicht nur nix, sondern es schafft auch schlechte
Stimmung und lähmt die Aktion. Manchmal fährt die Polizei auch ganz gezielt eine
solche "totlaber" und "Konfliktmanagment" Strategie, bei der geschlossenes
Handeln gerade so verhindert wird, weil einzelne Teile der Menschen sich in
Diskussionen verwickeln lassen und alles andere gelähmt wird. Das gilt
natürlichg auch umgedreht. Leute, die bei der ersten auftauchenden Uniform
anfangen zu schreien und nur noch die Polizei fixiert sind, sind genauso
peinlich. Generell gilt : Macht lieber euer Ding, und beachtet die Polizei nicht
mehr als notwendig. Natürlich können wir mehr oder weniger konfrontativ sein, je
nach Form und Ziel einer Aktion. Aber die Perspektive sollte immer gezieltes und
solidarisches Agieren bleiben. 

1) Gute Vorbereitung 

Eine Demo ist nicht immer nur ein Spaziergang und wie sich gezeigt hat ist auch
eine RTS nicht immer nur Party. Eine richtige Vorbereitung gehört also dazu.

Bildet Banden : Versucht, niemals alleine zu Demos und Aktionen zu gehen. In
einer Gruppe unterwegs zu sein, schützt davor bei Kontrollen und Nachhauseweg
unbemerkt weggehaftet zu werden, und es hilft in stressigen Situationen ruhig zu
bleiben.

fit sein: Stundenlanges Herumgewusel kann ganz schön anstrengend werden. Darum
versucht nach Möglichkeit auszuschlafen und ausreichend zu essen und zu trinken.
Auch von Alkohol&Drogen lasst ihr im Vorfeld normalerweise besser die Finger -
sie beeinträchtigen Reaktions- und Wahrnehmungsvermögen. Nehmt aber unbedingt
Wasser und Nahrung mit. 

Kleidung : Zieht euch der Situation angemessen an. Wichtig ist Kleidung, in der
ihr euch wohlfühlt und schnell und beweglich bleibt. Schuhe sollten sowohl zum
rennen wie zum Klettern geeignet sein. Stellt im Zweifelsfall auch euer Ego
hintenan und kleidet euch etwas unauffälliger als beim Punk-Konzert (Es sei denn
natürlich für eine Pink&Silver oder Karneval-Aktion). Sehr zu empfehlen sind
Wechselklamotten im Rucksack, die ihr nach einem Wasserwerfer/Tränengas-Einsatz
anziehen könnt, bez. wenn ihr aus irgendeinem Grund darauf angewiesen seid,
nicht wiedererkannt zu werden. Wenns etwas heftiger hergeht, denkt an Handschuhe
(hilft gegen Fingerabdrücke, Stacheldraht Splitter und ermöglicht das
Zurückwerfen von Tränengasgranaten). Auch einen Schal o.ä. mitzunehmen ist nie
doof, beachtet aber daß Vermummung in der Öffentlichkeit in Luxemburg
zumindestens theoretisch verboten ist (Tip : mensch kann sich auch ganz gut
einfach mit einem um den Kopf gewickelten T-shirt vermummen) . Nierengurte,
Gelenkschoner und andere "passiv-Bewaffnung" (wie einst die Tutti Bianche) u.ä.
sind ebenfalls je nach Situation sinnvoll. Ohrringe und Piercings zieht ihr am
besten aus oder überklebt sie mit einem Pflaster, das kann sonst hässliche
Verletzungen geben. 

Nur das Nötigste : Nehmt unbedingt euren Personalausweis und je nachdem eine
Telefonkarte mit. Adressbücher (darauf sind die Bullen scharf), unnötige
Telefonnummern und interne Papiere irgendwelcher Gruppen hingegen lasst ihr auf
jeden Fall zuhause. Auch Fahrräder und anderes hinderliche Zeugs bleiben besser
woanders. Kinder und Hunde müssen ebenfalls nicht unbedingt in stressige
Situationen mitgeschleppt werden. 

2) In Aktion 

Ordnung ist das halbe Leben : Bleibt in eurem Gruppen zusammen. Es ist sinnvoll,
euch einen Gruppennamen zu geben, so daß ihr nicht ständig jede(n) einzeln mit
Namen rufen müsst. Je nach Aktionsform kann es nicht schaden, sich unterzuhaken
und in Ketten zu gehen, das ermöglicht geschlossenes (Vor)gehen bei guter
Stimmung - und erschwert es (Zivil)PolizistInnen sich unter die Leute zu
mischen. Bei Polizeiangriffen ist es auf jeden Fall sinnvoll, Ketten zu bilden.
Durch zusammenschließen und ein bisschen zurückdrücken läßt sich oft schon viel
erreichen. Panik und Wegrennen ist dagegen meist das falscheste was ihr tun
könnt. Oftmals können Übergriffe allein durch das geordnete Kettenbilden und
Stehenbleiben abgewehrt, das Spalten der Demo, das Rausziehen von einzelnen
Personen und das Liegenbleiben von Verletzten verhindert werden. Immer versuchen
ruhig und geschlossen zu bleiben, dann kommt es auch nicht zu Situationen die
völlig eurer Kontrolle entglitten sind. (Und auch nicht dazu daß einzelne
Personen von uns sich Führer aufspielen und Aktionen zu lenken versuchen). 

Im Gegensatz zu Deutschland sind Kessel und Massenprügeleien u.ä. in Luxemburg
nicht üblich, schon wegen fehlender Polizeikräfte. Die Luxemburger Polizei
trainiert ihre Riot-Einsätze zusammen mit der Belgischen Polizei - und wendet
(zumindest nach den bisherigen Erfahrungen) auch eine ähnliche Taktik wie diese
an : dabei treibt eine mittelmässige Anzahl von Bullen die Menschenmassen
auseinander oder zurück, wobei die Wasserwerfer gerne auch schon vor dem
Schlagstock eingesetzt werden. Parallel verhaften Greiftrupps gezielt einzelne
Personen oder machen Jagd auf kleinere Gruppen , während der Rest zurückgedrängt
wird. In der Vergangenheit haben sich in Luxemburg insbesondere gewisse
Sonderschlägertrupps - manchmal zivil gekleidet- durch übermässige Arroganz und
rücksichtlose Brutalität immer wieder hervorgetan. Hunde und Pferde werden
dagegen noch kaum eingesetzt.

Deshalb auch nach der Demo unbedingt wieder zusammen nachhause gehen. Oftmals
werden gerade, wenn schon alles gelaufen zu sein scheint, Leute abgegriffen.
Wie bereits erwähnt, können Kleidertausch und Vermummung hilfreich sein wenn ihr
aus irgendeinem Grunde nicht auf Fotos oder Überwachungsbändern erkannt werden
wollt. In dem Zusammenhang sei auch nochmal darauf hingewiesen, daß es absolut
doof ist, Fotos von Aktionen oder Menschen zu machen/veröffentlichen, ohne das
vorher abzusprechen, was leider immer wieder vorkommt. Es wär nichts neues daß
Polizei Filme beschlagnahmt oder Internetseiten durchforstet (dies gilt auch für
Nazis) in der Hoffnung Personen identifizieren und zuordnen zu können. 

Bei grösseren Anlässen gibts normalerweise "legal teams" die ausserhalb des
Gefahrenbereiches bleiben und die Antirepressionsarbeit koordinieren, und bei
denen ihr euch melden könnt, wenn ihr Übergriffe oder Verhaftungen beobachtet
oder erlitten habt. Wenn solche Gruppen vorhanden sind, wird zu Anfang darauf
hingewiesen. Macht Übergriffe auf jeden Fall öffentlich. 

3) Bei Festnahmen und danach 

Wirst du festgenommen, laut schreien oder so, um die Menschen auf dich
aufmerksam zu machen. Je nach Situation einschätzen, ob es sich lohnt, noch
wegzulaufen ; bez. für Aussenstehende, ob es möglich ist Leute wieder zu befreien. 

Wenn sie euch dann doch einmal haben, heisst es ruhig bleiben und nicht
einschüchtern lassen. Spätestens nach 24 Stunden müssen sie euch freilassen oder
aber einen richterlichen Haftbefehl vorweisen koennen 

Vor allem aber : nix zu Sache sagen. Weder mit den Bullen noch mit Mitgefangenen
(Big Brother ist unter uns) über die Umstände deiner Verhaftung diskutieren, und
gegenüber der Staatsmacht absolut keinerlei Aussagen machen. Nur was auf dem
Personalausweis steht, sonst rein GAR NIX ! Nicht zu den Aktionen, den
politischen Gruppen, nicht zu euren Gewohnheiten, nicht zum Wetter und nichts zu
sonst irgendetwas. Was auch immer ihr vorbringen wollt, behaltet es für euch.
Alles was ihr der Polizei sagt, wird nur gegen euch verwendet. Wenn es zu einer
Anklage kommt, habt ihr später immer noch genug Zeit mit einem Anwalt
abzuquatschen was ihr sagen wollt. Fallt nicht auf "böse Bulle, guter Bulle"
Spiele rein, unterschreibt keine dubiosen Protokolle usw., und verlangt für
alles beschlagnahmte Zeugs eine Quittung. 

Wenn ihr wieder draussen seid, schreibt Berichte und macht diese öffentlich.
Das, was sie wollen, dich alleine herausgreifen und einschüchtern, funktioniert
nur solange, wie du ihr Spiel mitspielst. Wenn wir uns gemeinsam wehren,
funktioniert ihre Vereinzelungsstrategie nicht mehr. Wenn ihr nach einer
Personalienfeststellung/Verhaftung nochmal eine Vorladung von der Polizei
bekommt, werft sie in den Müll. Ihr seid nicht verpflichtet irgendeine Aussage
zur Sache zu machen, noch überhaupt dahin zu gehen. Wenn ihr Post vom Gericht
kriegt, ist die Sache schon heikler. Hier unbedingt einen Anwalt oder zumindest
eine Rechtshilfegruppe kontaktieren. 

4) Verletzungen 

Wenn Menschen auf dem Boden liegen, versucht, Panik zu vermeiden und Ketten um
die Verletzten zu bilden, so daß sie geborgen werden können. Verletzte niemals
alleine lassen, sondern ausserhalb des Gefahrenbereiches bringen, versorgen und
beruhigen, denn oft genug kommt zu den Verletzungen auch noch ein Schock. Leider
ist es in Luxemburg bisher noch nicht üblich daß es Demosanis gibt, deshalb ist
es sehr angebracht selbst ein Minimum an Erste-Hilfe Materialen dabeizuhaben.
Ruft im Zweifelsfall (Kopfverletzungen, Verdacht auf innere Verletzungen usw.)
aber lieber auch sofort einen Krankenwagen. 

Leider ist Verletzungen zufügen eine der Sachen, die die Polizei besonders gut
drauf hat. Darum kann es nicht schaden, wenn ihr wenigstens ein bisschen Ahnung
von den Waffen, Techniken und deren Wirkung habt. Die Seite der autonomen
DemoSanis bietet hier einen guten Einblick. 

Tränengas ist auch in Luxemburg sehr in Mode gekommen und wird mittlerweile gern
gegen "Chaoten" eingesetzt. Klassisches Tränengas ist nicht wirklich ein Gas,
sondern ein Aerosol , d.h. kleinste Kristallteilchen die durch diverse
Trägerstoffe auf verschiedenste Arten freigesetzt wird : zB. in
Geschossen/Granaten, aus handlichen Sprühgeräten oder als Wasserwerferzusätze.
Tränengas wirkt sowohl über die Augen wie die Atemwege. Das heute
gebräuchlichste ist Pfefferspray (OC/"Oleoresin capsicum") , ein verdünnter
Pfefferschoten-Extrakt, das angeblich weniger gefährlich und doch wirksamer ist
als die alten CN/CS -Stoffe. Gegen Tränengas hilft natürlich am besten eine
Gasmaske. die sowohl Augen wie Atemwege abdeckt. Wenn eine solche nicht zur Hand
ist, ist eine normale Atemmaske (mit Wechselfilter) oder wenigstens ein Schal
sinnvoll, für die Augen am praktischsten eine Schibrille. (schützt auch vor
fiesen Gummigeschosstreffern im Augenbereich). Entgegen zirkulierenden Gerüchten
ist es nicht zu empfehlen, Schals in Essig/Zitronensaft zu tränken, weil sich
darin dann die Kampfstoffe gefährlich ansammeln ohne daß ihr es merkt. 
Die erste Hilfe bei Tränengas ist das Augenspülen. Dafür braucht ihr eine
Flasche mit Leitungswasser, am besten geeignet sind so Radfahrerflaschen mit
kleinerer Öffnung. Öffnet das Auge mit den Fingern einer Hand Lege den Kopf des
verletzten Menschen so zurück, dass Du gut an die Augen herankommst. Haltet den
Kopf schief, damit das Wasser nicht das Tränengas von einem Auge in das andere
spült. Stelle Dich zum Augenspülen am besten hinter die verletzte Person. Jetzt
das Auge ohne Druck von der Nasenwurzel her nach aussen spülen, solange, bis der
Schmerz aufhört. 

Andere Verletzungen stammen meist von Knüppeln, Schlägen, Hebeln und
Wasserwerfern. Die Polizei in Luxemburg benutzt verschiedenste Arten von
Gummiknüppeln (zur Riot-Ausrüstung gehört etwa ein langer dünner Stock) sowie
Tonfas. Ihr könnt versuchen, auszuweichen und abzuwehren, im Zweifelsfall aber
lieber wegrennen als den Helden spielen. Gegen die Gelenkhebel und
"Polizeigriffe" hilft eigentlich auch nur ausweichen und darauf achten, daß sie
nicht eure Hände und Arme zu fassen kriegen. Auch ein Wasserwerfer kann eine
ganz schöne Wucht entfalten, hier hilft alles was den Strahl ablenkt oder
dämpft, zB. Rucksäcke, Schilder aller Art usw. Bei Verhaftungen benutzt die
luxemburger Polizei die üblichen Plastikfesseln - wenn ihr sie angelegt kriegt,
spannt eure Hände an und kreuzt die Gelenke, dann können sie sie nicht so fest
zuschnüren. (zu enge Plastikfesseln verursachen nachhaltige Verletzungen)

5) Zu guter letzt 

Das sind alles nur Tipps, wie sie aufgrund der bisherigen Erfahrungen formuliert
werden können. Sie ersetzen nicht eure eigene kritische Reflexion und gründliche
Vorbereitung, und schützen nicht vor blauen Flecken ; und auch nicht vor
neuartigen Situationen. Wir denken aber, daß es für Luxemburger Verhältnisse -
wo das aktuelle Eskalationsniveau erstmal noch neu ist und die Polizei noch
recht unerfahren- schon sehr viel hilft, wenn diese Tipps in die Praxis
umgesetzt werden. Dies sind natürlich alles Defensiv-tipps. Es gibt natürlich
auch immer Leute,die sich Sachen überlegen wie die Polizei etc. anzugreifen wäre
... aber das ist allerdings strafbar, deswegen werden wir euch hier auch nix
dazu sagen, denn Gesetze sind ja dazu da dass mensch sich dran hält (oder?) Es
sei dabei auch darauf hingewiesen, dass die Luxemburger Justiz nicht gerade
zimperlich ist, Menschen in U-haft zu stecken und anzuklagen auch für
Kleinigkeiten, also macht keine Dummheiten.

Wir haben uns bei der Abfassung dieses Textes natürlich an dem klassischen
Klassiker inspiriert, der Roten-Hilfe Broschüre "was tun wenns brennt", die ihr
auf http://www.rote-hilfe.de/finden könnt. Zum Thema Aussageverweigerung noch
immer lesenswert : ein älterer Text aus der Radikal 

In dem Sinne, wir machen diese Welt, wie sie uns gefällt ..... solidarisch, 

AK Anarchie&Antirepression

[www.eurotp.tk]


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Anti-G8 Gathering 6.-10. April - Lernt Nützliche Fähigkeiten, Vernetzt Euch,
Findet Inspiration - Werdet Aktiv

Das Dissent! Festival

6.-10. April in Lanarkshire... Die Chance, Widerstandsnetzwerke zu bilden... die
Chance, Pläne zu schmieden, Sachen anzuzetteln, und sich Widerstand zu der G8
vorzustellen... Leute kennenzulernen, Fähigkeiten zu lernen, Informationen
auszutauschen, direkte Aktion zu üben, und zusammen Party zu machen. 

Die G8 ist die jährliche Zusammenkunft der Delegierten der mächtigsten Länder
der Welt. Sie ist ein bedeutendes Symbol des Kapitalismus: ein Gipfel, bei der
reiche Regierungen planen wie sie reich bleiben können. Seit 1998 haben diese
Gipfel überall wo sie versucht haben stattzufinden, Widerstand erfahren.
Proteste sind auf jedem Kontinent ausgebrochen, angetrieben von Abscheu gegen
die Extreme von Reich und Arm, militärische Repression, und den ökologischen
Kollaps. In Juli 2005 kommt die G8 nach Grossbritannien. 

Dissent! ist ein Netzwerk von Individuen und Gruppen die planen, kreative
direkte Aktionen und zivilen Ungehorsam zu nutzen, um gegen die G8 in
Grossbritannien Widerstand zu leisten. Es hat keine AnführerInnen, keine
Mitgliedschaftslisten, und keine bezahlten MitarbeiterInnen. Bisherige
Aktionsideen sind u.a. Angriffe auf die Öl- und Kriegsindustrien, die praktische
Regenerierung von vernachlässigten Gemeinden in Schottland, und Störung des
Gipfels an sich. Dissent! hat die Funktion einer Anlaufstelle zwecks
Ko-rdination des Widerstandes zur G8, sowie für weitere radikale Aktionen gegen
den Kapitalismus in der Zukunft. 

Das Dissent! Festival wird die beste Möglichkeit bieten, sich vor dem Gipfel
zusammenzutun, Fähigkeiten zu lernen, Infos auszutauschen, Pläne zu schmieden,
und sich inspirieren zu lassen von den Protesten während des Gipfels.

Workshops:
*Aktionsplanung während der G8 *Training für direkte Aktionen *Hintergrund zur
G8 *Konsens-entscheidungen *Blockaden *Bergsteigen und Navigation
*Konzerns-interessen in der G8 *Schottische Gesetze und Legales Training *CIRCA
*SanitäterInnentraining *Aktionsinformationen *und vieles vieles mehr.

Für mehr Informationen schaut bei www.dissent.org.uk

Um sich für das Festival anzumelden, oder Hilfe anzubieten, schreibt uns -
email: festivalofdissent(at)riseup.net oder Box 8, 245 Gladstone Street, Forest
Fields,
Nottingham.

Alle Angaben zum genauen Veranstaltungsort werden an diejenigen die sich
anmelden geschickt. Haupt-Bahnhöfe und Busbahnhöfe in der Nähe sind in Glasgow.

[g8resist2005 at lists.kommunikationssystem.de]



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