[gipfelsoli] Gleneagles
gipfelsoli-l at lists.nadir.org
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Sam Jul 23 21:44:10 CEST 2005
von den blockaden [von dissent e-mail-mäßig rumgeschickt]
die störungen durch die blockaden am eröffnungstag des diesjährigen g8 gipfels
waren so massiv, dass ganze delegationen ihre ankunft cancelten oder sich bis
zum späten nachmittag verspäteten. es folgt eine reihe von berichten des tages
und infos aus insiderkreisen. wir fügen einige einleitende analysen über das
blockde konzept an. der ort für den gipfel wurde mit dem golf hotel in
gleneagles in dem glauben gewählt, dass seinen abgeschiedenheit effektivem
protest vorbeugen würde. am ende führte gerade diese abgeschiedenheit dazu,
dass demonstrantInnen von den umliegenden wäldern und hügeln auftauchen
konnten, die polizei in ungewohntes terrain zwangen und sie ausmanövrierten,
bis die strassen schottlands paralysiert waren.
die demonstrantInnen waren auf drei convergence center verteilt - jeweils eines
in edinburgh, glasgow und das ecovillage auf dem land in der nähe von
gleneagles. während dieser umstand die kommunikation zwischen uns schwierig
machte, stellte es aber auch die ressourcen der polizei auf eine zerreissprobe.
massiver inkompetenz ist es zu verdanken, dass die polizei fälschlicherweise der
überzeugung war, dass edinburgh der fokus der blockaden sein würde, weshalb sie
die meisten ihrer kräfte dorthin schickten. ihre entscheidung schient auf der
grundlage einer einschätzung der londoner polizeikräfte getroffen worden zu
sein, deren persönliche besessenheit bezüglich einiger individuen in den
städtischen convergence centern (mitgliedern der wombles aus london) sie blind
dafür machte, was alle anderen planten.
die leute im ecovillage planten eine reihe von blockaden auf den strassen rund
um gleneagles. es gab zwei öffentliche blockade-aktionen, die auf dem großen
plenum des ecovillage von verschiedenen gruppen vorgeschlagen wurden und denen
das plenum zustimmte - eine blockade auf der A9 (der hauptroute für die
autokolonnen von deligierten und personal) und eine andere auf der M9, einem
strategischen punkt in fussentfernung vom ecovillage. eine autoconvoy und eine
critical mass [fahrrad-haufen, anm.] sollten fliegende blockaden bilden.
die grosse schwierigkeit, der wir begegnen mussten war, dass das ecovillage von
der polizei sehr einfach abzuriegeln war (alle vorigen plätze waren durch druck
der polizei auf die landbesitzerInnen zurückgezogen worden). außerdem war die A9
einen 8 stündigen fussmarsch von ecovillage entfernt. doch das konnte uns nicht
abschrecken. gruppen mussten das ecovillage weit vor den blockaden verlassen,
die am morgen des 6.juli beginnen sollten. am morgen des 5.juli war das
ecovillage übersät mit kleinen gruppen, die im kreis um landkarten saßen und
ihre blockaden planten. über den ganzen tag hinweg kamen gruppen zum
aktions-transport-zelt, um zu ihren schlafplätzen gebracht zu werden. andere
liefen einfach über die hügel in richtung gleneagles los. bei einbruch der
dunkelheit waren die meisten der bewohnerInnen des ecovillage in den wäldern
und hügeln um gleneagles verteilt. als die polizei realisierte, was geschah war
es zu spät. am abend des 5.juli legten sie einen absperrgürtel um das camp, aber
da waren wir schon in den hügeln.
die A9 blockade
um mitternacht wurden leuchtfeuer der dissidenz [oder wie auch immer dissent zu
übersetzen wäre, anm.] auf dem gipfel der beiden größten hügel bei gleneagles
angezündet. solche leuchtfeuer werden in schottland seit jahrhunderten benutzt,
um vor drohenden invasionen zu warnen. die feuer stärkten den entschluß derer
unter uns, die sie sahen. wir waren in strömendem regen durch die wälder
gelaufen und hatten uns langsam unseren blockadepunkten genähert. über unseren
köpfen kreisten unablässig hubschrauber, manche mit starkem suchlicht, andere
mit wärmebildkameras. jedes mal, wenn einer über uns auftachte, liefen wir
unter bäume und bildeten einen kompakten klumpen, damit die polizei nicht
zählen konnte, wie viele von uns dort waren.
we kamen so zeitig an unserem blockadepunkt an, dass uns noch ein oder zwei
stunden zum schlafen blieben. wir waren klatschnass und froren, aber wir
wussten, dass es überall im wald andere gruppen wie die unsere gab, die darauf
warteten, sich im morgengrauen die wagenkolonnenroute zu nehmen. um 7 uhr früh
schlugen wir zu und zogen äste auf die A9, was schnell eine reihe autos und lkw
zum halten zwang. wir waren eine kleine gruppe von nur 40 leuten, aber wir waren
nur eine von vielen solcher gruppen, die alle an verschiedenen punkten zwischen
greenloaning und blackford auf die A9 gingen. dem verteilten character unserer
blockasde entsprechend musste sich die polizei auf die gesamte strecke
verteilen und hatte sich andererseits, durch die blockaden verursacht,
schwierigkeiten sich zu bewegen.
nach einiger zeit wurde unsere gruppe von der strasse geschubst. doch wurde uns
schnell klar, dass die polizei die strasse nicht verlassen konnte oder wollte,
um in die felder zu gehen. schnell war eine einfache strategie entwickelt. wir
sprangen auf die strasse und blockierten sie bis die polizei ausreichend kräfte
versammelt hatte, um uns von der strasse zu kriegen. dann liefen wir schnell in
die felder, bewegten uns an der strasse entlang zu einem anderen punkt und
gingen wieder rauf. das hat die polizei total durcheinander gebracht, die den
ganzen tag damit beschäftigt war, zu blockadepunkten hin und her zu fahren, die
sich einfach auflösten und woanders neu entstanden. im ergebnis gelang es uns
die A9 den ganzen tag zu halten. von zeit zu zeit konnte etwas verkehr
durchkommen, aber da die sicherheit der strasse war so unvorhersehbar, dass sie
praktisch keine kolonnen dort entlang schicken konnten. die hauptroute für
kolonnen war geschlossen und schottland komplett in zwei hälften geteilt.
fotos:
http://www.indymedia.org.uk/images/2005/07/316627.jpg
http://www.indymedia.org.uk/images/2005/07/316589.jpg
http://www.indymedia.org.uk/images/2005/07/317213.jpg
http://www.indymedia.org.uk/en2005/07/316733.html
die M9 blockade
die M9 war ausgesucht worden, weil sie eine hauptverkehrsader nach gleneagles
ist und sich in laufentfernung zum ecovillage befand. aber um dorthin zu
kommen, mussten wir durch einen cordon von etwa 50 polizisten kommen. unser
plan war wenig subtil - wir würden durchgehen. als wir so um 3 das camp
verliessen, konnten wir sie irgendwie überraschen. wir wurden als "selbstmord
bloc" tituliert und unsere methode "the big stick plan" genannt. diejenigen von
uns, die vorne liefen, hatten polsterung und dicke knüppel und schlugen sie
gegen die schilde der riot cops, die sich schnell zurückzogen. hinter uns schob
eine gruppe von schwarzgekleideten deutschen zwei einkaufswagen voller steine,
und warfen sie auf die gut gepanzerte polizei. "so machen wir ddas in
deutschland" erklärten sie den höflichen britInnen unter uns.
Wir kamen durch den cordon durch und liefen zur anschluss der M9. der polizei
gelang es schließlich, uns von der strasse in ein gewrbegebiet mit geschäften
großer ketten abzudrängen. ein autohändler, die bank of scotland, burger king,
pizza hut und pc world waren für einige von uns eine zu grosse verlockung. die
scheiben wurden eingeworfen und die kettenläden besprüht. die medien
berichteten, dass private häuser und autos angegrieffen wurden, aber das ist
nicht wahr.
leute auf fahrrädern fuhren vorneweg, um uns mit informationen über die
stellungen der polizei zu versorgen und so erreichten wir tatsächlich die
auffahrt, zu der wir wollten. später trafen wir auf andere, denen es gelungen
war, das ecovillage zu verlassen. leute liefen durch die felder, um den bullen
auszuweichen. andere gruppen nahmen sich auch die M9, u.a. eine samba band und
ein fahrradkonvoy. durch katz und mausspiele mit der polizei über ganzen tag
konnten wir dafür sorgen, dass die M9 geschlossen blieb.
fotos und video:
http://www.indymedia.org.uk/en/2005/07/316629.html
http://www.indymedia.org.uk/en/2005/07/316639.html
http://www.indymedia.org.uk/images/2005/07/316937.jpg
http://www.indymedia.org.uk/images/2005/07/316938.jpg
http://www.indymedia.org.uk/en /2005/07/317377.html
die volle ladung suicide squad http://www.counterpunch.org/tina07122005.html
fliegende blockaden
fahrradkonvoy: http://www.indymedia.org.uk/en/2005/07/316608.html
autokonvoy
dem konvoy gelang es aus dem ecovillage rauszukommen, nachdem er gestoppt worden
war. sie fuhren im schneckentempo die A9 hoch und runter und riefen "wir lieben
es, wenn leute uns blockieren" aus dem fenster. die blockiererInnen waren mehr
als glücklich, dem zu entsprechen!
Kinderprotest
http://www.indymedia.org.uk/en/2005/07/317186.html
die blockaden der bezugsgruppen
die nebenrouten wurden von kleinen "bezugsgruppen" übernommen, die sich in den
wochen vor dem gipfel im geheimen getroffen hatten. früh am morgen schlugen wir
zu und konzentrierten uns dabei auf die orte, an denen das personal
untergebracht war. wir blockierten außerdem die eisenbahnstrecke. die meisten
dieser blockaden waren "hart", d.h. es wurden tripods [hohe dreibeingestelle,
in die sich aktivistInnen einhängen, anm.d.ü.], schlösser und rohre verwendet.
auch autos wurden benutzt. die erste blockade lag bei crieff, wo neben personal
die amerikanischen delegierten untergebracht waren. im ersten auto, das wir
stoppten, sass eine gruppe amerikanischer delegierter, die zum gipfel wollten.
manche der blockaden der bezugsgruppen dauerten den ganzen tag an, während
einige nach zwei stunden beendet wurden.
yetts o´muckhart blockadefotos
http://www.indymedia.org.uk/en/2005/07/317342.html
edinburgh
diejenigen, die im jack kane center in edinburgh untergekommen waren,
entschieden sich, das sheraton hotel zu blockieren, in den eine reihe
delegierter wohnten. die japanische delegation verspätete sich um eine
zusätzliche halbe stunde, die sie brauchte, um aus dem hotel herauszukommen.
obwohl sich zeigte, dass die blockade klein war, so führte sich doch zu einer
verteilung und zog die meisten polizeiressourcen in die stadt. außerdem hatte
sie den erfolg, bob geldof dazu zu zwingen, vom sheraton ins balmoral
umzuziehen.
auchterarder
in folge der blockaden war eine derart unregierbare situation entstanden, dass
die polizei eingangs die demonstration der g8 alternatives [ausrichterInnen des
gegengipfels, anm.d.ü.] abgesagt hatte. als die organisatorInnen der demo damit
drohten so oder so zu marschieren, gab die polizei nach. allerdings wurde der
beginn der demo von 12 uhr miggs auf 16.30 uhr verschoben und viele leute
zurückgewiesen. unterdessen machten sich diejenigen, die von ihren blockaden
vertrieben worden waren in richtung gleneagles auf und halfen schließlich
dabei, einen block zu bilden, der sich aus der demo heraus in richtung
sicherheitszaun bewegte und diesen niederriss. die polizei musste ihren
wachturm aufgeben, weitere polizeikräfte wurden mit chinook-hubschraubern
eingeflogen.
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analyse
DIST(http://www.tao.ca/~wrench/dist) schickte mehrere blockade-expertInnen zum
g8, um die taktik zu analysieren. diese selbsternannten revolutionären
beraterInnen produzierten folgenden ratgeber:
http://www.tao.ca/~wrench/dist/badpress/blockade_guide.html und haben einige
tips für künftige blockaden beizutragen
- wir schätzen, dass über 4000 menschen an den blockaden teilgenommen haben
- ein grund für den erfolg der blockaden liegt in ihrer vielfältigkeit. sie
alle waren autonom organisiert und oft nicht miteinander koordiniert. dies
machte es für die polizei unmöglich vorauszusagen, wo und wann etwas passieren
würde.
- die tatsache, dass so viele leute dazu bereit waren, in strömendem regen in
den feldern zu übernachten war ganz schön grossartig.
- die störungen waren massiv, aber die leute waren auch sehr nahe dran, den
gipfel komplett zu lahmzulegen (bis auf ihre feigen anführer, die mit dem
hubschrauber ankamen). ein paar verbesserungen an den blockaden und etwas
besseres wetter und die wege wären komplett dicht gewesen.
- der mangel an kommunikation zwischen den verschiedenen blockadepunkten machte
es unmöglich einzelne blockaden wiederaufzunehmen, die abgebrochen wurden. eine
weitere folge davon war, dass viele leute nichts von dem marsch auf den
sicherheitszaun wussten.
- der regen brachte es mit sich, dass viele leute nass und erschöpft bei den
blockaden ankamen und nur noch wenig energie hatten. die notwendigkeit, das
ecovillage am tag zuvor zu verlassen wurde den leuten nicht rechtzeitig
mitgeteilt, als dass sich diese noch auf solche bedingungen hätten vorbereiten
können. die unmöglichkeit einen convergence space für einen längeren zeitraum
zu finden führte dazu, dass es nicht genug zeit gab, um blockaden zu planen und
vorzubereiten. wie dem auch sei; die tatsache, dass die meisten leute zusammen
im ecovillage waren führte dazu, dass sie leicht miteinander sprechen und
taktiken erarbeiten konnten.
- während die informelle natur des plans einerseits dazu führte, dass die
polizei kaum eine ahnung davon hatte, was passieren würde, so hatte es
andeererseits zur folge, dass viele leute ärger hatten, weil sie in
geschehnisse hineinstolperten. eine etwas offenere kommunikation einiger der
pläne hätte es mehr leuten ermöglicht teilzunehmen. wer nicht auf den großen
plena war, hat wenig davon mitbekommen was los ist. zusätzliche
kommunikationswege (insbesondere mit den andern convergence centern) wären
hilfreich gewesen.
- die öffentlichen hit and run blockaden scheinen effizienter gewesen zu sein
als die 'harten' der bezugsgruppen. mehr öffentliche blockaden entlang einiger
der wichtigeren ausweichrouten wären sinnvoll gewesen.
- leute haben oft den drang sich mitten auf die strasse zu setzen oder
herumzustehen bis sie eingekesselt sind. überwindet diesen drang. herumzulaufen
oder sich zwischen den stehenden autos zu bewegen erwieß sich als effektivste
taktik. auch das rennen in die felder und anschließende zurückkehren auf die
strasse funktionierte gut.
- während viele sich die A9 vornahmen, weil sie am dichtesten beim ecovillage
lag, waren andere strassen (A9, A822) von grösserer strategischer bedeutung und
hätten mehr leute brauchen können.
- es gab unglaubliche mengen an autos im ecovillage. größere auto- und
fahrradkonvoys hätten sie wirklich fertig gemacht.
- werft mehr scheiss auf die strasse. nichts geht einem riot cop mehr auf die
nerven, als wenn er äste und steine herumtragen muss.
wenn ihr weiter infos oder tipps hinzufügen wollt schreibt an wrench at tao.ca. wir
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http://www.tao.ca/~wrench/dist/g8/2005/blockade_accounts.html
[G8resist2005]
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