[gipfelsoli] Genua

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Sam Apr 9 20:49:25 CEST 2005


Diaz: G8-Erinnerungsarbeit auf italienisch 

Als Betroffene des Polizeiueberfalls auf die Diaz-Schule, waehrend der
G8-Gipfels im Sommer 2001, besuchten wir heute gemeinsam mit einem Aktivisten
des supportolegale den damaligen Ort des Geschehens und lernten die hiesige
Umgangsform mit der Erinnerung kennen. 

Wir sind in Genua um am Auftakt des Prozesses gegen die 29 fuer den blutigen
naechtlichen Ueberfall ("Chilenische Nacht") zustaendigen Polizeichefs am 6.
April teilzunehmen. 
(Bericht siehe: www.supportolegale.org) 
Zunaechst schien alles ganz relaxed. Wir sind direkt durch den Haupteingang in
die Turnhalle gegangen. Dort haben wir einige Fotos gemacht und uns umgeschaut,
was sich veraendert hat. Ein anwesender Schulhelfer lies uns gewaehren und auch
fotographieren. Jedoch konnten wir nicht nach oben gehen, da die Tuere nach oben
abgeschlossen war. 
Wir gingen also zur anderen Seite zum Aufgang und namen dort den Lift um eine
Etage hoeher zu kommen. Das ging ganz gut und wir schauten uns im ersten Stock
um, machten ebenfalls Fotos. Ploetzlich tauchten ein paar Leute auf der anderen
Seite auf und riefen uns. Sie fragten uns wer wir sind und warum wir Fotos
machten. Die Stimmung wurde sofort aggresiv, als wir noch erklaerten, dass wir
waehrend des G8 hier zusammengeschlagen wurden und nun den Ort anschauen wollen.
Insbesondere der Hausmeister war sehr aggresiv und wollte uns gleich rauswerfen.
Die Vize-Schulleiterin war auch dort und wollte das wir warten um spaeter mit
ihr ueber eine Genehmigung zu reden. Wir haben darauf bestanden und wiederholt,
dass wir keine Fremden oder Eindringlinge sind und dass wir uns nicht
wegschicken lassen wollen. Daraufhin ist auch noch die Schulleiterin gekommen.
Sie hat uns sofort bedroht und mit dem Hausmeister zusammen angeschriehen, sie
wuerden die Polizei rufen um uns rauszuwerfen. Wir haben versucht Ihnen zu
erklaeren, was uns hier passiert ist und ob sie nicht verstehen, dass es wohl
nicht ganz angemessen ist, mit Polizei zu drohen und uns gar nicht anzuhoeren,
wo wir doch nichts weiter tun. Daraufhin wurde uns gar erklaert, sie seien hier
fuer die Sicherheit der Schueler zustaendig und muessten diese beschuetzen (vor
wem?). Wir sagten, dass wir uns von Ihnen nicht hier rauswerfen lassen wollen,
denn schliesslich sei nicht ihnen sondern uns das hier passiert und wir haetten
auch ein Recht uns den Ort nochmal anzuschauen, bevor wir z.B. vor Gericht
aussagen. Unser Begleiter vom Supporto betonte auch, dass er der Angestellte
eines Anwalts sei und autorisiert sei, sich den Ort mit uns anzuschauen.
Besonders intelligente Sprueche wie: "Das ist hier ein oeffentlicher Ort, da
koennt ihr nicht einfach reingehen" gab es auch zu hoeren. Doch das half alles
nichts, sie insistierten darauf, das wir sofort gehen muessten und drohten noch
mehrmals mit der Polizei - vor allem der unangenehme Hausmeister. Wir gingen
daraufhin die Treppe runter und trafen unten noch auf einen weiteren unangenehm
auftretenden Lehrer, der sich ebenfalls ins Gespraech mischte. Er erklaerte uns
wie sehr sie alle in Genua gelitten haetten unter den G8-Protesten. Er war total
ueberheblich und fand sich in der Situation, uns zu erklaeren, was hier passiert
waere. Wir fragten ihn, ob er wirklich glaube, dass es seine Rolle sei uns das
zu erklaeren und warum er sich das anmasst, uns rauszuwerfen. Wir waren gerade
im gehen, da kam ein Streifenwagen der Carabiniere auf den Hof gefahren. Kurz
darauf ein weiter. Vier Carabiniere kamen also auf uns zu und fragten nach
Dokumenten. Unser Begleiter erklaerte die Siuation und rief einen Anwalt an, der
auch die Presse verstaendigen sollte. Die Carabiniere - in ihrer sichtlich
ueberheblichen Genugtuung - namen uns die Papiere ab und hielten uns daraufhin
noch einige Zeit auf dem Hof fest. Inzwischen war die Schule aus und alle Kinder
verliessen die Schule direkt an uns vorbei. Viele wohl erstaunt, was die Polizei
dort tat. Gefragt hat aber niemand. Wir sprachen mehrere LeherInnen an und
fragten sie, ob sie wuessten, was hier gerade vor sich ginge und warum sie
nichts tun oder ob sie das o.k finden, so mit uns umzugehen und uns sogar die
scheiss Carabiniere noch auf den Hals zu schicken. Die stereotypen Antworten:
das ist schon o.k, ihr duerft nicht einfach reingehen, ohne nach Erlaubnis zu
fragen, will damit nichts zu tun haben, habe Hunger und will weg. Nach rund 15
Minuten gaben uns die Carabiniere die Papiere wieder und forderten uns auf, das
Gelaende zu verlassen. Weitere Infos gab's nicht, was sie nun mit den Daten
machen wollen. 
Wie die Leute von Supportolegale uns spaeter im Buero bestaetigten, stellt diese
Episode beispielhaft dar, wie hier mit dem Thema G8 umgegangen wird. Jeglicher
Ansatz, die Ereignisse von damals zu verarbeiten oder aufzuarbeiten, wird
vermieden. Die Leute fuehlen sich diffus als Opfer der Ereignisse aber sind
nicht bereit, sich selbst damit auseinanderzusetzen. Dies trifft wie wir heute
gemerkt haben sogar auf die Lehrer zu, die in diesem Gebaeude tagtaeglich
unterrichten. Wir wurden als Stoerenfriede wahrgenommen und mussten effektiv und
schnell beseitigt werden. 

[indymedia.de, von Team Illegale - 09.04.2005 02:27]



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