[gipfelsoli] Gleneagles -- Genua -- Heiligendamm

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Sam Jul 30 21:43:54 CEST 2005


- Witnesses/evidence needed for wrongful arrest at G8
- Undercover gegen GlobalisierungskritikerInnen
- Interview mit Carlo Giulianis Mutter
- Tagungsorte in Heiligendamm

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Witnesses/evidence needed for wrongful arrest at G8
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Call 1:

CALLOUT FOR FOOTAGE/WITNESSES OF WRONGFUL ARREST AT G8 A9 BLOCKADE 6/7/05

We urgently need to get in contact with anyone who may have filmed or witnessed
a blockade action on the A9 near Greenloaning on July 6 where a man was
wrongfully arrested for assaulting a police officer.

The action took place at around 10:30-10:45am just past Greenloaning junction,
between West Third and Williamsfield. Just before people ran onto the A9 there
was a mass moonie at the top of the hill overlooking the road. The man was one
of the first in the road and he ran about for about 15 seconds before he was
arrested.

The police claim that when he climbed over the fence beside the road he jumped
onto a woman police constable and knocked her to the floor.

There was a camera crew present, and the man believes he was filmed climbing
over the fence and being arrested, but no one found out who the crew were or
what organisation they were with.

The charges he faces are very serious and we need to get in touch with anyone
who might have evidence relavent to his defence as soon as possible.

If you think you may have witnessed or filmed this action, or know who the
camera crew were, please phone David on 07716 013158 or email:
davidg8legal at hotmail.com

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Call 2

Call out for other prissoner from back of police van arrested after A9 action:

I was arrested on a blockade of the A9 on Wednesday 6th Jully. I was put in the
front of the police van but there was another prissoner in the cell at the
back. We were taken to Perth police station. I urgently need to get in contact
with him, he will have seen and heard some stuff in the van that's vital to my
deffence.

I was arrested at 10.30-10.45am on a blockade action of the A9. I was put in a
police van on my own for a while and then moved to another van with a load of
police from North Yorkshire. There was already another prissoner in the cell
bit at the back of the van so I was put in the front with the police. I
couldn't see the other prissoner through the tinted glass but he would have
been able to see me. I'm white, 28, male, skinny, short messy hair, stubble and
wearing a marroon hoodie with go-faster stripes. We were taken to Perth police
station but had to sit outside in the van for 2 or 3 hours because all the
holding cells were full. At one point while we were outside the police station
I was allowed to give him some of my bread and humus.
I urgently need to get in contact with this other person, I think he will have
seen and heard some stuff vital to my deffence.

David
e-mail: davidg8legal at hotmail.com

[international-g82005]


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Undercover gegen GlobalisierungskritikerInnen
Wie ein rechtes britischen Boulevardblattes zur Kriminalisierung von
GlobalisierungskritikerInnen beigetragen hat

Wie eine rechte Massenzeitung in Schottland Polizeiarbeit macht
- Ein Nachtrag zu den Globalisierungsprotesten in Schottland
Die englische Zeitung „News oft the World“ http://www.newsoftheworld.co.uk/)
sieht in der Aufmachung und im Layout aus wie die Bildzeitung in Deutschland.
Auch politisch dürfte es viele Überschneidung geben. Nur begnügen sich die
britischen Boulevardjournalisten nicht mit dem Abdruck von Polizeimeldungen,
wenn es um politische und soziale Bewegungen geht. Sie übernehmen die
Polizeiarbeit noch gratis mit. So rühmte sich der News oft the World-Journalist
Craig Jackson einer Undercover-Arbeit der besonderen Art. „Unser Reporter
infiltrierte die Strukturen von dissent, der wichtigsten anarchistischen Gruppe
bei den G8-Protesten Anfang Juli in Schottland“ schreibt das Blatt. Dann folgen
vier Seiten, die sich eigentlich eher wie Polizeiakten als wie die Seiten einer
Zeitung lesen. Führende Aktivisten der linken Proteste aus Großbritannien,
Griechenland und Italien werden der Art eines Fahndungsfotos vorgestellt und in
die Nähe von militanten Aktionen gebracht. Die Fotos hat der „Journalist“ in
seiner erfundenen Rolle als linker Aktivist gemacht, der vorgegeben hat, in den
Strukturen von Dissent, dem Protestnetzwerk gegen G8, mitarbeiten zu wollen.

Außerdem hat er im Text zu einigen Aktivisten weitere Angaben, wie Alter und
Wohnort gemacht. Wahrscheinlich sind das die Informationen, die ein
vermeintlicher Sympathisant schon mitbekommt, wenn er in den Strukturen
arbeitet. Daneben scheint Jackson auch Zugang zu dem Email-Verkehr zwischen
linken Gruppen aus Schottland und dem Ausland bekommen haben. So werden
Ausschnitte aus Anfragen nach Schlafplätzen und den politischen Bedingungen vor
Ort in dem Blatt zitiert.

Angereichert ist der Beitrag mit der üblichen Sprache rechter Hetzmedien. So
darf der Begriff „Black Block“ nicht fehlen. Das ist dem Gipfel 2001 in Genua
ein immer wieder gern gebrauchtes Schlagwort gegen linke Gruppen. Legal
arbeitende linke Gruppen aus Großbritannien und dem Ausland werden in dem
Artikel als kriminell und terroristisch bezeichnet. Auch der Begriff des
„Europäischen Anarchistischen Terror-Netzwerk“ fällt. Diese neue Wortschätzung
dürfte wohl bald in den Sprachschatz von internationalen Staatsschutzbehörden
und ihren Computern eingehen.
Methoden wie die von Craig Jackson sind sicher nicht ungewöhnlich in einer Zeit,
wo sich nicht wenige JournalistInnen als Sprachrohr des Staates und seiner
Interessen gerieren. Im Zeitalter des Medienaktivismus, der auch viele linken
Gruppen erfasst hat, haben es solche Leute einfacher, an Informationen zu
kommen. Weil eben die Gruppen nicht mehr so verschlossen wie früher sind, ist
man auch nicht mehr so misstraurig gegenüber neuen Ansätzen.

Das ist ja insgesamt eine positive Entwicklung. Doch trotzdem muss man sich
gegen Methoden a la „News oft the World“ wehren. Das ist im Interesse der
Bewegungen aber auch von JournalistInnen, die sich nicht als
StaatsschutzschreiberInnen verstehen.

Peter Nowak

Kommentar zu dem Beitrag:
Schnews kommentiert den Artikel in der recht lesenswerten Presseschau nach den
Protesten so:

Den Vogel abgeschossen hat der "News of the World" Artikel am 10. Juli über
ihren "Agenten", der undercover auf dem Stirling Camp war, um zu zeigen, dass
die Anarchisten eine gewaltätige Riot planen. Der Artikel benennt die
"Anführer" und zeigt Photos von ihnen, die offensichtlich jeden in Europa aller
politischer Schatierungen dazu aufgerufen hatten sich dem Spass anzuschliessen.
Für sie war das Dissent Netzwerk eine "gut ausgestattete internationale
Organisation darauf ausgerichtet zu stören und mit dabei war auch noch das
französische "Europäische Anarchistische Terror Netzwerk", zusammen mit
rechtsextremen Gruppen, wie den italienischen Ultras und sogar der berüchtigten
Nazi Schlägertruppe Combat 18...

[...]

[Peter Nowak]

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Interview mit Carlo Giulianis Mutter

Am 20. Juli 2001 wurde der damals 23jährige Carlo Giuliani als Teilnehmer der
Proteste gegen den in Genua stattfindenden G8-Gipfel in der Piazza Alimonda von
einem Angehörigen der Carabinieri erschossen. Im Zusammenhang mit den Aktionen
zum 4.Jahrestag seines Todes führte die unabhängige, linke italienische
Tageszeitung „il manifesto“ ein Interview mit seiner Mutter Haidi Giuliani, die
zu den Organisator(inn)en gehört. Das Interview erschien am 21.7.2005.

INTERVIEW:

Haidi: Die Erinnerung ist Anklage

Die Mutter von Carlo ((Giuliani)): „Zu oft haben wir in Italien vergessen.“

LORIS CAMPETTI

Don Andrea Gallo, der ((dem radikalen Flügel der italienischen
Antiglobalisierungs-Bewegung angehörende)) Engelsgleiche Anarchist, wie er sich
in seinem letzen Buch bezeichnet, beschreibt sie als eine „außerordentliche
kleine Frau“ und er hat Recht. Wenn sich gestern – vier Jahre nach jenem aus
der Beretta 92, Kaliber 9mm abgefeuerten Schuss, die zur Ausrüstung des
Carabiniere gehörte, der Carlo tötete – die Piazza Alimonda wieder mit Menschen
füllte, dann dank der kleinen Haidi Giuliani. Dank ihrer Zähigkeit und ihrer
Fähigkeit, den besten Teil dieses vergesslichen Landes um sich herum zu
sammeln. Wir haben am Ende der bewegenden Zeremonie an dem Ort mit ihr
gesprochen, der für Viele seit langem „Piazza Carlo Giuliani – ragazzo (Junge)“
heißt, dem Ort, an dem eine kleine Säule zur Erinnerung an den Sohn von Haidi
und Giuliano errichtet werden soll, sobald es die Gemeinde Genua erlaubt. Die
Entscheidung darüber wird für kommenden Montag erwartet.

Wieder hier, Haidi – nach vier Jahren. Welche Bedeutung hat dieses Treffen ?

„Schau’, ich sitze hier auf der Stufe, auf der ich in den ersten Monaten nach
dem Tod von Carlo Tag und Nacht gesessen habe. Ich tue das nicht, um mich in
Szene zu setzen – glaub’ mir – ich suche keine Aufmerksamkeit. Es ist nur so:
Wenn wir aufhören würden, uns zusammenzufinden und an das zu erinnern, was hier
geschehen ist, würde ein großer Stein ((im übertragenen Sinne: ‚ein großer
Teppich’)) über die Fakten von Genua gelegt. Denk’ daran, wie oft das in den
letzten Jahrzehnten in Italien der Fall war !“

An Carlo zu erinnern, hilft uns zu reflektieren. Wie sieht Deine Reflektion
heute aus ?

„Carlo sagt uns, dass die Demokratie ein vorläufiges Gut ist, dessen Grenzen
gemäß den Interessen der Macht verschoben werden. Auch die Legalität ist
flexibel geworden. Wir haben eine wunderbare Verfassung, die uns schützt, die
uns bedeutende Garantien gibt. Leider wird sie nicht angewandt und nicht
respektiert. Ich spreche nicht nur von der Piazza Alimonda und dem G8-Gipfel
von 2001. Ich denke daran, wie die Migranten behandelt werden, an die
Sammellager (CPT) und an viele andere Dinge.“

Es sind viele Leute hier. Weitere werden zum Konzert kommen, zur Ausstellung und
den Debatten dieser Aktionstage für Carlo. Wenn es einen Abwesenden gibt, dann
ist es die Politik. Auch unsere.

„Ich schaue, meinem Charakter entsprechend, immer auf die Leute und Leute sehe
ich. Es sind Leute, die Politik machen. Für mich ist das die Politik – die
wirkliche Politik. Wenn Du von groß geschriebener ‚Politik’ sprichst, hast Du
Recht, aber zu verallgemeinern bringt nichts. Um die Kosten zu decken, die mit
den Aktionen dieser Tage verbunden sind, wurde uns – wie in den vergangenen
Jahren – von der Provinz und von den ((den Linksdemokraten (DS) nahe stehenden
und sehr etablierten)) Kooperativen geholfen. Nur so gelingt es uns, das
Theater für die Ausstellung zu bezahlen. Eine Abwesenheit verletzt mich
besonders und das ist das Genua, das zuschaut. Es sind Genossen aus Genua,
viele Jugendliche und Freunde von Carlo hier auf der piazza, aber die von
außerhalb (aus ganz Italien) kommenden Leute sind vielleicht sogar in der
Überzahl.“

Die Erinnerungen, betonen die Jugendlichen der genuesischen centri sociali
(Sozialen Zentren), kann kein Paket sein, das in den Gefrierschrank gelegt
wird, sondern muss durch das kollektive Handeln mit Leben erfüllt werden. Bist
Du damit einverstanden ?

„Die Erinnerung besitzt dann einen Wert, wenn sie Anklage ist. Ich hoffe die in
diesen Tagen, auf der piazza, bei den Konzerten, bei der Ausstellung und in den
Debatten weiterhin erheben zu können. Und zwar weil ich sehr große Angst vor der
Gleichgültigkeit des Landes habe. Ich verfolge die Prozesse aus der Nähe und
fordere auch Euch auf, sie mit großer Aufmerksamkeit zu verfolgen. Der Prozess
gegen die 25 Demonstranten ist ein Prozess gegen uns alle, die wir nicht auf
das Anprangern verzichten. Wir müssen denjenigen, die sich auf der juristischen
Seite engagieren, auch finanziell helfen.“

((Vorbemerkung, Übersetzung und Einfügungen in doppelten Klammern:
Antifa-AG der Uni Hannover und Gewerkschaftsforum Hannover))

e-Mail:: KEINSPAM.antifa.unihannover at my-mail.ch | Homepage::
http://antifa.unihannover.tripod.com | Anschrift:: gewerkschaftsforum-H at web.de
|

[indymedia.de, von Loris Campetti - 25.07.2005 19:34]


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Tagungsorte in Heiligendamm
AHGZ Nr. 35/2004 vom 28. August 2004

HEILIGENDAMM (mg). Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Otto Ebnet rührt
auf politischer Bühne die Werbetrommel, um das turnusgemäß 2007 in Deutschland
stattfindende Gipfeltreffen der G8-Staaten nach Mecklenburg-Vorpommern zu
holen. Mit den Worten: „Wir haben das beste Angebot“, verweist er auf das
Seeheilbad Heiligendamm mit seinem Kempinski Grand Hotel als Tagungsstätte. Die
Weiße Stadt am Meer als ein geschlossenes architektonisches Ensemble bietet
hinsichtlich des Sicherheitsaspektes beste Voraussetzungen. Im Gefolge der
Staatschefs der acht führenden Industrienationen werden zum Gipfel rund 2500
Delegierte, Wirtschaftsexperten, Übersetzer und Journalisten erwartet. Für
diese bietet sich ausreichend hochkarätige Hotelkapazität in Rostock,
Warnemünde und Kühlungsborn an. Bestens geeignet als Pressezentrum sei die
Messehalle auf dem IGA-Gelände in Rostock.

[http://www.ahgz.de/regional/2004,35,408161898.html]